Albanien, Land der Skipetaren

Der Grenzübergang bei Kakvije war nach einer knappen Viertelstunde erledigt. Abstempeln der Pässe war alles, keinerlei Kontrolle des Autos.

Erst ging es auf einer gut ausgebauten Straße durch ein Hochtal, dann bogen wir nach einigen Kilometern gen Westen ab über die Berge nach Sarande. Im Vorwege erzählte uns jemand, dass es dort an der Küste sehr schön sein soll. Die Berge gefielen uns, aber Sarande war für uns der Horror. Hochhäuser und Hotelburgen, absolut touristisch, kleine Strände, komplett überlaufen. Am liebsten wollten wir sofort wieder umdrehen, aber es war heiß und wir hatten keine Lust mehr zum Fahren.

Im Reiseführer fanden wir einen Hinweis über einen kleinen Campingplatz in Ksamil (eine Möglichkeit zum Freistehen am Wasser war weit und breit nicht vorhanden),  der von einem sehr sympatischen Lehrerehepaar geführt wird. Wir probierten es. Das Ehepaar war sehr nett und zuvorkommend, die Sanitäranlagen waren top und der Preis mit 7,-- € pro Person inkl. Strom absolut akzeptabel. Wir wurden begrüßt wie langjährige Gäste, es gab gleich einen Eistee und Wasser, im Preis inbegriffen.

Auf diesem Platz lernten wir Max mit seinem Daf-Leyland kennen, der schon sehr häufig hier war und auch das Land sehr gut kannte. Den 2. Tag nutzte ich, um mit dem vorhandenen, allerdings schlecht laufenden Wifi die Homepage bzgl. Griechenland abzudaten. Abends wurde mit Max gefachsimpelt und er gab uns viele Tipps bzgl. Albanien. 

 

Doch nach 2 Tagen war Schluß, die Umgebung sagte uns einfach nicht zu und wir machten uns wieder auf die Räder - weg von der Küste.

Das Ziel war Blue Eye, eine idyllisch gelegene Karstquelle inmitten eines schönen, urwaldähnlichen Mischwaldes. Das glasklare türkisgrüne Wasser der Quelle sprudelt mit konstant 12 Grad aus der Tiefe.

Hier trafen wir Bärbel und Matthias aus Tübingen mit ihrem grünen Mercedes 911-LKW. Da wir auf dem Parkplatz der Quelle übernachten durften, verlebten wir einen anregenden Abend mit den Beiden. Später gesellte sich auch noch ein kleiner Mitsubishi-Allradler aus Berlin zu uns.

Am nächsten Vormittag machten wir uns auf nach Gijirokaster, es gab u.a. eine interessante Burg auf einem Hügel oberhalb der Stadt, doch bei der herrschenden Hitze drehten wir nach der halben Strecke wieder um und begnügten uns mit der Besichtigung der hübschen Altstadt in ihrer einzigartigen Architektur, die ihr 2005 einen Platz auf der Liste der UNESCO Weltkulturerben einbrachte.

Mittags machten wir Pause am Fluss Drinos, wo unsere 'Abschleppmöglichkeiten' getestet werden sollten. Doch leider konnte ich auch nicht helfen: der Wagen war so festgefahren und der Untergrund für unser Gewicht nicht fest genug, so dass ich mich auch fast festfuhr. 

Weiter ging es auf der SH75 an Permet vorbei zu den Thermalquellen von Benja in der Lengarcia-Schlucht mit einer der schönsten Steinbogenbrücken aus der Osmanischen Zeit. Bei der Brücke staut sich das schwefelhaltige, 25 Grad warme Wasser in mehreren Steinbecken. Dies wird auch gern von den Einheimischen genutzt und da wir am Sonntag nachmittag ankamen, waren die Becken auch dementsprechend besetzt.   

Am Montag Vormittag kam große Freude auf. Wir fuhren wieder zurück nach Permet und dann die Piste nach Corovode - wir wollten zum Osum-Canyon. Nach der Abfahrt von der Hauptstraße ging es an manchen Stellen steil bergauf über eine teilweise ausgewaschene Schotterpiste - im Schnitt schafften wir gerade einmal 8 km/h - der totale Spaß (zumindest für mich, Brigitte ist davon nicht immer so begeistert). Allerdings gefiel ihr die Aussicht, die wir unterwegs genießen konnten.....

Auf dem Weg kamen wir durch das Dorf Sevran I Madh. Ein Schild mit dem Hinweis auf einem Camping stand am Straßenrand. Camping war kostenlos, aber natürlich wurde erwartet, dass die Besitzerin etwas Umsatz machen konnte. Sehr rührig und freundlich tischte sie auf, versorgte (natürlich gegen Bares) mit selbst gewonnenem Honig und selbstgebranntem Raki. Zum Salat holte sie die Tomaten, Paprika und Gurken direkt aus dem Garten - es war einfach herrlich. So beschlossen wir schon am Mittag, zu bleiben und mit einem grandiosen Ausblick auf die Berge und Schluchten den Rest des Tages zu genießen.

Nachmittags bekamen wir mehrmals Besuch: 2 kleine Mädchen wollten immer wieder mit Oskar spielen (der allerdings bei der Wärme keine große Lust dazu verspürte) und dann auf einmal kamen 2 große MAN über den Berg - Belgier, die nach einem Imbiss allerdings weiter in die Richtung fuhren, aus der wir kamen.

