Durch die Wüste

Es geht auf der Piste immer an den Dünen entlang – eine schöne Aussicht. Aber die Piste ist nicht so besonders, so dass wir auf einen Schnitt von ca. 16 – 17 km die Stunde kommen. Immer wieder die vergebliche Hoffnung, durch einen Spurwechsel eine bessere Fahrmöglichkeit zu bekommen. Doch jedes Mal wird die Hoffnung zunichte gemacht - es ist nirgends besser. Am schlimmsten sind die Wellblechspuren. Zwar probiere ich auch mal kurz aus, mit einem höheren Tempo die Wellen auszuspielen, doch die Furcht vor einem Federbruch ist dann doch zu hoch, so dass wir bei der niedrigeren Geschwindigkeit bleiben.

Irgendwann müssen wir auch die Dünen durchqueren. Vor diesem Durchgang sehen wir auch das erste Mal einen Reiter auf einem Kamel.

Die Dünendurchquerung erfordert dem Motor doch einiges ab, da der Sand tief ist und ich hoffe, den in der Geierschlucht um gut einem Bar abgelassenen Reifendruck nicht weiter mindern zu müssen. Doch alles geht gut und wir kommen gut durch. Mittlerweile ist die Temperatur auch weiter gestiegen, im Schatten sind es nachmittags gut 30 Grad, in der Sonne messen wir fast 43 Grad - schön warm, aber das wollten wir ja.

Die ersten Regenwolken ziehen auf und der zuerst gesuchte Schlafplatz scheint in einer Senke zu liegen, die nach einem ausgetrockneten See aussieht. Irgendwie fühlen wir uns hier nicht wohl und, obwohl es schon auf 20:00 Uhr zugeht, fahren wir noch gut 10 km weiter und finden dort einen „ungefährlicheren“ Nachtplatz, denn es waren auch im Hintergrund einige dunkle Gewitterwolken zu sehen. Hier dauert es nicht lange und wir bekommen Besuch von einer jungen mongolischen Familie. Der Vater ist doch sehr neugierig und nahm mein Angebot, das Auto mal von innen zu betrachten, sofort an. Er sprach dabei mit seiner Frau, es schien, als wenn ihn die Ausstattung, insbesondere der Kühlschrank, überraschte. Nachdem die Tochter noch ein paar Bonbons bekam, machten sie sich wieder auf den Heimweg.

Es wurde dann wieder eine der ruhigen Nächte, obwohl wir nur ca. 200 m von der Piste entfernt standen und noch ein paar Autos am Abend vorbeifuhren. Doch 'gestört' hat uns keiner mehr.

Am Morgen ging es dann weiter, die Landschaft immer sehr trocken und unwirtlich, nur noch selten Ziegenherden und Jurten zu sehen. Wir durchquerten die kleine Stadt Sevrei, absolut trostlos. Was die Menschen hier machen – keine Ahnung. Dann sehen wir eine Wasserstelle, an denen die Bewohner sich ihr Trinkwasser holen können – aber nicht kostenlos, wie wir es in Russland kennen gelernt hatten. Auch wir füllten unsere Wassertanks noch etwas auf, bezahlten dafür umgerechnet 10 Cent und weiter ging es. Leider hatten wir kein Foto von der Zapfstelle gemacht, aber einen Überblick über die Stadt könnt ihr euch hier machen.

Das nächste Ziel soll Bayanlig sein – das liegt schon etwas weiter im Norden. Wir wollen die Wüste Gobi so langsam verlassen. Doch zuerst drehten wir noch etwas weiter ab gen Süden zur Stadt Gurvantes.

Es zogen seit dem Nachmittag wieder Gewitterwolken auf und es wurde auch kühler, um nicht zu sagen: die Temperaturen wurden für uns ganz erträglich. Auf dem Weg nach Gurvantes hatten wir auch die ersten kleinen Regenschauer.

Laut Reisefüher soll man hier noch tanken können und die Vorräte ergänzen und dann schnell weiter fahren. Das erste war möglich (dabei versuchte mich die Tankwartin mal eben um 100.000 Tögrög (ca. 50 €) zu beschubsen, in dem sie bei Eingabe der Visakarte 280.000 statt 180.000 eintippte. Aber ich hatte aufgepasst und sie musste mir das Geld in bar wieder rausrücken). Einkaufen war nicht so das Ding in dieser Stadt, ein Brot war noch so gerade möglich, über alles andere wollen wir lieber schweigen. Die Stadt ist so furchtbar, dass wir nicht einmal den Fotoapparat bemühten – also schnell weg. Wir können aber behaupten, dass wir nur gut 50 Luftlinie von der Chinesischen Grenze entfernt waren.

