Montenegro

Der Grenzübergang war in wenigen Minuten erledigt. Da wir über den Vermosh-Nationalpark kamen, gab es auch nur einen kleinen Übergang, an dem absolut nichts los war und dementsprechend schnell die Abfertigung.

Gusinje war erste Ort hinter der Grenze, 5 km weiter südlich liegt Vusanje. Das bemerkenswerte bei Vusanje ist, dass der Fluß Vruja als ein spektakulärer Wasserfall im Nichts verschwindet und 3 km weiter als Ali-Pascha-Quellen wieder auftaucht. Diese Phänomene treten hier des öfteren auf: Gebirgsflüsse verschwinden urplötzlich im karstigen Gestein und treten andersort in Form von Karstquellen wieder an die Oberfläche.

Abends kamen wir bei den Ali-Pascha-Quellen an, in unmittelbarer Nähe befand sich das Restaurant Krojet. deren Besitzerin Hanne deutsch spricht. Wir durften auf der Wiese campen und bei einem leckeren Abendessen erklärte Hanne uns einige der Naturgegebenheiten.

Oskar hatte auch seinen Spaß, durfte er doch Hannes 4 Schafe ärgern – oder sie ihn????

Hier seht ihr die Ali-Pascha-Quellen. Auf einem größeren Areal sprudelt an diversen Ecken das Wasser aus der Erde.

Am Vormittag machten wir uns dann auf, den Wasserfall zu besichtigen. Doch leider war aufgrund Wassermangels nichts spektakuläres zu sehen. Allerdings war gut zu erkennen, wo das Wasser im Felsen verschwand.  

Am Plaver See vorbei erreichten wir Berane, wo wir mal wieder in Kultur machten und das Kloster Durdevi Stupoviz besichtigten. Dieses Kloster wurde 1213 gegründet, in den Jahrhunderten 5 mal zerstört und immer wieder aufgebaut.

Anschliessend fuhren wir Richtung Tara-Schlucht, die wir noch zum Abend erreichten. Den ganzen Tag, wie am Vortag im Vermosch auch schon, hingen die Wolken in den Bergen. Dementsprechend feucht und kühl war es. Wir genossen die niedrigeren Temperaturen, waren sie doch nach der heißen Zeit mal wieder eine Erholung.

Die Tara-Schlucht liegt im Durmitor-Nationalpark und ist eine ganz besondere Naturschönheit und ein Höhepunkt des Landes (lt. Reiseführer). Über 1300 m tief hat der Fluss den Kalksandstein des Gebirges ausgespült und formte den tiefsten Canyon Europas. Mit 141 km Länge ist er wohl der schönste und auch längste Fluß Montenegros. Leider sahen wir nicht sehr viel vom Fluss, denn die Bergstraße ist dicht bewaldet und lässt einen Ausblick nur an wenigen Stellen zu.

Am Abend fanden wir einen Campingplatz oberhalb des Flusses.

Nach dem Frühstück wanderten wir vom Platz hinab zum Fluss – ein schöner Anblick, glasklares Wasser. Noch immer hingen die Wolken in den Bergen.

Die Tara wird von einer Brücke überspannt, die wir bald erreichten. Von hier aus hatten wir die Möglichkeit, den Fluß von oben zu sehen. Tief unten fuhren Raftingboote (wird hier verstärkt angeboten). Auch sonst war diese Ecke sehr touristisch aufgemacht.

Die Brücke selber ist eine Sehenswürdigkeit. Auf 350 m Länge überspannt sie den Fluss in 150 m Höhe. Sie wurde im Jahre 1940 fertiggestellt. 1942 wurde der Hauptbogen gesprengt, um den Vormarsch der Italiener zu stoppen. Und 1946 wurde sie wieder rekonstruiert.

In der Nähe der Brücke lag noch ein kleines Kloster, leider (wie so häufig) durften wir von der Kirche keine Fotos machen. Sie war auch verschlossen, aber ein Mönch kam und öffnete sie umgehend für uns.

