Uliastai

Unser nächstes Ziel ist die Stadt Uliastai, von dort aus geht eine Piste in den Otgon-Tenger-Uul Nationalpark.  

Am Morgen wurden wir um 7:00 Uhr von Pferdegetrappel, -schnaufen, - wiehern und .rangeln geweckt. Einmal rausgeschaut, wieder umgedreht und bis 8:45 Uhr durchgeschlafen. Ich sag ja: Nichtstun ist unheimlich anstrengend.

Auf dem weiteren Weg gen Westen blieben wir auf der Nordseite des Sees. Zurück über die Vulkan-Piste und anschliessende Baustelle wollten wir uns schenken. So hatten wir 42 km Sand- und Steinpiste, die erste Zeit mit Blick auf den See, vor uns. Es war nur ein Schnitt von gut 15-16 km/h möglich, aber es war ein angenehmes Fahren. Zwischendurch musste das Auto auch mal eine steinige und steile Passage hoch, aber alles in allem lief es so wie geplant.

Dann, mal wieder ein Wunder, ca. 20 km Teerstrasse, nur zweimal unterbrochen von einer Baustelle. Doch danach hatten wir die übelste Wellblechpiste zu bewältigen. Das war aber noch nicht alles: Es gab noch eine Steigerung in Form der allerübelsten Baustellenpiste, die die Wellblechpiste noch in den Schatten stellte. Solch eine üble Strecke hatten wir auf den bisherigen über 1000 km Piste noch nicht gehabt. Ein Schnitt von gut 10 km/h war maximal drin. Und das ganze ging nicht nur über wenige Kilometer (ich werde am Ende dieses Berichtes noch drauf eingehen).

Das ganze Tal, dass wir seit Tsertserleg befuhren, ist ein Hochtal, wir mussten heute bis 2550 m hochklettern, selten befanden wir uns unter 2000 m. Lt. Reiseführer findet man in diesem Tal den größten Yak-Bestand in der Monoglei. Das kann gut stimmen, denn wir hatten eine Menge Yaks gesehen in den letzten 3 Tagen, so viel wir noch nie.

Die Baustelle zernarbt das Land optisch, aber es ist schon verständlich, dass die Straßen nach und nach ausgebaut und geteert werden. Doch uns half das im Moment überhaupt nicht. Wir empfanden das Tal als unattraktiv aufgrund der Baustelle und da wir überhaupt keine Kilometer schafften, fürchteten wir schon um einen Stellplatz für die Nacht.

Am Abend fanden wir dann doch noch einen. Das Tal wurde breiter, mittig der Fluß Ider und wir konnten uns hinter einen Hügel stellen, so dass wir die Baustelle nicht mehr sehen mussten. Es dauerte nicht lange, und ein Vater mit seinem Sohn kamen auf den Pferden angaloppiert. Sie waren neugierig und wollten mal schauen, was da auf dem Gras steht. Sie hatten auch einen Hund dabei und zeigten an, dass der durchaus bissig werden kann. Da wir um dessen Leben fürchteten, steckten wir unseren Kampfterrier Oskar lieber ins Auto

Nach einigen Minuten ritten sie wieder weiter, wir sahen sie dann einige Zeit später auf der anderen Flußseite. Ansonsten war es hier wie schon vor ein paar Tagen am Fluß Orkhon: Es ging gegen Abend zu und die Tiere wurden ans Wasser geführt bzw. wieder in die Nähe der eigenen Jurte getrieben

Nach dem Abendessen machten wir noch einen Spaziergang um und auf den in unmittelbarer Nähe gelegenen Hügel mit einer Gebetsstelle.

Nach dem Spaziergang setzten wir uns noch vor den Wagen, um den Abend und den Ausblick zu geniessen. Und wieder dauerte es nicht lange und der nächste Besuch war da. Die Reiter erzählten sich etwas, lachten und ritten dann weiter zu ihren Jurten, die nur unweit von uns standen.

Den ganzen Tag war es bewölkt und etwas kühl, umso mehr genossen wir die Sonne, die sich am Abend noch blicken ließ. Und bei einem Feierabendbier ließen wir den Abend ausklingen.

