Ost-Anatolien

Wir hatten großes Pech: unsere Speicherkarte hat sich beim Auslesen der Bilder verabschiedet, so dass diese für die nächsten Tage nicht mehr greifbar sind. Es ist sehr schade, aber da kann man nichts mehr machen. Jeder Versuch, die Bilder zu retten, scheiterte.

Es ist aber nicht ganz so schlimm., denn von einigen Sachen hatte ich zum Glück auch mit dem Smartphone Bilder geschossen. Nur einen Tag kann ich nicht mehr rekonstruieren.

Aber fangen wir erst einmal an:

Nach den beiden Nächten in Kappadokien fuhren wir auf Nebenwegen zuerst zur nächsten größeren Stadt, Kayseri. Wir mussten ein neues (gebrauchtes) Smartphone kaufen, weil meines nach 2 Wochen abgeschaltet wurde – vermutlich passiert dies seitens der Regierung. Bereits im letzten Jahr hatten wir von dieser Regelung gehört, aber damals trat das Problem nicht auf.

So muss das türkische Smartphone mit der türkischen SIMCard eben als Hotspot dienen.

Von Kayseri ging es dann erst einmal bergauf auf gut 2200 m – der Pass vom Erciyes Dagi musste bezwungen werden. Der Berg ist im Winter auch Skigebiet. Gleich nebenan standen einige überdachte Grill- und Sitzplätze, die man häufig in der Türkei sehen kann. Wir blieben gleich dort zur Freude Oskars stehen, um die Nacht zu verbringen. Zur Freude Oskars deshalb, weil es hier von Erdhörnchen wimmelte – und er konnte sich so richtig austoben. Am nächsten Morgen zeigte sich der schneebedeckte Gipfel kurz ohne Wolken:

Die nächsten 2 Tage fuhren wir weiter gen Süden über Koyan und Kardirli. Die Bergwelt war sehr abwechslungsreich und schön anzusehen. Bei Koyan fanden wir einen Stausee, aber entweder war kein Herankommen (wie wir es schon bei vielen Stauseen erlebt hatten), keine Möglichkeiten des einigermaßen gerade Stehens – oder es war vermüllt.

Bei der Stadt Kadirli kamen wir an den See heran und machten schon ab der Mittagszeit Feierabend. Zwar lag auch hier einiges an Müll, aber weit genug weg von unserer direkten Stellfläche. 

Wir waren mittlerweile geschätzt nur noch ca. 60 km von der Syrischen Grenze entfernt…

 

In unserem nächsten Ziel, dem Nemrut Nationalpark, gab es einige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Es fing an mit dem Karakus Grabmahl (leider keine Bilder) aus der Zeit kurz vor Christi Geburt. Anschliessend fuhren wir zur Cendere Brücke, einer Steinbogenbrücke aus dem Ende des 2. Jahrhunderts. Sie besitzt eine lichte Weite von 34,20 m und ist damit eine der größten Bogenbrücke unter allen erhaltenen Römerbrücken.

1998 wurde die Brücke renoviert und noch für Fahrzeuge bis 5 t zugelassen, mittlerweile ist sie für den Verkehr gesperrt.

Vor der Brücke hat Omar seinen Verkaufsstand. Er hat viele Jahre in Österreich gelebt und konnte somit gut deutsch sprechen. Neben seinem Stand und Restaurant hat er auch ein paar Zimmer zu vermieten, aber der Tourismus bleibt seit einiger Zeit aus.

Wir durften direkt vor der Brücke übernachten – und gönnten uns bei ihm abends auch noch ein leckeres Essen. Irgendwann kamen noch 4 junge Leute vorbei und bei einem gemeinsamen Tee hatten wir einen sehr netten Abend.

Wir erfuhren auch, dass wir uns mittlerweile im Kurdengebiet, also Ost-Anatolien, befanden.

Nach einem Tee und einer herzlichen Verabschiedung wollten wir weiter zum Gipfel des Nemrut Dagi. Vor nicht allzu langer Zeit wurde auf der Südwest-Seite eine neue Straße gebaut, die steil bergauf führte – unser Auto musste ganz schön arbeiten.