Der Durmitor Nationalpark ist ein Highlight in der montenegrinischen Natur. Viele durch Verkarstung und Gletscher geformte Gipfel, dazu der höchste Gipfel des Landes, der Bobotov Kuk (2522 m), prägen diesen Nationalpark. Nicht nur schroffe Berge und tiefe Schluchten bietet diese Landschaft, unzählige Hochalmen und ausgeprägte Wälder gehören auch dazu. 1950 wurden rund um das Gebirgsmassiv 390 qkm zum geschützten Gebiet erklärt, 1980 erfolgte die Aufnahme von 20.000 Hektar aufgrund der atemberaubenden Landschaft mit weiten Teilen der Tara-Schlucht durch die UNESCO zum Weltnaturerbe (Auszug aus dem Reiseführer).

Zuerst steuerten wir Zabljak an, das touristische Zentrum des Dumitors und auch Wintersportort. Uns wieder einmal zu touristisch und wir machten uns nach einem kleinen Einkauf wieder davon. Auf dem Weg dorthin kamen wir uns manchmal vor wie im Schwarzwald.

Es gibt eine ca. 85 km lange Ringstrasse, die mit dem Auto bewältigt werden kann. Zuerst ging es über den 1908 m hohen Sedlo-Pass mit wunderbaren Landschaftsbildern – einfach toll.

Beim Ort Tsra trafen wir 3 junge Österreicher mit ihren Motorrädern. Irgendwie ergab es sich, dass wir gemeinsam einen Schlafplatz in der Nähe des Ortes fanden und einen netten Abend miteinander verbrachten. Da wir selber ja auch Motorradreisende sind, fiel natürlich viel Gesprächsstoff an.

Am Vormittag machten wir erst einmal einen Abstecher zum Pliva-Stausee, er ist das größte künstliche Gewässer Montenegros mit einer 220 m hohen Staumauer.

Wieder steil bergauf Richtung Tsra. Wir wollten die Ringstrasse um den Dumitor weiterfahren.

Teilweise ging es durch bewaldete Berglandschaft, so dass keine großen Aussichten möglich waren. Aber dann doch noch – einfach fantastisch.

Einen Übernachtungsplatz fanden wir vor der Stadt Niksic auf einem kleinen Campingareal. Auf dem ersten Blick nicht berauschend, aber dann gefiel es uns ganz gut. Ein kleiner Bach floss vorbei und die Besitzer hatten die Restauration ganz nett zurecht gemacht.

Östlich an Niksic vorbei fanden wir am nächsten Tag mal wieder eine schöne Schotterstrecke direkt durch den Wald. Beim Mittagsstop sprang ein Wolf aus den Büschen hervor - ach nein, es war ja nur unser Oskar.

Nicht weit vom Pass fanden wir einen hübschen See, Kühe waren hier am Grasen. Leider war es uns für einen Feierabend zu früh, so dass wir für diesen Tag noch mehr Schotterpiste unter die Räder nahmen. 
Den Schlafplatz fanden wir dann wieder näher zur 'Zivilisation' bei der Stadt Danilovgrad.

Es zog uns wieder zum Wasser. Erst einmal überquerten wir eine Brücke des Skadar-Sees und machten einen Stop im Ort Virpazar. Dies ist der grösste Süsswassersee des Balkans, in Albanien hatten wir schon ein paar Nächte an diesem See verbracht. Hier leben sehr viele Vogelarten und es wurden Bootstouren zu ihren Plätzen angeboten. Doch es war uns zu heiss, so dass wir gern verzichteten. 

Auch eine Besichtigungen der umliegenden Kirchen und Klöster konnte uns bei den Temperaturen nicht locken. Hinzu kommt, dass wir Oskar nicht überall mit hineinnehmen durften.

Also weiter Richtung Mittelmeer. Wir fanden bei Buljarica einen Platz - ein Fehler, wie wir schnell herausfanden. Der Strandabschnitt, der zum Campingareal gehörte, war absolut überlaufen - aber irgendwie wollten wir das schon überstehen, denn wir hatten keine Lust mehr zum Fahren.

