Der Pamir-Highway ruft

Ein kleiner Auszug aus Wikipedia:

Der Pamir Highway verbindet die kirgisische Stadt Osch mit dem in der tadschikischen Region Berg-Badachschan gelegenen Chorugh bzw. der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe.

Der Pamir Highway selbst ist fast durchgehend asphaltiert, wenn auch in schlechtem Zustand. Ganze Straßenabschnitte wurden durch Hochwässer weggewaschen; eine Reparatur erfolgte wenn überhaupt nur provisorisch, häufig ist eine Durchquerung des Flusses erforderlich. Steinschläge und Felsstürze die Teile der Straße blockieren, kommen häufig vor. Mancherorts ist der Asphaltbelag der Straße so ramponiert, dass diese Abschnitte zugunsten von leichter befahrbaren, unbefestigten Wegen unmittelbar neben dem Pamir Highway aufgegeben werden. 

In diesem Bericht werde ich euch ein bisschen mit Zahlen bombardieren, aber das lässt sich nicht ganz vermeiden.

Die Nacht hatten wir gut verbracht, immerhin war es das erste Mal, daß wir bei über 3000 m schlafen mußten – also bis zu dieser Höhe noch keine Anzeichen einer Höhenkrankheit.

Für heute hatten wir geplant, rechtzeitig zu starten. Es sind zwar nur noch 60 km bis zur Grenze, davon aber 40 km in schlechtem Zustand. Unser Ziel selber war der See Karakul, bis dahin sollen es lt. Navi noch mal gut 50 km mehr sein – vermutlich alles Piste.

Um 7:00 Uhr wollte Brigitte aufstehen, aber es war uns zu kalt. Draußen gerade einmal 2,5 Grad, innen 9,5 – zu kalt. Also wieder hinlegen, Heizung anmachen und eine halbe Stunde warten.

Kaum war Brigitte (wie jeden Morgen als erste) aufgestanden, klopfte es an der Tür. 2 Kirgisien standen dort und baten um Hilfe, ihr kleiner Lieferwagen voller Schafe kam eine Böschung an einem nach Fluß nicht hoch und hatte sich festgefahren.

Die Beiden mußten sich noch eine viertel Stunde gedulden, und dann war ich auch so weit, dass ich – noch vor dem Frühstück – den beiden helfen konnte. Den MAN kurz davor gespannt und schon waren sie draußen.

Ich glaube, ich schreib doch noch mal ans Auto: Internationaler Abschleppdienst.


Wir erreichten die Kirigisische Grenze. Der Beamte wollte von uns eine Tax haben, zwar hab ich nicht verstanden, weshalb, aber ich kam nicht drum rum. 2500 SOM, ca. 35 €, sollte das kosten, immerhin war es ja ein großes Auto.

Aha, großes Auto? Erst einmal musst er mir sein Gesetzesblatt zeigen, und da stand auch: LKW 2500 SOM PKW 1000 SOM, Motorrad 500 SOM:

Wozu hatte ich denn mein gefaktes Zertifikat auf russisch? Dort steht ja, dass es sich bei unserem Wagen nicht um einen LKW, sondern um ein Wohnmobil handelt. Und das wird in Deutschland als PKW eingestuft. Das ganze auf einem offiziellen Formular einer unserer technischen Prüfstellen, mit Rechnung und Stempel – sieht sehr professionell aus.

Und schon brauchte ich nur noch 1000 SOM bezahlen – immerhin nur noch ca. 14 €. Und da wir nur noch 900 SOM hatten, gab er sich damit auch zufrieden – alles gegen Quittung.

Die beiden Grenzabfertigungen lagen 20 km Piste auseinander, die krigisische liegt noch bei 3500 m, die tadschikische in über 4200 m, dazwischen noch ein Pass von 4336 m.

Gleich hinter der ersten Grenzabfertigung trafen wir William, einen Franzosen, der als Backpaker unterwegs war. Wir hatten uns gestern schon in Sary-Tash kurz gesprochen.

Wir boten ihm an, bequem zu laufen oder unbequem auf unserer Mittelkonsole zu sitzen. Hinten im Koffer lasse ich niemanden während der Fahrt auf einer Piste sitzen,

dazu schwankt der Koffer zu sehr.

