Am Baikal / Insel Olchon

Der Baikalsee befindet sich in den Südsibirischen Gebirgen. Er ist mit 1642 Metern der tiefste und mit mehr als 25 Millionen Jahren der älteste Süßwassersee der Erde. Sein Abfluss, die Angar, fließt mit den Jenissei in die Karasee des Polarmeeres. 1996 wurde die Baikal-Region zum Weltnaturerbe erklärt. 

Olchon ist mit einer Fläche von 730 km² bei einer Länge von 72 km und einer durchschnittlichen Breite von 10 km (maximale Breite 13,7 km) die größte Insel des Baikalsees.

Auf Olchon leben ca. 1700 Menschen. Hauptnahrungsquelle sind Fische, vorrangig der Omul, der in jeder erdenklichen Form zubereitet wird.

Olchon wurde erst 2005 an das Stromnetz angeschlossen, vorher konnte Strom lediglich mit Diesel-Generatoren erzeugt werden. Fließendes Wasser gibt es bis heute noch nicht, die Bewohner versorgen sich direkt aus dem Baikalsee, dessen Wasser Trinkwasserqualität hat.

Seit Mittwoch befanden wir uns auf Olchon. Nachdem wir die Nacht noch in Listvyanka verbrachten, ging es zurück nach Irkutsk, wir mussten noch einkaufen, da wir einige Tage auf der Insel bleiben wollten. Dann weiter gen Norden bis zur Fähre. Kurz vor Erreichen der Fähre gab es noch eine 12 km lange Schotterpiste mit übelstem Wellblech. Aber die Russen sind da schmerzfrei: Wenn ich auf der Strasse nicht fahren kann, mach ich daneben eben eine neue Spur auf. Und so ging es auch für uns auf den Nebenspuren weiter, zwar auch nicht schneller, aber komfortabler.

Wir waren gerade am Fähranleger angekommen, die Fähre wurde beladen und das Auto vor uns und wir durften nicht mehr mit - sie war voll.

Macht nichts, die 2 Stunden Wartezeit haben wir gut überbrückt. Im PKW vor uns saßen Juri und Nathalie; Juri fing ein Gespräch mit uns an, er versuchte, sein Englisch wieder aufzufrischen, Nathalie musste helfen und so vergingen die 2 Stunden sehr kurzweilig.

Als die Fähre ankam, waren wir am Staunen. Alle Autos mussten rückwärts herunter, da die vordere Ladeluke defekt war. Es sah so aus, als wenn das schon länger so  gehandhabt wird. Aber egal, uns störte es nicht. Wir also rauf auf die Fähre und dann ging es irgendwann bei kaltem Wind rüber zur Insel. 

Nach gut 5 km trafen wir auf Wolfgang und Gisela. Sie waren schon ein paar Tage auf Olchon und wollten wieder aufs Festland. Da sie wussten, dass wir kommen, blieben sie dann doch noch eine Nacht länger, um mit uns gemeinsam den Abend an der Steilküste zu verbringen.

Ich möchte noch kurz erwähnen, dass es bis zur 'Hauptstadt' der Insel, dem Dorf Chuschir, ca. 40 km sind - auch hier nur Wellblechpiste mit vielen Nebenspuren.

Es war herrlich, wir hatten eine absolut ruhige Nacht, nur der Wind war hin und wieder zu hören. Am nächsten Morgen fuhren wir runter von unserer Stellplatz, direkt ans Wasser, um die Wasservorräte aufzufüllen. Immerhin hat das Wasser ja Trinkwasserqualität.

Ursprünglich planten Wolfgang und Gisela, nur eine Nacht mit uns auf der Insel zu verbringen, es wurden dann derer aber gleich 3 Nächte - zu schön ist es dort.

Nach der ersten Nacht wollten wir gemeinsam weiter zu den Steilküsten und auf den Nebenpisten ging es los, es dauerte auch nicht lange und wir fanden den nächsten Stellplatz. Nachdem wir uns 'ausbreiteten', dauerte es nicht lange und es kam ein Steyr den Hügel hinauf: Jürgen und Gisela, die wir in Susdal schon trafen, hatten uns von der Hauptpiste aus gesehen und kamen zu uns. Auch sie blieben dann. Wir entschlossen uns alle, eine weiter Nacht hier zu verbringen, denn der Tag war so anstrengend, dass wir einfach nicht für eine Weiterfahrt in der Lage waren.

Leider kam am 2. Nachmittag aber ein kalter Wind auf, so dass wir uns lieber hinter die Autos verzogen. Doch die Sonne schien und es war trocken und so ließ es sich im Windschatten gut aushalten. 

Am frühen Abend erschienen 2 Ränger, wir hatten sie nicht ganz verstanden, aber anscheinend durften wir hier nicht stehen, denn die ganze Insel ist  ein Naturschutzgebiet (allerdings nach russischer RegeL). Nur einer der beiden war in Uniform mit Abzeichen, der zweite war in Zivil und fragte irgendwann ganz unverhohlen nach Alkohol (er bekam aber keinen von uns). Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir jetzt weg mussten oder nicht, aber das Risiko der Strafzahlung wollten wir dann doch nicht eingehen.

So machten wir uns auf in das Dorf, um uns dort registrieren zu lassen und ein Permit für den Park zu zahlen. Allerdings ist das Permit nur für den Norden der Insel erforderlich. Wir verbrachten die Nacht noch im Dorf, am nächsten Morgen machten sich Wolfgang und Gisela dann doch auf um weiter zu reisen.

 

Auf den Bildern könnt ihr dann auch erkennen, wie anstrengend eine Reise wie die unserige sein kann, man hat doch eine Menge zu tun.

