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Wir hatten uns verfahren. Die Karte und das Navi stimmten nicht mit der Realität überein - oder wir haben das nicht richtig erkannt. Auf jeden Fall waren wir, dank der Hilfe eines Einheimischen, nach einer Stunde in etwa wieder dort, wo wir vorher gestartet waren. Aber dann auf dem richtigen Weg.

Zuerst passierten wir noch den Nazik-See, um nach etlichen Kilometern bei der Stadt Ahlat auf den Van-See zu stoßen. 

Ein paar Kilometer am Van-See vorbei und die Abzweigung zum Nemrut Krater war gefunden.

Mühevoll arbeitete sich der MAN die steile Anfahrt hoch. Zuerst war die Zufahrt noch geteert - mit den üblichen Löchern, um irgendwann in eine Piste überzugehen. 

Der Nemrut ist ein Vulkan mit ca. sieben Kilometern Durchmesser. 1881 war er das letzte Mal aktiv, damals brach auch der Gipfel ab und wurde weggeschleudert.

Im Krater gibt es einen Kratersee, einen der größten weltweit, sowie zwei Nebenseen.

In einem der Nebenseen sollen zwei Thermalquellen sprudeln. Wir haben diese nicht gefunden, aber an einer Stelle kamen Luftblasen hoch - ob das eine der Quellen ist? Keine Ahnung, das Wasser war zumindest nicht warm.

Vielleicht könnt ihr auf diesem Bild die Luftblasen sprudeln sehen.

Wir fanden auf einer kleinen Anhöhe in über 2400 m Höhe einen Schlafplatz mit Blick auf den Nebensee.

Am frühen Abend kam noch der eine oder andere Besuch vorbei, so auch diese sechs jungen Leute. Die Jungen und wir hatten viel Spaß, als Oskar auf die Mädchen zustürmte und diese vor Angst laut kreischend herumliefen, natürlich auch zur Freude unseres kleinen Rackers.

Ob der Grill unbedingt bewacht werden muss? Oder fällt evtl. ein Steak oder eine Wurst ab?

Als auch die letzten Besucher den Krater verließen, hörten wir außer dem Wind und Vogelgezwitscher nichts mehr - wir genossen die Ruhe und hatten natürlich auch eine ungestörte Nacht. Für uns war diese Nacht schon etwas Besonderes, immerhin schliefen wir das erste Mal in unserem Leben in einem Vulkankrater.

 

Brigittes Bilder von Flora und Fauna vom morgendlichen Spaziergang dürfen natürlich nicht fehlen:

Je weiter wir wieder aus dem Krater Richtung Tatvan heraus fuhren, sahen wir immer mehr vom großen Kratersee. Es ist schon ein interessanter Anblick.

Tatvan selber gab uns nicht viel. Der Vorräte wurde noch einmal aufgefüllt und Brigittes Zeit für den Einkauf nutzte ich an der neben dem Supermarkt liegenden Autowaschanlage, damit der gröbste Dreck mal wieder abkam.

Danach suchten wir einen Parkplatz direkt am Boulevard, um noch einen kleinen Spaziergang am Van-See zu machen. 

Der Van-See ist 120 Kilometer lang, 80 Kilometer breit und 457 Meter tief. Er liegt auf einer Höhe von 1719 Metern über dem Meeresspiegel und wird durch Flüsse und Bäche aus den umliegenden, über 4000 m hohen Bergen gespeist. Das Wasser des Sees ist stark alkalisch, da der Abfluss des Sees durch den Vulkan Nemrut am Westufer versperrt ist. Es ist reich an Soda und anderen Salzen, die zur Herstellung von Waschmitteln dienen. Der pH-Wert des Wassers beträgt 9,8, der Salzgehalt 2,27 Prozent, davon etwa eine Hälfte Soda und eine Hälfte Kochsalz. Deshalb gefriert der See trotz einer Lufttemperatur von unter 0 °C zwischen Dezember und Februar nicht.

Die Straße gen Osten (auf der Südseite des Sees) führt zuerst um Berge herum, um beim Dorf Resadiye wieder auf das Wasser zu stoßen.

