Auf nach Ulan Ude

Nach einer mehr oder weniger (eher weniger) ruhigen Nacht planen wir, die Fußgängerzone in Irkutsk anzuschauen. Da es aber am Morgen anfing zu regnen, nahmen wir davon Abstand. Jürgen wollte gern noch an den Stausee bei Irkutsk, dort liegt noch ein alter Dampfschiff-Eisbrecher. So machten wir uns mit 2 Autos auf den Weg dorthin. 

Es war schon interessant, dieses Alteisen zu besichtigen. Aber das Schiff war leider etwas herunter gekommen. Die Restauration und Pflege lassen sehr zu wünschen übrig. Trotzdem war es interessant. Wir waren auch unten im Maschinenraum, zum Glück lagen dort keine Kohlen mehr, so dass wir nicht schaufeln musten

In der Mittagszeit ging es dann weiter, wir wollen ja noch in die Mongolei. Es gibt einige Steigungen zu überwinden, zum Teil müssen wir bis fast auf 1000 m hoch. Der Baikal liegt bei etwas 460 Metern lt. GPS-Messung.

Nach gut 100 km sahen wir dann den Baikal wieder, allerdings verlief die Strasse erhöht durch Waldgebiet, so dass man ihn nicht immer sehen konnte. Unterhalb der Strasse verläuft die Trasse der Transsib.

Die Nacht verbrachten wir am Ufer des Baikals in der Stadt Baykalsk. Dies war ein Tipp von Bernhard, den wir gern aufgenommen haben

Am Freitag machten wir uns allein wieder auf den Weg. Gerda ist beim letzten Mittagessen wohl etwas auf den Magen geschlagen, so dass die beiden noch einen Tag in Baykalsk bleiben wollten. Wir verabredeten, uns am Sonntag in Ulan Ude zu treffen. 

Also los: Nach gut 70 km kommen wir im Naturlehrpfad an. Bei der Besichtigung des Headquarters (so steht es draussen auf einem Plakat) kam gleich eine Angestellt an. 'No dog' war ihre erste Begrüssung. Na gut, dann also nicht. Beim Schlendern am Grundstück vorbei fanden wir aber den Holzsteg, der durch das Feuchtgebiet und dem Wald gebaut war. Dort war nirgends ein Verbotsschild für Hunde vorhanden und so schlenderten wir den Weg entlang. 

Es dauerte nicht lange und wir bemerkten einen jungen Mann, der hinter uns her ging, aber Abstand wahrte. Auf Nachfrage meinte er, er müsse uns begleiten, weil es gefährlich sei, auf den Holzstegen durch das Feuchtgebiet zu laufen. 

Na gut, war uns egal, musste er eben mit.

Dieser Naturlehrpfad war sehr interessant. So wussten wir nicht, dass z.B. in Russland  73 %  

der weltweiten Feuchtgebiete vorhanden sind. Oder dass es von der Sibirischen Kiefer im nördlichen Sibirien 700 - 800 Jahre alte Exemplare gibt.

Am Ende des ca. 3 km langen Wanderweges kamen wir wieder auf das Headquater zu. Der junge Mann meinte, uns noch zum Kauf von Souvenirs zu animieren - aber mit Hund leider nicht möglich. Da er nichts für meinen 'Ärger'  konnte, bekam er noch ein kleines Trinkgeld. 

Es ging weiter gen Osten. Zwischendurch (meistens sah man nur Wald), konnte man die Transsib-Trasse und auch den Baikal wieder sehen. Hier fahren viele Züge, allerdings überwiegend mit Güterwaggons. Beim Foto hatte ich Glück und erwischte tatsächlich einen der wenigen Personenzüge, auf dem Weg von Moskau nach Wladivostok.