Vom nächsten Tag gibt es nicht viel zu erzählen. Die übelsten und allerübelsten Pisten gingen weiter. Zwischendurch sahen wir einen Kleinlaster, der im losen Sand nicht weiter kam. Der Fahrer hatte wohl schon eine zeitlang gebuddelt und als wir uns kurzerhand vor seinen Laster stellten, sah er ganz erleichtert aus. Schnell holte er sein Abschleppseil, dass aber beim ersten Versuch riß. Sein Auto war bis oben hin vollgepackt und sein dünnes Seil (eigenlich mehr ein Zurrband) hielt dem nicht stand. Da musste ich mein Abschleppseil rausholen und in kürzester Zeit war er wieder draussen.

Wir sehen schon die ganzen 3 Wochen, die wir uns in der Mongolei befinden, täglich Bussarde. Hier haben sich einige zum Stelldichein an einem Dorfrand eingefunden.

Mittlerweile waren wir gefrustet. Nicht nur gestern die schlechte Piste, heute ging es den ganzen Tag so weiter. Nach 140 km wollten wir einfach nicht mehr. Der Fluß Ider hatte uns noch eine ganze Zeit begleitet, aber ein Herankommen war nicht möglich. So bogen wir einfach rechts ab, fuhren ein paar Meter den Hügel rauf und blieben einfach stehen.

Doch dann - da war das Highlight des Tages, das uns den ganzen Frust vergessen ließ. Gut 500 m vom Wagen entfernt saß er im Gras, ich kam bis auf gut 200 m heran, bis er sich erhob und davonflog. Es war das erste Mal in unserem Leben, dass wir ihn in freier Wildbahn gesehen hatten, den König der Lüfte, einen Adler!

Der nächste Morgen. Das Navi zeigte noch genau 100 km an bis Uliastai, unserem nächsten Ziel. Zuerst hatten wir ja noch 40 km mehr oder weniger üble Wellblechpiste, aber die letzten 60 km wieder nur allerübelste Baustellenpiste. 

Die Mongolen fangen einfah an, eine Straße zum Ausbau vorzubereiten und dann ist erst einmal lange Pause. Man sieht nicht einen Menschen am Arbeiten. Ein paar Baumaschinen sahen wir, einen Security-Menschen dabei und das war es. Sonst nichts. (Man hat das Gefühl, dass hier die verrenteten Baustellenleiter aus Deutschland ihr Unwesen treiben. Man kennt es ja aus unserer Heimat: viele Kilometer Baustelle und kein Mensch ist bei der Arbeit zu sehen.)

Dafür Steine, Schlaglöcher, Wellen - einfach alles, was einem das Reisen verleiden kann. 15 km/h waren absolut nicht drin. Und dann der größte Hohn: eine moderne Wegelagerei auf der Straße. Die wollten doch tatsächlich bei der Einfahrt nach Uliastai eine Gebühr haben. Zum Glück  war die Schranke auf unserer Seite hochgestellt, so dass ich ohne Anhalten durchfahren konnte. Diese Piste war mir nicht einen Euro wert, auch wenn uns in der Stadt Teerstraßen unter die Räder kamen. In den letzten 3 langen Tagen mußten wir ca. 80 km übelste Wellblech- piste und über 200 km allerübelste Baustellenpiste bewältigen. 

In der Stadt suchten wir noch eine Werkstatt auf, weil wir einen Bolzen verloren hatten und ich keinen passenden in meinem Vorrat finden konnte. Der Schlosser (liegt unterm Auto) hatte zwar auch keinen passenden, aber der Mongole neben mir ging zu einem Autozubehör-Laden, wo ich einen passenden kaufen konnte.

Noch kurz in den Supermarkt zum Brotkaufen, anschliessend noch nachtanken (mittlerweile hat der Dieselpreis die 1 Euro-Grenze erreicht), die Piste zum Otgon-Tenger-Uul Nationalpark gesucht und auch gefunden, wenige Kilometer aus der Stadt raus und wieder einen der herrlichen Steh- und Schlafplätze gefunden. Natürlich gab es wieder einmal Besuch, aber ansonsten war es ein ungestörter Abend, begleitet vom Rauschen des Wassers.

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