Almaty

Am Dienstag vormittag (die Werkstatt ist von 09:00 - 18:00 Uhr geöffnet), nahm man sich den Träger vor. Der Mechaniker, der die zusätzliche Halterung anbaute, war nicht unbedingt der schnellste, um nicht zu sagen: Dem konnte man beim Laufen schon mal die Schuhe besohlen. 

Und um 17:35 Uhr wollte mir ein weiterer Mechaniker, der nachmittags anfing zu helfen, mir erklären, dass jetzt Schluß ist, weil um 18.00 Uhr Feierabend wäre - hier haben die Menschen eine andere Einstellung als wir, es geht ruhiger und gemächlich zu, von Hetze und Streß nichts zu spüren

Doch wir wollten wir uns nicht daurauf einlassen, würden doch die noch ausstehenden restlichen Arbeiten maximal noch eine Stunde. dauern - und da wollten wir nicht auf den nächsten Tag warten.

Während der eine Mechaniker aufgrund meines Drängelns noch mit dem Vorgesetzten (der sich auch schon aus dem Staub gemacht hatte) telefonierte, ging Brigitte in die Werkstatt, um dem 'Schnellen' noch Beine zu machen. Nach einigen Minuten des Diskutierens erledigten sie dann doch noch die Metallarbeiten.  Und da wir ja ohne Bezahlen nicht vom Hof durften, musste der Vorgesetzte auch wieder vorbeikommen, um zu kassieren. So kamen wir gegen 19:00 Uhr noch vom Hof der Werkstatt.

100 m weiter gibt es einen großen Supermarkt. Wir erst einmal hinein und viel Geld ausgegeben. U.a. auch, weil wir unsere Weinvorräte wieder aufstocken konnten. Dann sollte es in die City gehen, doch da es nach dem Einkaufen (20:30 Uhr) schon dunkel war, drehten wir um. Der Wachmann der Werkstatt ließ uns wieder auf den Hof, so dass wir die nächste Nacht dort auch verbringen konnten. Nicht besonders schön, aber ertragbar.

Morgens, schon vor 8:00 Uhr (für uns sehr früh) ging es dann gleich in die City, wir fanden einen Parkplatz direkt vor einer Wäscherei, gleich bei der Fußgänger- und Einkaufszone. Erst einmal die Wäsche abgegeben und dann gefrühstückt. Während Brigitte als nächstes den Friseur aufsuchte, ging ich mit Oskar die Fußgängerzone sondieren. Wir musten ja noch ein neues eBook kaufen, Brigittes elektrische Zahnbürste war ebenfalls defekt und musste ersetzt werden. Für mich wurde auch noch ein Termin zum Nachmittag abgesprochen und anschliessend durften wir Oskar noch zum Hundefriseur schleppen – so konnten wir alle die Hitze mit kurzen Haaren besser aushalten

Almaty ist mit 1,4 Mio Einwohnern die größte und ehemalige Hauptstadt Kasachstans (bis sie 1994 von der Retortenstadt Astana als Hauptstadt abgelöst wurde). Sie war einst eine kleine Siedlung an der Großen Seidenstrasse.

Die Stadt machte auf uns einen relativ modernen und sehr grünen Eindruck. Allerdings haben wir ausser Wäscherei, Friseure und Einkaufszone nichts weiter besichtigt, denn es herrschte den Tag über wieder gut 40 Grad und kein Wind. Da saßen wir lieber draussen im Schatten auf einer Bank oder trieben uns in den klimatisierten Kaufhäusern herum.

Wir wollten die Möglichkeit des citynahen Parkplatzes aber nutzen und gingen abends in einem hübschen Restaurant Essen. Hier zeigte sich die Bedienung ganz anders, als wir es normalerweise aus ehemaligen sowjetischen Staaten kennen. Häufig hat man den Eindruck, dass der Kunde nur stört.. Unsere jetzige Bedienung war freundlich, sehr aufmerksam und lächelte auch immer. Das war uns dann auch ein etwas besseres Trinkgeld wert.

Die City war den ganzen Abend voller Menschen, man kann sagen, es tobte das Leben. Die Luft war sehr angenehm warm, so dass wir gegen Mitternacht vor dem Auto bei immer noch mehr als 30 Grad einen Absacker tranken. 