Kurz vor dem Gipfel war die Straße gesperrt - es gab ein Panoramahotel und den Rest durften wir mit einem Shuttelbus fahren, um dann die letzten Höhenmeter zu Fuß zu erklimmen.

Der 2150 m hohe Berg Nemrut ist die höchste Erhebung des nördlichen Mesopotamiens. Das sog. Hierothesion, eine Kombination aus monumentaler Grabanlage und Heiligtum, auf dem Gipfel ist seit 1987 UNESCO Weltkulturerbe. Es besteht aus einer markanten Geröllaufschüttung, die von einer östlichen, westlichen und nördlichen Terrasse umgeben ist. Die einstmals 8–10 m hohen Statuen auf der östlichen und westlichen Terrasse sind immer noch beeindruckend, obwohl keine von ihnen mehr vollständig erhalten ist. Die Köpfe sind jeweils vor den zugehörigen Rümpfen aufgebaut. Die Statuen stellen die Götter Apollo, Zeus, Herkules und Tyche sowie den Gottkönig Antiochos dar. Die Statuen auf der Ostterrasse sind etwas besser erhalten.  

Besonders schön soll eine Besichtigung beim Sonnenaufgang sein, aber da es gerade Mittagszeit war, die Umgebung nicht gerade soooo anheimelnd und auf dem Parkplatz ein gerade Stehen nicht möglich, verzichteten wir darauf.

Langsam ging es auf der anderen Seite des Berges wieder tiefer und im Laufe des Nachmittags überquerten wir den Euphrat.

Gemütlich zockelten wir Richtung Elazig. Diese Stadt liegt Luftlinie nicht weit weg, aber da es keine direkte Verbindung gab, mussten wir einen großen Umweg über Siverek und Ergan fahren, überwiegend über eine flache Hochebene, wo viele Viehherden zu sehen waren. Die Nacht verbrachten wir irgendwo auf einer Wiese, auf der wir natürlich auch am nächsten Morgen Besuch von einer Schaf- und Ziegenherde bekamen.

Ach ja, und einen blinden Passagier hatten wir auch noch an Bord - bzw. außen auf der Scheibe.

Am nächsten Tag wurde es wieder gebirgiger. Wir wollten uns am Hazar Gölü (Gülü = See) einen Platz für die Nacht suchen, doch so einfach war das nicht. Wenn es frei zugängliche Stellen gab, waren die meistens sehr vermüllt, ansonsten gab es nur eingezäunte Hotel-Areale. Doch an einem Areal stand das Tor offen, ein Gärtner war am Arbeiten. Kurzerhand fragten wir und nach einem kurzen Telefonat bekamen wir das OK - also ran an den See. Abends zog noch ein starkes Gewitter auf, dass aber schnell wieder vorbei war.

In Elazig sahen wir eine MAN-Werkstatt und gönnten unserem Auto einen Ölwechsel. Nicht weit von Elazig liegt der Ort Harput, hier gibt es u.a. auch eine Festung, die wir allerdings nicht besichtigten bzw. nicht einmal fotografierten, da dort Militär stationiert war.

Aber 4 km von Harput entfernt liegt die Buluk Magarasi (Eishöhle). In der Höhle herrscht im Sommer ein kühles und im Winter ein warmes Klima . Die Einwohnern der umgebenden Dörfer versteckten dort früher oft ihre Nahrung.

Jetzt lohnt sich ein Besuch der Höhle nicht mehr, der Eingang ist mit einem Gitter versperrt. Aber den kleinen Parkplatz davor nutzten wir als Stellplatz für die Nacht – mit einer herrlichen Aussicht.  

Während der frühen Abendstunden kamen noch einige Autos vorbei und es musste auch ein Selfi mit Oskar geschossen werden…

Abends gab es noch ein Gewitter, allerdings auf der anderen Seite des Tales. Wir konnten danach noch einen Regenbogen und etwas später beim Sonnenuntergang herrlich angestrahlte Wolken geniessen.

