Wintereinbruch

Nach der Besichtigung der Höhle fassten wir noch einmal Wasser und dann ging es weiter durch das Iranische Hochland.

Für die Nacht fanden wir einen Platz in ca. 1900 m Höhe in einer kleinen Lunke zwischen ein paar Obstbäumen. Der Wind wollte noch immer nicht nachlassen, aber in dieser Lunke war es einigermaßen erträglich. Eigentlich war das Wetter noch ganz angenehm, der Regen hatte wieder ausgesetzt und die Sonne schien. Doch der Wind war sehr unangenehm.

Bei Einbruch der Dunkelheit hörten wir wieder ein paar Tropfen auf dem Dach, es ließ nach kurzer Zeit aber wieder nach. Auch den Wind hörten wir nicht mehr so stark und freuten uns schon. Doch dann kam das böse Erwachen, als ich mit Oskar zum letzten Spaziergang raus wollte: Es war alles weiß, stattt Regen kam Schnee vom Himmel.

Wir entschieden kurzfristig, den Wagen noch umgehend aus der Lunke heraus zu fahren, um sicherer auf dem Weg, der zur Strasse führte, zu stehen. Das ging zuerst noch ganz gut, aber der Weg war lehmig und aufgrund des Schnees matschig. Aber irgendwie schaffte ich noch, aus der Lunke hoch zu kommen, doch dann rutschte ich mit einem Hinterrad in eine kleine Senke. Keine Chance, da wieder heraus zu kommen, dafür haben wir nicht die richtigen Reifen. Da die Schräge allerdings erträglich war, wollten wir keine Hektik aufkommen lassen und blieben erst einmal so stehen – um das Problem wollte ich mich am nächsten Tag bei Helligkeit kümmern.

Morgens hatten wir -7 Grad. Die Heizung wollte nicht mehr laufen, ich hatten wohl noch zu wenig Fließverbesserer im Tank. Und da wir nicht mit diesem Wintereinbruch gerechnet hatten, hatte ich auch noch kein Benzin unter den Diesel gemischt. So gab es erst einmal ein kaltes Erwachen.

Nachdem ich mich angezogen hatte, ging es erst einmal nach draussen. Der Wind war vorbei, es hatte über Nacht noch ein bisschen geschneit und die Sonne schien, alles in allem eigentlich richtig schön. Und es kam Hoffnung auf – und die Hoffnung hatte sich erfüllt. Aufgrund des Frostes war der Lehm so fest gefroren, dass ich ohne Probleme das Auto wieder frei bekam.

Wir machten kurz unseren Gaskocher an und so war die Temperatur im Koffer wenigsten so weit gestiegen, dass wir noch einigermaßen erträglich frühstücken konnten. Auch die Sonne hatte dazu beigetragen, dass es nicht mehr so saukalt im Koffer war

Die Straße war sehr vereist, viele Iraner kamen uns schon mit Schneeketten entgegen. So weit war es bei uns noch nicht, unsere Reifen taugen zwar bei schlammigem Lehm nichts, aber sie haben eine gute Haftung bei Schnee. Und die Landschaft sah einfach toll aus

Nach gut 40 km erreichten wir die Stadt Takab – die erste Tankstelle war unsere zum Benzin fassen. Der Diesel musste winterfest werden. Für die dickere Dieselleitung reichte es ja, aber nicht für die dünne Leitung zur Standheizung.

In der Mittagspause versuchten wir (wir waren noch immer in 1800 m Höhe bei herrlichem Sonnenschein und viel Schnee), die Heizung zum Laufen zu bekommen. Aber der ausgeflockte Diesel in der Leitung war noch immer nicht getaut und ganz entnervt fuhren wir weiter in der Hoffnung, eine Raststätte zu finden, an der wir Strom bekommen könnten, um unseren Heizlüfter über Nacht zu nutzen.

Es dauerte nicht mehr lange und es ging raus aus diesen Höhen, wir hatten den letzten Pass hinter uns gebracht. Als wir die Stadt Shahin Dez erreichten, waren wir nur noch auf ca. 1350 h Höhe, hier lag auch kein Schnee mehr. Wir überquerten einen Fluß und sahen eine schöne Ecke, die auch von den Iranern aus der Stadt sehr besucht war, immerhin war Freitag.

Wir stoppten und starteten die Heizung noch einmal. Und siehe da, sie lief. Gleich links abgebogen und zwischen all den Iranern eine Stellplatz gefunden. Kaum waren wir ausgestiegen, standen wir wieder einmal im Mittelpunkt. Der ein oder andere konnte Englisch, es kamen wieder die üblichen Fragen, man bot uns Tee an, wir bekamen Obst geschenkt – es machte wieder einmal viel Spass.

Das Bild ist nur ein Beispiel, es zog sich noch länger Zeit so hin.

Dieser Platz war eine Art Park und lag an einem Fluss die Iraner nutzten ihn wohl intensiv. Auch wir nutzten ihn gemeinsam mit Oskar, der mit der Nase nach unten mit uns die Umgebung erkundete.

Am nächsten Tag schien die Sonne. Es war knapp über den Gefrierpunkt und wir nutzten das schöne Wetter, um die Sommersachen gegen die Wintersachen auszutauschen und ein bisschen umzupacken. Da es danach schon nach 14:00 Uhr war, entschlossen wir, nicht mehr weiterzufahren und gingen erst einmal ausgiebig mit Oskar spazieren.