Er wollte gern mitfahren.

So verging die nächste Stunde mit viel Gerede auf englisch sehr kurzweilig. Dann standen wir vor der nächsten Schranke.

Weil wir Touristen waren, verzichtete man auf die Mittagspause und ließ uns gleich auf den Zollhof. Nach dem Abstempeln der Pässe und Kontrolle des Autos (der Zöllner fand eine Flasche Bier und auch eine Flasche Wein, die letztere wollte er haben. Ich gab ihm aber zu verstehen, dass er ja Moslem wäre und ich ihm deshalb keinen Alkohol gäbe, aber einen Tetrapak Apfelsaft schenkte ich ihm) wollte man wieder an unser Geld. Ich sollte jetzt eine Tax für Tadschikstian bezahlen – 100$. Auch hier half das Zertifikat wieder und ich kam mit 40 € davon, dann noch an einen Transport-Beamten (was auch immer das sein soll) – 20 € (hat nichts mit Größe des Autos zu tun sagte er), zu guter Letzt noch zum Veterinär-Beamten (vom Hund hat niemand etwas mitbekommen, also wieso auch das???) 4,-- €. - alles gegen Quittung.

Hinter der Grenzabfertigung stieg William wieder zu und weiter ging es bis zum Karakul, wo wir gegen 15:30 Uhr ankamen. Die Strecke bestand teilweise aus Well-blechpiste und sehr welligem Teer mit einigen Schlaglöchern und führte immer an einem Grenzzaun entlang. Wir Drei erklärten das Gebiet hinter dem Zaun (der auch mal geöffnet war) als China. Allerdings liegt China doch noch ein paar wenige Kilometer hinter dem Zaun.

Ein paar Infos zum Karakul: er liegt auf ca. 3930 m Höhe, ist ca. 380 km² groß

hat nur Zu- und keine Abflüße und ist deshalb salzig. Er liegt innerhalb eines von einem Meteroriten geschaffenen Einschlagkraters.

Und hier standen wir in 3933 m Höhe. Es war zu spüren, dass wir so hoch waren, die Luft ist erheblich dünner als gewohnt Schon leichte Anstrengungen merkten wir und liessen es deshalb ruhig und langsam angehen. Wir wollen allerdings auch nicht weiter, denn die nächsten Pässe lagen vor uns, und damit auch der höchste mit 4655 m, den wir am nächsten Tag bezwingen mussten.

Brigitte hatte am nächsten Morgen Probleme, der Kopf tat weh und der Magen wollte auch nicht, wie er sollte (mit ging es etwas später ebenfalls so) – die Höhenkrankheit machte sich bemerkbar und deshalb ging es früh weiter.

Die Landschaft war grau und trist, in dieser Höhe wachsen nur noch vereinzelte Pflanzen, die auf dieser Höhe und Kälte spezialisiert sind. Links und rechts des Highways lagen Bergmassive, dazwischen die etwas eintönige Hochebene. Dieses ist eine Hochgebirgswüste mit kaum Niederschlägen, die Täler sind sehr breit und weitläufig

Apropo Kälte: Morgens 2,5 Grad – wir froren. Zum Glück hatten wir ja unsere Heizung. Und obwohl die nur bis 2500 m funktionieren sollte und für die dünne Luft eigentlich ein Höhenkit erforderlich wäre, waren wir etwas überrascht. Aber positiv, denn sie tat das, was in der Theorie nicht gehen sollte.

Weil es uns nicht so gut ging, hatten wir nur wenig Fotos gemacht, aber eine kleine Auswahl könnt ihr hier sehen. 

Und dann war es so weit, wir erreichten den höchsten Punkt unserer Reise, den 4655 m hohen Akbaytal-Pass – komischer Weise standen die Hinweisschilder viele Meter vor bzw. auch hinter dem Pass, aber nicht dort oben. 

Wenige Kilometer hinter dem Pass noch eine Überraschung, eine bewohntes Haus. Einer der beiden Jungen kam gleich angelaufen und bekam ein paar Bonbons von uns.