Wir entdeckten diese Landzunge:

Der Weg durch das Dorf war schnell gefunden und so stellten wir unser Auto dort ab. Es kamen noch ein paar Rinder, Ziegen und Schafe und auch die Dorfjugend nahm uns beim Baden noch ein bisschen in Augenschein, aber wir konnten den Abend mit Aussicht auf den Nemrut und auch auf die Eisenbahnfähre, die zwischen Tatvan und Van pendelt, genießen.

Wir wurden allerdings nicht nur von den Jugendlichen beäugt. Ein Militärhubschrauber fog einige Male über uns hinweg - da wir uns im Kurdengebiet befinden und unser Auto etwas auffällig ist, wollte auch das Militär wissen, wer da steht.

Die Sonne war noch nicht ganz untergegangen, da schaute der (fast) Vollmond schon hinter den Bergen hervor.

Am nächsten Vormittag konnten wir auch den 4434 m hohen Süphan-Berg ablichten, der nördlich vom Nemrut direkt an den Van-See stößt. Beim Abbiegen aus dem Dorf auf die Hauptstraße ließ sich noch einmal ein Foto von der Landzunge schießen.

Etwas weiter im Osten liegt die Insel Akdamar. Wir fanden die Anlegestelle der unregelmäßig fahrenden Personenfähre. Kaum parkten wir das Auto wurden wir bestürmt, ob wir mit wollten. Die nächste Fähre war schon gut belegt und der Kapitän wollte starten. Zum Glück durfte Oskar mit, denn es herrschten mittlerweile wieder über 30 Grad - und da hätten wir ihn nicht allein im Auto gelassen.

Berühmt ist die Insel vor allem wegen ihrer armenischen Kirche, der „Kirche zum Heiligen Kreuz“. Sie bildet den Rest einer zwischen 915 und 921 gebauten Stadt mit Kloster- und Palastanlage. 

Laute türkische Musik machte uns neugierig:  Auf der anderen Seite der Insel gibt es noch einen Anleger und die Passagiere der dort liegenden Personenfähre waren am Tanzen..... 

Während der Rückfahrt von der Insel kamen wir mit einem Guide, der mit ein paar Iranern unterwegs war, ins Gespräch. Er bot uns an, zu den weiteren Sehenswürdigkeiten mit zu kommen. Als erstes fuhren wir eine Teppichweberei an - allerdings machten die Inhaber mit uns kein Geschäft.

Die Trommel auf den ersten beiden Bildern wurde früher zur Herstellung von Ayran genommen. Ayran ist ein Getränk aus Joghurt und Wasser und schmeckt wie bei uns die Buttermilch.

Weiter ging es in die Stadt Van zum Katzenhaus, um uns die Van-Katzen an zu schauen. Diese Rasse hat hier seit tausenden von Jahren ihre Heimat. Das Besondere sind die großen ovalen und leicht schräggestellten Augen, diese können bernsteinfarben, blau oder von verschiedener Farbe sein, eines blau und das andere bernsteinfarben.

Da es langsam Abend wurde, fuhren wir wieder ein paar Kilometer zurück zur Stadt Edremit. Dort hatten wir einen Parkplatz gesehen, der nicht unmittelbar an der Straße liegt.

Als wir uns das Feierabendbier gönnten, stellte sich ein Pärchen neben unseren MAN, die Zwei gönnten sich ebenfalls ein Bier. Wir kamen ins Gespräch - es handelte sich um Mujdee und ihren Freund Ermek, der ganz gut Englisch sprach.

Nach anfänglicher Vorsicht fasste Mujdee doch Vertrauen zu Oskar, bei Ermek blieb eine Menge Respekt vorhanden.

Irgendwie ergab es sich, dass wir gemeinsam zum Abendessen nach Van fahren wollten. Es herrschte zur Zeit Ramadan und deshalb wird erst bei Dunkelheit gegessen. Die Lokale waren voll, doch wir fanden irgendwo noch einen freien Tisch. 
Anschließend ging es noch in eine belebte Straße, in der es eine Teestube nach der anderen gibt, am 'Himmel' hingen eine Menge Regenschirme - ob man die hier braucht? Lt. Ermek hat Van die meisten Sonnenstunden in der Türkei.

