Die ersten Tage in Kasachstan

Am letzten Abend in Russland kam noch ein Gewitter auf, was uns aber nicht sonderlich störte. Es blitzte und donnerte ein paar Mal, starker Wind und etwas Regen und das war es.

Aber leider fanden ein paar Mücken den Weg ins Auto und so mussten wir bei relativ hohen Innentemperaturen (es wollte nicht abkühlen trotz des Gewitters) erst einmal auf Mückenjagd gehen. Doch die Biester sind ja nicht ohne und verstecken sich an den unmöglichsten Stellen. So waren wir gegen 04:00 Uhr noch einmal gezwungen, uns eine gute halbe Stunde mit der weiteren Jagd auf Mücken zu beschäftigen, anstatt zu schlafen.

Gegen 11:30 Uhr waren wir dann an der russischen Grenze. Es dauerte noch gut 15 Minunten, bis wir in den Zollhof hinein durften. Dann ging alles sehr schnell und nach nicht einmal 55 Minuten waren wir schon durch beide Grenzabfertigungen und in Kasachsten - für den Hund hatte sich wieder einmal niemand interessiert.

Dieses Land unterscheidet sich auf der ersten Etappe nicht sonderlich von Russland. Auch hier Getreide- und Sonnenblumenanbau, allerdings wesentlich effektiver von der Landausnutzung. Es gibt - zumindest auf den 1. Blick - nicht so viel Brachland wie in Russland.

Wir wollten in Kasachstan tanken, denn hier kostet der Liter Diesel nicht einmal 0,45 € - ein Paradies!!! Doch bis zur Stadt Öskemen hatten wir keine Chancen. Nur wenige Tankstellen auf der Strecke und dann wollte keiner die Kreditkarten. Und da wir noch kein Bargeld dabei hatten, blieb uns nur die Hoffnung, dass der Diesel noch bis Öskemen reichen würde – was er zum Glück auch tat.

In Öskemen führte uns der Weg als erstes nach dem Tanken zum Imigrationsbüro, denn uns war bekannt, dass wir uns erst einmal registrieren lassen müssen. Dank der HP von Bernhard und Brigitte war das Finden des Büros kein Problem, da sie die Koordinaten aller für sie wichtigen Orten hinterlegen (vielen Dank ihr Beiden, das hat uns schon einige Male das Leben bzw. Auffinden einfacher gemacht).

Doch dort wollte man uns nicht registrieren, da das angeblich für deutsche Touristen nicht nötig wäre. Doch darauf wollte ich mich so nicht einlassen. Und auf mehrmaligem Drängen, mir das schriftlich zu geben (ich wollte uns kein Problem bei der Ausreise oder mit Polizisten schaffen), hat man uns genervt dann doch registrierte – na siehste, geht doch.

In Öskemen gibt es ein technisches Kaufhaus, das 'Techno Drom'. Da mein Smartphone defekt ist und Brigitte ihr E-Book beim Einnicken hat fallen lassen, wollte ich diese Teile dort neu kaufen. Doch ein E-Book hatten sie nicht und das Smartphone wäre dort auch nicht günstiger als bei uns – so hab ich das bleiben lassen.

Da wir im Centrum waren, haben wir uns dort noch ein Abendessen gegönnt (Kebab bestellt, aber Schaschlik bekommen). Dann wieder zum Auto und unser Weg führte uns erst einmal gegen Abend zur neuen Moschee. Hier wollten wir die Nacht auf dem Parkplatz verbringen (nicht ganz leise, aber es geht) und auf Nachfrage wurde das auch gestattet.

Das abendliche Gebet war zu Ende und als der Parkplatz leer war, fuhren wir das Auto bis ans hinterste Ende. Dann musste ich mir erst einmal die Moschee von innen anschauen - und wurde ermutigt, doch auch den Fotoapparat zu benutzen.

Wir saßen noch bis fast 01:00 Uhr vor dem Auto, es war eine sehr laue Nacht. 

Vormittags gingen wir noch einmal zusammen in die Moschee, da Brigitte am Abend nicht dabei war. Leider hatte ich den Fotoapparat dieses Mal nicht mit dabei, ansonsten hättet ihr Brigitte wieder einmal verkleidet sehen können.

Gleich neben der Moschee gibt es einen Ethnopark, den wir gern anschauen wollten. Aber Hunde waren nicht erlaubt, so dass wir darauf verzichteten. Da sich die Temperaturen schon wieder Richtung 35 - 40 Grad aufmachten, wollten wir auch Oskar nicht zumuten, den Tag im Auto in der Sonne zu verbringen. So machten wir uns auf Richtung Osten. Durch Öskeme fliesst der Fluß Ertis, der östlich der Stadt auch gestaut wird und sich so auf über viele viele Kilometer fast als See darstellt. Da wir auch im Vorwege mitbekamen, dass die Strecke südlich von Öskemen erst einmal langweilig sein soll, wollten wir also 'hinter herum' erst gen Osten und dann weiter gen Süden fahren, immer mehr oder weniger am Wasser entlang und die Möglichkeiten des Badens ausschöpfend. 

