Zur heissen Quelle und weiter nach Tsertserleg

Tsertserleg ist unser nächstes Ziel, doch vorher wollen wir noch zur  heißen Quelle.

Brigitte konnte morgens auf dem Spaziergang mit Oskar die verschiedenen Blumen auf unserer 'Schlafwiese' mit dem Fotoapparat festhalten, die ich euch gern zeigen möchte.

Nach wenigen Kilometern auf Teerstraße mit diversen Schlaglöchern geht es wieder auf die Piste - schön! Doch erst einmal ist Arbeit angesagt. Eine Mongolenfamilie stand mit Ihrem Auto am Pistenrand. Ein Reifen war defekt und das Reserverad zwar vorhanden, aber ohne Luft. Kein Problem. Wenn wir auch nicht viel haben, aber Luft ist genügend vorhanden. Also den Schlauch rausgeholt, angeschlossen an unsere Druckluft und schon ging es los.

Für unsere gute Tat wurden wir kurz darauf belohnt. Zuerst einmal musste der Wagen von gut 1500 m üNN auf 2160 m hochkraxeln und wir konnten wieder einmal einen faszinierenden Ausblick auf das nächste Tal werfen:

Es stellte sich uns noch eine Brücke in den Weg. Am Pfosten des Schildes (7t) nagte auch schon der Zahn der Zeit - ob die Brücke unsere 7,5 t auch noch trägt? Man sieht - sie hat gehalten.

Das Gras wurde immer dichter und ergiebiger, die Rinder immer wohlgenährter und wir schauten den Hirten bei ihrer anstrengenden Arbeit zu.

Flussdurchfahrten wollen bezwungen werden und so standen wir irgendwann vor der Stadt Khujirt. Es war wieder einer der sehr warmen, um nicht zu sagen, heißen Tage. Pferde mit ihren Fohlen standen bzw. lagen im/am Wasser und auch die Kinder waren am Baden.. Das Ganze ein einziger idyllischer Anblick. So kann man leben – denkt man da, doch ich möchte mit diesen Menschen auf Dauer nicht tauschen. Die Idylle hält nur kurze Zeit über die drei Sommermonate an, dann wird das Leben und damit das Überleben hart und entbehrungsreich.

Von Khujirt aus soll es eine gut ausgebaute und geteerte Straße nach Tsertserleg geben, gesucht – und nicht gefunden. Das Navi lotste uns wieder über die Pisten. Unterwegs trafen wir sogar auf einen Linienbus – bei den Schlaglöchern. Das Land überrascht uns immer wieder.

Irgendwann wurde es uns zu bunt. Statt nach Nordwesten ging es auf einmal in den Südwesten. Also eine Abkürzung gesucht und gefunden. Über eine Furt wurde der Fluss Orkhon bei ca. 40 cm Wassertiefe auf eine Breite von gut 20 Metern überquert.

Wir wollten über die Berge, aber irgendwie sagten uns die Pisten dann doch nicht zu und statt auf der Südseite fuhren wir auf der Nordseite am Fluss entlang. Statt einer Abkürzung wurden es ca. 20 km Umweg – aber kein Problem: Der Ausblick auf den Fluss entschädigte uns für alles. Irgendwann sollte uns die Piste lt. Navi vom Wasser weg führen und da es schon 17:00 Uhr war, wurde der Feierabend eingeläutet.

Doch wie sah unser Feierabend aus? Wir schauten gut fünf Stunden fern - es war wirklich Fern-Sehen: In der Nähe gab es eine kleine Gänse-Kolonie, eine Herde junger Yaks kam durch den Fluss auf unsere Seite und galoppierte anschließend davon, Ziegen und Schafe kamen zum Trinken (auf beiden Seiten des Flusses), Kinder kamen zum Baden, Pferde zum Trinken, eine Pferde-Herde wurde auf die andere Seite getrieben, ein Bussard kreiste über uns - es war sehr kurzweilig. 

Auf einmal fuhren zwei Schaufelbagger durch das Flussbett auf unsere Seite, die beiden Fahrer mussten erst einmal unser Auto inspizieren, man bot mir an, selber einmal den Radlader zu fahren. Dann spielten die beiden noch mit Oskar. Etwas später kamen noch zwei voll beladene Baustellen-LKW durch das wasser. Zuerst dachten wir, sie wollen bei uns stehen bleiben, doch dann nach kurzer Zeit fuhren die vier Fahrzeuge mit einer großen Staubwolke davon. 

Eine Yakherde wurde noch zum Trinken ans Wasser getrieben, auf der anderen Seite holte eine Familie ihr Trinkwasser, ein Reiter kam um das Pferd zu tränken und gegen Abend besuchten uns drei von den Jungen aus einer nahe zeltenden Jugendgruppe. Oskar war abends so geschafft, dass er bei mir im Arm einschlief.

