Wir wollen zum Olympic Park

Der Grenzübergang auf der Georgischen Seite war absolut kein Problem, nach gut 20 Minuten waren wir raus aus dem Land.

Noch ein bisschen Wartezeit vor der russischen Abfertigung, Ausfüllen der ersten Formulare und die erste Vor-Kontrolle des Wagens wurde auch relativ schnell erledigt.

Danach sollten wir mit dem Wagen noch in die Röntgenanlage – auch hier keine Probleme.

 

Aber dann ging es los.  

 

Ich muss erklären (für die, die noch nicht in Russland waren), dass man bei der Einreise nach Russland ein Formular zur Entry-Declaration ausfüllen muss, hierbei geht es insbesondere um das Auto.

Bei der Ausreise benötigt man das gleiche Formular zur Deklaration, nur dann als Exit-Declaration.

 

So war es auch schon vor 2 Jahren. Und damals wurde das Formular wohl nicht richtig seitens des russichen Zöllners bearbeitet (vermute ich).

Aus diesem Grunde bekam ich im letzten Jahr ein Schreiben von einer russischen Behörde mit der Frage, wo das Auto jetzt sei. Wahrheitsgemäß wurde von mir per Brief geantwortet, wo wir in 2015 ausgereist waren und dass das Auto bei mir zu Hause sei. Ein russisch sprechender Freund hatte den ganzen Schriftverkehr übersetzt.

 

Das Problem war jetzt, dass man uns nicht einreisen lassen wollte mit der Begründung, dass die Deklaration aus dem Jahre 2015 schon abgelaufen wäre. Und mein Antwortschreiben war anscheinend auch nicht bearbeitet worden

 

Die ganze Diskussion mit mehr oder weniger schlecht Englisch sprechenden Zöllner verfing sich im Nirgendwo. Auch meine Argumentation, dass das doch ein Systemproblem der Russen sei und nicht meines, verfing nicht.

Man gab uns zu verstehen, dass wir wieder zurück nach Georgien müssten – was wir nicht wollten. Dann der Hinweis: ihr könnt hier auf dem Gelände stehen bleiben, aber nach 2 Tagen würde das Auto konfisziert werden.

 

So drehte sich die Diskussion immer wieder im Kreise, bis ich den Chef von den zwei mit mir verhandelnden Zöllner sprechen wollte. Aber auch er konnte oder wollte nicht helfen und Englisch sprach er auch nicht.

Irgendwann kam noch jemand hinzu, der zwar eine Uniformhose an hatte, aber ansonsten relativ zivil aussah. Ich schloss aufgrund seines ganzen Verhaltens, dass dieser Mann noch eine Etage höher stand. 

Er ließ sich von einem der niedrigeren Dienstgrade die Geschichte erklären, ich zeigte anhand der Landkarte, wo wir nach Kasachstan und dann weiter nach Kirgisien und anschliessend Tadschikistan ausgereist waren. Anhand der Stempel in meinem Pass konnte er das alles rekonstruieren – und auf einmal sprach er mich in sehr gutem Englisch an. Aha, er konnte das also.

 

Er erklärte mir allerdings, dass man bei der Ausreise Richtung Kasachstan keine Exit-Declaration bei den russischen Grenzabfertigung bräuchte, sondern diese erst an der Grenze nach  Kirgisien abgegeben werden müsste, denn Russland hat mit Kasachstan und auch Weisrussland eine Zollunion und da ist wohl etwas nicht richtig gelaufen.

 

Es wurde noch ein bisschen telefoniert und auf einmal kam die Nachricht: Füllt die Entry-Declaration noch einmal aus und ihr dürft einreisen.

 

Das ganze Procedere auf der russischen Seite dauerte gut 4 Stunden, bis wir endlich im Lande waren und ich war froh, mich hartnäckig der ersten 'Ausweisung' widersetzt und in der Diskussion nicht locker gelassen zu haben..

Von der Grenze weg ging es durch ein Tal, auch hier führte der Fluß viel Schlamm mit sich.

Als erstes Ziel in Russland wollten wir den Olympic Park in Sotschi anfahren - wenn wir schon so 'nah' waren, sollten die gut 500 km 'Umweg' kein Problem sein.

Über Vladikavkaz ging es die M29 weiter. Unterwegs mussten wir mehrere Verkehrskontrollen bis hin zu Passkontrollen über uns ergehen lassen - nervig, aber wir mussten da durch.

 

Links und rechts der Straßen sahen wir riesige Weizenfelder (die Ernte war in vollem Gange), unterbrochen von fast genaus so großen Sonnenblumenfeldern. Mit einem Schlafplatz wurde es schwierig, aber irgendwann haben wir doch einen relativ ruhigen Platz auf einem abgeernteten Weizenfeld gefunden.

Die Schlafplatzsuche sollte sich in den nächsten Tagen weiterhin so schwierig gestalten.

Es ging über etwas kleinere Straßen (mit Polizei-, aber ohne weitere Passkontrollen) weiter an Kislovodsk vorbei, durch Majkop bis wir bei Tuapse das Schwarze Meer wieder erreichten.

