Die letzten Tage in Kirgisien

Kurzfristig entschieden wir uns am Morgen, nicht mehr den Nationalpark zu besuchen, sondern uns so langsam weiter Richtung Tadschikische Grenze aufzumachen.

Auf dem Rückweg zur Hauptstraße mussten wir erst einmal eine Herde 'überholen'.

Am Tag vorher waren uns schon 3 Viehherden begegnet, wir haben den Eindruck, daß die Tiere so langsam von den Sommerweiden heruntergeholt werden.

Dann ging es nach Jalal-Abad, mit gut 90.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Kirgisiens. Es geht hier im Süden schon orientalischer zu. 

Während Brigitte mit Oskar zusammen im Wagen auf mich warteten, suchte ich den Schwarzmarkt auf (leider ohne Fotoapparat). Ich war auf der Suche nach Ersatzbolzen für eine Stoßdämpferhalterung, die mir in der Monoglei bereits verloren gegangen war (vielleicht erinnert sich der geneigte Leser: in Russland musste ich den Auspuff und die Schutztülle des rechten Stoßdämpfers schweissen lassen und der Mechaniker hatte vermutlich den Bolzen nicht richtig festgezogen). Bisher hatte ich nur zu dünne Ersatzbolzen bekommen und bei den Pisten bzw. den schlechten Straßenverhältnissen war die Halbwertzeit der Bolzen nicht lang genug. Nachdem ich auch auf diesem Markt fast die Suche aufgeben wollte, fand ich doch endlich Bolzen in der passenden Größe.

Eigentlich wollten wir in der Stadt einen Schlafplatz suchen, aber die Stadt war voller Leben und nirgends war uns ein zentral gelegener und ruhiger Parkplatz wie z.B. in Bishkek aufgefallen. So entschieden wir uns für die Weiterfahrt auf der Hauptstrasse Richtung Süden, wo wir dann in den Bergen hinter einem Hügel einen ruhigen Platzt sahen. Zwar gab es abends und auch am nächsten Morgen viel Besuch von Schafen, aber das war für uns kein Problem.

Und Heuschrecken gab es hier auch – zumindest glaube ich, daß es Heuschrecken waren.

Unser nächstes Ziel war Osh, die zweitgrößte Stadt des Landes. Da wir allerdings erst morgen dort ankommen wollten, schlugen wir uns erst einmal links ab 'in die Büsche', so hofften wir zumindest. Doch wir mussten erst einmal über 20 km über Teerstraßen und Schotterpisten durch viele Dörfer fahren, bis wir wieder einen annehmbaren Platz ausfindig machen konnten. In Kirgisien ist es außerhalb der Berge schwierig, einen Platz zu finden. Wenn die Täler etwas breiter und nicht so hoch liegen, reiht sich ein Dorf an das nächste und das Land wird bewässert und landwirtschaftlich bearbeitet. Und jetzt ist Erntezeit. Entweder ist es links und rechts der Wege feucht und somit nicht befahrbar oder die Menschen sind auf den Äckern, um die Ernte einzuholen.

Übrigens.: hier gibt es für die Kinder eine Schulkleidung (einige Fotos zeugen schon davon, die Kinder sehen immer herausgeputzt aus), dieses Mal haben wir die Kinder Volley-Ball spielen sehen – dafür wurden aber keine Sportsachen angezogen....

Am frühen Nachmittag fanden wir doch noch einen von Büschen und Bäumen etwas sichtgeschützten Platz. Während Brigitte den Koffer innen mal wieder etwas sauber machen wollte, kümmerte ich mich um den Einbau des neuen, endlich passenden Bolzen und weitere Pflegemaßnahmen am Fahrzeug.

Endlich konnte wir auch diesen Vogel ablichten. Wir vermuten, daß es ein Wiedehopf ist .

Auf dem Weg zurück am nächsten Morgen, wir kamen gerade auf die Hauptstraße, 'behinderte' wieder einmal eine Herde den Verkehr. Dass sollte uns noch des öfteren passieren.

Am späten Mittag kamen wir dann nach Osh. Eigentlich eine interessante Stadt, voller Leben, eine Menge junger Menschen. Der Verkehr war mal wieder chaotisch. Es wundert uns, dass wir kaum Unfälle sahen. 

Nachdem wir uns leckeren Kebab-Schaschlik gegönnt hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Supermarkt. Doch leider die Enttäuschung: wir fanden keinen großen. Es gab nur kleinere Läden und dementsprechend mager war auch das Angebot. Das erlebten wir schon häufiger in Kirgisien – aber was soll's: das sind eben die Besonderheiten in den einzelnen Ländern. Zumindest ist die Auswahl größer als wir es in der Mongolei erfuhren.

Und wir konnten unseren Biervorrat erheblich aufstocken, denn in den folgenden Ländern wird es schwieriger und zumindest teurer werden. Dort ist, wie in Kirgisien auch, der Islam sehr stark vertreten, aber die Kirgisen sehen den Akoholkonsum etwas lockerer.

