Ali Sadre Cave + Kataleh Kore Cave

Am Samstag ging es nach einer sehr ruhigen Nacht weiter gen Nordwesten, weiterhin überwiegend auf Nebenstraßen mit Aussichten auf Berge und Landwirtschaft.

Kurz hinter der Stadt Nahavand fanden wir auf einem Hügel mit Sicht auf ein Dorf einen Platz. Kurz nach Ankunft kam ein junger Bauer auf seinem Traktor und lud uns gleich zum Essen ein, was wir allerdings aus den bekannten Gründen (keine Konversation aufgrund der nicht vorhandenen Englischkenntnisse unserer Gesprächspartner) wieder einmal ablehnten.

Einen Augenblick später stand ein älterer Dorfbewohner vor uns, der uns unter Androhung, die Polizei zu rufen, verscheuchen wollte – wir ließen uns aber nicht verscheuchen und so dauerte es nicht lange und ein Polizeiwagen fuhr heran. Die Polizisten wollten uns erklären, dass es wohl gefährlich wäre. Man würde uns berauben und erschießen.

Wir glaubten es natürlich nicht, aber wenn der unfreundliche Dorfbewohner auf unser Verschwinden drängte, fuhren wir dann doch weiter, um einige Kilometer später einen neuen Platz, direkt hinter einem Hügel auf einem abgeernteten Feld, anzusteuern. Dort gab es auch wesentlich freundlichere Menschen.

Ganz in der Nähe waren 3 Männer mit ihren Traktoren dabei, die Felder zu pflügen. Sie machten gerade Feierabend und ich sprach sie an, ob es ein Problem wären, hier zu stehen. Zwei der Männer wollten uns gleich ins Dorf schicken, der 3. (sein Name war Vahid, wie wir am nächsten Tag erfuhren) meinte mit seinen rudimentären Englisch- Kenntnissen, dass das ok wäre.

Gegen 22:00 Uhr (ich war gerade mit Oskar auf unserem letzten Gang) kam Vahid angefahren und wollte uns zu sich nach Hause holen. Wir sollten dort essen und schlafen. Doch ich konnte es ihm ausreden, musste aber versprechen, am nächsten Vormittag zu kommen.

Wir waren am Vormittag fast mit allem fertig, da stand er, gemeinsam mit seinem Cousin Rahim, vor uns, um uns abzuholen. Wir hatten keine Chance!!!

Der Mann rechts auf dem Bild ist Vahid.

Zuerst gab es einen Tee für uns und dann lud er uns ins Auto, um uns die nächsten Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Das war in Nahavand. Vahid kaufte als erstes ein Wörterbuch mit englischen Redewendungen, aber irgendwie kam er damit auch nicht zurecht. Trotz seiner schlechten Englischkenntisse (er konnte zwar etwas verstehen aber selber fehlten ihm buchstäblich die Worte) kam ein bisschen Konversation zu stande. So erfuhren wir, dass er noch nicht verheiratet war, bei seinen Eltern lebte und er studierte. Zwischendurch rief er einen Neffen an, der mir dann übersetzte.

Wir marschierten zuerst über den Basar.

Danach ging es in die Moschee – und hier waren wir überrascht. So eine Moschee hatten wir auch noch nicht gesehen. Schon von aussen sah sie sehr hübsch aus. Es war mit schwarzen Tüchern geschmückt, wahrscheinlich ist irgendein Gedenktag.

Brigitte und ich mussten getrennte Wege gehen, um die Gebetsräume anzuschauen. Mitten drin ist mit Wänden abgeteilt, eine Hälfte für die Frauen, eine für Männer. In der Mitte steht ein Schrein hinter 'Gittern'.

Die Wände glitzerten und spiegelten, es sah aus, als wenn alles mit Gold und Silber belegt war. Ein riesiger Kronenleuchter hing an der Decke. Und aus den Lautsprechern ertönte flotte Musik, die fast zum Tanzen und Mitklatschen einlud. Wir waren total begeistert.

Anschliessend ging es zu einem Museum, wo das Leben in einem Badehaus dargestellt wurde. Es gab getrennte Entspannungsräume und bei den Männern wurde auch das eigentliche Waschen nachgestellt.

Nachdem Vahid uns noch zu einem Essen in einem Restaurant einlud, fuhren wir wieder zu ihm nach Hause. Es war schwer für ihn zu akzeptieren, dass wir noch weiter wollten. Wir sollten unbedingt bei ihm übernachten, wir würden auch ein Dinner bekommen. Und am nächsten Tag wollte er uns die nächste größere Stadt (Hamedan) zeigen. Doch wir konnten uns irgendwann durchsetzen und ihm klar machen, dass wir auf jeden Fall an diesem Nachmittag noch weiter wollten. Ansonsten wären wir wohl nie weggekommen – eine nie endende Gastfreundschaft.

Wir tranken zum Abschluss noch einen Tee und lernten dabei seine Elten kennen, die ebenfalls wie er sehr sympatische Menschen waren.

Nach Austausch der Email-Adressen und der Zusage, ihn bei Problemen anzurufen, konnten wir uns endlich um 14:00 Uhr auf den Weg machen. und nach einer Nacht irgendwo in den Bergen erreichten wir am nächsten Tag die Stadt Hamadan. Die Angaben im Reiseführer lockten uns nicht zum Verweilen, wir wollten nur Geld wechseln und einkaufen. Und da ausnahmsweise mal wieder Internetempfang vorhanden war (nur zeitlich begrenzt), erledigten wir auch hier zumindest die wichtigsten Dinge.

