Bulgarien

Der erste Grenzposten auf Bulgarischer Seite machte sich bei uns unbeliebt, allerdings konnte er auch nichts dafür, dass er uns Mautgebühr abknöpfen musste. Es gab keine Chance, darum herum zu kommen und so waren für 7 Tage 21 € Maut fällig.

Die Grenzabfertigung ging relativ schnell vonstatten, man musste unbedingt mal ins Auto schauen. Ansonsten schienen die Grenzer mal wieder froh über etwas Abwechslung zu sein, denn wir hatten einen ganz kleinen Übergang bei Bregovo ausgesucht.

Unser erster Eindruck war, das es den Bulgaren noch schlechter gehen musste als den Serben, denn die Straßen waren mehr als marode.

Das hatten wir übrigens auch in den nächsten Tagen auf kleinen Nebenstraßen feststellen müssen. Wir mussten Schlaglöcher umfahren wie zu besten Zeiten in Zentralasien.

Auffällig waren auch die jungen Mädchen, die sehr häufig an den großen Strassen standen und auf zahlungskräftige Kunden warteten….

Unterwegs sahen wir auch immer mal wieder Pferdewagen.

Die erste Nacht in Bulgarien standen wir an einem Nebenarm der Donau beim Dorf Arcar. Von hier an konnten wir die Donau auf unserer weiteren Reise nicht mehr begleiten, so dass wir, auch sehr zur Freude von Oskar, schon relativ früh unseren Übernachtungsstopp einlegten.

Abends wurde gegrillt und anschliessend gönnten wir uns mal wieder ein kleines Lagerfeuer.

Nachts gegen 01:30 Uhr wurden wir aus dem Schlaf gerissen, unser Oskar meldete sich auch durch sein Bellen. Es klopfte an der Tür und 2 Grenzpolizisten wollten wissen, wer wir wären, weshalb und vor allem wie lange wir dort stehen wollten. Auf meinen Hinweis, dass wir nur zwei Touristen aus Deutschland wären und hier die eine Nacht verbringen wollten, war alles ok und sie liessen uns wieder weiterschlafen.

Den Rest der Nacht wurden wir auch nicht wieder gestört.

Am nächsten Vormittag – oder soll ich lieber sagen: späten Vormittag, da wir überhaupt nicht mitbekommen hatten, dass die Uhr eine Stunde weiter vorgestellt werden musste – machten wir uns auf in Richtung Vraca. Laut unseres Reiseführers sollte es kurz vor Vraca ein (uninteressantes) Kloster geben, aber das Highlight sei ein nahe gelegenes Felsmassiv. Wir also da hinauf und die Enttäuschung war gegeben: Der Parkplatz war so von Bäumen umgeben, dass man vom Massiv kaum etwas sehen konnte. Und zu Fuß kam man auch nicht weiter heran.

Allerdings konnten wir das Felsmassiv von weiter unten noch besichtigen und fotografieren.

Aber viel interessanter war die 'Gottesbrücke'. Der durch den Kollaps einer Karsthöhle entstandene Felsbogen in einem Talkessel ist 20 m hoch, 25 m breit und 125 m lang.

Durch Pfade und Treppen geht ein Weg in den idyllischen Talkessel hinab. Und da  mittlerweile gewittrig schwüle Luft herrschtre, war die Kühle in dem Felsbogen sehr angenehm

Dieser Besuch hatte sich wesentlich mehr gelohnt als das Felsmassiv.

Zum Glück war das Wochenende noch nicht angebrochen, denn zu Wochenendzeiten soll es hier wesentlich mehr Menschen geben; zu diesem Zeitpunkt waren wir die einzigen.

Das nächste interessante Ziel war das unter Denkmalschutz stehende Städtchen Koprivstica, das in einem Talkessel des Sredna-Gora-Gebirges liegt. Viele der zahllosen denkmalgeschützten Häuser stammen aus der Zeit der 'Nationalen Wiedergeburt' im 18./19. Jahrhundert, als das bulgarische Volk gegen die seit dem 14. Jahrhundert andauernde Osmanenherrschaft kämpfte. Zum Glück wurde das Dorf in dieser Zeit nicht zerstört. Es sieht aus, als wenn die Menschen in einem nach wie vor bewohnten Museum leben. 

Nach einem ausgiebigen Bummel mit anschliessendem Restaurantbesuch machten wir uns noch auf Richtung Plovdiv. Unterwegs fanden wir einen ruhigen Stellplatz an einem großen Stausee, ca. 40 km vor der Stadt. Leider gab es hier eine unheimlich Menge an Zecken, so dass Oskar nach jedem Spaziergang erst einmal gründlich untersucht werden musste.

Plovdiv ist die zweitgrößte Stadt Bulgariens und, obwohl wir die Großstädte gern meiden, wollten wir diese Stadt doch besuchen. Der Grund ist der Erhalt einer der schönsten Altstädte des Landes.

So gibt es in der Stadt noch eine Moschee und eine teilweise überbaute Arena aus rumänischer Zeit.