Wir wollten noch an diesem Tag nach Murgab, einer kleinen Stadt mit ca. 7000 Einwohnern. Diese Stadt liegt in einem Hochtal, nur noch 3600 m hoch und damit die tiefste Stelle, die wir innerhalb einer Tagesreise erreichen konnten – es war uns einfach wichtig, aus der Höhe heraus zu kommen, damit unsere Gesundheitsprobleme weniger wurden. Unterwegs trafen wir noch einige Radfahrer aus Europa – für uns unbegreiflich, dass sie diese Strapazen auf sich nehmen.

In Mugrab lernten wir noch Yves und Laura aus der Schweiz kennen, sie sind mit ihrem Womo seit Dezember unterwegs und kamen über die Strecke, die wir auf unserer Reise noch vor uns haben. Wir verbrachten den Abend gemeinsam in ihrem Auto mit viel Austausch unserer Reiseerfahrungen in diesen Länder

Wir wollten rechtzeitig los, endlich tiefer kommen. Das Ziel war ein Stellplatz mit höchstens 3500 m. Wenn die Höhen Probleme bereiten, muß man unbedingt in tiefere Gefilden kommen..Doch die beiden Schweizer wollten sich auch unser Auto von innen anschauen, so dass viel Zeit verging. Und wir tauschten auch noch in einem Hotel der Stadt Geld um, so dass es fast halb eins wurde, als wir uns endlich auf den Weg machen konnten.

Anbei noch einige Fotos von der Stadt – so lebt man in der Abgeschiedenheit in über 3600 m Höhe. Wo von? Keine Ahnung.

Kurz hinter Murgab versperrte ein Schlagbaum die Durchfahrt. Ein paar Soldaten schoben hier ihren Dienst. Einer von ihnen nahm unsere Daten auf und notierte diese in 2 verschiedene Bücher. Das Befahren des Pamir-Highway ist nur mit einem Permit möglich und wird deshalb auch überwacht.

Zuerst ging es noch kilometerweit auf schlechter Asphaltstraße weiter gen Süden. Immer wieder begegneten uns große Laster mit Chinesischer Autonummern. Wir erklommen noch den 4314 m hohen Nayzatash-Pass, aber danach ging es immer noch nicht auf die gewünschte Höhe runter. 

Hinter dem Pass macht der Highway eine Biegung Richtung Südwest. Irgendwann kann man ihn dann verlassen, um auf einer Piste wieder Richtung Süden zu gelangen. Hier ging es noch einmal über einen Pass, den 4344 m hohen Khargus-Pass, kurz danach kommt der Fluß Namens Pamir. Dieser Fluß ist der Grenzfluß zwischen Tadschikistan und dem benachbarten Afghanistan.

Als erstes auch hier ein Schlagbaum. Der kontrollierende Soldat war sehr unfreundlich, meinte aber, mich noch um Zigaretten anbetteln zu können. Selbst wenn ich welche gehabt hätte, ihm hätte ich keine gegeben.

Kurz vor Anbruch der Dunkelheit fanden wir endlich einen annehmbaren Platz, annehmbar aufgrund der Höhe, nur noch 3630 m, direkt an der Grenze zu Afghanistan. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Wolfgang und Gisela (Donnerstag, 01 Oktober 2015 10:25)

    Hallo ihr beiden plus Oskar,
    Gerade haben wir eueren Bericht gelesen . Es ist schon der helle Wahnsinn. Wolfgang würde sich am liebsten zu euch beamen. Mir ist es hier im Allgäu kalt genug. Heute Nacht hatte es gerade noch 3 Grad. Passt weiterhin gut auf euch auf. Herzlichste Grüße von Wolfgang und Gisela

  • #2

    Axel Wiegers (Donnerstag, 01 Oktober 2015 17:35)

    Hallo Brigitte, Hallo Peter,
    ich verfolge Euren Blog sehr, sehr interessiert. Wahnsinn was Ihr schon alles gesehen
    und erlebt habt! Ich wünsche Euch weiterhin ein tolle Zeit mit vielen unvergesslichen
    Erlebnissen.
    Gruß Axel

  • #3

    William (Freitag, 02 Oktober 2015 10:33)

    Hello, it's william!
    I don't understand the text but you have nice pictures!!
    It was nice to meet you, thanks again to drive me in this incredible road during 2 days!
    Enjoy your trip
    Bye!