Dieser Fluß scheint ein Sammelplatz für Störche zu sein. Wir zählten über 40 Stück, die hier standen. So etwas kennen wir von unserer Heimat nicht.

Am Sonntag morgen, dem Nikolaustag, gab es dann eine Überraschung. Nein, man hatte uns nichts in die Stiefel gesteckt. Wir schauten raus und dort sah es grau aus. Und dann sahen wir den Schnee, der über Nacht gefallen war und noch immer fiel.

Fast waren wir drauf und dran, noch einen Tag zu bleiben. Doch wir entschieden uns weiterzufahren, denn man konnte ja nicht wissen, was da noch kommt. Und es kam etwas. Der Schneefall artete im Laufe des Tages in einen Schneesturm aus.

Die Iranerischen Autofahrer sind wohl nur bedingt auf Schneefall eingestellt. Wir hatten den Eindruck, als wenn Winterreifen absolut unbekannt wären. Teilweise schlichen sie mit ihren Autos über die Straßen. An den Steigungen in den Bergen bleiben sie vielfach hängen und man sah die Autofahrer, wie sie Schneeketten anlegten. Ansonsten hätten sie keine Chancen gehabt, die Steigungen zu schaffen.

Es gab auch so intelligente Autofahrer, die meinten, sie würden bestimmt 2 Meter weiter kommen – was sie dann vereinzelt auch taten und neben den anderen Autos stecken blieben. Da kommt dann Spaß auf, wenn man selber keine Probleme hat und wegen der Unüberlegtheit der anderen nicht weiterkommt.

Es gab auch einen Iranischen Winterdienst: Vereinzelt kam uns ein Schneeschieber entgegen. Und zwischendurch wurde auch gestreut: hin und wieder waren LKW's mit Sand beladen und hinten drauf stand ein Mann, der alle paar Meter eine Schaufel Sand auf die Straße warf.

In den Dörfern sah man teilweise die Kinder mit Schneebällen werfen und, aus Ermangelung eines Schlittens, auf dem Hosenboden Abhänge runterrutschen

Wir mussten noch über einen 1900 m hohen Pass. Mittlerweile wurde der Schneesturm immer stärker, es gab häufiger Schneewehen auf der Straße, teilweise über 50 cm hoch. Trotzdem meinten einige Iraner, sie müssten unbedingt überholen. Dass kaum noch Sicht war, interessierte überhaupt nicht. Vereinzelt lagen auch links und rechts der Straße havarierte Autos, aber da nie jemand ausstieg und um Hilfe bat, bot ich diese auch nicht an. Wir hätten dann wahrscheinlich überhaupt kein Strecke geschafft und wären nur als 'Internationaler Abschleppdienst' unterwegs gewesen.

Auf der Weg von Mahabad nach Orumiyeh (unser Ziel für heute) gab es auf einmal einen gut 1 km langen Stau auf einer leichten Steigung. Dicker Schnee lag auf der Straße und einige LKW und PKW kamen nicht weiter. Trotzdem meinten auch hier wieder einige, dass sie bestimmt noch 2 Meter schaffen würden. Und dann kam, was kommen musste. Alles stand.  Der Gegenverkehr kam nur weiter, weil sie den Unterbau der noch nicht fertigen Doppel-Spur neben der Straße nutzten.

Wir konnten nur noch den Kopf schütteln über die Iraner. Die Räder von ihren Autos drehten beim kleinsten Gasgeben schon durch, trotzdem meinte man, es versuchen zu müssen.

Wir hatten nach 20 Minuten das Glück, dass ein PKW-Fahrer, der noch links von uns stand, ein Weiterkommen versuchte. Ich setzte noch kurz zurück und konnte dann über einen 'Mittelstreifen' die etwa einen Meter tiefer gelegenen 'Gegenfahrbahn' erreichen (ein anderer LKW-Fahrer und ein SUV-Fahrer hatten schon die gleiche Idee). So konnten wir wenigsten an dem Stau vorbeikommen. Und da sowieso relativ wenig Verkehr herrschte, brauchten wir auf der falschen Seite auch keinen Iraner in Bedrängnis bringen. Das hätte hier allerdings auch keinen gestört: Auf der falschen Fahrbahnseite zu fahren gehört hier zum alltäglichen Leben dazu.

Wir wollten bei dem Schneesturm mit dem bitterkalten Wind nicht in der Wildnis stehen, dass sahen wir als unnötiges Risiko an. Gegen Abend erreichten wir dann Orumiyeh. Seit gut 100 km waren wir nur noch auf ca. 1300 m Höhe. Der Schneesturm ließ auch langsam nach und wir fanden einen Parkplatz unmittelbar bei einem größeren Busbahnhof. Es war zwar nicht ganz leise, aber wir hatten es schon schlimmeres erlebt. Wir waren jedenfalls sicherer hier als draußen in der Landschaft, denn es schneite noch weiter.

Wir hatten im übrigen keinerlei Probleme mit unserem Auto im Schnee. Schneeketten haben wir zwar dabei, brauchten sie aber bislang nicht. Unsere Reifen taugen zwar nicht viel im dicken Schlamm, aber im Schnee sind sie hervorragend (sie haben auch einen M+S Kennzeichnung). Und in Verbindung mit unserem permanenten Allrad kamen wir durch sämtliche Schneewehen ohne irgendwelche Schwierigkeiten durch.

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