Auf der Seidenstrasse

Wir wollen noch gut eine Woche in Kasachstan bleiben und zwar auf der Seidenstrasse. Mit Almaty hatten wir ja schon den ersten Ort, wir wollen noch weiter nach Taraz, Shimkent und Türkistan, diese Städte liegen weiter gen Westen. Dann drehen wir und fahren wieder zurück nach Taraz, um dort in der Nähe über die Grenze nach Kirgistan einzureisen. So der Plan.

Also raus aus dem Nationalpark und immer entlang des Tienschan-Gebirges gen Osten. Die Strassen waren in einem sehr guten Zustand und wir konnten richtig Kilometer machen. Zum Teil geht es über eine relativ neue Autobahn, die noch nicht in unserer Karte von 2013 verzeichnet ist. Aber das Navi kannte sie schon.

Das Tienschan-Gebirge liegt südlich der Strasse, auf der Nordseite nur flaches und aus unserer Sicht sehr ödes Land, teilweise für die Landwirtschaft genutzt. Irgendwie gibt uns das Land Kasachstan nicht so viel und wir sind uns einig, dass wir nicht unbedingt diese Land noch einmal als Urlaubsland bereisen müssten. Das kann allerdings auch an der Hitze liegen, denn das Thermometer will sich nicht von den 40 Grad nach unten bewegen. Auch unserem Oskar macht die Hitze sehr zu schaffen. Durch die offenen Fenster bekommen wir wenigstens Fahrtwind ab, aber der ist auch so heiß. Dann noch das Pech, dass der Wagen nicht mehr laufen will – es nimmt auf einmal kein Gas mehr an. Das gleiche Problem trat sehr plötzlich schon in der Werkstatt auf und dort stellten wir nach kurzem Suchen fest, dass die Dieselleitungen an 3 Stellen undicht waren und der Motor dadurch Luft zog (wie das so plötzlich und gehäuft auftreten konnte – keine Ahnung). Jetzt wieder dieses Problem. Nach einigem Suchen stellte ich das 4. Leck fest, dass ich aber nach kurzer Zeit reparieren konnte.

Gegen Abend fanden wir in dieser Steppe dann noch einen Stausee, der Wasserspiegel war aber schon ziemlich weit abgesunken und das Ufer sowie das braune Wasser luden nicht zum Baden ein. Es war allerdings auch schon fast 19:00 Uhr. Oskar hatte zu nichts mehr Lust, er musste aber noch seinen Gang erledigen und dann verbrachten wir noch bis 23:00 Uhr bei dem einen oder anderen Bier und einer Brotzeit den Abend in der warmen Luft bei leichtem Wind und fast keinen Mücken vor dem Auto.

Ach ja: Brigitte wollte auch mal wieder selber fahren, um mehr Gefühl für das Auto zu bekommen. Denn mit könnte ja mal etwas passieren und dann muß sie in der Lage sein, das Womo zu bewegen.

Der Samstagmorgen sah sehr bewölkt aus und mit gut 20 Grad war es nach den letzten Temperaturen schon kalt für uns. Bis Taraz waren es noch über 300 km und es dauerte nicht lange und es fing an zu regnen. Darüber waren wir überhaupt nicht traurig, denn so nutzten wir, das Wetter, um Kilometer zu machen. Oskar hatte anscheinend noch vom Vortag Probleme, es war trotz der kühleren Temperaturen einfach nichts mit ihm los und er wollte nur noch auf seinen Platz und schlafen.

Wegen Baustellen konnten wir nicht in die Stadt Taraz einfahren und so ging es gleich weiter zum Mausoleum Aisha Bibi, wo wir das Auto auf dem Parkplatz abstellten und den Rest des Nachmittags bei strömendem Regen und Gewitter im Koffer verbrachten – das tat mal richtig gut. Am Abend wurde es wieder trocken und dem Oskar ging es in der Zwischenzeit auch wieder besser.