Alles in allem hatten wir mit den Beiden eine Menge Spaß an diesem Abend.

Und das können wir jetzt schon versprechen: Sind wir wieder in der Gegend, werden wir uns auf jeden Fall melden...

 

Die letzten Wochen sind wir immer grob Richtung Osten gefahren, ab jetzt ging es gen Norden.

Zuerst wollten wir noch die Festung in Van besichtigen. Doch das Thermometer zeigte wieder über 30 Grad an und Oskar keine Anstalten machte, mit uns das großflächige Areal zu bewandern, blieb es bei ein paar Fotos, die wir vom Auto aus schossen.

Unser nächstes Ziel sollte der Ararat sein, mit 5137 m der höchste Berg der Türkei. Kurz bevor wir den Van-See verließen, fanden wir noch diesen Stellplatz - so war der heutige Fahrtag schon am Mittag zu Ende und wir wollten den Rest noch einmal am Wasser genießen. Doch leider kamen am frühen Abend immer mehr Mücken zu Besuch, so dass der Abend doch schon sehr früh im Auto endete.

Kurz vor dem Ararat liegt die Stadt Dogubeyazit, auf dem Weg dorthin mussten wir noch den Tendürek-Pass bezwingen. Unterwegs gibt es einen Wasserfall, den wir auch besichtigen wollten. Dazu mussten wir zu Fuß über eine wackelige Hängebrücke.

In der Teestube auf der anderen Seite gönnten wir uns einen Tee und mussten dabei feststellen, dass Übergardinen auch als Tischdecken genutzt werden können.....

Gut 40 km vor Dogubeyazit, kurz vor dem Pass, versperrten uns ein paar Soldaten den Weg - wir durften nicht mehr weiter. Warum, hat man uns nicht erzählt. Also wieder zurück und einen Umweg von 320 km stand an. 

Kurz vor der Stadt Patnos fanden wir irgendwo auf einer Wiese einen Schlafplatz, dieses Mal mit Aussicht auf die Nordseite des Berges Süphan, der uns schon die ganze Zeit um den Van-See begleitete.

Auf dem Umweg durften wir noch schöne und abwechslungsreiche Landschaften 'bestaunen', auf den letzten Kilometern vor Dogubeyazit sahen wir auch schon den Ararat, allerdings von Wolken verhüllt.

Durch eine von Baustellen nur schlecht passierbare und dadurch auch sehr dreckige Stadt Dogubeyazit fuhren wir hoch zum Isak Pascha Sarayi-Palast. Dieser war allerdings am heutigen Tag geschlossen. Da wir in unmittelbarer Nähe einen Schlafplatz mit Aussicht auf die Stadt und den Palast fanden (abends noch beleuchtet), war das für uns kein Problem.

Am nächsten Vormittag, man glaubt es kaum, trafen wir seit Wochen wieder deutsche Touristen. Es handelte sich um Anneliese und Karl aus Rosenheim, die mit Ihrem Landrover unterwegs waren. Wir waren uns gleich sympatisch und quatschten uns erst einmal fest.

Doch dann ging es doch noch zur Besichtung des burgähnlichen Palastes, der zwischen 1685 und 1784 erbaut wurde. Sein Planungsprinzip folgt der Gliederung des Topkapı-Palastes in Istanbul.

Nach der Besichtigung wollten wir über eine Piste noch weiter, an der iranischen Grenze vorbei (der nächste Grenzübergang war keine 30 km entfernt), um den Ararat 'von hinten herum' zu sehen. Anneliese und Karl schlossen sich uns an.

Die Fahrt über die Piste hat sich gelohnt: Wir sahen den Gipfel teilweise wolkenfrei, was nicht sehr häufig vorkommen soll.

Der Berg Ararat, auch Großer Ararat  ist ein ruhender Vulkan und mit 5137 m der höchste Berg auf dem Gebiet der Türkei. Der kleinere Nachbarberg, der Kleine Ararat, ist 3896 m hoch. Im Jahre 2004 wurden beide Araratberge Teil des gleichnamigen Nationalparkes.  Lt. eines Myhtos soll nach der Sintflut die Arche Noah im Araratgebirge gestrandet sein.

