Georgien

Das Wetter war leider in Georgien auch nicht besser - windig und kühl.

Nach dem Grenzübergang fuhren wir erst einmal in die Stadt Akhalkalaki, um eine SIM-Karte zu kaufen, doch den angeblichen Beeline-Laden gab es nicht mehr. So wurde erst einmal der Dieseltank gefüllt (nur knapp 65 Eurocent der Liter) und wir verließen die Stadt wieder ganz schnell wieder. 

Wir planten einen Besuch der Stadt Akhaltsikhe, da wir vom Winter 2015/16 noch wussten, dort sehr gut auf dem Burg-Parkplatz stehen zu können. Doch beim Ort Khertvisi bogen wir nach links ab, um zur Höhlenstadt Vardzia zu fahren. Sie wurde im 12 Jahrhundert in einer Bergwand erbaut und war als Grenzfestung gegen Türken und Perser geplant.. Einige Jahre später richtete Königin Tamara das Bauwerk als Kloster ein.

Ursprünglich sollte die Stadt Platz für 50.000 Menschen bieten, nach einem Erdbeben im Jahre 1283 sind noch 750 Räume auf 900 qm erhalten.

Als wir abends ankamen, regnete es und wir stellten uns auf den Busparkplatz, um dort die Nacht zu verbringen.

Die Besichtigung war für den nächsten Vormittag geplant, doch es wurde erst um 10:00 Uhr geöffnet - und da standen schon 3 Busse mit Schullkindern auf dem Parkplatz und der 4. Bus kam gerade. So verzichteten wir, denn wir hatten keine Lust, zusammen mit dieser Menge von Menschen die Stufen zu erklimmen. Und da wir in den letzten Wochen genügend Höhlen- wohnungen gesehen hatten, fiel uns der Verzicht auch nicht schwer. Doch von der Straße aus  konnten wir noch einige Fotos schießen.

Statt dessen fuhren wir noch einige wenige Kilometer weiter zum Kloster Nuns, welches ganz idyllisch in den Bergen lag. Die Kirche selber ist schon über 1000 Jahre alt, das Kloster erst ganz neu. Es lebten überwiegend Nonnen dort, aber auch Mönche waren zu sehen.

Auf dem Rückweg legten wir einen Stop in Khertvisi ein, da wir die auf dem Hinweg bereits gesehene Burg besichtigen wollten. 

Und die wackelige Hängebrücke mussten wir natürlich auch überqueren....., gemeinsam mit einer Busladung Israelis, die eine Rundreise durch Georgien machte - und sich für unser Auto interessierte. 

Am frühen Nachmittag kamen wir in Akhaltsikhe an - und hier gab es auch einen Beeline-Laden, um die SIM-Karte zu erstehen. Danach ging es auf den Burgparkplatz. Mittlerweile wurde es auch wieder wärmer und so schlenderten wir mit Oskar noch durch die Festungsanlagen.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch: Im vorletzten Winter wollten wir von dieser Stadt auf direktem Wege nach Batumi und dazu einen Pass überqueren, was wir aber nach einigen Kilometern aufgrund der Schneemassen abbrechen und dann 2,5 km rückwärts in der Spur wieder zurück mussten. 

Da Batumi auch dieses Mal unser nächstes Ziel war, wollten wir den Pass zumindest jetzt überqueren. Unterwegs besichtigten wir noch das Kloster Zarzma.

Mittagspause mit einer herrlichen Aussicht kurz vor dem Pass.

Wir erreichten den Pass in über 2000 m Höhe - um hier leben zu können, muss man hier wohl geboren sein. Wir könnten uns solch ein Leben auf keinen Fall vorstellen.....

Gut 50 km der Strecke nach Batumi war eine Piste und so schafften wir natürlich keine Strecke. Unterwegs gab es noch 3 historische Brücken zu besichtigen - bei der ersten beendeten wir unsere Tagesetappe. 

Brigitte fand mal wieder einige fotografierenswerte Blumen.

Einige Kilometer weiter dann die nächste Brücke, hier wurde das Ganze touristischer aufgemacht.

Tja, und dann erreichten wir Batumi - wir freuten uns schon auf diese Stadt, denn es hatte uns vor 1,5 Jahren auch sehr gut gef allen.

Den letzten Stellplatz konnten wir allerdings streichen, denn in unmittelbarer Nähe war eine Baustelle. Aber nicht weit davon entfernt fanden wir einen akzeptablen Platz direkt am Boulevard, zwar nicht ganz ruhig, aber erträglich.

Mittlerweile wurde es schwül und am 2. Tag kamen einige Gewitter herunter. Wir nutzten den Tag, um ein bisschen Shoppen zu gehen und den Friseur aufzusuchen.