Mit den Steyr-Fahrern machten wir uns  in den Norden der Insel auf, zuerst wollten wir uns den Schamanenfelsen anschauen. Dies ist die bekannteste Sehenswürdigkeit von Olchon, gilt als heilige Stätte und würde früher für Schamanenrituale genutzt.

Die Insel bietet im weiteren Verlauf nach Norden teilweise spektakuläre Steilküstenabschnitte, die sich bis zum nördlichen Kap Choboi hinziehen. Die Wege dorthin sind nur noch mit geländegängigen Fahrzeugen, auch mit unseren, befahrbar. Mit einem normalen PKW, geschweige denn mit einem normalen Wohnmobil, ist das nicht mehr machbar. In einem längeren Waldabschnitt mussten auch unsere Autos ganz schön kraxeln, um die Löcher und tiefen Fahrspuren zu meistern - das machte zumindest uns Männern einen riesigen Spass.

Und die Ausblicke, Einblicke und Eindrücke waren das alles auch wert.

Unser nächster Stellplatz im Nordosten der Insel

Die Nordspitze, Kap Choboi, war unser nächstes Ziel

Der Weg dort hin, dabei auch gleich weitere Eindrücke der Insel.

Unser Rastplatz am Sonntag, nur unweit der Nordspitze. Da die Geländewagenfahrer die Touris hier her kutschieren, wurden wir nachmittags etwas 'gestört', aber trotzdem lies es sich sehr gut aushalten. 

Pferde, Kühe, Schafe und Ziegen laufen hier ausserhalb des Winters frei herum, aber es gibt noch mehr Tiere auf Olchon, anbei ein kleiner Einblick

Und die Pflanzenwelt nicht zu vergessen. Zum Teil ist die Insel mit Nadelwald (Lärchen und Kiefern) durchzogen, aber es gibt auch viele Blumen. Leider sind wir wohl  mindestens 3 Wochen zu früh gekommen. Wenn es noch etwas regnet und dann warm wird, wird die im Moment noch sehr braune Landschaft endlich grün sein und von einem Blumenmeer überzogen. Mit ein bisschen Fantasie kann man sich das gut vorstellen.

Am nächsten Nachmittag, wir wollten uns gerade auf einen weiteren, wirklich anstrengenden Tag einlassen, zogen vom Festland dicke Regenwolken und ein starker Wind auf. Wir wussten nicht, wie sich so etwas hier auswirkt, deshalb zogen wir die Abreise aus der Nordspitze vor. Da die nächsten Geländepassagen lehmig waren, wollten wir ein eventuelles Ruschen und Hängenbleiben im Matsch nicht riskieren. Und natürlich fanden wir einen weiteren, wunderbaren Schlafplatz.

Am Dienstag mittag ging es dann ins Dorf, wir wollten noch ein paar Karten kaufen, Brot war alle und Brigitte suchte die Möglichkeit, die Wäsche waschen zu lassen. Als diese fertig war, wurde sie naß eingepackt und wir machten uns auf den Weg Richtung Fähre. Unseren letzten Schlafplatz suchten wir unweit des allerersten und das Navi führte uns auf direktem Wege dorthin. Der Weg war doch etwas spektakulär, denn unsere Autos mussten mal wieder kraxeln über Stock und Stein. Das war noch einmal der absolute Spass und wir sind immer wieder begeistert, was diese Autos können. Im Laufe des Morgens wurde das Wetter immer schlechter, so dass uns der Abschied etwas erleichtert wurde. Gern wären wir noch länger geblieben, doch bei schlechtem Wetter macht es auch nicht den meisten Spass - so müssen diese 8 Tage reichen. Und warten, dass die Insel grünt und blüht, können wir leider auch nicht, denn wir wollen ja noch mehr von der Welt, zumindest erst einmal von der ehemaligen Sowjet-Welt, sehen.

Also am Mittwoch morgen die letzten 8 km unter die Räder genommen und zur Fähre. Diese war, im Gegensatz zur Hinfahrt, fast leer, so dass ich gleich rauf konnte - und schon legte sie ab. Der Steyr, der nur 3 Minuten später ankam, hatte das Nachsehen und musste noch 30  

Minuten warten. Wir trafen uns aber wie verabredet am Abend in Irkutsk, dort standen wir gemeinsam vor dem Eisenbahnmuseum. In Irkutsk hatten wir auch einen großen Supermarkt aufgesucht, denn die Vorräte gingen in dieser Woche mal wieder zur Neige.  Und unterwegs auf dem Festland gab es auch noch das eine oder andere zu sehen. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Brigitte Wiegers (Mittwoch, 03 Juni 2015 21:56)

    Muss mich mal wieder einen Kommentar abgeben . Bin total begeistert von den Bildern. Superschön und interessant. Jeder Tag ein Abenteuer. Auch der Text ist interessant und aufschlussreich. Viel Geschichte. Hat mich schon immer interessiert. Ich lese weiter. Schöne Zeit.

    L.G.
    GITTA

  • #2

    Silvia Freudenthal (Montag, 08 Juni 2015 12:40)

    Hallo Ihr Zwei/Drei!
    Ich muss mich Gitta anschliessen das sind ja fantastische Fotos, die Landschaft toll.
    Eure Beiträge sehr sehr aufschlussreich. So wie man sehen kann geht es Euch sehr
    gut das freut mich zu sehen.
    Seit weiter auf der Hut und das ist ja genau euer Ding dieses Abenteuer respekt.
    Ich denke an euch und lese auch weiter.
    LG
    Silvi