Weihnachten am Schwarzen Meer

Morgens wollten wir noch zum Flughafen. Ich benötigte ein Ersatzteil für den Koffer und hatte mir dieses über den ADAC per Flugzeug zusenden lassen.

Erst einmal war es ein Problem, die Cargo-Abfertigung zu finden. Wir waren der Meinung, die Halle gefunden zu haben, aber ein Security-Mensch kurz vorher wusste nichts davon, dass es dort eine Cargo-Abfertigung geben würde. Dann erst einmal zum Flughafen und dort erklärte man mir, wo ich die Halle finden würde – genau da, wo wir vorher waren.

Ich stellte den Wagen vor einer Absperrung ab, um bei den sich dort befindlichen Hallen die richtige zu finden. Doch das gefiel der Security nicht, was mich allerdings nicht interessierte. So ging ich auf die Suche und gesamt 4 Männer kamen laut brüllend hinter mir her gelaufen – was mich allerdings auch nicht sonderlich einschüchterte. Um es kurz zu machen: sie 'stellten' mich, als ich die richtige Halle gefunden hatten, einer wollte mir gleich den Arm nach hinten verbiegen, was ihm allerdings nicht gelang. Sie konnten weiterhin nur brüllen, aber kein bisschen Englisch sprechen. Ein englisch sprechender Angestellte vom Cargo-Dienst, mit Namen Mamoka, versuchte die Security-Leute erst einmal zu beruhigen und erklärte mir, dass ich vor der Abflughalle des Präsidenten parken würde und ich solle doch das Auto auf das Grundstück der Cargo-Halle fahren – was ich dann auch tat.

Danach ging die nächste Odyssee los. Dank Mamoka (er lebte 2 Jahre in Deutschland und ist auch mit einer deutschen Frau verheiratet) bekam ich dann nach gut 3 Stunden unser Ersatzteil und wir konnten wieder starten.

Zuerst wurde noch in Tiflis eingekauft und wir machten uns noch auf den Weg nach Gori, der Geburtsstadt von Stalin.

Einige Kilometer hinter Gori gibt es noch die Höhlenstadt Uplistiskhe. Kurz vorher fanden wir auf einer Wiese einen ruhigen Schlafplatz und machten uns am Morgen auf, diese Höhlenstadt, die schon über 4000 Jahre alt sein soll, zu besichtigen.

Danach ging es wieder nach Gori, um den Stalin-Park, in dem auch sein Bahnwaggon und sein Geburtshaus stehen, anzuschauen. Und zu Weihnachten wird/wurde mittlerweile auch geschmückt – allerdings wird hier erst am 6./7. Januar Weihnachten gefeiert.

Weiterhin machten wir auf dem Weg ans Schwarze Meer noch einen kleinen Umweg über die Stadt Akhaltsikhe. Dort gibt es ein Schloß auf einem Hügel oberhalb der Stadt, die wir noch besichtigen wollten

Auf dem Parkplatz konnten wir auch ungestört die Nacht verbringen - abends konnten wir das Schloß noch bei Beleuchtung geniessen. Und Weihnachtsstimmung kam bei uns noch nicht auf – wir hatten am Tage ca. 15 Grad bei herrlichem Sonnenschein.

Am Morgen des 23.12. machten wir uns früh auf den Weg. Wir wollten den direkten Weg nach Batumi, der größten Georgischen Hafenstadt am Schwarzen Meer, nehmen. Lt. Karte mussten wir einen Pass über 2000 m überqueren und wir ahnten/wussten schon, dass es sich um eine Schotterpiste handeln würde.

Zuerst schafften wir gut Kilometer, doch dann, in etwas 1100 m Höhe, fing die Schotterpiste an. Soweit kein Problem, die Piste war freigeschoben und die letzte Schneedecke störte nicht. Doch nach dem letzten Dorf in etwa 1300 m Höhe war die Piste seit ein paar Tagen nicht mehr freigeschoben - auch gut, schaffen wir es auch so, dachten wir. Doch nach über 1500 m Höhe hatte unser Auto gut zu kämpfen. Nachdem wir wiederholt eine Spitzkehre durchqueren mussten, war Schluß. Der Schnee lag gut 25 - 30 cm hoch und unser Auto schaffte kaum noch Meter. Und da der Paß erst in über weiteren 500 Höhenmetern überwunden wäre, wollten wir lieber zurück. Doch an Umdrehen war nicht zu denken, zu schmal war die Piste und man konnte auch nicht sehen, wie es links und rechts unterm Schnee ausah. So blieb uns nur übrig, über 2,5 km rückwärts in unsere Spur wieder zurück bis zum Erreichen des letzten Dorfes, wo wir endlich umdrehen konnten. 

Wir mussten dann den  langen Weg zurück zur Hauptstrasse, die das Land Georgien von Ost nach West durchquert, zurück legen. Zwar gab es noch eine Abkürzung, doch auf Nachfrage bei einem Polizisten und sicherheitshalber auch bei einem Taxifahrer  erfuhren wir, dass auch dort der Pass aufgrund Schneefalls gesperrt war - Hinweis-Schilder standen übrigens nicht vor dem Pass.