Abends waren wir in einem Restaurant und gönnten uns eine leckere Fischplatte.

Nach 2 Nächten machten wir uns auf den Weg Richtung Mestia. Über Poti und Zugdidi ging es in die Berge , wo wir am Anfang die Nacht verbringen wollten. Aber der avisierte Platz war dann doch nicht wie gedacht, so langsam begann es auch zu regnen. Somit blieb uns nichts anderes übrig, als bis Mestia durch zu ziehen. Unserer Freundin Tamuna war sehr überrascht, als wir schon einen Tag eher als geplant bei ihr auftauchten.

Wir hatten uns nach 1,5 Jahren Wiedersehens viel zu erzählen - und am nächsten Morgen konnten wir ihre Tochter kennenlernen, die Anfang des Jahres geboren wurde.

Nach 2 Tagen machten wir uns auf den Weg nach Ushguli. Wir hatten Winterkleidung für Kinder mitgebracht und waren bei Tamunas Onkel zum Essen eingeladen.

Da es seit Tagen viel geregnet hatte, war die Piste nach Ushguli in einem dementsprechenden Zustand. Auch an unserem Fahrtag regnete es zwischendurch immer wieder. Aber dank unseres Allrad-Autos kamen wir ohne Probleme an.

Appropo Allrad: ich bin überzeugt, dass wir es auch ohne geschafft hätten. Wenn man sieht, dass die Einheimischen auch mit ihren Ford Transits bei diesen Verhältnissen  hier hochkommen.....

Gleich hinter dem Kloster, mit Blick auf den 5068 m hohen Shkbara, den höchsten Berg Georgiens, fanden wir einen Stellplatz. Hier stand schon ein Unimog aus Deutschland, Elke und Manfred waren ein paar Stunden vor uns angekommen.

Gegen Abend klarte das Wetter so langsam auf und am nächsten Morgen zeigte sich der Gipfel des Shkbara fast wolkenfrei.

Wir hatten im Laufe des Tages tierische Besuche, insbesondere diese eine Kuh (oder waren es mehrere?) kam gern abends oder nachts und schaukelte uns in den Schlaf - oder sie weckte uns....

In Richtung Gipfel gibt es eine Mineralquelle und auf dem Weg dorthin kamen einige Wanderer bei uns vorbei. Auch wir machten uns auf den Weg in die Richtung - allerdings nicht ganz bis zur Quelle. Ein Spaziergang mit Oskar bis zu den letzten Schneeresten reichte uns eigentlich.

Um die Mittagszeit kamen Tamuna und ihr Mann Zura zu uns nach Ushguli. Und erst einmal zeigten sie uns das Kloster und erzählte uns viel aus ihrer Kindheit, da sie viel ihre Ferien bei den Großeltern verbrachte.

In einem kleinen Restaurant nahmen wir schon mal eine Vorspeise zu uns - und Brigitte musste sich unbedingt in den Stuhl des Familienoberhauptes setzen - was wollte sie mir damit eigentlich sagen?

Endlich ging es zum Onkel und seiner Familie - anbei ein paar Eindrücke von der nächsten Umgebung des Wohnhauses:

Tamunas Großtante ist mittlerweile schon über 80 Jahre, vor 3 Jahren hatte ich sie bereits kennen gelernt und freute mich natürlich, dass es sie noch immer gibt.

Bereits im Januar 2016 waren wir hier, damals war das 'Esszimmer' noch eine Baustelle, mittlerweile ist das meiste schon getan. In den Wintermonaten wird weiter dran gewerkelt und die Verzierungen bzw. Schnitzereien bearbeitet. Vielleicht sind beim nächsten Besuch auch die Elektroleitungen vernünftig verlegt.....

Wir blieben noch eine 3. Nacht in Ushguli und wurden natürlich wieder von den Kühen in den Schlaf geschaukelt.

Da es die letzten beiden Tage nicht geregnet hatte, ging die Rückfahrt nach Mestia über eine wesentlich trocknere, dafür aber auch staubigere Piste. Wir konnten auch den Gipfel des Berges Laila wolkenfrei sehen.

Um Mitternacht krachten ein paar Feuerwerksraketen in den Himmel - Tamuna hatte Geburtstag. Ihre Musiker standen draussen und brachten ein Ständchen und dicke Torten.