Nach einer ruhigen Nacht machten wir uns auf nach Pertek, das wir schon von letzten Aussichtspunkt sehen konnten. Ebenso sahen wir von dort oben auch die Fährverbindung über den Keban-Stausee.  Die Altstadt von Pertek ist im See versunken, aber die Festung ragt auf einer Insel inmitten des Stausees hervor.

Oberhalb von Pertek liegt der Munzur Nationalpark, beginnt bei Ovacik bis zur Stadt Tunceli. Wir machten uns auf einer Nebenstrecke auf nach Ovacik. Es ging wieder einen fast 2000 m hohen Pass hoch – und es machte Spaß, denn wir konnten endlich mal wieder eine längere Strecke Offroad fahren, auch wenn es nur eine seit längerem brachliegende Baustelle war.

Gegen frühen Abend kamen wir in Ovacik an und fanden direkt neben dem Fluß Munzur einen schönen Übernachtungsplatz an einer Brücke, die mittlerweile für den Verkehr gesperrt wurde. Gleich wurden wir von einem Geschwisterpaar 'überfallen'. Die Zwei wollten sich gleich mal das Auto ansehen.

Der Munzur fließt durch das Munzur-Tal, das 1971 zum Nationalpark erklärt wurde. Es ist mit einer Fläche von 420 qkm eines der größten und artenreichsten Nationalparks der Türkei.

Am nächsten Morgen schafften wir ganze 11 km und fanden dann diese schöne Stelle direkt am Fluß. Da mussten wir einfach stehen bleiben und den ganzen Tag verbringen.

Bevor wir den Ort Ovacik allerdings verließen, ging Brigitte noch kurz einkaufen. In der Zeit hatte ich die Möglichkeit, die Hausfrau beim Teppichwaschen zu 'überraschen'.

Es kamen vereinzelt ein paar Angler vorbei, wir wurden auch von Kurden angesprochen, die einige Jahre in Deutschland gelebt hatten. Dabei erfuhren wir, dass nur unweit von Ovacik die eigentliche Quelle des Munzur zu finden ist. Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf, die Quelle zu besichtigen. Es war ein etwas weitläufigeres Areal, mit Gewalt quoll das Wasser zum Teil aus dem Berg heraus.

Dazu muss man wissen: in diesem Gebiet um den Munzur-Nationalpark und der Stadt Tunceli wohnen überwiegendr Aleviten, einer islamischen Glaubensrichtung. Für sie ist der Munzur ein heiliger Fluss – und so strömten die Einwohner zu diesen Quellen. Das Ganze war auch etwas kommerziell ausgebaut, es gab Verkaufsstände und kleine Restaurants, wo man Kleinigkeiten essen und trinken konnte. Vor einigen Wasserausbrüchen wurden Kerzen angezündet, die Menschen schleppten teilweise viele Tüten mit Lebensmitteln an, um hier ihr Picknick zu veranstalten - es war ja auch ein Sonntag.

Nachdem wir uns das Quellgebiet ausgiebig angeschaut und uns in einem Imbiss (als Restaurant möchte ich die Buden nicht unbedingt bezeichnen) 2 Tee gönnten, machten wir uns wieder auf den Weg – wir schafften es genau bis zu der Stelle, an der wir die Nacht vorher schon verbracht hatten.

Am Nachmittag kamen 2 Männer vorbei, Hayder aus Tunceli und sein Freund, der in Stuttgart lebt.

Nach einen längeren Gespräch, Hayder ist u.a. im Umweltschutz aktiv, verabredeten wir uns locker für den nächsten Tag in Tunceli.

Es war am nächsten Vormittag eine wunderbare Fahrt talwärts durch den Nationalpark. Die türkische Regierung plant, hier insgesamt 4 Staustufen zu bauen und damit das Tal unter Wasser zu setzen. Das wäre sehr schade, zum Glück wehrt sich die Bevölkerung dagegen. Hoffen wir, dass sie den Bau verhindern können.

