Frust

Wir sind mittlerweile gefrustet. Nachdem wir auf der 'Ostroute' u.a. aufgrund der Strassen- verhältnisse umdrehten, hofften wir auf bessere Straßen, vor allem, da wir auf einer der Haupttrassen Richtung Süden unterwegs sein wollten. Doch hier waren die Straßen auch kaum besser. Hin und wieder gab es eines dieser Schilder: Allerdings sollte man statt 10 km gleich 1000 km drauf schreiben.

Des weiteren kommt hinzu, dass die Landschaft sich in eine weite, ebene Steppe verändert hat, dann haben wir annähernd jeden Tag mittlerweile um die 40 Grad und die Fahrerrei wird stupide und anstrengender. Mittlerweile stellten wir auch fest, dass unser Dachträger die bisherigen fast 20.000 km nicht ganz überstanden hatte. Eine Halterung war gebrochen, so dass er immer mehr hin und her wackelte und auch an das Dach polterte. Damit nicht noch mehr Schaden entsteht, mussten wir ihn mit Spannbändern befestigen und die Geschwindig-keit weiter drosseln.

Aufgrund eines Tipps aus einer anderen HP fanden wir dann einen Platz am See Alaköl (Bunter See), direkt bei der Stadt Akschi. Allerdings war es auch hier sehr staubig. Der Ort selber ist etwas touristisch aufgemacht (was man in Kasachstan so darunter versteht - ich glaube, Euopäer würden hier nicht 2 Wochen Urlaub machen). Aber wir konnten zumindest baden, was bei der Hitze ganz angenehm war.

Im Laufe des Tages kam immer mehr Wind auf, so dass es bzgl. des Staubes so langsam unangenehmer wurde. Auch wurden die Wellen stärker, so dass das Wasser aufgewühlter und schmutziger wurde. Wir entschlossen uns am Nachmittag kurzerhand, den Platz aufzugeben und in die naheliegenden Berge zu fahren. Nach gut 10 km Luftlinie sahen wir in dieser trockenen Steppe einen großen Grüngürtel, hier das Dorf Koktuma. Kurzerhand bogen wir ab und fanden dort einen grünen Stellplatz, an dem sich auch nicht so viel Staub befand. Hier verbrachten wir dann die nächste Nacht. Abends kam noch ein starkes Gewitter mit vielen Blitzen, Donner und Wetterleuchten auf. Der Wind wurde so stark, dass das Auto ganz schön am Wackeln war. Es regnete die ganze Nacht mehr oder weniger.

Es kühlte auf angenehme 20 Grad ab. Wir machten uns dann durch die Berge weiter auf den Weg - Almaty, die größte Stadt des Landes und ehemalige Hauptstadt, war das nächste Ziel. Dort wollten wir in eine MAN-Werkstatt, da unser Auto mittlerweile mal einen Ölwechsel benötigt und der Dachträger geschweisst und zusätzliche Halterungen angebaut werden können.

Der Weg durch das Gebirge entschädigte mal wieder für die trostlose Ebene. Zwar war es an vielen Stellen noch wolkenverhangen und zwischendurch kam auch etwas Regen herunter, aber das war nach den letzten heissen Tagen durchaus eine Wohltat.

Die Landschaft ähnelte wieder der Mongolei - einfach schön.

Am Sonntag fanden wir am Stausee Qapshaghay einen sehr ruhigen Schlafplatz, im Hintergrund wieder kleinere Gebirge, auf der anderen Seite des Sees waren die 4000'er noch mit Schnee bedeckt. Trotz diesiger Luft ein schöner Anblick. 

Jetzt haben wir es noch knapp 120 km bis zur Werkstatt. Ca. 70 km in anderer Richtung liegen die Singenden Dünen Kasachstans, die eigentlich einen Besuch wert sein sollen. Doch dorthin gibt es nur noch Piste und da wir nicht riskieren wollten, dass der Träger uns ganz verlässt, haben wir leider drauf verzichtet. Also weiter Richtung Almaty. Seit dem Vortag sind wir zuletzt an einer Autobahn-Baustelle unterwegs. Zwischendurch wurde dadurch die Straße noch schlechter, aber es waren auch schon annähernd fertige Teilstücke zu fahren, so dass wir gut Kilometer machen konnten. So kamen wir dann am Montag nachmittag in der MAN-Werkstatt an. Gleich wurde der Ölwechsel vorgenommen und ein paar andere Kleinigkeiten gerichtet. Beim Träger wollte man am nächsten Tag beigehen. Und da wir auf dem Hof parken und übernachten durften, war für uns die Welt in Ordnung. Der Wachmann bot uns Wasser an zum Füllen des Wassertanks, zeigte uns die Sanitäranlagen und brachte uns noch Weintrauben vorbei. Und Strom durften wir auch anschliessen, um den Batterien mal eine Pflegeladung zukommen zu lassen. Diese Momente mit den Freundlichkeiten der Menschen entschädigen dann wieder für den Frust, den wir zwischendurch geschoben hatten.

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Kommentare: 2
  • #1

    Tobbo (Mittwoch, 19 August 2015 00:42)

    Wenn ihr schonmal pause macht, dann solltet ihr den MAN auch mal putzen....von Woche zu woche wird der schmutziger....

    weiterhin viel Spaß

  • #2

    Peter (Mittwoch, 19 August 2015 07:35)

    Nein Torben, schmutzig wird der nicht, nur staubig. Das bisschen Dreck wird bei den vereinzelten und seltenen Regenfahrten abgespült. Allerdings sollten wir den Staub mal mit einem Staubwedel abwischen - da hast du vielleicht nicht ganz unrecht. Denn unsere, insbesondere meine, Hosen und Shirts sehen, da ich des öfteren an die Klappen muss, relativ schnell auch grau aus.