Es musste so langsam weitergehen, wir hatten ja noch eine lange Strecke für die nächsten 3 Monate vor uns. Und so machten wir uns nach 2 Nächten Mestia wieder auf den Weg. Zurerst fuhren wir nach Anaklia ans Schwarze Meer, wo wir wieder auf dem Parkplatz zwischen den Hotels stehen wollten. Im Sommer 2014 und im Winter 2015/16 war es hier absolut tot, dieses Mal gab es etwas mehr Betrieb. Doch wir blieben nur eine Nacht, denn die Luft war stickig schwül. Das war allerdings noch nicht das schlimmste. Schlimmer war ein Generator, der um 6:00 Uhr schon angeworfen wurde, um die E-Bikes eines Fahrradverleihers zu laden. Als der endlich aus war, wurde auf einer nahe gelegenen Baustelle ein Kompressor angeworfen, so dass wir schnell wieder Reissaus nahmen.

Wir wollten als nächstes die Stadt Kutaisi besichtigen, es ist die zweitgrößte Stadt Georgiens. Zuerst kamen wir noch an einer ehemaligen Wehranlage vorbei, allerdings schenkten wir uns das Eintrittsgeld, denn es war nichts besonderes mehr erhalten.

Es fand in der Nähe allerdings ein Fussballspiel statt - um welche Liga es sich da handelte, konnten wir nicht feststellen.

Am Nachmittag erreichten wir Kutaisi, erst einmal wurde die Bagrati-Kathedrale besucht, die im Jahre 1003 erbaut und 1696 vom türkischen Sultan gesprengt wurde. Mittlerweile ist sie vollständig rekonstruiert und steht heute auf der UNESCO-Welterbeliste.

Die Nacht verbrachten wir auf dem Parkplatz des Gelati-Klosters unweit von Kutaisi, das ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Es wird zur Zeit renoviert.

Viel schöner empfanden wir das in der Nähe liegende Kloster Motsameta, das ganz idyllisch auf einem Felsvorsprung liegt.

Wir wollten wieder Piste fahren und nahmen den direkten Weg Richtung Akhaltsikhe - über den 2182 m hohen Zekaris-Pass. Auf dem Weg zum Pass liegt noch der Ort Sairme mit seinen Thermalquellen und Bädern, den wir nur schnell durchquerten.

Ursprünglich wollten wir wieder auf dem Parkplatz der Festungsanlage übernachten, aber dann fanden wir noch eine große freie Wiese, auf der sich Oskar wieder richtig austoben konnte.

Und noch ein Pass war fällig: der 2454 m hohe Zkhrats'karo, vorbei an Wiesen voller Margeriten.

Ganz erstaunt waren wir über die Polizeikontrolle direkt auf dem Pass. Da es dort oben kein Internet gab, musste bzgl. Überprüfung der Papiere telefoniert werden, das ganze hielt uns eine viertel Stunde auf, aber dann ging es weiter. Zwischendurch gab es noch diverse Lager von Viehhirten, die hier den Sommer über leben, teilweise mit Familie. Und einen Fuchs konnten wir auch noch fotografieren.

Gegen Abend erreichten wir den Tsalka-See. Es gefiel uns und insbesondere Oskar sehr gut, so dass wir gleich 2 Nächte blieben. Allerdings waren wir den Tag über, einem Sonntag, nicht allein. Einige Angler waren da und einer schenkte uns 4 Fische, die gleich ausgenommen und erst einmal eingefroren wurden. 

Einer der Angler nutze den Schatten unseres Autos für seinen Mittagsschlaf...

Mal wieder Brigitte mit ihrer Flora und Fauna...

Eigentlich wollten wir noch einen Pass fahren, aber es war mir mittlerweile wieder der Bolzen einer Stoßdämpferhalterung gebrochen. Vor der Reise hab ich mir noch extra Ersatz gekauft, doch was nutzt er mir, wenn ich ihn zu Hause vergessen habe....

So ging es direkt nach Tiflis, wo ich auch welche fand. Wir wollten ursprünglich wieder auf dem Parkplatz vom Finanzministerium direkt in der Stadt parken, aber der war komplett belegt und das Thermometer zeigte 40 Grad an. Also nichts wir raus aus der Stadt.

Da wir nicht noch lange suchen wollten, fuhren wir noch ca. 25 km weiter nach Mtskheta. Wir hatten uns die Kathedrale und die Altstadt schon beim letzten Besuch angeschaut und von daher war uns noch der Parkplatz bekannt. Kurz gefragt, einen kleinen Parkobolus bezahlt und wir hatten eine ruhige Nacht. Allerdings war es kein ruhiger Schlaf, denn kurz vor der Dämmerung zeigte das Thermometer noch immer 38 Grad an.

Das Vashlovanis-Naturreservat im Südosten Georgiens, direkt an der Azerbaidschanischen Grenze, stand noch auf dem Plan. Er zeichnet sich durch sein trockenes Klima, steppenartige Vegetation und bizarre Fels- und Hügelformationen aus.