Am Mittag trafen wir uns mit Hayder zu einem kleinen Imbiss und hatten ein sehr anregendes Gespräch mit ihm. Wie schon erwähnt, ist er im Naturschutz tätig. Er versucht u.a., die Mitbewohner davon zu überzeugen, ihren Müll nicht überall liegen zu lassen. Dann veranstaltet er Wanderungen durch die angrenzenden Berge, insbesondere Blumenfotos stehen ganz oben auf seiner Liste. Er zeigte uns auch selbst geschossene Fotos von Bären, die in diesem Nationalpark, neben Wölfen, Gemsen, Wildschaften etc. noch leben.

Apropo Wildschaf: auf einem der vorherigen Bilder könnt ihr auch eines sehen. Es lief direkt vor uns über die Straße.

Als wir uns trennten und aus der Stadt rausfahren wollten, wurde ich auf einmal von einer jungen Frau an der Ampel angesprochen. Nach einem kurzen Austausch lud sie uns zu einem Tee ein, was wir auch gern annahmen.

Bei der jungen Frau handelt es sich um Selim, eine junge Kurdin, geboren in Tunceli, die mit 8 Jahren nach Ingolstadt kam und dort 15 Jahre lebte. Jetzt wohnt und arbeitet sie in Istanbul und war in ihre Heimatstadt gekommen, um Bruder,  Schwägerin und ihren 4 Monate alten Neffen zu besuchen.

Gemeinsam tauschten wir uns aus, ebenfalls ein sehr nettes und informatives Gespräch.  

Aber dann wollten wir doch weiter.

Der Munzur wird bei Tunceli schon gestaut und wir schauten, ob wir irgendwo einen Stellplatz finden würden – aber keine Chance. Nichts war so, dass wir bleiben wollten

Unterwegs sahen wir, allerdings nicht nur hier, diesen Vogel. Wir hatten aber erste Mal die Chance, ihn so abzulichten.

Unser Weg führte uns weiter gen Osten, denn wir wollten zum Van-See. Und dann hatten wir einen Tag, wie wir ihn nicht haben wollten. Es ging wieder einmal gut 1900 m hoch auf einer Hauptstraße – und keine Chancen zum Ausweichen nach links oder rechts. Irgendwann, es war schon 19:45 Uhr (um 20:30 Uhr ist es hier dunkel) fanden wir einen akzeptablen Platz kurz hinter Bengöl auf einer alten Straße, die nach dem Ausbau noch existierte. Mit einem Ausblick auf die Lichter konnten wir den Abend dann beschließen. Aber zum Fotoschießen hatten wir absolut keine Lust mehr.

Wir wollten nur noch zu Abend essen, mit Oskar einen  kurzen Gang machen und dann langsam ins Bett.

Während des Abendbrotes kam noch ein Hirte aus dem kurz hinter uns liegenden Dorf vorbei. Er konnte etwas deutsch und versuchte, uns damit zu beglücken.

 

Den nächsten Tag ging es über eine mehr oder weniger interessante Hochebene weiter Richtung Tatvan. Hier beginnt der Van-See, den wir auf jeden Fall besuchen wollten.

Etwas 60 km vor Tatvan bogen wir nach links ab, um uns über eine Nebenstrecke Richtung des Nemrut-Vulkanes 'durchzuschlagen'. Nördlich vom Vulkan liegen noch 2 Seen, beim See Hacli Gölü fanden wir direkt am Wasser einen ruhigen Platz. Kaum standen wir, zog ein wieder ein Gewittersturm auf uns zu. Allerdings bekamen wir nur den starken Wind ab, das Auto wackelte reichlich. Die Gewitterwolken hatten sich schon über dem See ausgeregnet.

Im Hintergrund ist noch der schneebedeckte Gipfel des 4434 m hohen Süphan Dagi zu sehen.

Und Brigitte konnte am nächsten Tag mal wieder nicht von der Flora und Fauna lassen...

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