Wir fuhren weiter nach Ali Sadr Cave. Dort sollte es eine große Tropfsteinhöhle geben. Der Ort war etwas touristisch erschlossen, wir fanden auf einem Parkplatz eine ruhige Schlafmöglichkeit, da wir dort ganz allein waren.

Bereits am Morgen war ein kalter Südwind aufgekommen, er hielt auch über Nacht an und brachte uns zusätzlich immer wieder Regenschauer.

Nach den üblichen Morgen-Aufgaben suchten wir die Höhle auf – so war es eigentlich geplant. Brigitte ging es schon seit ein paar Tagen nicht besonders, zu ihrer Erkältung war Fieber hinzugekommen. So verbrachten wir lieber einen weiteren Tag auf diesem Parkplatz und Brigitte hütete das Bett, um sich wieder zu erholen.

Am Mittwoch ging es ihr wieder so weit, dass wir den Höhlenbesuch durchführen konnten.

Diese Höhle ist lt. Reiseführer ein wahres Wunderwerk von Gängen, Kammern, Stalaktiten und Stalakmiten. Der größte Teil mit ihren insgesamt 11 km (wovon wir ca. 4 km gesehen hatten) war mit Wasser gefüllt und mit Tretbooten wurden wir zu den interessantesten Stellen gefahren.

Als wir nach fast 2 Std. wieder heraus kamen, waren wir beide einer Meinung: das hatte sich gelohnt! Es ist übrigens die größte Höhle dieser Art auf der Welt.

Gegen Mittag machten wir uns weiter auf den Weg, neben der Ali Sadre Höhle gibt es in ca. 100 km Entfernung eine weitere Tropfsteinhöhle, die Kataleh Khor Cave.

Kurz vor Schließung kamen wir an. Man erlaubte uns, auf dem touristischen Gelände zu übernachten. 

Abends gab es noch ein kleine Überraschung: Ein Polizeiwagen kam angefahren, man wollte unsere Pässe kontrollieren. Einer der Wachmänner des Geländes war dabei. Wir vermuten, dass er die Polizei informiert hatte, evtl. hatte ihm niemand aus der Tagesschicht mitgeteilt, dass man uns die Übernachtung erlaubt hatte. Wie auch immer: Nach gut 15 Minuten und Aufnahme unsere Daten wurden wir in Ruhe gelassen.

 

Um 10:00 Uhr ging es dann in die Höhle, eine iranische Familie und wir wurden von einem Guide durchgeführt. Zuerst einmal zeigte man uns Fledermäuse, die auf den ersten Metern im Eingangsbereich an der Decke hingen.

Die Höhle war für ca. 1250 m begehbar, je weiter wir kamen, desto fantastischer waren die Eindrücke. Seht selber:

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Kommentare: 4
  • #1

    Gerda & Jürgen (Mittwoch, 02 Dezember 2015 19:51)

    Danke für Euer Lebenszeichen. Hier herrscht Schmuddelwetter und Weihnachtsstimmung kommt auch nicht auf. Im Nachbarort haben die Leute einen Hasen, anstatt einen Weihnachtsmann im Vorgarten. Heute 10°+.
    Liebe Grüße senden Gerda & Jürgen

  • #2

    Monika Bacheratz (Freitag, 04 Dezember 2015 08:56)

    Wir haben uns sehr über Eure Karte gefreut (es fehlte die PLZ). Sie war 7 Wochen unterwegs. Durch unsere Krankheit vor Eurer Abfahrt hatten wir leider diese Adresse noch nicht. Wir haben ganz oft an Euch gedacht-zuletzt gestern abend als wir Besuch hatten - und heute morgen war die Karte da!!!

  • #3

    Olli (Montag, 07 Dezember 2015 10:44)

    Moin Peter,
    lange kein Lebenszeichen gehört, wir hoffen das alles läuft,
    das defekte Türschloß habe ich jetzt am Lager, die Schließung habe ich gleich
    auf deine Schließanlage umgebaut, " nur noch einbauen" :-)
    Bitte gebe mir eine Lieferadessse auf .
    Beste Grüße von der Este.
    Olli und Horst
    P.S. Euer Lärmschutzwall an der Bahn ist immer noch nicht fertig, Ihr verpasst
    absolut nichts. :-)

  • #4

    RalfW (Montag, 14 Dezember 2015 09:39)

    Moin Moin,
    Wie immer sehr unterhaltsam zu lesen Eure Berichte!
    Hier wird es wieder kälter. Wir haben eine Wochenendtour mit dem STEYR gemacht und es lief ganz gut. Kleine Probleme konnten mit Bordmitteln behoben werden und wenn man drei Scheibenwischer hat, darf schon mal einer ausfallen (hauptsache nicht der Falsche ;-) Sprit gibts übrigens für 99ct - Aber das sind wahrscheinlich Mondpreise gegenüber dem was ihr zahlt. Grüsse aus BH und weiterhin verlässliche Technik und freundliche Einheimische auf Eurem Weg! Ralf