Die Landschaft erinnerte uns immer wieder an die Mongolei, wäre hier nicht so viel Landwirtschaft und alles so grün, könnte man das wirklich denken.

Die ersten 50 km war die Strasse in einem sehr guten Zustand, danach durften wir noch gut 20 km auf einer sehr welligen, ausgewaschenen und holperigen Strasse bis zum ersten Nachtplatz fahren. Auf dem Stausee fahren auch Schiffe, wie wir am nächsten Tag feststellten, luden sie Kohle ca. 100 km vor der Stadt und brachten diese bis zur Anlegestelle an der Staumauer.

Die Landschaft war wirklich toll anzuschauen, es hat uns sehr gut gefallen - von daher bereuten wir nicht den geplanten Umweg.

Doch weit gefehlt, wenn man wirklich den Fluß sieht, kommt man nur selten ans Wasser, denn eine Bahn fährt noch dort entlang und kann kaum überquert werden. Und findet man schöne Stellen, sind sie total vermüllt. Man sieht es hier auf den Bildern nicht so, doch in die Rubrik 'Neidischmachbilder' brauch ich sie nicht einstellen.

Dazu kommt, dass die ersten 50 km ganz gut zu fahren waren, doch danach wurde es katastrophal. So sind wir dann nach 2 Tagen entnervt wieder umgedreht und über Öskemen gen Süden. 

Ca.60 km hinter Öskemen zeigte uns das Navi einen See an, wir also runter von der Strasse und noch 5 km Piste gefahren. 

Wir hatten mittlerweile Sonntag - und die Wochenenden werden von den Kasachen ebenso gern genutzt wie von den Russen,  um mit der Familie oder Freunden das Wochenende in der Natur, am liebsten am Wasser, zu verbringen. Und so sah es dann noch am späten Nachmittag aus: 

Natürlich waren wir wieder die Attraktion des Platzes und wurden von einigen gleich angesprochen. Immer wieder wurde auch der Daumen nach oben gezeigt  - ein gutes Auto. Wenn wir dann noch erzählten, wo wir herkamen, wo wir waren, dass wir schon über 18.000 km Reisen hinter uns haben, wurden wir vielfach nur ungläubig angeschaut.

Abends kamen diese 4 jungen Kasachen noch an, nach einiger Zeit standen sie vor uns und stellten uns auch die üblichen Fragen.

Da kein Zelt mehr aufgebaut war, wussten wir, dass wir die Nacht allein und ruhig verbringen konnten. Am Montag kam noch das eine oder andere Auto, es war immer das gleiche mit den Fragen (die Kasachen sind da nicht ganz so zurückhaltend wie die Russen) und am Montag abend sah es dann so aus:

Unser Plan war allerdings, nicht nur an diesem See zu bleiben, sondern weiter Richtung Süden, denn Ende des Monats möchten wir nach Kirgisien über die Grenze und bis dahin gibt es noch einiges zu sehen. 

Die Landschaft wirkt jetzt eintöniger, es gibt eine langweilige Steppe, leicht hügelig und eine sehr schlechte Strasse, zwar besser als Richtung Osten, aber viele Bodenwellen, Auswaschungen und Spurrillen. Ein Schnitt von 40 km/h war kaum zu schaffen - und das auf einer der großen Transitstrecken. Während wir also lansam dahin zockelten, wurden wir von den schmerzbefreiten Kasachen in ihren PKWs doch mit gut dem doppeltem Tempo überholt.

Und ein Schild wie dieses konnten wir sehr häufig sehen. Eigentlich hätte das Geld gespart werden können, aus den 10 km hätte man nur 200 km machen brauchen. 

Es gab aber nicht nur eintönige Landschaft, sondern auch das eine oder andere interessante Fotomotiv wie: Kälber warten auf den Schulbus     oder   Kühe an der Milchtanke......

Und in Ermangelung eines Sees oder Flusses im derzeitigen Streckenabschnitt verbrachten wir die Nacht auf einem staubigen, abgeernteten Feld. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Wolfgang (Sonntag, 16 August 2015 22:22)

    sehr schöner Bericht. Er stimmt mich ein wenig traurig weil wir schon wieder zu Hsuse sind. Euch alles Liebe und weiter eine sichere Fahrt.

    Wolfgang und Gisela