Song Köl

Ergänzend zum Vortag möchte ich noch erwähnen, dass wir unsere erste Radarkontrolle hatten, bei der wir angehalten wurden. Man erklärte mir, ich wäre in einer 40ger Zone mit 51 gefahren. Da ich vorher die Radarkontrolle und auch das Schild gesehen hatte, aufgrund des Straßenbelages nie und nimmer so schnell war, stritt ich das ab und erklärte, ich hätte eine Dashcam mit GPS im Auto und wir könnten das gern mal nachschauen. Des weiteren wollte ich mal das Foto sehen, was mir der Polizist aber nicht zeigen konnte. Dann machte ich ihm klar, ich würde jetzt gehen, das ganze mit erhobener Stimme und mit Nachdruck - und war erstaunt: der Polizist versuchte nicht, mich aufzuhalten.

Da es am Vorabend sehr spät wurde, hatten wir bis nach halb neun geschlafen und sind dann in aller Ruhe aufgestanden. Es wurde 13:00 Uhr, bis wir endlich weg kamen, immer wieder hatten wir uns festgequatscht. Die beiden Schweizer sind sehr nette Leute und nach dem Austausch der Kontaktdaten waren wir locker verblieben, auf unserem Rückweg, der geplant auch durch die Schweiz führen soll, bei Ihnen vorbei zu schauen.

Zuerst ging es nach Balykchy am Westende des Ysyk Köl, der Dieseltank wurde aufgefüllt (die günstigste Tankstelle bisher in Kirgisien mit knapp 50 €Cent), im Supermarkt noch etwas eingekauft und dann auf die Straße zum Song Köl, einem See in den Bergen, der uns schon von mehreren Leuten empfohlen wurde. Zuerst wollten wir an einem Stausee stehen bleiben, doch der Wind nahm wieder zu, dort gab es keinen Windschutz und so toll sah es auch nicht aus, so dass wir noch einige Kilometer weiter in die Berge fuhren. Unterwegs wurde auch die Straße wieder sehr gut, links und rechts standen die Berge und wir genossen trotz des nachlassenden Wetters (der Herbst scheint langsam einzuziehen) die Aussichten.

Irgendwann fanden wir dann doch bei über 1900 m Höhe noch einen Schlafplatz an einem Fluß, das Ganze zwischen Bäumen, die uns etwas Wind- und Sichtschutz gaben, umgeben von sehr interessanten Felsformationen.

Am nächsten Vormittag ging es dann in den Song Köl Nationalpark. Nach ca.7 km das erste Highlight: wir standen in 2480 Meter Höhe auf einem Pass mit Blick auf das Dorf Tobok und konnten nur stauen: ein Rundumblick, der es in sich hatte. Ich hoffe, daß man sich das einigermaßen anhand der Fotos vorstellen kann. Wir waren nur begeistert: so etwas überwältigendes hatten wir auf unserer Reise noch nicht gesehen. Wir waren am Anfang von diesem Land schon begeistert, aber das hier stellte alles in den Schatten – und ich kann jetzt schon sagen, dass es noch besser wurde.

Weiter ging es die Piste entlang in Richtung Song Köl. Wunderschöne Aussichten begleiteten unseren Weg.

Unterwegs kamen wir durch ein Dorf und wurden angehalten mit der Aufforderung, doch Fotos zu machen. Dorfbewohner hatten ein Fohlen geschlachtet und waren gerade dabei, das Fell abzuziehen. Und es kam die Frage nach Schnaps, die ich aber mit nein beantwortetet.

Vielleicht hätten wir ja einen Fohlenbraten im Tausch bekommen.....

Langsam kraxelte unser Auto den Pass hinauf. Auf einmal staunten wir nur: es kam uns ein Toyota Allradler mit einem Wohnwagen entgegen. Beide hatten kirgisische Nummernschilder dran, also definitiv keine Holländer. Wir staunten nicht schlecht, diesem Gespann in 3000 m Höhe auf dieser Piste zu begegnen.

Wir erreichten den Pass und hatten einen Blick auf den See Song Köl. Wunderbar. Der See selber liegt in 3016 m Höhe, ist 278 qkm groß. Rundum liegt eine Hochebene, auf der viele Jurten stehen und überwiegend Pferde- und Rinderherden weiden.

Leider kam ein kalter Wind auf und so ganz hatten wir uns noch immer nicht an die kühlen Temperaturen nach den 40 Grad in Kasachstan gewöhnen können.

Aufgrund eines Tipps fuhren wir am Süd-Ost-Ende des Sees wieder raus aus dem Nationalpark. Dort ist der Abfluss des Sees, der ebenfalls Song Köl heißt. Was wir dann sahen, war ein noch größeres Highlight als der Rundumblick am Anfang der Piste. Vor uns lagen 28 Haarnadelkurven. Unser Auto auf dem Bild steht lt. Navi in 3151 m Höhe, unten beim Fluß sind es genau 525 m weniger.

Und der Ausblick, das Gebirge, die Schluchten: ich kann es nicht beschreiben und hoffe nur, dass die Bilder die Eindrücke nur annähernd wiedergeben. Wir waren jedenfalls absolut überwältigt.

Über viele Kilometer ging die Piste immer weiter durch die Berge, immer wieder fanden wir Jurten, in denen die Nomaden wohnten. 

Dann auf einmal ein weißer Felsen mitten im Gebirge. Er stach richtig hervor. Ich muss noch erwähnen, dass rundum Regenwolken am Himmel hingen und auch dort, wo wir auf dem Weg hoch zum See fuhren, die Wolken mittlerweile abregneten. Auch vor uns dunkle Wolken. Und dann auf einmal sahen wir, wieso der Felsen weiß war: es war Hagel, der im Schauer vor uns herunter gekommen war.

Am Abend fanden wir dann noch ein Tal in 2551 m Höhe. Es war uns wichtig, in nicht allzu großer Höhe zu nächtigen, denn daran waren wir noch nicht gewöhnt und wir wissen auch noch nicht, ob wir unter der Höhenkrankheit leiden könnten. Damit ist definitiv nicht zu spaßen. 

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