So hatten wir dann statt ca. 170 km über 300 km bis zum Schwarzen Meer gebraucht; die 'unnötige' Anfahrt zum ersten Pass betrug auch hin und zurück 85 km.

Am Nachmittag kam dann doch noch die ersehnte Weihnachtsstimmung auf. Weshalb? Ganz einfach: die Temperatur stieg auf 9 Grad und es fing an zu regnen! 

 

MIttlerweile kam die Dämmerung auf und so schafften wir es nicht mehr ganz bis nach Batumi. Ca. 30 km vorher fanden wir einen Stellplatz zwischen Straße und dem Schwarzen Meer unter großen Schwarzkiefern im Ort Kobuleti. Diesen Platz kannte ich schon, da ich bereits im Sommer 2014 mit Wolfgang hier schon mal gezeltet hatte. 

Das Schwarze Meer begrüßte uns mit einer hohen Brandung, es herrschte starker auflandiger Wind. 

Da wir zum Mittag mit unseren Freunden Tamuna und ihrem Mann verabredeten waren, machten wir uns bald wieder auf den Weg, es waren nur noch knapp 40 km zu fahren.

Hier der erste Eindruck von Batumi. Die Stadt ist, ebenfalls wie Tiflis, ein Mix aus modernen und alten Gebäuden.

Einen Parkplatz fanden wir in einer ruhigen Nebenstrasse in sehr zentraler Lage, es war nicht weit bis zur Innenstadt und ganz nah zum Strand und dem Boulevard. Hier hat die Stadt versucht, einiges für die Touristen aufzubauen, es war auch ganz nett anzuschauen.

Wir brauchten nicht lange warten und unsere Freunde fanden uns am verabredeten Punkt. Nach der Begrüßung ging es erst einmal in ein Cafe und danach besichtigten wir die Innenstadt. Wir Männer mussten zwischendurch mit Oskar draussen warten, während die Frauen sich den einen oder anderen Mode-Shop mal von innen anschauen wollten. Zum Glück hatte ich das Geld in der Tasche, so dass es diesbezüglich nicht so teuer wurde.

 

Abends gingen wir gemeinsam Essen in einem sehr netten Lokal. Dort gab es Livemusik von einem jungen Sänger. Alles in allem war es ein sehr angenehmer Heilig Abend für uns und wir fanden es toll, dass wir diesen Abend fern der Heimat in so netter Gesellschaft verbringen durften.

Am 1. Weihnachtstag schliefen wir etws länger, denn wir kamen erst um 3:00 Uhr ins Bett. Den Tag genossen wir mit langen Spaziergängen am Wasser und auf dem Boulevard.

Am Sonntag morgen machten wir uns wieder auf den Weg gen Norden. Anaklia, ein Touristenort am Schwarzen Meer, sollte das nächste Ziel sein. Dort war ich bereits vor 1,5 Jahren und damals im Sommer war es fast genauso tot wie dieses Mal im Winter. Zwischendurch wurde ein kurzer Stopp in Zugdidi eingelegt. Brigitte hatte eines unserer Navis fallen lassen und dadurch ist das Touch-Display gebrochen. Übers Internet fand ich die Telefonnummer eines Händlers in Tiflis. Ein Hilferuf bei Tamuna und es dauerte nicht lange und sie hatte ein Ersatzdisplay finden können. Doch wie das Navi nach Tiflis bekommen?

Also: ein Stopp in Zugdidi, einem Cousin ihres Mannes das Navi übergeben, der würde dafür sorgen, dass das Gerät nach Tiflis (mit einer Marschrutka ???) kommt und in ein paar Tagen würde Tamunas Bruder es repariert aus Tiflis mit nach Mestia bringen - lassen wir uns überraschen.

Aber weiter im Text: Wir fanden einen Parkplatz zwischen 2 großen, allerdings geschlossenen Hotelkomplexen. Direkt am Boulevard. Mittlerweile fing es leicht an zu regnen, wir machten trotzdem erst einmal einen ausgiebigen Spaziergang mit Oskar. Den Rest des Tages verbrachten wir im Auto mit Lesen, Internet, Essen und Trinken und Beobachten von Hochzeitspärchen, die sich hier fotografieren liessen - im Regen. Dann schauten wir noch ein bisschen zu, wie einige Hochzeitsgäste so euphorisch von der Hochzeit waren, dass sie mit ihren Autos wie die Doofen über den Parkplatz drifteten.

Die Nacht war, wie schon gedacht, überwiegend sehr ruhig. Wir blieben den nächsten Tag auch noch an diesem Ort. Es war einfach entspannend.  Wir hatten eigentlich vor, den Sachen im Kofferraum umzupacken, nahmen allerdings aufgrund des Wetters davn Abstand. Doch es war oft genug trocken, so dass wir die Spaziergänge mit Oskar geniessen konnten.

 

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