Die Nacht war leider nicht so ruhig wie gehofft - der Dorfhund meinte zuerst, unser Auto ausbellen zu müssen und uns hinterher zu bewachen. Etwas müde machten wir uns nach einem Frühstück wieder auf den Schotterweg. Dass die Brücke für nur 4 Tonnen zugelassen war, merkten wir erst, als wir drüber waren - nur dort stand das Schild. Allerdings: das verdächtige Knacken der Holzbohlen hatten wir schon gehört......

Nach 14 km und ca. 2 Stunden Fahrzeit an diesem Vormittag erreichten wir das Highlight auf dieser Strecke: den Osum-Canyon, den man als einen der spektakulärsten in Europa bezeichen kann und der eine echte Naturbesonderheit darstellt. Über 17 km Länge schneidet der Fluss Osum eine bis zu 100 m tiefe Schlucht in das rotbraune Gestein.

Die Altstadt von Berat zählt zu den ältesten Städten Albaniens. Die befestigte mittelalterliche Altstadt liegt hoch oben auf einem Berg mit Blick auf den Osum. Dort ließen wir unseren Wagen hochkraxeln. Kurz unterhalb der Burg fanden wir eine Taverne mit einem kleinen angeschlossenen Womo-Parkplatz, auf dem wir die Nacht verbrachten. Doch erst einmal gönnten wir uns ein frisch gezapftes Feierabendbier. Gegen späten Nachmittag, als es langsam kühler wurde, besichtigten wir die Altstadt. 

Am Fuße des Burgbergs liegt das muslemische Viertel mit dem mittelalterlichen Zentrum um die alte Moschee. Die Attraktion von Berat sind die gut erhaltenen, schiefergedeckten osmanischen Wohnhäuser aus der Mitte des 18./19. Jahrhunderts. Eine ausgiebige Besichtigung schenkten wir uns aufgrund der hohen Temperaturen.

Statt dessen machten wir uns wieder auf in die Berge. Wir suchten die SH74, um von Berat wieder zurück Richtung Permet zu kommen. Zuallererst hatten wir uns verfahren - nach ca. 5-6 km auf einer guten Schotterstraße bemerkten wir unseren Fehler und drehten um. Nach etwas Suchen fanden wir endlich die SH74 - doch was uns da begegnete, ließ mein Herz wieder höher schlagen: ca. 80 km teilweise übler Schotterpiste. Ursprünglich war die Piste gepflastert, was man auf den meisten Teilstücken noch sehen konnte. Doch die Pflasterung war nur noch rudimentär in Ordnung. Mit einem Schnitt von ca. 12 - 15 km/h kamen wir vorwärts. Schöne Aussichten, ausgestorbene Dörfer und, das hat uns am meisten amüsiert: ausgeschilderte Fußgängerüberwege. 

Irgendwann erreichten wir den Ort Buz, ab da gab es eine geteerte Strasse, die allerdings mit großem Umweg auf die Hauptstraße nach Permet führte. So entschieden wir uns für die weitere Schotterpiste.

Der erste längere Abschnitt war schon übel, doch was wir jetzt vor uns hatten, kann man durchaus als allerübelst bezeichnen, ein Schnitt von 7-8 km war alles.

Am späten Nachmittag gab es einen Hügel mit viiiiieeel Ausblick – Fernsehen pur und das in alle Richtungen. Abends gab es dann noch Besuch. Der Rest des Abends war auch nicht uninteressant, denn immer wieder hörten wir aus allen Richtungen Gewehrschüsse. Uns schien, als wenn die Dorfbewohner auf der Jagd waren.  

Dieser Tag hatte einfach Spaß gemacht.

Am Morgen zog die Ziegenherde wieder vorbei, das Auto wurde von einigen zum Schubbern missbraucht.

Wir hatten noch gut 15 km schlechte Schotterpiste vor uns – und auch das ohne irgendwelche Problem bewältigt.

Zur Mittagszeit erreichten wir beim Ort Kelcyre die SH75, der Straße über Permet Richtung Korca, was unser nächstes anvisiertes Ziel werden sollte. Diese Straße führte durch das Vjosa-Tal, Stetig ging es bergauf und bergab, die Straße wurde immer schmaler, so dass man kaum glauben konnte, auf einer Durchgangsstraße zu sein. Auf der gegenüberliegenden Seite ein herrliches Bergpanorama.

Wir fanden zur Mittagspause einen schönen Platz an der Vjosa. Doch leider war der Fluß schmutzig grau vom mitgeschwemmten Sand – und nicht ein lt. Reiseführer türkisblauer Fluß. Und leider stand die Luft hier dermaßen, dass wir uns gleich nach der Pause weiter auf den Weg machten.

Das Zwischenziel war das Camping Farma Sotira, lt. Reiseführer könne man dort wunderbare Forellen essen und da wir uns darauf schon freuten, wollten wir dort Halt machen. Und es hat sich gelohnt. Zuerst eine Überraschnung: Max stand mit seinem Bruno dort. So stellten wir uns gleich dazu.

Zum Abend gönnten wir uns die Forellen – die schwammen eine Stunde vorher noch im Bassin. Einfach lecker die Fische.

Den nächsten Tag nutzten wir, um einige kleinere Reparaturen am Auto vorzunehmen. Und da mein Arm aufgrund der vorherigen Offroadpisten wieder etwas schmerzte, wollte ich mich ein bisschen schonen.

Am 2. Abend gönnten wir uns noch einmal leckere Forellen und am nächsten Tag machten wir uns wieder auf zu den nächsten Sehenswürdigkeiten Richtung Korca.  

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