Novosibirsk

Gut 630 km sind zu fahren - geplant mal wieder über 3 Tage, da wir ja Zeit haben.

Zuerst nach dem Frühstück mit Oskar los. Da wir ja nicht im Womo zu Abend gegessen hatten, war der Abwasch vom Frühstück schnell erledigt und wir sind gemeinsam los. Die Stadt Omsk hat eine interessante Altstadt mit Gebäuden aus mehreren Jahrhunderten.

Die beiden saßen gestern abend auch schon dort.

Und Oskar tat mal wieder etwas für die deutsch-russische Freundschaft.

Mittlerweile ist auch hier der Frühling ausgebrochen.

Am frühen Mittag ging es dann endlich weiter. Die ersten gut 30 km waren in einem so guten Zustand, dass Oskar irgendwann hoch kam und fragte, wann wir denn endlich losfahren würden. Auch er konnte kaum glauben, dass es kein Stuckern und Hoppeln gibt. Aber wir fuhren tatsächlich - das war wohl das besten Teilstück mit Ausnahme der neuen Autobahn um Moskau herum, dass wir hier in Russland 'er'fahren durften. Ansonsten gab es Richtung Novosibirsk Strassenabschnitte, die nicht ganz passabel waren, aber mit der Strecke nach Omsk zum Glück nicht zu vergleichen.

Und wieder war ganz viel Gegend zu sehen und die Strassen gingen Kilometerweit nur gerade aus. Der Verkehr wurde mittlerweile weniger und wir waren über die Abwechslung froh, wenn uns mal ein LKW überholte - die fahren hier meistens so um die 90 km/h, wir nur 75 km/h.

Es fällt übrigens auf, dass es, je weiter wir gen Osten kommen, immer mehr Rechtslenker gibt. Das hat damit zu tun, dass die Sibirier ihre Autos sehr häufig in Japan kaufen - liegt eben neher dran als Europa.

Auch die Polizeikontrollen werden weniger. Gestern kamen wir in unsere 3. Kontrolle, doch nach dem Anschauen meines Passes und der KFZ-Zulassung, Vergleichen der Nr. mit dem Nummerschild wurde uns eine gute Fahrt gewünscht (auf Englisch) und wir durften weiter.

Nach der vorletzten Nacht hatten wir Bedenken, noch einmal auf einer Wiese zu übernachten. Dazu kam, dass fast überall Sumpfstellen vorhanden waren und so entschlossen wir uns, ausnahmsweise auf einer Raststätte zu übernachten.

Dort gab es auch 2 Kamaz, das sind russische LKW, in diesem Fall als Dreiachser, Allradantrieb und mit einem Wohnkoffer drauf.

Mich interessierten die Autos und so konnte ich mich nicht zurücknehmen und sprach die Jungs an. Gleich wurde ich auf einen Schnaps eingeladen, doch wir wollten noch erst die Raststätte nutzen und Essen gehen.

Danach konnten wir es uns nicht verkneifen und nahmen die Einladung an.

Es gab zuerst Wodka, danach so roten Schnaps, beides aus Pet-Flaschen. Ob das gekauftes oder selbstgebranntes war – keine Ahnung. Aber es schmeckte.

Einer von den Männern konnte ganz wenig Englisch, einer brachte so 3 deutsche Wörter zusammen. Es wurden ganz lustige 2 Stunden. Wir waren alle am Radebrechen, aber man hat sich sehr gut verstanden.

Das Auto sah allerdings von innen aus.... Oskar konnte vom Fußboden essen, es war genug da. Das Wurststück, das er bekam, schluckte er gleich in einem Stück herunter.

Auch der Fisch schmeckt übrigens sehr gut. Der Fisch wurde ausgenommen, getrocknet und geräuchert und hält sich ohne Kühlung. Ein paar davon liegen jetzt in einem unserer Staukästen und warten darauf, von uns mal so langsam gegessen zu werden.

Brigitte bekam auch ein Glas von Mamutschka gemachte Paprikasoße geschenkt.. Wir wollen die demnächst mal probieren.

Die Männer schlafen zu viert in dem Koffer, wenn wir sie richtig verstanden haben, dann fahren sie immer von Omsk nach Novosibirsk und wieder zurück. Sie hatten auch Blaumänner im Wagen hängen, aber was sie wirklich beruflich tun, haben wir nicht begriffen.

Sie kamen dann auch rüber zu uns, unser Auto anzusehen. Einer von den Männern hatte seinen Fotoaparat dabei und fotographierte wirklich alles, sogar den Kühlschrank öffnete er und machte ein Bild davon.

