Turkmenistan

Um 8.30 Uhr standen wir am Grenztor. Da wir direkt davor die (sehr ruhige) Nacht doch verbrachten, hatten wir es ja nicht weit. Wir waren die ersten und wurden auch sehr schnell eingelassen. Ein Grenzer fuhr noch den PC hoch und dann ging es los.

Wir hatten uns gut vorbereitet, denn wir hörten im Vorwege, dass die Uzbeken gern die Fotos auf der Kamera und dem Handy anschauen und, sofern die Bilder ihnen nicht zusagen, diese löschen. Auch die Laptops schauen sie gern durch.

Also im Vorwege alle Bilder genügend gesichert, ein Laptop unter der Bettdecke versteckt und den 2. Lappi, der nur für die Diagnose für unsere Heizung wichtig ist, darauf drapiert – es könnte ja sein, dass wir durch ein Röntgengerät geschickt werden.

Doch die große Ernüchterung kam – es hatte sich kein Mensch für unsere Geräte interessiert. Nach gut 45 min waren wir durch. Und das allerschlimmste: für die Registrierungen hat sich ebenfalls kein Mensch interessiert.

Vielleicht haben wir bei der Ausfahrt auch nur Glück gehabt, denn unser Oskar hatte fast alle wieder in seinen Bann gezogen. Schon bei der ersten Kontrolle war ein Hundeführer, der sich mit Brigitte über unseren Hund unterhielt und etwas später zur der nächsten Kontrollstation seinen einjährigen Cockerspaniel holte. Fast alle Grenzer schäckerten mit Oskar rum, einige wollten ihn auch gleich streicheln. Vielleicht lag die umkomplizierte Abfertigung an unserem Hund, wir können nur spekulieren.

Dann rüber zur turkmenischen Abfertigung. Hier dauerte es etwas länger. Die erste Kontrolle hatte ein Problem damit, dass wir keine Visa in den Pässen vorweisen konnten. Es waren 3 sehr junge Männer, anscheinend relativ neu auf ihren Posten und nach ein paar Minuten am Funk durften wir dann weiter.

Beim nächsten Posten wurden uns die Visa gedruckt und in die Pässe geklebt. Vorher gab es die Rechnung über 110 $ für die Visa zzgl. 12 $ pro Person und 2 Doller für Formulare . Wir hatten aber nur Euros mit und die wollte die nette Dame an der Kasse nicht annehmen. Es gab eine Diskussion, aber keine Chance – sie bestand auf Dollar. Mit Hilfe eines Grenzbeamten tauschte uns jemand dann 200 € gegen 200 $, wir bekamen 2 Scheine a' 100 $. Die wollte die Dame nicht annehmen, wir sollten passendes Geld geben.

Nachdem ich dann ganz böse wurde und das der netten Dame auch kurz und lautstark mitteilte, stellte sich Brigitte lieber an die Kasse (das Spiel 'god boy, bad boy' kennt ihr ja). Die beiden Frauen wurden sich dann einig, und da wir ja noch mehr zu bezahlen hätten und sie bis dahin bestimmt auch genügend Geld eingenommen hätte, sollte der Rest dann verrechnet werden.

Die weiteren Kosten gingen für Oskar (10 $) und das Auto drauf. Fürs Auto sollten wir um die 175 $ bezahlen (für Straßenmaut, Versicherung, Desinfektionsbad und was weiss ich.) Nachdem ich mein Zertifikat zeigte, waren es nur noch 98 $. Zum Glück trafen wir noch auf 2 deutsche Frauen, die uns dann auch noch mal 100 $ wechselten.

Die turkmenische Abfertigung hatte, nachdem dann mit mir noch 4 Grenzer gemeinsam im Koffer standen, um alles zu kontrollieren, gesamt gut 3 Stunden gedauert.

Jetzt also los. Die ersten ca 80 - 90 Kilometer auf einer mittleren Straße hin zur großen Transitstrecke Richtung Ashgabad ging einigermaßen flott, da die Fahrbahn in einem annehmbaren Zustand war. Was dann kam, brachte uns schon auf die Idee, wieder zur Grenze zurück und die Maut wiederholen. Es war eines der schlechtesten Straßen, die wir bisher gefahren hatten.

Bis zur Transitstrecke gab es wieder viel Landwirtschaft zu betrachten. Genau wie in Uzbekistan auch hier Baumwolle. Man kann drüber streiten, ob der Anbau der wasserintensive Baumwolle in einer Wüste Sinn macht. Am Verschwinden des Aral-See kann man das Ergebnis erkennen.

Ein Stellplatz für die Nacht war auch einfach und schnell zu finden, da entlang der Transit- strecke die Landwirtschaft nicht überall intensiv betrieben wurde und somit noch einiges an Wüste vorhanden war. Auch Kamele gab es mal wieder zu sehen.

Es wurde ein kalte Nacht, morgens um 4.00 Uhr wollte Brigitte die Heizung anwerfen. Doch keine Chance, es waren draussen leichte Minustemperaturen ( -2,5 Grad) und der Diesel war am Ausflocken. Deshalb konnte die Heizung keinen Diesel ansaugen und stellte kurzerhand den Dienst ein.

