Kirgisien

Am Mittwochvormittag fuhren wir die erste Tankstelle an, beide Tanks und auch die 7 Reserve- kanister sollten gefüllt werden. Hier in Kasachsten ist der Diesel noch um einiges günstiger als in Kirgisien und Tadschikistan. Und in Uzbekistan werden wir wahrscheinlich keinen Diesel bekommen, denn nach unseren Informationen gibt es den dort im Sommer nur für die Landwirtschaft. Privatpersonen oder Touristen werden keinen bekommen, deshalb werden dort die PKW auch überwiegend mit Gas betrieben. Also: alle Möglichkeiten für das Dieselreservoir genutzt, dann noch einmal einen Supermarkt angefahren und die Lebensmittel wieder aufgefüllt.

Am Grenzübergang mussten wir eine gute Stunde anstehen, bis wir in den Zollhof einfahren konnten. Man ließ immer 2 – 3 Autos rüber und schloss dann wieder die Schranke. Alle vor uns fuhren dann dementsprechend die paar Meter weiter. Einmal wagte ich, stehen zu bleiben und gleich wurde hinter uns gehupt. Als wenn es dadurch schneller gehen würde. Wir amüsierten uns sowieso immer wieder über die Autofahrer. Zwar wird nicht so intensiv gedrängelt wie wir es in Ulaan Bataar erlebten, aber jeder Meter, den man weiter ist, hat man schon geschafft. Des öfteren erlebten wir auch, dass man uns noch schnell überholte, um dann 200 m weiter abzubiegen. Na ja, das sind die Eigenheiten in den einzelnen Ländern, man muss sich nicht drüber ärgern, höchsten wundern.

Im Zollhof angekommen, ging es erst einmal in die Personenabfertigung. Brigitte und ich standen an verschiedenen Schaltern und mein Beamter war wohl nicht der schnellste und hatte die Ruhe weg. Er wollte genau wissen, wie unser Auto aussieht und welche Farbe es hat. Da es leichte Sprachprobleme gab, er auch das Visum und den Einreisestempel in meinem Pass nicht finden konnte, zog sich das ganze. Mittlerweile wurde die Menschenschlange hinter mir auch immer länger und es kamen ärgerliche Rufe herüber. Man wollte sich auch schon vordrängeln. Aber mit sehr barscher Stimme sorgte er dann für Ruhe und ging mit einer Seelenruhe mit mir nach draußen, um das Auto und die Farbe anzuschauen.

Endlich bekam ich meinen Ausreisestempel, nicht ohne seine Frage, wo wir denn überall waren und wohin wir noch wollten.

Danach musste ich zum nächsten Zöllner, um das Auto kontrollieren zu lassen. Der Zöllner stieg in den Koffer und sah einen Karton mit Bierdosen. Er fragte, ob er 2 haben dürfte für sich und einen Kollegen. Nachdem ich ihm diese gab, wollte er auch nicht weiter in die Schränke schauen, rief mir ein bood bye zu und stieg gleich wieder aus. Die kirigisische Abfertigung ging auch sehr schnell vonstatten mit den üblichen Fragen. Der den Koffer besichtigende Zöllner fragte ganz offen nach Geschenken wie Caps o.ä. Ich bot ihm eine Bierdose an, die er aber ablehnte. Da ich ansonsten nichts greifbar hatte, war er auch zufrieden und wünschte eine gute Fahrt.

Alles in allem hatte die eigentliche Abfertigung an der Grenze gerade einmal 45 Minuten gedauert.

500 m hinter der Grenze sahen wir eine Polizeikontrolle und der Polizist zeigte mit seinem Stöckchen auf uns – also anhalten. Wir hörten im Hintergrund einen lauten Ruf: deutsch deutsch. Und sofort wies der Polizist uns an, dass wir ohne Kontrolle weiterfahren durften.

Wir haben auf unserer Reise noch nie erlebt, dass sich die Landschaft von einer Seite der Grenze zur anderen sofort ändert. Hier ist das der Fall. Wir kamen gleich nach der Grenze in die Berge, wurden von einem kirgisischen Kämpfer und unweit später von einem großen Stausee mit Lenin-Kopf begrüßt. Die Straße war in einem nicht so guten Zustand, so dass wir kaum 40 km/h schafften. Aber das störte uns überhaupt nicht, denn es gab wieder so viel fürs Auge, dass wir sowieso nicht schneller fahren wollten. 

Irgendwann am späten Nachmittag gab es einen Weg zum nächsten Fluß, der uns seit dem Stausee begleitete, hinunter. Nach 300 m sahen wir dort ein Zelt stehen. Es war das Zelt von Nick, einem Australier mit seinem Fahrrad. Er gehört zu den Menschen, die wir als echte 'Reisehelden' bezeichnen, denn er hat mit seinem Fahrrad u.a. auch schon den über 4000 m hohen Pamir überquert.

Wir verbrachten den Abend gemeinsam mit dem einen oder anderen Bier und ausgiebigen Gesprächen über unsere Reisen.

Irgendwann kam ein neugieriger Kirgise auf seinem Fahrrad (mit wenig Luft in den Reifen) zu uns. Nick pumpte ihm die Reifen auf, ich versuchte, ihm die Lenkstange am Rahmen zu befestigen und nach längerem 'Gespräch' und Besichtigung des Autos machte er sich wieder von dannen.

Es war ein angenehmer Abend mit Nick und das Gespräch schulte doch wieder unsere Englischkenntnisse.

Am Morgen trennten sich unsere Wege erst einmal. Doch irgendwann überholten wir ihn wieder, schenkten ihm noch eine Flasche Wasser und verabredeten uns ganz locker für einen abendlichen Stellplatz nach gut 100 km.

Die Fahrt ging nicht so schnell, denn wir mußten häufig stoppen, um die Eindrücke, die auf uns niederprasselten, auf den Fotochip zu bekommen.

Den Kirgisen sagt man nach, dass sie ein sehr verwegenes Reitervolk sein sollen. So konnten wir es bei diesem hier sehr deutlich beobachten, den er versuchte ein Wettrennen mit uns. Und es war ersichtlich, wieviel Spaß er dabei hatte.

Übrigens: die Temperaturen sind doch gesunken. Am diesem Tag schien keine Sonne, wir standen an einem Fluß unweit der Strasse, so dass Nick uns sehen könnte, wenn er so weit fährt an diesem Tag. Mittlerweile sind wir auf 1900 m Höhe, die er noch mit dem Fahrrad bewältigen muss. Es ist so kühl, dass wir durchaus schon am Nachmittag eine Jacke überziehen müssen. Nach der Hitze der letzten Wochen sind die Temperaturen durchaus eine gute Abwechslung, auch Oskar fühlt sich wesentlich wohler.

Am Abend kam Nick an. Es hatte inzwischen zu nieseln angefangen und es wurde noch kühler. Wir luden ihn zum Abendessen in unserem Wagen ein und, nachdem er das Zelt aufgebaut hatte, kam er. Zusammen verbrachten wir einen sehr kurzweiligen Abend, es hatte richtig Spass gemacht.

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Kommentare: 1
  • #1

    Uwe (Sonntag, 30 August 2015 17:29)

    Hallo Peter,

    tolle Berichte und spannende Bilder. Weiter o und gute Reise. Freue mich auf interessante Reiseberichte beim nächsten Stammtisch in 2016!
    Gruß
    uwe