Bevor wir zum Essen gingen, sprach uns auf Englisch ein Kasache namens Ruslan an. Nach den üblichen Fragen des woher und wohin erzählte er, dass er direkt nebenan seine Wohnung hätte und wir ja für eine Nacht quasi Nachbarn wären. Er wollte uns etwas Gutes tun und etwas von Kasachstan schenken. Gegen Mitternacht tauchte er dann wieder auf und schenkte uns Pralinen, Schokolade und 2 Flaschen Saft. Einfach so ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Der Grund war einfach, dass er sich über den Besuch zweier europäischen Touristen in seinem Land freute. Diese Gesten der Menschen überraschen uns immer wieder.

Die Nacht in der City war nicht gerade die angenehmste. Es blieb die ganze Zeit sehr warm und so ganz leise war es auch nicht, allerdings hatten wir auch nicht mit der absoluten Ruhe gerechnet. Wie sagt Brigitte immer: Wer die Nacht an der Uferpromenate in Krasnojarsk übersteht, übersteht auch alles weitere.

Am Vormittag wollten wir an den Stausee des Ile-Alatau Nationalparkes unweit von Almaty. Dieser Nationalpark liegt im Norden des Tienschan-Gebirges. Das Tienschan (übersetzt: „die himmlischen Berge“) reicht bis China, Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan. Sein höchster Berg ist der Dschengisch Tschokusu mit 7.439 Metern.

Der Nationalpark Ile-Alatau ist einer von zwölf Nationalparks in Kasachstan und wurde 1996 gegründet. Für europäische Verhältnisse ist er mit rund 200.000 Hektar sehr groß. Zum Vergleich: Der größte Nationalpark auf dem deutschen Festland ist der Müritz-Nationalpark mit gerade einmal 32.000 Hektar. Die Landschaften und Lebensräume, die der Nationalpark Ile-Alatau schützt, sind vom Menschen noch weitgehend unberührt: Wälder, alpine Wiesen- und Auenlandschaften, Gletscher und Gletscherseen.

Eine Reihe bedrohter Wildtiere leben im Nationalpark. Darunter der Schneeleopard, der Zentralasiatische Luchs und der Tienchan-Braunbär. Auch Steinmarder, Bergziegen und Steinadler - allerdings hatten wir keines der Tiere entdecken können.

Auf dem Weg raus aus der Stadt haben wir die 40 Grad Tagestemperatur verlassen – nach oben. Auf einem Thermometer wurden um 10:20 Uhr bereits 45 Grad angezeigt.

Der Stausee liegt in gut 2500 m Höhe und die Temperaturen sind wesentlich angenehmer. Wir machten mittags etwas tiefer (2368 m) Rast und entschlossen uns zu bleiben, ein kleiner Bach mit sehr sauberem Wasser fliesst vorbei und es lässt sich sehr gut aushalten – eine richtige Erholung nach den letzten Tagen.

Bei der Abfahrt am nächsten Tag staunten wir nicht schlecht, als wir auf dem Navi unsere derzeitige Geschwindigkeit ablesen konnten. Naja, es ging teileweise mit bis zu 12% Gefälle bergab:

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Kommentare: 4
  • #1

    Oliver (Donnerstag, 27 August 2015 18:00)

    Moin Peter,
    liest sich ja echt spannend, das machst Du ja richtig gut...........
    Was hast Du denn schon wieder kaputt gemacht?
    Grüße aus den Folterkeller ( Büro)
    Oliver

  • #2

    RalfW (Freitag, 28 August 2015 23:14)

    242 Km/h. Respekt! Und die Gegend wo ihr seit sieht wirklich schön aus. Wir wollen uns Morgen mal in den Trubel von Amelighausen stürzen :-)
    Wie schaut's eigentlich mit der Verständigung mit Einheimischen aus? Hände und Füße oder doch einigemaßen auf Englisch?
    Gruss,
    Ralf

  • #3

    Peter (Sonntag, 30 August 2015 09:50)

    @ Oliver: nichts kaputt gemacht, passierte ganz von allein

    @ Ralf: In den Städten mit jungen Menschen kommt man häufig mit Englisch weiter, auf den Dörfern und mit älteren ist das schwieriger. Aber mit Händen und Füßen, im Zweifelsfall mit aufzeichnen, geht das ganz gut.

  • #4

    Paul und Sylvia (Antalya) (Donnerstag, 28 Januar 2016 01:36)

    Bei der Geschwindigkeit könnt ihr aber froh sein, diesmal nicht in eine Polizeikontrolle gekommen zu sein. :-)