Russisches Altai-Gebirge

Mit gaaaaaaanz viel Wehmut verliessen wir am Samstag, den 18.07., nach 40 Tagen die Mongolei. Es war schon ein komisches Gefühl, war dieses Land doch das Hauptziel unserer Reise. Ein kleines Resümee: es war (und ist) ein fantastisches Land und hat uns unheimlich viel Spaß gemacht. Diese Stimmung, diese Eindrücke, die Menschen, die Landschaft: Man kann es kaum beschreiben, man muss es selber erlebt haben. Und zum Glück sind wir von den befürchteten Pannen wie Plattfuß oder Federbrüchen verschont geblieben.  Wir hatten fast 5000 km geschafft, also unheimlich viel gesehen, obwohl wir nur einen kleinen Teil des Landes bereisen konnten. Und von diesen Kilometern gingen fast 3500 km über Pisten, gute, schlechte, ganz schlechte und noch schlechtere. Und keine Panne. Das Auto hat hervorragend durchgehalten (und hoffentlich bleibt es so).

Doch das Abenteuer ruft, die restliche Welt wartet und will auch bereist werden.

In Ölgii wurde das restliche mongolische Geld in Bierdosen umgetauscht und ab ging es gen Westen. Eigentlich hatten wir geplant, erst am Sonntag (sofern geöffnet) oder am Montag über die Grenze zu fahren. Doch nachdem wir von einigen Horrorgeschichten gehört hatten (die Grenzabfertigung kann durchaus 7 Stunden und mehr dauern, da die Mongolen erst (nicht unbedingt ganz pünktlich) den Zollhof um 09:00 Uhr öffnen, die Mittagspause gern verlängert wird, dafür aber ganz pünktlich um 17:00 Uhr Feierabend ist (es kann passieren, dass man im Zollhof übernachten muss und die Papiere dann am nächsten Morgen weiter bearbeitet werden)), kam Brigitte auf die Idee, es noch am Samstag nachmittag zu versuchen. 

Ich will euch nicht mit dem ganzen Grenzübertritt langweilen, nur soviel: es standen gerade einmal 2 PKW vor uns und wir waren innerhalb von 3 Stunden durch die mongolische und die russische Abfertigung.

Ca. 70 km hinter der Grenze, in Kosh-Agach, wurde noch kurz eingekauft und weiter ging es in ein 20 km weiter entferntes Ger-Camp, wo wir uns mit Jürgen und Gerda treffen wollten. Als wir gegen 19:30 Uhr dort eintrafen, waren die beiden ganz erstaunt, da sie auch erst gegen 15:00 Uhr angekommen waren. Sie hatten gut 7 ½ Stunden für den Grenzübertritt benötigt, u.a. auch, weil die Schlange vor dem Zollhof um etliches länger war als bei uns und Mongolen sich immer wieder vordrängelten.

Im Ger-Camp blieben wir 3 Nächte. Zwar gab es keinen großen Luxus, aber die (abenteuerlich alte) Waschmaschine konnte genutzt werden und die Autos mussten gewartet und durchgecheckt werden.

Oskar fand für einen Nachmittag einen neuen Freund, so dass er sich auch mal wieder mit seinesgleichen austoben durfte. Und das Wasser war so klar und sauber und schmeckte sooooo gut, so dass wir damit auch unseren Vorrat auffüllen konnten.

Ab der Grenze befanden wir uns im russischen Altai-Gebirge. Bis etwa Kosh-Agach war es annähernd wie in der Mongolei, doch dann änderte sich die Landschaft rapide. Es macht über die nächsten 500 km mehr den Eindruck, als befindet man sich in einem Mix aus dem Schwarzwald und Tirol. Es ist eine faszinierende Landschaft. Lt. Reiseführer soll es sich im Altai um die schönste Region Sibiriens handeln – das könnte durchaus hinkommen.

Diese Region ist inzwischen etwas touristisch erschlossen worden, allerdings hält sich das zum Glück noch sehr in Grenzen. Auch hier ist es kein Problem, einen Stellplatz zu finden.

Irgendwo an einem Fluß wurde ein Grillabend eingelegt. Allerdings war die Wurst nicht so dolle, man mochte sie nicht einmal einem Hund geben, so dass die Fische damit gefüttert wurden. Und der kleine Gewitterschauer konnte die Frauen nicht davon abhalten, das Feuer zu geniessen.

Am Morgen um 08:30 Uhr konnten wir schon bei 28 Grad draussen frühstücken. Ach ja,  falls es interessiert: die Temperaturen waren durchaus um die 35/36 Grad.

Weiter ging es gen Westen, wir zockelten trotz guter Strassen mit ca. 50 km/h durch die Gegend, um die herrliche Landschaft geniessen zu können.

Am Donnerstag kamen wir am Fluß Sema an, kurz vor der Kleinstadt Ust-Sema. Hier konnten wir für umgerechnet 5,--- € stehen bleiben mit der Möglichkeit, die Sanitär-Einrichtung zu nutzen. Doch die Toiletten haben wir lieber nicht genutzt (schon im Ger-Camp war das für uns nicht möglich, so stank es beim Donnerbalken), und waschen konnten wir uns im Fluß. Und in dem Preis war auch das Holz fürs Lagerfeuer mit drin. 

Oskar tat mal wieder etwas für die deutsch-russische Freundschaft. 

Die Nachbarn waren ein klein wenig neugierig, sie fanden es erstaunlich, dass wir mit den Autos ganz aus Deutschland bis hierher gefahren waren. Ein Blick in die Autos wurde natürlich auch zugelassen. Und während wir Männer quatschten und das gute mongolische Bier tranken, musste Gerda sich um den Grill kümmern.

Wunderschöne Schmetterlinge gab es hier:

Am Freitag vormittag war dann die Trennung von Jürgen und Gerda angesagt. Die Beiden haben nicht so viel Zeit wie wir und wollen weiter Richtung Kasachstan, während wir an diesem Platz noch einen weiteren Tag anhängen wollten.

Des weiteren wollten wir bei der Stadt Goran-Altaisk gen Norden abbiegen Von dort liegt nach gut 170 km ein See, der als Baikal des Altai-Gebirges bezeichnet wird. Doch im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass wir uns den Weg hätten schenken können. Am See liegt die Stadt Logach, die touristisch schon überlaufen ist und uns nur abgeschreckt hat, und das lag nicht nur am Regen, der mittlerweile im Tal hIng.

Die Strecke war nicht so gut zu fahren, erst nach ca. 120 km nach Erreichen des Flusses Bija fanden wir annehmbare Schlafplätze für dem Hin- und Rückweg und auch nur hier eine landschaftlich interessante Region.

Als wir wieder auf der Hauptstrecke (M52) ankamen, wurde noch einmal Grillgut eingekauft und wieder ein Stellplatz am Fluß Katun gesucht. Doch der Fluß, den wir schon kilometerweit begleitet hatten, wurde auf den nächsten Kilometern immer unansehnlicher, so dass wir auf die Idee kamen: Fahren wir doch ca. 60 km wieder gen Osten, dort wissen wir, was wir bei der Stadt Ust-Sema hatten. Also wieder dort hin und noch einmal 2 Tage geblieben. Allerdings kam am Nachmittag ein Gewitter herunter, so dass es inzwischen merklich auf gut 20 Grad abgekühlt war. Es war aber ein herrlicher Anblick, als die Wolken tief hingen und nur eine kleine Sicht auf die Berge freigaben.

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