Vormittags verließen wir den Platz, die Piste führte uns weg. Wir wollen ja noch zur heißen Quelle. Es ging weiter auf über 2100 m, häufig über die Pässe der Hügel/Berge mit immer neuen Ausblicken. Auf einmal führte der Weg vom Berg-Kamm durch einen Wald, dahinter riesige Blumenwiesen - immer wieder anders, immer wieder toll.

Mit zweimaligen Nachfragen mussten wir noch die letzten 15 km bewältigen. Die hatten es allerdings in sich: Eng, steil, schräg, ausgewaschene Wege. Doch irgendwann hatten wir es geschafft und kamen bei der Quelle an - die heisse Quelle von Tsenkher. 

Zitat aus dem Reiseführer: Diese Quelle ist eines der besten Beispiele dafür, dass Vulkanismus in der Mongolei noch eine Rolle spielt. Das mit über 50 Grad aus der Erde sprudelnde schwefelhaltige Wasser wird in  Becken geleitet, die von Natursteinen eingefasst sind. 

Dort gibt es vier GerCamps, eines hatten wir besucht, um unseren geschundenen Körpern mal etwas Gutes zu gönnen. Es war herrlich, hier den Körper auszustrecken, zu entspannen und natürlich auch die Dusche zu nutzen.

Zu diesen Camps kommen auch die Touristen, die mit Guides eine Rundtour durch die Mongolei machen. Es ging sehr international zu: Neben Deutschen, Engländern, Schweizern trafen wir auch zwei Israelis. Es gab viel zu erzählen und insbesondere viele Fragen zu unserem Auto zu beantworten. 

Nach diversen Gesprächen und auch einigen Bieren fielen wir dann gegen Mitternacht müde ins Bett (wir hatten ja die eigenen Betten dabei und brauchten deshalb keine Jurte mieten).

Und jetzt kommt leider leider mein großer Ärger: Durch einen Bedienungsfehler löschte ich die Fotos von diesem Tage komplett, so dass ich hier nichts zeigen kann.

Am nächsten Morgen gönnten wir uns noch ein mongolisches Frühstück und wanderten anschließend zur Quelle. Dort begegnete uns dieser Mongole mit seinem Yak. Er holte das  Wasser vom nahen Fluss.

Gegen 12:00 Uhr machten wir uns auf den Weg, es waren nur noch 22 km zum nächsten Stellplatz, einem Flußlauf bei der Stadt Tsertserleg. Wir hatten davon gehört und wollten diesen aufsuchen, um mal nicht so viel zu fahren und um den Rest des Tages auszuspannen.

Nachmittags fing es an zu regnen und so nutzte ich die Gelegenheit, in aller Ruhe meine Homepage wieder zu vervollständigen.

Über Wolfgang erfuhren wir, dass Jürgen und Gerda uns ebenfalls vermissten. Sie waren lt. ihrer Aussage auch am Treffpunkt, sind nach 2 Tage zurück zur Stelle gefahren, wo wir uns getrennt hatten. Aber da sie uns nicht fanden, haben sie sich irgendwann weiter auf den Weg gemacht.

Ich habe eine Vermutung, weshalb wir uns verpasst haben. Die Beiden routen überwiegend mit ihrem Tablet. Und dort scheinen die Koordinaten nicht mit denen auf dem Garmin zu harmonieren. Weshalb das so ist, kann ich nicht sagen, da fehlt mir die Ahnung. Ich weissß nur, dass ich das gleiche Problem mit Wolfgang schon einmal hatte.

Die beiden stehen jetzt ca. 180 km Luftlinie von uns entfernt auf der Südroute. Über den Umwege über Wolfgang können wir miteinander kommunizieren. Sie kommen nicht in ihr Mailsystem und schreiben nur über Whatsapp, das ich nicht habe und hier auch nicht installiert bekomme, weil mein Smartphone streikt.

Da wir noch einen Abstecher zu zwei Nationalparks machen, die beiden aber auf der ursprünglich geplanten Südroute bleiben wollen, werden wir wohl nicht mehr in Kürze zusammen kommen - schade. Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal im Altai-Gebirge.

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Kommentare: 2
  • #1

    Brigitte Wiegers (Dienstag, 30 Juni 2015 21:56)

    Was für eine traumhafte Landschaft! Ich beneide Euch

  • #2

    Peter (Mittwoch, 01 Juli 2015 13:01)

    Hallo Gitta, bitte niht beneiden, freu dich nur für uns, das reicht.
    Dafür haben wir jetzt aber 3 Tage Frust geschoben - knapp 390 km, davon ca. 40 km Piste (wussten wir aber), dann 20 km Teerstrasse, ca. 30 km verträgliche Piste, ca. 80 km übelste Wellblechpiste und den Rest (also über 200 km) allerübelste Baustellenpiste. Wir wären froh gewesen, hätten wir einen Schnitt von 15 km/h geschafft. Dafür gab es gestern abend wieder ein absolutes Highlight - in Kürze hier zu sehen.