Wir stiegen auch zum Uhrenturm hoch, von wo aus wir noch einen herrlichen Ausblick auf die Altstadt genießen durften.

In der Stadt gab es gerade einen Marathonlauf, so war die Fußgängerzone etwas eingeschränkt. Trotzdem konnten wir noch einige Häuser 'bewundern', allerdings sahen sie von dichtem doch danach aus, als wenn die eine oder andere Stelle durchaus eine Reparatur benötigen könnte. Ach ja, Plovdiv wird die Kulturhauptstadt 2019.

Die Altstadt erstreckt sich u.a. auf 3 Stadthügel, die wir noch erwanderten. Durch enge, ,kopfsteingepflasterte Gassen ging es bergauf. Das antike Theater, in dem auch heute noch Aufführungen stattfinden, wurde besichtigt - und soviel Kultur machte mal wieder durstig.

Wir besichtigten auch die Kirche St. Konstantin und Elena, ein Schmuckstück der bulgarischen Renaissance aus dem Jahre 1832. Sie zeigt sich mit ihren Fresken und dem Gärtchen als Meisterwerk - so der Reiseführer. Und hübsch war sie wirklich..

Dieses Mal riskierte ich sogar, in der Kirche zu fotografieren. Der Grund war eine orthodoxe Hochzeit....   Und auf einen Blitz mehr oder weniger kam es dabei nicht an.

Nach einer Nacht irgendwo neben der Straße auf einer Wiese sollte die nächste Besichtigung dem Kloster Rila gelten. Doch erst einmal bogen wir ca. 25 km vorher ab, um zu den Pyramiden von Stob zu wandern. Das sind Hügel, die aus Erdkonglomeraten entstanden sind, denen Wind und Wetter eine bizarre Form gaben.

Gerade wieder auf der Hauptstraße standen wir auf einer Wiese, genossen den Besuch vom Meister Adebar und auch den Blick bei einem Feierabendbier auf die schneebedeckten Berge.

Am nächsten Vormittag, dem 2. Mai (ich erwähne extra, dass wir einen Besuch an einem Feiertag vermeiden wollten), fuhren wir durch ein landschaftlich schönes Tal zum Kloster Rila hoch. 

Dieses Kloster, auf 1150 m Höhe gelegen, ist das bekannteste, größte und spirituell wichtigste des Landes und wurde 1983 auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Es ist eines der absoluten Höhepunkte auf einer Reise durch Bulgarien - und auch für uns das schönste Kloster, das wir bisher gesehen haben. Allerdings muss man sich den Besuch mit einer Menge anderer Besucher teilen, insbesondere an Wochenenden und an hohen Feiertagen.

Deshalb fuhren wir erst am 2. Mai hoch und hatten Glück, denn die Anzahl der Besucher hielt sich noch in Grenzen und verlief sich auch auf dem weitläufigen Areal - das Kloster mit seinen über 300 Mönchszellen bedeckt eine Fläche von 8800 qm.

Aber das war uns für diesen Tag nicht genügend Kultur und so machten wir uns noch auf zum Kloster Rozhan, welches im 13. Jahrhundert auf einem Hochplateau gegründet wurde. Die heutige Anlage entstand durch Umbauten und Erweiterungen im 18. Jahrhundert als unregelmäßiges Viereck mit einer Ummauerung aus Natursteinen. Das Erdgeschoß mit den Wirtschaftsräumen umgibt den Innenbereich, die ein- und zweigeschossigen Aufbauten mit Galeriegängen wurden in Holz ausgeführt. Das Ganze macht einen gepflegten Eindruck und strahlt Ruhe und Beschaulichkeit aus.

Und da es nun mittlerweile schon Feierabendzeit war, gönnten wir uns das dazu gehörende Feierabendbier nach nur 300 m Fahrt mit Blick auf die Sandsteinpyramiden und unter kirchlicher Aufsicht.

Die Abfahrt aus dem Tal ging, wie natürlich auch die Anfahrt, an bizarr geformten Sandsteinpyramiden vorbei.

Damit war unser Aufenthalt in Bulgarien schon fast beendet. Auf dem Weg aus dem Tal fanden wir noch diese Blumenimpressionen.

Gegen Mittag überquerten wir die Grenze nach Griechenland. Da unsere Toilette ein klein wenig inkontinent war, benötigten wir ein neues Magnetventil. Die Firma CampStore Zampetas in Thessaloniki (wir waren vor gut einem Jahr schon mal dort) hatte auf Anfrage eines vorrätig, das wir einbauen wollten. So gönnten wir uns den relativ kleinen Umweg.

Und da dort ein einigermaßen funktionierendes Internet vorhanden war, konnte auch gleich die Homepage mal wieder auf den neuesten Stand gebracht werden.

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Kommentare: 1
  • #1

    Christel (Samstag, 06 Mai 2017 18:57)

    Vielen Dank für diesen Reisebericht . Am meisten hat mich das Kloster Rila beeindruckt und natürlich die Landschaft! Tolle Bilder, toller Bericht! LG Christel