Mestia

Die versprochene georgische Volksmusik gab es dann doch nicht, die Sänger hatten unsere Gastgeberin Tamuna versetzt.

Dafür ging es am Dienstag erst einmal in den Wald - einen Tannenbaum klauen, der dann auch gleich geschmückt wurde.

Einer hatte im Schnee eine ganze Menge Spaß. Es war allerdings auch sehr anstrengend, so dass das Aufwärmen und ein Schläfchen vor dem Ofen genauso viel Spaß machte.

Am Silvestermorgen hat es erst einmal geschneit.

Abends gab es dann die von der Gemeinde organisierte Silvesterfeier: Georgische Musik. Es wurde kalt, minus 10 Grad. Das Lagerfeuer vor dem Cafe Laila tat gut.

Um Mitternacht spielte dann endlich die Gruppe, die uns schon vor ein paar Tagen avisiert wurde. Das Laila war voll, wir wurden mit an den Familientisch gesetzt - es gibt bei den Georgiern wirklich nicht viel zu essen und trinken ........

Leider fiel in dieser Nacht aufgrund der Kälte ein wiederholtes Mal die Heizung aus. Doch dank des Aussenstromes konnten wir unseren Heizlüfter aktivieren, so dass wir nicht im Auto frieren brauchten. 

Am Neujahrsvormittag versuchte ich, die Heizung wieder zu aktivieren. Die Sonne schien vom Himmel und ich drehte das Auto um, damit der Tank aufgewärmt werden konnte und am späten Mittag lief sie wieder.

So konnten wir noch den Nachmittag für einen ausgiebigen Schnee-Spaziergang nutzen.

Am Abend war es dann mit der Freude vorbei - wieder ein Ausfall.

Ushguli musste noch angefahren werden – das in Europa am höchsten gelegene dauerhaft bewohnte Dorf in 2500 m Höhe (https://de.wikipedia.org/wiki/Uschguli), ca. 45 km entfernt und größtenteils über eine Piste erreichbar.

Das Problem war, dass es den ganzen Tag schneite und die letzten ca. 15 km nicht mehr geräumt worden war. Doch das Auto war hervorragend, hatte gute Reifen und über unseren Fahrer, Tamunas Mann Sura, konnte man auch nicht meckern. 

Wir besuchten Tamunas Onkel mit seiner Familie, da wir einiges an Kindersachen aus Deutschland mitgebracht hatten und über diese verteilen wollten. Unser Besuch war nicht angekündigt. Da das Essen gerade auf dem Ofen stand, wurden wir gleich an den Tisch gebeten.

Es waren ganz angenehme und lustige 1,5 Stunden. Tamuna musste viel dolmetschen und zum Essen wurde ChaCha serviert, ein leckerer Obstler. Nach diversen Trinksprüchen wurde dann irgendwann abgewunken, denn wir wollten die Strecke zurück auch noch bewältigen.

Alles in allem war es ein ganz toller Tag. Ich war ja vor 1,5 Jahren schon mal hier und wusste so in etwa, wie die Menschen leben. Doch damals war ich noch nicht in dem Haus, so dass auch das für mich neu war.

 

Wir sind gefahren mit dem Gedanken: was für ein Glück, dass wir dort nicht geboren wurden; wir würden nie dort leben wollen. Die Menschen haben ein hartes Leben, zumindest materieller Reichtum ist nicht zu machen. Aber kommt es immer auf den materiellen Reichtum an? Diese Frage muss sich jeder selber beantworten. Auf jeden Fall machte die Familie einen zufriedenen Eindruck. Sie freuten sich über unsere Mitbringsel und ich danke hier allen, die uns in der Heimat beim Einsammeln der Kindersachen unterstützten.

 

Weihnachten stand vor der Tür, für uns das erste Mal, ein orthodoxes Weihnachtsfest zu erleben – und es war ganz anders, als wir es aus der Heimat kennen.

Hat es an Weihnachten gelegen? Es war wunderschöner Sonnenschein und die Temperaturen kletterten in die Plusgrade. Die letzten Tage konnten wir nur mit dem Heizlüfter überstehen, es gab keine Chancen, die Heizung zu starten. Mittlerweile ist klar, dass es nur am nicht winterfesten Diesel lag. Durch die Sonnenwärme sprang endlich die Heizung wieder an und auch unsere eingefrorene Abwasserleitung taute auf. 