Weiter auf der Fahrt Richtung Grenze begegneten uns erst wieder einige Herden. Ein Hirte trieb seine Herde ja durch das fast trocken Flußbett, andere nehmen dafür die Hauptstraße. Und ansonsten ist die Landschaft auch nicht mehr besonders aufregend. Ich schrieb ja schon: seitdem wir zum Song Köl hoch waren, ist alles andere im Moment nicht mehr soooooo interessant.

Und dann trafen wir noch diese beiden Frauen. Es sind Däninen, die 5 Wochen Zeit haben und mit ihren Rädern den Pamir bezwingen wollen

Zwischen 2 Dörfern fanden wir dann noch eine Wiese zwar nicht weit weg von der Hauptstraße, aber zumindest ein bisschen durch Büsche versteckt. Und, wie auf den meisten Schlafpläzten: eine Menge Hinterlassenschaften der Tiere. Das gehört eben dazu, wenn das Vieh nicht wie bei uns auf eingezäunten Arealen sondern frei herumläuft. Es dauerte nicht all zu lange und wir bekamen Besuch von diesem Jungen. Er hatte mich schon vorher mit Oskar gesehen und jetzt wollte er den Hund haben.

Wie die Antwort ausfiel, könnt ihr euch ja sicherlich denken.

Von Osh aus stieg die Straße zwar langsam, aber kontinuierlich an. Die Nacht hatten wir in 2200 m Höhe verbracht; kaum ging es am Vormittag weiter, ging es steiler hoch bis auf 2408 m. Wir hatten damit einen Pass erreicht – und die Landschaft wurde wieder interessanter, die Berge wurden wieder höher und schroffer.

Zwischendurch die inzwischen obligatorischen Viehherden, auch Kleinlaster mit abgebauten Jurten kamen uns vermehrt entgegen – es geht wirklich auf das Ende der Sommerweiden in den Bergen zu.

Und dann hatte der Wagen zu arbeiten. Mit bis zu 12% Steigung wurde der nächste Pass erklommen – es war mit 3615 m der höchste, den wir bisher erreichten (aber noch nicht der höchste überhaupt, den haben wir noch vor uns). Dort trafen wir ein Schweizer Pärchen mit ihren Rädern, das den Pamir gerade hinter sich hatte. Auf meinen spaßigen Hinweis, dass die Radler alle verrückt seien, meinte er nur: das geht nur, weil wir noch jung sind. In 10 Jahren bin ich vielleicht mit so etwas, wie ihr fahrt, unterwegs. Ja, unser Auto hat es ihm angetan. Ganz begeistert stand er daneben.

Einige Kilometer hinter dem Pass erreichten wir die Stadt Sary-Tash. Wir hofften, hier noch etwas einkaufen zu können, aber weit gefehlt: wir bekamen nichts von dem, was wir wollten. Nicht einmal Brot war im Magazin zu bekommen. Die Stadt machte des weiteren einen dreckigen Einduck und gefiel uns überhaupt nicht.

Dafür machten wir unseren kleinen Dieseltank noch einmal voll, mit 43 SOM (ca. 60 E-Cent) der teuerste Diesel in Kirgisien.Alles in allem war die Stadt eine Enttäuschung.

Wir wurden bei einem Stop von ein paar Deutschen aus Thüringen angesprochen. Sie gaben uns den Tipp, noch 30 km zum Ort Sary-Mogol zu fahren. Dort wäre Markt und es würde alles geben. Also auf nach Sary-Mogol, aber von einem Markt war nichts mehr zu sehen. Nur ein paar Kartoffeln konnten wir einkaufen, auch hier gab es kein Brot zu bekommen. Und für 30 km hin und zurück waren die Kartoffeln ganz schön teuer.

Also noch eine Enttäuschung.

Diese Orte liegen wieder auf einer Hochebene, über 3000 m hoch. Der Weg zur Grenze geht über einen weiteren Pass, in 4336 m Höhe ist die Grenzstation. Da wir erst am nächsten Morgen rüber dürfen, blieben wir auf der Hochebene – bisher auch die höchste Station, auf der wir die Nacht verbrachten. Wir standen genau in 3010 Metern – mit einem herrlichen Blick auf die verschneiten Berge des Pamir.

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Kommentare: 2
  • #1

    Albi (Montag, 21 September 2015 15:05)

    Moin ihr zwei,
    Wir waren einige Tage offline, werden nun morgen aber in Bishkek sein und dort einige Tage bleiben. Mein Moped verliert Sprit und die Ursache könnten wir noch nicht ausmachen.
    Wo habt ihr denn die GBAO Permit für den Pamir Highway bekommen? Wir haben zwar schon die Visa, brauchen aber noch die Permits, leider bleibt jedoch die Botschaft in Bishkek noch bis zum 29. 09. geschlossen.

    Frostige aber herzliche Grüße aus Kirgistan
    Albi


  • #2

    Albi (Mittwoch, 23 September 2015 14:37)

    Entwarnung, trotz geschlossener Botschaft bekamen wir die Permits! Was für nette Leute!
    Bis bald, fahrt vorsichtig,
    Albi