Korram Abad

Am Mittwoch ging es erst einmal nach Nushabad, etwa 8 km ausserhalb von Kashan. Attraktion dieser Stadt ist ein weit verzweigtes unterirdisches Labyrinth, in das sich die Einwohner in früheren Zeiten bei feindlichen Angriffen zurückziehen konnten. Auf dem Weg zum Eingang kamen wir an einer Mädchenschule vorbei – ein Geschnatter, viele Mädchen begrüßten uns übermütig, aber trauen tat sich keine.....

Nach Bezahlen des Eintritts (150.000 Rial pro Person) ging es eine steile Treppe hinunter. Ich selber konnte fast nirgends stehen – die Menschen müssen damals doch um einiges kleiner gewesen sein.

Zwischendrin trafen wir noch eine Gruppe Mädchen in dem Labyrinth, sie unterscheiden sich wirklich nicht sonderlich von den europäischen Mädchen - wieder nur lautes Geschnatter und Gelächter. Sie wollten sich unbedingt mit uns fotografieren lassen...

Von Nushabad aus sollte es weitergehen nach Korram Abad. Zum Glück gab es eine Nebenstrecke durch die Berge – die machte mehr Spaß als die großen 4-spurigen Hauptstrassen.

Wir machten noch einen kleinen Abstecher ins Dorf Mashhad-e Ardehal, da diese gleich neben der Strecke liegt, es beherbergt die letzte Ruhestädte eines Sultans.

In der Stadt Delijan gönnten wir uns ein kleines Mittagsmahl, 'ausnahmsweise' gab es Kebab.... In diesem Lokal konnten wir übers Free Wifi mal kurz ins Internet, mit unserer Karte kamen wir mittlerweile nicht mehr weiter. Internet ist ein echtes Problem im Iran.

Nach dem Essen, wir waren gerade wieder eingestiegen, entdeckte das kleine Mädchen unseren Oskar im Auto...

Und in einer Halbwüste, fernab der Strassen, fanden wir endlich mal wieder einen absolut ruhigen Schlafplatz, das ganze mit Blick auf ein abseits liegendes Industriegebiet. Abends gab es noch ganz kurz Besuch, der aber nach in Augenscheinnahme des Autos auch gleich wieder verschwand.

Am nächsten Vormittag kamen wir durch den Ort Khomeyn, dem Geburtsort vom Iman Khomeini. Sein Geburtshaus hier wurde mittlerweile als Museum umgewandelt. Angeblich soll der Weg dorthin gut ausgeschildert sein – was wir nicht feststellten. Wir hätten mal kurz geschaut, hätten wir es gefunden. Allerdings war es uns auch nicht so wichtig, so dass wir nicht weiter suchen wollten.

Brigitte war noch einkaufen, in einem Laden holt sie 4 Baguettes. Der Ladeninhaber schenkte sie ihr, er wollte partout kein Geld haben.

Bei der Ausfahrt aus Khomeyn gab es wieder das besondere Erlebnis. Ein PKW bremste uns aus und zwang uns zu einem Stop. Der Fahrer stieg aus und wollte unbedingt meinen Pass sehen, da er allerdings keinen Ausweis zeigte und in Zivil war, weigerte ich mich. Nach ganz kurzer Zeit hielt ein weiteres Auto, der Fahrer (auch in Zivil) zeigte seinen Polizeiausweis und verlangte ebenfalls meinen Pass.

Sie konnten kein Englisch und so war schwer verständlich, was sie überhaupt wollten. Nachdem ich schon dreimal die Frage nach einer Handycam verneinte, wurde ich beim 4. Nachfragen doch etwas unwirsch. Dann wollten sie wissen, ob 'Misses' (mit Blick zu Brigitte) mit einer Handycam gefilmt hätte, was ich ebenfalls verneinte.

Dann grüßten sie und verschwanden wieder. Was das soll? Keine Ahnung!

 

Weiter ging es durch die Berge, wir befanden uns immer um die 2000 m üNN.

Die Farben nahmen zu: die Berghänge trugen Schnee und das Land wurde grüner, kleinere Bäche waren mit Wasser gefüllt, was wir bisher in diesem Land kaum gesehen hatten.