Am nächsten Morgen peilten wir Shimkent an, auch eine Stadt aus der Zeit der großen Seidenstrasse. Doch auch hier, ausser einer Kamel-Stilisierung an einem Kreisverkehr, nichts mehr zu sehen von der Seidenstrasse. Nur eine moderne Industriestadt, die sehr grün ist. Hier, wie auch in Amalty, gibt es überall kleine Rinnen, in denen das Wasser durchgeleitet wird und dadurch die Pflanzen und Bäume gut bewässert werden. Zuerst überlegte wir, gleich weiter gen Westen nach Türkistan zu fahren, entschieden uns aber kurzfristig, 2 Nationalparks (Sairam-Ugam und Aksu-Zhabaghly) zu besichtigen. Die Nacht verbrachten wir noch an einem Stausee unweit der Stadt, um am nächsten Morgen die Nationalparks anzufahren. Beim ersteren fanden wir den Eingang nicht und nach langem Suchen fanden wir dann den 2. Bei einem Ranger durften wir den Eintritt bezahlen (knapp 7,-- €) um dann über eine grob geschotterte Piste in die Berge zu kommen. Diese Piste ging über ca. 4 km, kein vernünftiger Stellplatz war zu finden. Kein Problem, es wird sich schon ändern. Tat es auch: die Schotterpiste hörte auf und es ging nicht weiter. Total enttäuscht drehten wir um und bei der Ausfahrt erklärten wir dem Ranger, dass sein Park der schlechteste wäre, den wir je bereisten und unser Geld zurück haben möchten. Ganz erstaunt war ich, als er in die Tasche griff und uns den Eintritt erstattete.

Ein paar Kilometer weiter Richtung Tal fanden wir an einem Dorfrand einen privaten Stellplatz. Eine Familie vermietete dort eine Jurte und wir durften stehen bleiben. Abendessen und Frühstück gab es im Haus. Das Ganze nicht ganz billig (zumindest für kasachische Verhält- nissse – die Hausfrau hat den Touristenzuschlag gleich mit eingerechnet), aber unheimlich nett. Die Mahlzeiten nahmen wir gemeinsam mit der Familie ein, wir versuchten ein Gespräch und mit viel Gelächter hat man dann doch das eine oder andere verstanden. Es hat sich richtig gelohnt. Allerdings war es auch anstrengend zu sitzen: wir waren es nicht gewohnt, auf einer Decke auf dem Fussboden an einem ca. 30 cm hohen Tisch zu speisen.

Dienstag morgen ging es dann weiter Richtung Türkistan. Es ging auf eine öde Autobahn, es wurde wieder heiß, obwohl der Himmel bewölkt war. Flache Ebenen, Staub, Hitze, braun – auf einmal hatten wir keine Lust mehr. Wir wollten uns das nicht mehr antun, auf die große Moschee und dem Grabmal, den Ausgrabungen von Otrar - wir verzichteten. Brigitte und ich entschieden, dass wir umdrehen..

Wir sind uns einig, dass Kasachstan nicht unser bevorzugtes Reiseland ist. Von allen bisherigen gefiel es uns hier am wenigsten. Vielleicht liegt es nur an der Hitze, wir wissen es nicht. Vielleicht sind wir zur falschen Jahreszeit hier, sicherlich wird es im Frühjahr nicht so heiß und staubig und braun sein. Aber jetzt gefiel es uns nicht besonders, obwohl es durchaus schöne Ecken gibt. Aber das Land ist uns einfach zu viel Steppe, zu eben. Mit den Menschen hatten wir keinerlei Probleme, sie sind aufgeschlossen, freuen sich über den deutschen Besuch in ihrem Land, erzählen uns sehr viel (meistens in ihrer Sprache), freuen sich, wenn sie ein ganz paar Wörter in unserer Sprache kennen und geben das auch gleich zum Besten.

Ich möchte noch erwähnen, dass wir nur einmal von einer Polizeikontrolle angehalten wurden. Man sieht sehr häufig Polizei auf den Straßen, meistens stehen sie mit ihren Radarpistolen am Straßenrand. Und fast jedes Mal hatten sie auch wieder ein oder mehrere zu schnell fahrende Autos erwischt. Keine Ahnung, weshalb die Kasachen das nicht begreifen. Wie gesagt: wir wurden nur einmal kontrolliert. Wir haben des öffteren gehört, dass die Beamten korrupt sein sollen. Das können wir allerdings nicht bestätigen, wir haben das nie erlebt

Trotzdem: wir wollen raus. Wir hörten in der Vergangenheit so viel positives von Kirgisien, dass wir jetzt schon dort hin wollen.

Da es bei Taraz einen Grenzübergang gibt, fuhren wir zurück nach Aisha Bibi und stellten uns wieder auf dem Parkplatz des Mausoleums. Da haben wir es am nächsten Tag nicht mehr so weit Wir standen wieder einmal ungestört die Nacht über mit Ausnahme des Regenschauers, der am Abend vorbeikam.

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