Um 7:00 Uhr standen wir auf, es waren auch im Koffer nur noch 6,5 Grad. Schnell den Gaskocher angeworfen, damit es wenigstens etwas verschlagen war.

Zum Glück war der Diesel nicht zu stark ausgeflockt, für die dickere Dieselleitung zur Einspritzpumpe reichte es noch, so dass wenigstens der Motor ansprang.

Aber gleich als erstes kam ein klein wenig Fließverbesserer (verhindert das Aus-flocken, leider hab ich nur ½ Liter (von Jürgen geschenkt bekommen, da ich meinen zuhause vergessen hatte)) in den Tank, damit wir nicht weiterhin auf die Heizung verzichten mussten. Über den Tag war es zwar nicht sonderlich warm, aber noch warm genug, um die Paraffinflocken wieder aufzulösen.

Unser Ziel sollte der Gaskrater von Derweze in der Wüste Karakum sein. Ein Auszug aus Wikipedia:

Er entstand 1971 bei der Suche nach Gasvorkommen. Da der Krater seit 1971 aufgrund des entströmenden Gases in Flammen steht, haben Einheimische dem Loch den Namen Tor zur Hölle gegeben.

Das Gebiet um Derweze ist reich an Erdgas. Während Bohrungen im Jahr 1971 fanden Geologen zufällig eine mit Erdgas gefüllte unterirdische Höhle. Der Boden unter der Bohrplattform brach zusammen, wodurch ein großes Loch mit einem Durchmesser von etwa 70 Metern entstand.

Um die Freisetzung des giftigen Gases zu vermeiden, wurde beschlossen, es zu verbrennen. Entgegen der ursprünglichen Hoffnung der Geologen verlosch das Feuer nicht nach einigen Tagen, sondern ist weiterhin aktiv.

Neben dem Auffangen des Methan-Gases ist Verbrennen sicherer und umweltfreundlicher als das Ausströmen in die Atmosphäre. Methan hat ein deutlich höheres Treibhauspotential als sein Verbrennungsprodukt Kohlenstoffdioxid.

Am Tage ist der Krater nicht besonders spektakulär. Deshalb wollten wir die Nacht dort verbringen, um das Feuer auch bei Dunkelheit sehen zu können. Hier dürft ihr auch mal genießen. 

Es waren noch einige Touristen im Laufe des Abends gekommen – alle waren von dem Krater fasziniert wie wir auch.

Am nächsten Morgen nach dem üblichen Prozedere ging es wieder los. Wir kamen gerade auf die Straße, standen da 2 Tramper, ein Schweizer und ein Australier. Eigentlich hielten wir nur an, um mitzuteilen, wir hätten im Fahrerhaus nicht genügend Platz.

Sie hatten abends noch sehr lange am Krater gesessen, um sich zu wärmen und sind dann in ihrem Zelt fast erfroren – wir hatten nachts wieder um 0 Grad. Sie standen auch schon 1,5 Std. am Straßenrand und waren nur noch am Zittern. So erbarmten wir uns und sie durften hinten im Koffer sitzen. Nachdem ich den Durchschlupf nach vorn öffnete, kam Oskar natürlich sofort ins Spiel und begrüßte die beiden Jungs.

Wir nahmen sie mit bis nach Ashgabad, der Hauptstadt Turkmenistans.

Ashgabad ist eine Stadt für sich. Wir empfanden sie nur als protzig. Dreispurige Ein- und Ausfallstrassen bei wenig Verkehr, ein mit Marmor verziertes Haus nach dem anderen, alte Sehenswürdigkeiten waren bei der Durchfahrt nicht zu entdecken. Die Straßen pikobello sauber

Wenn man drüber nachdenkt: im Norden die Straßen im katastrophalen Zustand, in der südlich gelegenen Hauptstadt alles vom Feinsten, Besten und Teuersten, Uns hat die Stadt überhaupt nicht gefallen. Und nachdem wir noch ein paar Doller im Supermarkt gelassen hatten, machten wir schnell wieder auf zur Grenze Richtung Iran. Wir stellten das Auto in Sichtweite zur Grenzabfertigung ab, um dort die Nacht zu verbringen und zeitig am nächsten Morgen die Abfertigung aufzusuchen und damit auch Zentral-Asien zu verlassen.

Noch ein kleines Nachwort zu den beiden Ländern Usbekistan und Turkmenistan.

Diese 2 Länder hatten uns im Vorwege leichtes Bauchschmerzen bereitet. Nicht das wir Angst hatten, nein, aber wir hatten im Vorwege von diesen beiden Ländern am meisten negatives Richtung Korruption gehört. Zu Usbekistan hatten ich ja schon geschrieben – wir waren mehr als positiv überrascht. Auch in Turkmenistan war absolut nichts von Korruption zu merken. An den Polizeikontrollen wurden wir sofort weitergewunken, nicht einmal angehalten. Keiner wollte etwas von uns.

Ob es nur Glück war oder sich in den letzten Wochen viel geändert hat, wissen wir nicht. Ich kann hier nur berichten, was wir erlebt hatten – und das war nur positives. Ansonsten geben wir aber zu, dass uns beide Länder nicht sonderlich gefallen hatten, da sie überwiegen flach und mit Baumwollfeldern übersät waren. Ansonsten in beiden Ländern zusätzlich viel Wüste.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0