Der nächste Schlafplatz, ca. 30 km weiter nördlich, war wieder neben der Piste. Auch hier die absolute Einsamkeit. Meine in Ulan Bataar gekaufte SIM-Karte funktioniert leider nicht, aber mit der noch nicht abgelaufenen russischen Karte konnte ich kurz Internet empfangen. Dabei erfuhren wir, dass wir von Jürgen und Gerda vermisst werden, aber wo sie sich selber aufhalten, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.. Es war gerade noch möglich, einen nachträglichen Geburtstagsgruß an unseren Enkelsohn zu versenden sowie eine kurze Nachricht an Jürgen und Gerda mit dem Hinweis, dass wir Richtung Bayanlig unterwegs sind. Dann war das Guthaben der russischen Karte leider verbraucht.

Gegen 22:30 Uhr bekamen wir Besuch von einem mongolischen Mopett-Fahrer. Er wollte wissen, ob wir eine Panne hätten und er helfen könne bzw. Hilfe holen sollte. Doch schnell erkannte er, dass wir an diesem Platz nur schlafen wollten, und er fuhr weiter Richtung Gurvantes – ohne Licht! Über Nacht gab es für uns auch ein paar Regentropfen, die uns aber nicht sonderlich störten.

Kurzfristig entschieden wir uns am nächsten Morgen, noch nicht gen Nordwesten zu fahren, sondern nach Nordosten. Das nächste Ziel soll die Stadt Arvaikheer sein, um u.a. dort die SIM-Karte aktiviert zu bekommen. lt. Landkarte geht die Piste über Bayanlig. Also weiter im gemässigten Tempo über die Piste, wir müssen über bzw. durch die Berge, ein schöner Anblick durch die Schlucht, dahinter sahen wir eine buddhistische Gebetsstelle. Kurz danach überholten uns 2 russische Motorradfahrer. Sie hielten uns an und fragten auf Englisch, ob es die Piste nach Bayanlig sei, was wir bestätigen konnten. Sie sind seit wenigen Tagen vom Camp Oasis in Ulan Bataar gestartet, haben aber nicht wie wir die Singenden Dünen durchquert, sondern sind auf der Nordseite geblieben. Dort waren wohl die allerkleinsten Pisten und so wussten sie nicht genau, wo sie sich befanden. Wir konnten aber helfen. Wie wir Globetrotter nun mal so sind, wurde noch etwas über das woher und wohin gesprochen und dann fuhren die beiden weiter und nach kurzer Zeit sahen wir in der Ferne nur noch Staubwolken von ihnen. Wir zockelten langsam hinterher. Am späten Nachmittag dann stellten wir fest, dass es doch nicht die Piste nach Bayanlig war, unser Navi hat uns auf eine andere geführt, die zwar nicht auf der Landkarte verzeichnet ist, aber eine kürzere Strecke nach Arvaikheer ist. Die beiden Russen werden sicherlich die richtige Abzweigung noch gefunden haben, denn irgendwann sahen wir ihre Reifenspuren nicht mehr.

Die Landschaft hat sich noch nicht gebessert, im Gegenteil. Es sind noch seltener Menschen anzutreffen. Während im Süden noch vereinzelt Jurten und Viehherden zu sehen sind, ebenfalls in den Bergen, gibt es hier so gut wie kein Leben mehr. Nach den russischen Motorradfahrern trafen wir nicht ein Fahrzeug mehr. Ganz selten tauchte vor uns eine Jurte auf. Die einzigen Tiere waren Kamele, selbst Schafe und Ziegen waren nicht zu sehen.

Aber irgendwo müssen dann doch Menschen leben. Kaum fanden wir gegen Abend den nächsten Schlafplatz (wir waren einschl. Pausen 8 Stunden unterwegs gewesen und hatten gerade einmal 135 km geschafft), kamen 2 Mongolen auf ihrem Mopett angefahren, nach einer kurzen Begrüßung und Schauen fuhren sie aber wieder zurück zu ihrer Jurte, die irgendwo hinter einem Hügel stehen müsste. Sehen konnten wir sie nicht, aber sie müssen unser Kommen gesehen haben und waren neugierig. Diese Begegnungen sind aber immer wieder interessant, denn die Mongolen sind nur neugierig, dabei nicht aufdringlich oder fordernd und bettelnd, wie wir es in Marokko erlebt hatten. Im Gegenteil. Sollte man Hilfe benötigen, sind sie sofort dabei, wie wir es beim Ausdengeln des Kotflügels erlebt hatten oder wie der junge Mongole am Vorabend seine Hilfe bei einer vermeintlichen Panne anbot

Mittlerweile hat uns wieder ein Gewitter erreicht, aber außer entferntem Donnern, vereinzelten Blitzen und nur wenigen Regentropfen, allerdings mit viel Wind, passierte nichts mehr. Der Regen ist so dünn, dass er für die Natur nicht viel bringt. Wir hoffen für die Menschen hier, dass es sich noch ändert und mehr Wasser kommt, sind allerdings so egoistisch zu hoffen, dass das noch 2 Tage dauert, bis wir aus der Wüste heraus sind. Ich hab zwar keine Furcht, aber die Piste führt durch einige ausgetrocknete Seen und Flußläufe, die teilweise einen sehr lehmigen Eindruck machen. Lassen wir uns überraschen, was wir noch erleben werden.

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