Es sollen hier die Levanteotter und die Boa Constrictor geben, des weiteren Kaiseradler und Mönchsgeier wie auch Wölfe, Luchse, Braunbären und Stachelschweine.

Wir durften direkt im Besuchercentrum übernachten und der Ranger fragte uns, ob wir am nächsten Tag den Canyon aufsuchen wollten. Doch das Thermometer wollte nicht sinken, so dass wir das gleich vom Plan strichen - bei gut 40 Grad wollten wir uns das nicht antun.

So machten wir nur ein paar Fotos von einer Aussichtsstelle aus. Der See auf dem letzten Bild ist übrigens der in Aserbaidschan liegende Mingäcevir-See.

Wie schnell kann sich das Wetter auf kurzer Strecke ändern. Da es uns im Südosten einfach zu heiss war, wollten wir gen Norden wieder in die Berge. Wir fuhren durch das Weingebiet über Gurjaani nach Telavi, wo wir auf dem Parkplatz zu einem Kloster, das wir auch schon vor 1,5 Jahren besichtigt hatten, übernachteten. Über Nacht zog ein kleiner Regenschauer über uns weg - und irgendwie wollte der Regen uns nicht ganz allein lassen. Bei trockenem Wetter ging es noch los Richtung Georgische Heerstraße. Wir wollten vorher noch eine Schlafmöglichkeit suchen, da diese auf der Heerstraße nicht so dicke gesät sind. Kurz hinter Tianeti fanden wir am frühen Nachmittag einen Platz, aber kaum standen wir, kam der Regen langsam runter, so dass wir die meiste Zeit im Koffer verbrachten.

Am Morgen kam es dann so richtig dick herunter,  Brigitte und Oskar kamen klitschenass von ihrem Morgenspaziergang zurück. Es war nicht möglich, trocken ins Fahrerhaus zu kommen, so dass wir bis zum Mittag im Koffer blieben.

Als wir endlich die Heerstrasse erreichten, war es wieder trocken.

Aber erst ging einmal nichts mehr, der Verkehr stand. Polizei hatte die Straße abgesperrt, was der Grund war, konnten wir nur erraten.

In solch einem Stau kann man die Georgier richtig gut beobachten. Man stellt sich nicht hinten an, nein, so etwas tut man nicht. Man versucht, so weit wir möglich nach vorn zu kommen und steht dann eben nebeneinander auf einer zweispurigen Straße. Und wenn dann nichts mehr geht, steigt man eben aus und unterhält sich.

Nach einer guten Stunde durften wir endlich weiter und es dauerte nicht lange, da fing es wieder zu regnen an. Es muss die letzten Tage schon reichlich Wasser herunter gekommen sein, denn der Aragvi war mittlerweile ein reißender Fluss geworden , der viel Schlamm mit sich führte und über seine Ufer trat.

Die Straße wurde noch einmal kurz gesperrt, weil diese von Schlamm überspült wurde.

Und noch einmal mussten wir kurz warten, ein Wasserzulauf zum Aragvi hatte die Straße überspült, Schlamm und Geröll wurden gerade weggeschoben.

Je weiter wir zum Pass kamen, desto stärker wurde der Regen, ab ca. 2000 m Höhe waren wir in den Regenwolken drin, so dass wir keine Aussicht auf die Heerstraße genießen konnten.

Auf der Nordseite des Passes wurde das Wetter etwas besser und irgendwann erreichten wir die Stadt Stepantsminda, der letzten georgischen Stadt vor der Grenze. Ich musste unbedingt ein Foto von Ortsschild und dem Auto machen, denn auf meiner Reise 2014 hatte ich dieses Motiv, allerdings mit dem Motorrad, auch auf einem Bild festgehalten.

Die Nacht verbrachten wir in Sichtweite zur georgischen Grenzabfertig auf einem Parkplatz vor dem Kloster der Erzengel St. Michael und Gabriel.

Am nächsten Morgen nahmen 3 Wochen Reise durch Georgien ein Ende. Es standen kaum Autos an der Grenzabfertigung, so dass wir nach 20 Minuten schon weiter kamen. Dafür gab es dann große Probleme bei der Einreise nach Russland, was wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wissen konnten. 

Darüber berichte ich im nächsten Blog.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Iris und Maik (Samstag, 15 Juli 2017 21:56)

    Hallo Ihr Drei,
    nun funktioniert das Kommentarfeld ja wieder! Ich hatte schon gedacht Ihr habt nur schönes Wetter, aber Schlammlawinen sprechen ja für sich. Weiter viel Spaß, nun in Russland.
    Viele Grüße, Maik und die Sternwanderer