Khiva

Am nächsten Morgen ging es schon um 9:00 Uhr los, für uns sehr früh. Aber bis Khiva waren es von unserem Stellplatz noch 540 km und da wir planten, spätestens am nächsten Mittag dort einzutreffen, mussten wir an diesem Tag einiges an Kilometern schaffen (deshalb auch noch der späte Start am Vortag). Es ging an Bukhara vorbei und die Gegen wurde immer trostloser. Mittlerweile wechselte es in eine Halbwüste. Die Straße wurde zum Teil schon neu ausgebaut (wieso gleich 4-spurig, entzog sich unseren Kenntnissen, denn es herrschte nur wenig Verkehr in dieser toten Gegend).

Teilweise war die Straße allerdings schon fertig, aber trotzdem schafften wir in fast 8 Stunden reiner Fahrtzeit gerade einmal 364 km. So schlecht waren die noch nicht neu gebauten Abschnitte.

Wir waren unterwegs viel damit beschäftigt, wie es weitergehen soll, denn wir rechneten mittlerweile mit dem Worstcase. Irgendwie glaubten wir nicht mehr daran, noch die Visa zu erhalten. Zum Glück waren die Visa für Russland noch gültig. Aber das größte Problem war für uns die Dieselbeschaffung. Es könnte knapp werden und wir waren uns nicht ganz sicher, es mit unserem Dieselvorrat noch bis nach Kasachstan zu schaffen. Unterwegs suchten wir nach Tankmöglichkeiten und fanden auch 2, aber wir hatten kein Vertrauen zu der dort erhältlichen Qualität. Und wegen schlechtem Diesel wollten wir auch nicht liegen bleiben. Unterwegs sahen wir ein 'Dorf' für die Straßen-Bauarbeiter, irgendwo im Nichts. Dort waren ein Betonwerk, ihre Unterkünfte und auch Diesel für die Baufahrzeuge. Doch trotz Bitten und Betteln wurde uns kein Diesel verkauft. So blieb uns nur die Hoffnung, in Khiva noch welchen zu bekommen.

Die Nacht verbrachten wir hinter einem Hügel in der Wüste. Es fing an zu regnen und ein kalter Wind kam auf - nichts mehr mit den Temperaturen von Samarkand.

Weiter ging es die nächsten 100 Kilometer auf einem fertig ausgebauten Teilabschnitt. Ein sehr angenehmes Fahren, trotz der tristen Landschaft.

Wir starteten mittlerweile den 7. oder 8. Versuch - und fanden dann tatsächlich eine Tankstelle, die uns 30 l Diesel verkaufte, umgerechnet für ca. 55 €-Cent der Liter. Ein Stein fiel uns vom Herzen, denn jetzt war zumindest gesichert, daß wir im Notfall die Grenze nach Kasachstan erreichen würden, ohne wegen Spritmangels liegen zu bleiben.

Um 14.00 Uhr erreichten wir Khiva - diese Stadt wollten wir trotz eines Umweges noch anschauen, denn auch hier gibt es eine Menge Sehenswürdigkeiten. Fast alles liegt in der Altstadt, direkt innerhalb der noch gut erhaltenen Stadtmauer. Khiva gehört mittlerweile auch zum Weltkulturerbe. 

Gerade stellten wir das Auto ab, da klingelte unser Handy - ein Mitarbeiter der Botschaft war dran und gab uns unsere Visa-Nr. durch. Der 2. Stein fiel uns vom Herzen, denn jetzt war der Transit durch Turkmenistan gesichert und wir brauchten nicht die lange Strecke nördlich ums Kaspische Meer zu fahren.

Es hörte auch der Regen auf und wir machten uns auf den Weg, die Stadt einmal anzuschauen.

Was sind wir bloß für Kulturbanausen, in 1,5 Studen waren wir mit unserer Besichtigung durch. Wir schauten nur außen, allerdings hatten wir unser letztes uzbekisches Geld auch schon in einen Supermarkt getragen. Hinzu kam das naßkalte Wetter, das uns heute überraschte. Wir waren auch etwas enttäuscht von dieser Stadt (vielleicht lag es ja nur am Regen), die Stadt machte einen dreckigen Eindruck, auch die Sehenswürdigkeiten waren nicht in einem Zustand wie in Samarkand bzw. Bukhara. 

Und dann mussten wir feststellen, dass die Medresen irgendwie alle gleich aussehen, die eine ist besser renoviert als die andere, aber vom Grundsatz her sehen sie mehr oder weniger gleich aus. Deshalb kam uns der Gedanke: kennst du eine Medrese, kennst du alle!
Anbei ein kleiner Ausblick:

Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Weg zur Grenze, um am nächsten Morgen rechtzeitig die Grenzabfertigung hinter uns zu bringen. Wir parkten unmittelbar davor am Straßenrand, es war dreckig, matschig und naß (das Auto sieht mittlerweile nicht besser als die Straßen aus).


Noch ein kleiner Eindruck zum Land Uzbekistan: die Menschen haben uns mal wieder positiv überrascht, sie sind sehr freundlich und hilfsbereit. Allerdings neven sie auch wiederrum, weil fast jeder Oskar 'anmacht', zwar in freundlicher Art und Weise, aber auch so, daß der Hund darauf  reagieren möchte. Und lässt man denn die Leine etwas länger, haben die Einheimischen Angst vor ihm.

Das Land selber hat uns nicht sonderlich gefallen, wir empfanden es nicht als besonders reizvoll und interessant. Die Berge waren eine sehenwerte Abwechslung. Die Städte waren noch sehr interessant, insbesondere Samarkand. Bukhara und Khiva konnte man ebenfalls besichtigen. Tashkent empfanden wir nicht besonders sehenswert, zumindest wenn man aufgrund der Seidenstraße dieses Land bereisen möchte.

Was uns noch überraschte: wir wurden relativ selten angehalten (ich hörte da schon ganz andere Geschichten, auch von aktuell Reisenden), auch wurden unsere Registrierungen nie von der Polizei kontrolliert. VIelleicht waren wir da etwas zu vorsichtig, aber wir wollten wirklich kein unnötiges Risiko eingehen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Gisela und Wolfgang (Dienstag, 10 November 2015 13:30)

    Passt auf euch auf, wir reisen in Gedanken mit euch.