Die  Strassen waren wieder hügelig, aber nicht so extrem wie am Vortag. Dafür wurden sie auch wieder schlechter. Einen Schlafplatz im Gebirge zu finden ist fast aussichtslos, so dass wir wieder am Dorfrand, direkt am Wasser stehen. Allerding ist hinter uns, etwas 100 m Luftlinie, die Bahnstrecke. Das stört jedoch nicht, wir sind das ja von zu Hause aus gewohnt.

Nachdem wir im Bett lagen, hörten wir alle paar Minuten einen Zug vorbeirumpeln, da herrscht wirklich viel Verkehr. Doch noch ein paar Minuten waren wir eingeschlafen und keinerlei Zugverkehr störte unseren Schlaf.

Frisch und ausgeschlafen ging es am nächsten Vormittag weiter, das max. Tempo war gerade mal 65 km/h. Die Strassen liessen sehr zu wünschen übrig. Auch sahen wir vom Baikal kaum noch etwas, da die Strassen von Wäldern gesäumt waren. Aber dann - da war er wieder. Allerdings auch ein letztes Mal. Wir nahmen nach 12 Tagen Abschied vom Baikal. Es war wunderschön, auch wenn er uns so manches Mal mit Kälte überfallen hat. Wir wären gern länger geblieben, es ging nicht, da wir aufgrund unserer Visa und des weiteren Strecken- verlaufes weiter mussten.

Baikal, du warst eines der Highlights unserer Reise!

Mittags machten wir Pause am Fluss Selenger. Eine herrliche Wiese, ein herrlicher Ausblick. Allerdings auch mit Rauchschwaden am andern Ufer, dort brannte ein Waldstück. Der Brandgeruch nahm uns die Entscheidung, den Fahrtag hier zu beenden, ab. Es sind auch noch gut 50 km bis zum Parkplatz am Ethnographisches Freilichtmuseum in Ulan Ude. Dort wird uns Nastia, die wir im Deutsch-Russischen Haus in Novosibirsk kennen gelernt hatten, am Sonntag vormittag abholen und uns ihre Heimatstadt zeigen.

Die Landschaft änderte sich wieder: achdem es am Baikal noch viel Wald gab, wurde es danach wieder flacher, auch der Ackerbau wurde wieder mehr betrieben. Der Selenger-Fluss begleitete uns bis Ulan Ude. Zudem wurde es wärmer, in Ulan Ude zeigte ein Termometer 26 Grad an. 

Übrigens: ca. 5 km hinter dem Mittags-Rastplatz erreichten wir auch den östlichsten Punkt unserer Reise - weiter gen Osten geht es für uns nicht mehr - wir sind ab jetzt quasi auf dem Heimweg.....

Am Ortseingang Ulan Ude steuerten wir noch eine Werkstatt an. Der Auspuff war kurz hinterm Topf lose und musste repariert werden. Dabei stellte der Mechaniker fest, dass ein Schutzrohr von einem hinteren Stoßdämpfer ebenfalls lose war.

Der Meister schweisste den Auspuff an, allerdings ohne Schweisserbrille, nur mit einer einfachen Schutzbrille. Dies konnte ich nicht mit ansehen. Da ich zufällig eine dabei hatte, stellte ich ihm diese zur Verfügung bzw. schenkte sie ihm gleich.

Nach gut 75 min war die Reparatur beendet, ich um eine Schutzbrille und 2000 Rubel (ca. 37€ ) ärmer und weiter gings. Schnell war das Freilichtmuseum gefunden und wir machten einen langen Spaziergang durch das Gelände. An der Kasse wurde uns erlaubt, Oskar mit hinein zu nehmen, so dass auch er seine Bewegung bekam.

Danach noch ein Abendessen im Auto und der nächste Tag kann kommen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Paul und Sylvia (Antalya) (Mittwoch, 27 Januar 2016 21:49)

    Das Freilichtmuseum sieht auf den Fotos aus wie eine Filmkulisse für einen Film mit dem Titel "Winnetou in Shanghai noon."