Am nächsten Morgen weckte uns der erste LKW schon kurz vor 6 Uhr – das war hoffentlich das einzige Mal, dass wir auf einer Raststätte übernachten müssen.

Und so ganz gut fühlten wir uns am Morgen auch nicht, irgendetwas musste an der Wurst gelegen haben. 

Die Landschaft wurde zwischenzeitlich noch sumpfiger, als wir es in den vorherigen Tagen erlebten..

Aber wir schafften es dann doch ganz bis Novosibirsk. Es ist die drittgrößte Stadt Russlands und die größte in Sibirien. Die Stadt macht einen sehr modernen Eindruck und strahlt ein unheimliches Leben aus.Das Leben findet aber auch überwiegend in der Stadt statt, denn rundherum gibt es nicht viel, außer viel Gegend (das hatten wir ja schon mal).

Wirr fuhren gleich zum deutsch-russischen Haus, das war ein Tipp von Bernhard und Brigitte.

Hier wurden wir ganz freundlich aufgenommen, konnten auch die Waschmaschine nutzen und duschen. Zwar ist das nicht kostenlos und allein der Stellplatz mit 1000 Rubel pro Nacht nicht ganz billig, aber wir sehen das als Spende an. In diesem Hause wird viel getan, um die deutsche Tradition hoch zu halten.

Abends marschierten wir noch zum Bahnhof, es führt auch die Transsibirische Eisenbahnstrecke durch Novosibirsk. Es war schon interessant, diesen Bahnhof anzusehen. Auf den Anzeigetafeln stehen sehr interessante Städtenamen wie Moskau, Wladiwostok etc

Der Mittwoch war Wasch- und Putztag. Brigitte wollte die Wäsche mal wieder sauber bekommen und die 'Wohnung' auch mal wieder putzen, in den letzten Tagen war nicht so recht die Möglichkeit dazu. Und dann wollten wir das Auto mal wieder waschen, denn aufgrund der letzten Regentour nach Omsk konnte man nirgends mehr anfassen, ohne selber dreckig zu werden. Dann musste ich auch das Fahrerhaus ankippen, weil die Batteriekontrollleuchte häufig flackerte (der Fehler war schnell gefunden, ein Kabel an der Lichtmaschine hatte sich gelöst) und der Motor mal nach etwas Öl verlangte.

So verging auch dieser Tag wieder wie im Fluge. Zwischendurch wurden wir von einem Ehepaar aus Bad Segeberg im Schnack aufgehalten, sie kamen auch mit Ihrem Wohnmobil zur Übernachtung und wollen in 2 Tagen ebenfalls Richtung Bailkal.

Der Spaziergang mit Oskar führte uns noch in den Park vor die Oper. Auch hier darf Lenin nicht fehlen.

Heute nachmittag fand im deutsch-russischen Haus eine Kochveranstaltung statt und wir kamen gegen Abend noch mit einigen Teilnehmerinnen ins Gespräch, sie fragten sehr interessiert nach dem Woher und Wohin. Unter anderem sprach uns auch Nastja an, sie ist Deutschlehrerin und kommt aus Ulan-Ude. Wir wurden eingeladen, uns bei ihr zu melden, wenn wir dort sind. Mal sehen, was daraus wird.

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Kommentare: 2
  • #1

    Horst (Donnerstag, 21 Mai 2015 21:59)

    Hallo ihr Beiden,
    wir hatten eben noch über MAN 4x4 kontakt wegen der Lichtmaschine. Wenn ich eure Reiseroute so ansehe, dann bin ich 2013 genau entgegengesetzt gefahren. Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Pamir, Kirgiesen, Kasachstan, Russland dann West-Mongolei. Mongolei auf der Südroute nach Ulanbaator, brutal harte Strecke mit 7 Federbrüchen, - da bin ich jetzt Spezialist, Nordroute ist viel besser, dann über Baikal zurück durch Russland. Alles dokumentiert auf www.herhardt.de.
    Schöne Reise, werde euch gedanklich begleiten und eure Seite regelmäßig lesen. Gruss Horst

  • #2

    Brigitte Wiegers (Sonntag, 24 Mai 2015 22:09)

    Wir haben Pfingsten, Ihr erinnert Euch? Pfingstmarkt in Neu Kloster , die Sonne scheint.
    Die Kleinen fahren Karussell. Die Grossen trinken ein Bier.
    Übrigens, wieder tolle Fotos. Ich bin schon immer gespannt auf die neusten Fotos.
    Ach Peter, ich glaube es lag nicht an der Wurst, es lag am Wodka.
    Was für tolle Erlebnisse, auch mit unseren russischen Freunden. Und Oskar ist der Beste für die Völkerverständigung.

    Liebe Grüße
    Gitta und Manni