 

In der Sonne machte der Nachmittagsspaziergang gleich mehr Freude. Oskar tobte durch den Schnee und dann ging es wie fast jeden der letzten Tage bei seinem Freund vorbei, den er hier vor ein paar Tagen gefunden hatte: Max, ein schwarzer Labrador. Es machte uns jedes Mal Freude, zu sehen, wie die beiden viel Spaß hatten, wenn sie sich trafen:

Wir nutzten den Sonnenschein auch noch für ein paar Winterimpressionen

Und einem dicken Schneemann sind wir auch begegnet.

Der 6.1. war ein normaler Arbeitstag, das Cafe Laila hatte bis kurz vor Mitternacht geöffnet (abends gab es wieder wie jeden Abend seit Silvester die Georgische Volksmusik) Um Mitternacht machten wir uns auf, eine orthodoxe Weihnachtsmesse zu erleben – sie startete schon um 22:00 Uhr und zog sich noch viele Stunden hin.

Die Kirche war voll, immer wieder gab es ein Kommen und Gehen der Gläubigen. Niemand machte die komplette Messe mit. Auch wir waren nach gut 15 Minuten wieder weg.

Wir liessen die Nacht mit einem kleinen Abendessen in kleiner Runde mit Tamuna und Sura ausklingen – das war das georgisch-orthodoxe Weihnachtsfest!

Am 8. Januar war dann Schluß mit Mestia, wir wollten so langsam aus der Kälte, dem Schnee und den Bergen hinaus. Es waren ganz tolle Tage, die wir hier erleben durften. Sicherlich hat es einen Grund, weshalb ich das dritte Mal schon hier bin. Auch Brigitte hat es sehr sehr gut gefallen und wir werden bestimmt wiederkommen – Tamuna, das ist ein Versprechen!! Wir haben eine ganz tolle Gastfreundschaft bei unseren georgischen Freunden erlebt. Der Schnee machte uns (zumindest fast immer) viel Spaß, in der Heimat erleben wir so etwas ja nicht mehr.

Bei unserer Abfahrt regnete es, an einigen Abhängen sah man, dass Lawinen herunter gekommen waren.
So kann es aussehen, wenn man einer Lawine nicht ausweichen kann - diesem Unglück begegneten wir etwa auf der Hälfte der Bergetappe. Das meiste war schon getan, der Schaufellader brauchte nicht mehr lange, um den Wagen heraus zu ziehen. Wie wir sehen konnten, hielt sich der Schaden wohl sehr in Grenzen, ausser einer defekten Heckscheibe war anscheinend nicht viel passiert. Auf jeden Fall war der Wagen fahrtüchtig und wir sahen ihn später noch einmal in Zugdidi.

Kurz bevor wir die 'Tiefebene' erreichten, konnten wir noch einen letzten Blick auf den verschneiten Kaukasus werfen.

Unser Halt war in Zugdid, Tamuna und Sura waren auch noch gekommen, und so verbrachten wir noch einen schönen Abend bei einem gemeinsamen Essen. Am Samstag vormittag war mir Sura behilflich, eine Werkstatt zu finden, um unsere Dieselfilter zu wechseln. Wir hatten unterwegs leichte Probleme, weil der Diesel in der Kälte doch etwas gelitten hatte. Nach dem Auswechseln der Filter war wieder alles in Ordnung. 

Wir gönnten uns dann noch ein gemeinsams Frühstück (um ca. 15.00 Uhr), aber gegen 16:00 Uhr hiess es doch, endgültig Abschied zu nehmen.

 

Am Abend erreichten wir wieder Batumi, fanden einen schönen und ruhigen Stellplatz am Boulevard. Es hatte den ganzen Tag noch geregnet und beim Spaziergang mit Oskar wurden wir erst einmal klitschennaß. Da die Heizung allerdings funktionierte, bekamen wir unsere Jacken und Hosen schnell wieder trocken - und so verbrachten wir wieder einen Abend zu zweit in unserem Auto.

Die große Freude: am Sonntag schien die Sonne. Nach dem vielen Schnee und den beiden letzten Regentagen genossen wir den herrlichen Sonnenschein in Batumi und nutzen ihn für Pflegemaßnahmen an Hund und Auto. Und der Sonnenuntergang war auch nicht zu verachten.

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