Am nächsten Tag trafen wir uns auf der Halbinsel Lustica mit Tanja, einer früheren Arbeitskollegin, und ihrer Familie und verbrachten gemeinsam einen Tag an einem kleineren, übersichtlichen Strand. Es war ein netter und kurzweiliger Tag. Zwar gefiel uns die Örtlichkeit nicht besonders, aber aus Rücksicht auf Tanjas Kinder nahmen wir es gern in Kauf.

Und dann gab es den absoluten Toptipp von Tanja: Kamp Veslo auf der Halbinsel lustica. Wir fanden einen kleinen, aber feinen Platz mit viel Schatten. Das Wasser war auch gleich nebenan. Zwar kein Strand, sondern Steinküste, aber einfach herrlich. Wir blieben gleich 2 Nächte.

Dann machten wir uns wieder auf den Weg - wir wollten nach Kotor, dass in unmittelbarer Nähe lag. Doch wir fuhren nicht direkt, ein kleiner Umweg war vonnöten. Zwischendurch kamen wir durch eine der montenegrinischen Touristenhochburgen: Budva.  Budva soll eine sehr interessante Altstadt haben, doch wir wollten uns das nicht antun.

Erst einmal ging es wieder durch die Berge, und zwar um den Lovcen-Nationalpark herum. Irgendwie gefiel es uns besser, waren doch die Temperaturen angenehmer.  Diverse Aussichtspunkte sollten vorhanden sein, doch die Straße befandet sich im Bau, so dass wir nur selten anhielten. 

Das Dorf Njegusi passierten wir, es liegt am nördlichen Rand des Nationalparks. Überall Verkaufsschilder für Honig, Wein, Käse vor allem geräucherten Schinken. Insbesondere der Schinken ist ein kullinarisches Highlight. Von hier stammt das Beste, was die Räucherkammern Montenegros hergeben. Tanja schwärmte uns davon vor und so mussten wir natürlich einkaufen. Langsam zockelten wir durch das Dorf und fast jeder 'Laden-Besitzer' wollte uns gleich einladen. Wir machten bei diesem Haus halt - und mit Schinken und Käse ging es dann irgendwann weiter. Nach der Probe durften wir auch noch einen Raki (zur Verdauung?) probieren. 

Die Altstadt von Kotor stand noch auf unserem heutigen Programm. Kurz hinter Njegusi geht es noch einmal auf den Krstac-Pass - und dann windet sich die Strasse über 32 Spitzkehren hinunter in die Kotor-Bucht. Immer wieder tolle Ausblicke auf die Steilhänge und die Bucht von Kotor.

Die geschichtsträchtige und wunderschöne Kleinstadt Kotor mit ihren 5500 Einwohnern ist Montenegros meistbesuchtes Touristenhighlight. Sie ist eine sehr alte Handels- und Hafenstadt und auch heute noch ein bedeutender Kulturmittelpunkt der Region. Viele kleine und verwinkelte Gassen mit einigen Kirchen und Palästen - einfach wunderschön:

Zum Abend fuhren wir noch ein Stückchen weiter nach Tivat, um uns dort noch einmal mit Tanja und ihrer Familie zu treffen. Wir wollten im Porto Montenegro, der neuen Marina, stehen. Leider war das nicht möglich, so blieben wir auf einem kleinen Parkplatz direkt davor. Wir trafen uns in einem kleineren Lokal ausserhalb der Marina - zu leckeren fritierten Sardinen.

Porto Montenegro in Tivat war bis 2006 ein ehemaliger Militärhafen und wurde 2009 für die Öffentlichkeit geöffnet. Es entstand eine Wohlfühloase für die Schönen und Reichen mit Nobelboutiken, Jouwelieren und Luxusrestaurants. Es wird noch weiter gebaut und bei Fertigstellung sollen bis zu 650 Yachten hier liegen können, davon sollen allein 130 Liegestellen Platz für bis zu 150 m lange Yachten bieten.

Am Donnerstag verliessen wir nach 9 Tagen das Land, die Grenze zu Kroatien war nicht mehr weit weg, so dass wir diese gegen Mittag passierten.

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