Mongolei / Ulaanbaatar

Es ist viel passiert in den letzten Tagen. Erst einmal der Grenzübergang. Nach der ruhigen Nacht in Sichtweite eines Grenzzaunes zur Mongolei waren wir kurz nach 9:00 Uhr (ja, wir stehen auch mal früh auf, wenn es nötig sein sollte) in der PKW-Spur auf der russischen Seite. Der Grenzer wollte uns gleich wegschicken auf die LKW-Spur, aber wozu hab ich mein 'offizielles GTÜ-Zertifikat' mit Stempel in russischer Sprache, dass es sich nicht um einen LKW, sondern um ein Wohnmobil handelt und somit wie ein PKW behandelt werden muss.

Notgedrungen wurde das akzeptiert, aber bei der zweiten Kontrolle das gleiche Problem. Hier wollte man das nicht akzeptieren. Da ich mich aber weigerte zu fahren, wurde eine englisch sprechende Kollegin geholt. Nach kurzer Diskussion mit ihr wurde beschieden, dass wir bleiben dürfen und auf der PKW-Spur abgefertigt werden.

Auch auf der mongolischen Seite ging alles relativ problemlos über die Bühne, wir amüsierten uns nur darüber, dass der Koffer insgesamt drei Mal von innen inspiziert wurde.

Dann waren wir in der Mongolei. Unser Ziel war das buddhistische Kloster Amarbayasgalant, einfach ein Muss der Besichtigung. Auf mehr oder weniger (eher weniger) guten Strassen ging es los, danach folgte eine 35 km lange Sandpiste, bis wir dort waren.

Anbei ein paar Bilder von der Landschaft der Mongolei - und auch von der Wegelagerei (das ist aber nichts besonderes, immerhin ist damit zu rechnen, dass das auch in deutschland eingeführt wird). Das ganze Land liegt in einer Art Hochland, wir waren selten unter 500 m ü.NN. Es ging bis zu 1500 m hoch, aber fast nur leichte Steigungen. Im Hintergrund immer wieder Hügel sichtbar, als Gebirge möchte ich das eigentlich nicht bezeichnen. Die Mongolei ist übrigens ca. 4,5 mal größer als Deutschland, hat aber nur 3 Mio Einwohner, wovon fast die Hälfte in der Hauptstadt Ulaanbataar wohnt.

Immer wieder sieht man Viehherden (Schafe und Ziegen, Rinder und auch Pferde). Und über die Weiden verstreut sind immer wieder die Jurten zu finden. Allerdings nicht, wie gern in Dokusendungen gezeigt wird, mit Kamelen als Transportmittel davor. Die Mongolien leben auch nicht mehr hinter dem Mond, so stehen dort mittlerweile auch Autos bzw. Kleinlaster als Transportmittel vor den Jurten.

Die Piste zum Kloster war relativ gut befahrbar, vereinzelt gab es doch mal kleine Herausforderungen, wenn das Auto in Schräglage fuhr. Wir kamen dann aber doch ohne Probleme an.

In Sichtweite des Klosters fanden wir einen Schlafplatz und – waren angekommen. Es war ja unser Traum, in die Mongolei zu fahren. Das war unser Ziel und das, was wir diesen Abend fanden, war das, was wir gesucht hatten.

Der Schlafplatz befand sich auf einer Hochebene, im Hintergrund die Berge. Ich hab versucht, die Stimmung in den Bildern festzuhalten, weiss aber nicht genau, ob es mir wirklich gelungen ist.

Wir hatten die Stimmung in uns gespürt. Es war ruhig, der Wind wehte, im Hintergrund waren vereinzelt die Tiere und die Viehtreiber zu hören – unser Traum ist in Erfüllung gegangen.

Auf einmal hörten wir einen LKW hupen – Jürgen und Gerda, die wir schon in Ulan Bataar wähnten, fuhren über den letzten Hügel. Es war eine freudige Überraschung. Wir hatten sie irgendwo bei ihrer Mittagspause überholt, ohne sie zu sehen.

Natürlich hatten wir erst einmal viel zu quatschen.

Am nächsten Morgen kam noch ein Mongole, mit 3 Kindern auf dem Mopett, zu uns. Er wollte wohl nicht ganz neugierig aussehen und fuhr deshalb erst die Piste ein Stück weiter, um dann umzudrehen und kurz darauf bei uns zu stehen. Er war sehr freundlich, erzählte irgendetwas, was wir leider nicht verstehen konnten, auch seine Kinder waren gesprächig. Nachdem ich den Kindern eine Kleinigkeit geschenkt hatte, machten sie sich wieder auf den Weg.

Anbei auch noch ein paar Bilder von den Blumenlandschaften.

Am nächsten Morgen besichtigten wir das Kloster. Im Gegensatz zum Kloster Ivoginski durften wir hier auch im Inneren fotographieren, auch als die jungen Mönche ihre Andacht hielten. Beim Kloster handelt es sich um ca. 300 Jahre alte Holz-Gebäude, was man leider aber auch sehen kann, denn der Zahn der Zeit nagte doch an einigen Ecken. Schaut euch einfach die Bilder an, um eine Vorstellung davon zu bekommen. 

