Tabriz

Auf dem Weg von Orumiyeh nach Tabriz, unserem nächsten Ziel, überquerten wir den gleichnamigen Orumiyeh-See. Dies ist lt. Reiseführer der größte der für Iran typischen abflusslosen Seen, sein Salzgehalt beträgt bis zu 30 %. Am Ostufer wird an einigen Stelle Salz gewonnen.

Der See ist ca. 10 mal so groß wie der Bodensee. Durch verstärkte Wasserentnahmen in den letzten Jahren ist der Zufluss zum See beständig zurückgegangen und der Wasserstand dramatisch gesunken. Dieser Effekt wurde noch verstärkt durch die faktische Teilung des Sees durch die neue Brücke zwischen dem West- und dem Ostufer.

Wir erreichten am frühen Nachmittag die Stadt Tabriz. Doch wir waren nicht begeistert. Zwar gibt es die eine oder andere Sehenswürdigkeit, doch das, was wir sahen, wurde überwiegend renoviert, die Innenstadt bestand weitestgehend nur aus Baustellen. So sprach die Stadt uns überhaupt nicht an, u.a. auch deshalb nicht, weil wir keinen stadtnahen Park mit einer ruhigeren Stellmöglichkeit fanden. Allerdings befand sich am südöstlichen Standrand der Vergnügungspark El Goli, den wir aufsuchten und uns dort ganz wohl fühlten.

Schnee kam zwar nicht mehr von Himmel, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mit herrlichem Sonnenschein lebte es sich ganz angenehm im Park, auch Oskar gefiel es, im Schnee zu schnüffeln. Da uns in der Nacht wieder einmal die Heizung im Stich ließ, nutzte ich das schöne Wetter, um dem Problem auf den Grund zu gehen und hoffte, auch den Fehler ausgemerzt zu haben. Nachmittags ging es noch mal in die Stadt, wir wollten den Bazar aufsuchen und den größten Teil unserer noch vorhanden iranischen Rial auszugeben – was uns auch gelang. Bilder von der Stadt hatten wir nicht gemacht, es lohnte sich unserer Meinung nach nicht.

Die nächste Nacht verbrachten wir wieder im El Goli Park, um uns dann am Dienstag auf dem Weg zum ca. 200 km entfernten Grenzübergang im Dorf Nurduz nach Armenien zu fahren. Bei herrlichstem Sonnenschein zeigte sich die Bergwelt noch einmal von ihrer schönsten Seite

Die letzten ca. 40 km ging es am Grenzfluss Aras vorbei, das Land Armenien begrüßte uns schon von weitem mit seiner Bergwelt.

Die Nacht standen wir inmitten einiger LKW direkt an der Grenzabfertigung. Allerdings gefiel das einem Grenzpolizisten nicht, wir sollten umparken auf einen bewachten und kostenpflichtigen Parkplatz. Doch ich weigerte mich, da wir keine Rial mehr zum Bezahlen hatten und auch nicht verstanden, wieso es für uns hier gefährlicher (das war sein Argument) als für die iranischen Lastwagenfahrer sein sollte. Nach einiger Diskussion und Telefonaten des Polizisten mit seiner Dienststelle erklärte er uns, dass unser Parken zwar nicht legal wäre, aber wir wären ja Gäste des Landes und dürften ausnahmsweise doch bleiben.

 

Ein kleines Resümee zum Iran: wir hatten über 5 Wochen in diesem Lande verbracht, über 5000 km gefahren und sehr viel erlebt und gesehen. Das Land selber überzeugte uns nicht immer, was aber durchaus mit der Jahreszeit zusammen hängen kann. Aber es war nicht uninteressant und wir werden bestimmt noch einmal wiederkommen, um das Land im Sommer zu erleben.

Die Menschen sind sehr nett, sehr hilfsbereit, sehr neugierig und aufgeschlossen, wir erfuhren eine wahnsinnige Gastfreundschaft ohne Erwartung einer Gegenleistung und sie haben uns (mit ganz kleinen Ausnahmen) nur positiv überrascht.

Doch es war für uns befremdlich (obwohl wir es vorher wussten), dass die Frauen mit einem Schador oder zumindest mit einem Kopftuch bekleidet sein mussten. Bzgl. des Hundes haben wir zwar Interesse, aber auch Abneigung und Angst erlebt. Der nächste Besuch in diesem Lande wird auf jeden Fall ohne Hund sein.

Aber eines können wir sagen: Es ist ein Unterscheid zwischen der im Westen bekannten Propaganda und der Realität. Es ist ein Unterschied zwischen der Regierung und dem Volk. Viele Iraner schimpfen auf ihre Regierung, sie hätten gern eine andere.

Und eines kann man definitv festhalten: Es lohnt sich, dieses Land einmal kennen zu lernen.

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