Teilweise waren die Bauern noch bei der Ernte, zuerst dachten wir, dass es sich um Zwiebeln handelte. Was es genau war, konnten wir allerdings nicht erkennen. Und immer wieder waren Traktoren beim Pflügen

Wir fanden gut 40 km vor Korram Abad einen Platz irgendwo auf einem grasbewachsenen Feld. Zwar war die Straße zum nächsten Dorf in Sichtweite, aber das störte uns nicht. Nach 2 Stunden war es schon dunkel und uns konnten niemand mehr sehen.

Am späten Vormittag kamen wir in Korram Abad an, wir suchten als erstes die Stadtfestung, fanden diese aber nicht. Dafür eine Aussichtsplattform hoch oben über der Stadt mit einer fantastischen Aussicht. Gleich wurden wir von einer ganzen Gruppe Iranern angesprochen, einer von ihnen erklärte uns, was wir wo finden würden.

Nachdem diese Gruppe uns verließ, sprach uns Mushad an (er ist Englisch-Lehrer). Gemeinsam mit seiner Freundin Liliv fuhr er mit uns zur Stadtfestigung, dort erklärte er sehr viel zu dieser Sehenswürdigkeit, die auf einem Steilfelsen gebaut ist. Ihre mächigen, über 20 m hohen Mauern, galten lange Zeit als uneinnehmbar.

Die Burg beherbergte auch ein Museum, in dem u.a. viele Szenen aus dem früheren Leben nachgestellt wurde.

Danach musste Mushad seine Liliv zum Bahnhof bringen, wir verabredeten uns wieder für 16:00 Uhr und nutzten die Zeit, um erst einmal zum Fluß zu fahren, wo noch 5 Bögen einer alten sasanisichen Brücke in Resten erhalten waren 

Leider war es hier so vermüllt, dass wir nur kurz blieben und zu einem See mit Park fuhren. Dort lernten wir Somi und ihren Mann kennen. Sie luden uns spontan zu sich nach Hause ein, wegen der Verabredung mit Mushad verschoben wir die weitere Einladung auf 19:00 Uhr.

Zum Treffen brachte Mushad einen Freund (den Namen konnten wir uns leider nicht merken) mit, ebenfalls Englischlehrer. Nachdem die Beiden uns noch einiges über die Stadt erzählten marschierten wir gemeinsam über den Bazar

Und anschliessend ging es zum Freund nach Hause, wo wir gemeinsam mit der Hausfrau und dem neunmonatigen Sohn einen netten Nachmittag verbrachten.

Zum Abend dann das Treffen mit Somi und ihrem Mann. Sie sprach leidlich Englisch, er kaum, aber trotzdem war eine gute Konversation vorhanden. Beide waren auch begeistert von Oskar, der mit in die Wohnung durfte.

Die beiden telefonierten anfangs erst einmal mit der Familie, um wohl zu erzählen, dass sie Besuch aus Deutschland in ihrer Wohnung hatten.

Und dann machte Somi leider den Fehler, ihren Englischlehrer (nicht identisch mit den beiden vom Nachmittag) dazu einzuladen, weil sie der Meinung war, dass ihre Englischkenntnisse wohl für eine Konversation nicht reichen würde.

Dieser Mensch war uns vom Anfang an nicht sonderlich sympatisch und nachdem das bestellte Essen (Kebabspieße in Baguettes – es schmeckte leider auch nicht) gegessen war, wollten wir den Besuch bei Somi so langsam beenden. Wir konnten leider keine Rücksicht auf die iranischen Gastfreundschaft nehmen (wir sollten dort auch noch übernachten) wir mussten einfach weg. Es war mit ihrem Englsichlehrer nicht auszuhalten, hinzu kam, dass die 3 sich ziemlich viel untereinander unterhielten – ob das zur iranischen Gastfreundschaft gehörte, bezweifelten wir.

Eigentlich wollten die 3 uns von der Plattform die Stadt bei Nacht zeigen. Aber da es Brigitte aufgrund einer aufkommenden Erkältung mit Fieber immer schlechter ging (ich hatte ebenfalls die letzten Tage mit einer starken Erkältung zu kämpfen), nahmen wir dies als Begründung, brachen alles ab und verabschiedeten uns sehr schnell.

Wir fuhren allein den Berg hoch, denn vom Vormittag wussten wir, dass man da durchaus ungestört die Nacht verbringen konnte.

Und mit diesem Ausblick schliefen wir dann irgendwann nach Mitternacht ein.

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