Nach dem Klosterbesuch marschierten Jürgen und ich die Treppe zum Großen Buddha hinauf, rundum gab es einige Buddha-Figuren, insgesamt in 4 verschiedenen Haltungen der rechten Hand. Wir konnten auch den Ausblick auf das Tal, das Kloster und dem angrenzenden Jurtendorf geniessen.

Gut 2 Stunden später wollten wir weiter, es waren noch ca. 330 km bis zum nächsten Ziel, dem Gercamp und Guesthouse Oasis in Ulaanbataar.

Für die Piste benötigten wir wieder über 1,5 Stunden, bei einer Pause kam uns ein Reisebus entgegen mit sehr müde ausschauenden Reisenden. Wir hatten nicht das Gefühl, dass die Gäste die Tour genossen. In einer kleinen Senke hatte der Bus schon seine Probleme. Ich muss dazu sagen, dass unsere Autos über diese Senke nicht einmal grinsten, sie war für uns kaum bemerkbar. Der Busfahrer hatte aber schon Probleme, da er dort schon fast mit der Front und dem Heck aufgrund des Überhanges hängen bleiben konnte. Wir wissen nicht, wie er die anderen Senken schaffen wollte. Wahrscheinlich kannte er die Strecke nicht, denn dann hätte er es nie versucht. Wir sind auch sicher, dass er es nicht geschafft hat.

Die 330 km nach Ulaanbaatar schafften wir an dem Tag nicht mehr, die Strassen waren zu schlecht. Dafür hatten wir unseren Spass, insbesondere, als es eine 'Umleitung' wegen Strassensperrung gab. Die Mongolen fahren, als wenn sie direkt vom Sattel hinters Lenkrad gesteckt wurden, jeder will der erste sein. Die Umleitungsstrecke wird gesäumt von mehreren Pisten, auf denen es nur so staubt, wenn die Autos dort entlangpreschen.

Am nächsten Tag kamen wir endlich in Ulaanbaatar an. Zwischendurch gab es noch vereinzelte Stops, da wir eine Strassenbenutzungsgebühr (eher Schlaglochbenutungs- gebühr) zu entrichten hatten. Polizeikontrollen wie in Russland fanden allerdings nicht statt.

Die Strassen in der Hauptstadt selber sind, von vereinzelten Löchern abgesehen, in einem sehr guten Zustand. Der Verkehr allerdings ist sehr gewöhnungsbedürftig. Wir kannten das ja schon aus Beschreibungen, man muss es aber selber einmal erlebt haben. Es wird gedrängelt, geschnitten, gehupt, was das Zeug hält. Am schlimmsten sind die Busfahrer. Es ist nicht aussergewöhnlich, dass man von Bussen überholt wird und beim Einscheren (eher Schneiden) fährt der Bus direkt in die nächste Haltestelle. Es wunderte uns, dass wir relativ wenig Unfälle gesehen hatten.

Wir mit unseren langsamen Autos sind für die Mongolen echte Hindernisse. Wenn wir angehupt wurden., kam mein Horn zwischendurch auch ins Spiel. Die Lautstärke ist noch um einiges höher, aber das interessiert die Mongolen überhaupt nicht. Unterm Strich machte das Ganze aber reichlich Spass.

2 Tage verbrachten wir im GerCamp Oasis. Das Oasis ist DER Treffpunkt in der Hauptstadt, hier kommen eigentlich alle Globetrotter aus Europa zusammen. Die Chefin Urmaa spricht fließend deutsch und ist in allen Dingen sehr hilfsbereit.

Und das schönste: endlich mal wieder eine Dusche genehmigen, ebenso wurden die Wasservorräte wieder aufgefüllt.

Am nächsten Tag ging es zur Ausländerbehörde auf der anderen Seite der Stadt, um unsere Aufenthaltsdauer um 30 auf 60 Tage zu verlängern. Die günstigste Alternative, mit dem Bus, wollten wir uns nicht antun und endschieden uns für eine Taxi-Fahrt. Urmaa telefonierte und die Tochter ihrer Freundin kam mit dem Auto und fuhr uns durch die Stadt. Wir waren begeistert von der sicheren Fahrweise der jungen Frau. Nach gut 30 Minuten hatten wir 4 die Verlängerung, gönnten uns noch einen kleinen Imbiss in der 'Kantine' der Ausländerbehörde, fuhren noch in die Innenstadt, um SIM-Karten zu besorgen und waren am Nachmittag wieder zurück. Groß besichtigen wollten wir nichts mehr, denn die Stadt gefiel uns Vieren nicht sonderlich. Der Nachmittag wurde noch zu Wartungsarbeiten genutzt, Jürgen und ich nahmen die Dienstleistung der vorhandenen Friseurin in Anspruch und dann war der Abend bei langen Gesprächen und dem einen oder anderen Bier irgendwann zu Ende.

Anbei noch ein Bild unserer Taxifahrerin:

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