 

Irgendwie ergab es sich bei einem gemeinsamen Essen, die Nacht zusammen auf dem letzten Stellplatz beim Palast zu verbringen.

 

Am nächsten Morgen trennten wir uns wieder. Die beiden wollten in den Iran, während es uns weiter gen Georgien zog. Da wir auch direkt an der Armenischen Grenze entlang kamen, hätten wir gern einen Abstecher in das Land gemacht, denn von Armenien aus soll der Ararat noch schöner zu sehen sein. Doch leider sind alle Grenzübergänge zwischen der Türkei und Armenien geschlossen.

So mussten wir uns bei der Abfahrt mit einem dieses Mal absolut wolkenfreien Blick auf den Ararat trösten. Die bunten Blumenwiesen dürfen natürlich auch nicht fehlen.

In der Nähe der Stadt Tuzluca faszinierte uns die 'bunte' Landschaft (leider gibt es hier viele Elektroleitungen, die wir nicht immer aus dem Bild heraushalten konnten):

Bei Kars bogen wir noch einmal gen Osten ab. Dort liegt die historische Stadt Ani, eine seit mehr als drei Jahrhunderten verlassene und heute in Ruinen liegende armenische Hauptstadt. Sie liegt auf einem 1338 m hohen Plateau, umgeben von einer tiefen Schlucht und dem Fluss Achurjan, der die Grenze zwischen der Türkei und Armenien bildet. Heute ist Ani eine Geisterstadt und vor allem für die noch erhaltenen Zeugnisse armenischer Architektur bekannt. Die einzigen „Bewohner“ sind türkische Grenzsoldaten, vereinzelte Touristen und Anwohner des benachbarten türkischen Dorfes Ocaklı.

Bedroht von „Restaurierungsarbeiten“, Kulturvandalismus, Erdbeben und in jüngerer Vergangenheit auch durch Bodenerschütterungen (ausgelöst durch Sprengungen in einem Steinbruch auf armenischem Gebiet), steht die Zukunft dieses Kulturdenkmals in Frage.

Mehr oder weniger erhalten sind Teile der doppelt ausgelegten Stadtmauer (teilweise als Kuhställe missbraucht), die Kathedrale (vollendet im Jahre 1001 oder 1010), einige Kirchen und Kapellen, die Zitadelle und ein Palast, der Ende des 20. Jahrhunderts einem „Wiederaufbau“ zum Opfer fiel. 2016 wurde die Stadt zum Weltkulturerbe erklärt

Die Nacht verbrachten wir vor der Stadtmauer, trotz des starken Geruchs nach Kuhdung. Ein Gewitter zog noch über uns hinweg, so dass wir uns keinen anderen Platz suchen wollten.

 

Apropo Kuhdung: seit Tagen bemerkten wir diesen schon in den Dörfern und auch in den Vorstädten. Der Grund ist, dass es auf den Ostanantolischen Hochebenen Richtung Osten kaum noch Bäume gibt und die Menschen mit diesem Dung heizen müssen. Dazu sammeln sie ihn, er wird getrocknet und in passende Stücke geschnitten.

So wie auf den folgenden Bildern, auf Nebenstrecken von Ani aus aufgenommen, sieht es vielfach in den Dörfern aus:

Die letzte Nacht verbrachten wir am Cildir-See in 2000 m Höhe. Mit dem Gewitter am Vorabend verabschiedete sich erst einmal die Hitze der letzten Wochen. Auf dieser Höhe hatten wir am Nachmittag nur noch 11 Grad und einen starken Wind. Diesen nutzten wir, um unsere Wäsche zu trocknen.

Es waren nur noch ca. 25 km bis zur türkisch-georgischen Grenze, der Übergang war relativ schnell erledigt, und so verließen wir nach 37 Tagen und ca. 5300 km durch die Türkei und insbesondere Anatolien das Land wieder. 

Es war nach 2016 die zweite längere Reise in diesem Land und wir können sagen, dass die Menschen es wert sind, besucht zu werden. Überall sind wir freundlich empfangen und behandelt worden, nie hatten wir irgendwelche Probleme. Auf jeden Fall werden wir das Land ein weiteres Mal besuchen.

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