 

Jetzt wurde es noch schwieriger mit einem Stellplatz für die Nacht. Vom Wasser sahen wir überhaupt nichts, hohe Bäume säumten die Straßen. WIr erahnten einen dünnen Strandstreifen, direkt daneben gab es eine Eisenbahnlinie.

 

Die Fahrt Richtung Sotschi wurde anstrengend: Eine fast ausschliesslich einspurige (pro Richtung) führte berauf, bergab um viele Kurven immer Nähe der Küste entlang. Hier war der Tourismus in vollem Gange.

 

Wir fanden ca. 50 km vor Sotschi einen kleinen Campingplatz (mit relativ wenig Mücken - die hatten uns in den letzten Nächten durchaus schon etwas mehr geärgert....).auf dem wir für 2 Nächte blieben. 

Jeden Abend ab 21:00 Uhr gab es bis Mitternacht Disco-Musik (u.a. Modern Talking in russischer Version).... 

Oskar genoss es, mal wieder einen Tag nicht im Auto sitzen zu müssen, sondern nach dem Ballspielen auf dem Rasen den Clown machen zu können.

Am Strand waren wir nur einmal  - es gefiel uns absolut nicht.

Die Strecke nach Sotschi zog sich, mehrere Staus (in denen wir nur selten die ersten waren), wir konnten direkt von der Straße aus das Wasser sehen:

Aber Sotschi Center interessierte uns nicht, wir wollten noch 20 km weiter in den Olympic Park, den wir auch etwas später erreichten. Dafür hatten wir den Aufwand auf uns genommen. Nachdem wir die erste Rundfahrt über die Straßen hinter uns hatten, wurde das Auto erst einmal in Scene gesetzt - nein, wurde es nicht. Das Bild ergab sich zufälllig, weil wir auf dem Parkplatz gegenüber des Fisht-Stadions (in dem der Confederation-Cup ausgespielt wurde) einen Stellplatz fanden..

Wir standen übrigens noch nicht lange, da kam der Fahrer des kurz hinter uns stehenden Wohnmobiles auf uns zu, um uns zu begrüßen und seine Begeisterung für unser Auto zu zeigen. Es dauerte nicht lange und er brachte uns 2 gebratene Fische, die seine Kinder geangelt und seine Frau gerade zubereitet hatte - eine nette Überraschung.

Es war wieder heiss, über 30 Grad. Somit schlenderten wir erst einmal am Strand auf dem Boulevard entlang und gönnten uns irgendwo ein kühles Bier.

Anschliessend und genügend erfrischt blieb der Besichtigungsbummel nicht aus - immerhin waren wir deshalb ja gekommen. 

Das Kongress-Centrum

Um am nächsten Tag Sotschi zu verlassen, blieb uns nur die gleiche Strecke - einen anderen Weg gibt es nicht. Auch der Rückweg zog sich aufgrund der vielen Staus wieder lange hin. Und da wir ja wussten, dass die Schlafplätze rar gesät sind, fuhren wir wieder auf den uns bekannten Campingplatz - sehr zur Freude des Betreibers und seiner Familie. Wir wurden wie alte Bekannte begrüßt, vermutlich waren wir die ersten Deutschen, die auf diesem Platz genächtigt hatten. 

Am nächsten Vormittag starteten wir weiter Richtung Rostov am Don. Mittlerweile wurden die Strecken immer länger, die Fahrerei zog sich. 

Nach 2 Tagen erreichten wir die Stadt Asow, fanden schon am frühen Nachmittag einen Platz an einem Nebenarm des Don. Hier gab es ein kleines Strandbad und für 100 Rubel (ca. 1,40 E) durften wir auch die Nacht dort verbringen.

Nicht nur das Auto sorgte für Interesse einiger Besucher, die auch gern mal in den Koffer schauen wollten. Oskar sorgte auch für das eine oder andere Interesse.

Zuerst kamen wir auf den Gedanken, den nächsten Tag auch noch hier zu verbringen, doch mit zunehmender Dämmerungen verschwanden zwar die Menschen, aber die Mücken nahmen Überhand, so dass wir uns ganz schnell in den Koffer zurückziehen mussten - damit war der nächste Tag an diesem Platz schnell gestrichen.

 

Es war nicht mehr weit nach Rostov am Don. Diese Stadt ist die zehngrößte Stadt Russlands und eine der größten im europäischen Teil. Sie liegt 46 km vor der Mündung des Dons ins Asowsche Meer. Die Stadt wird auch als 'Tor zum Kaukasus' bezeichnet.

Schnell wurde ein Parkplatz unweit des Boulevards gefunden und wir machten uns erst einmal auf, die große Kathedrale zu besichtigen. Leider wurde diese renoviert und war damit geschlossen. Aber in einem Vorraum wurde der Altar nachgestellt und hingen auch viele Bilder und Ikonen auf. Der Raum wurde von vielen Gläubigen besucht, so dass aus Fotos nichts wurde.

So wanderten wir über den Boulevard und entschlossen uns, eine kleine Schiffs-Rundfahrt auf dem Don mitzumachen.

Am Nachmittag machten wir uns noch weiter auf den Weg. Es ging die gut ausgebaute M4 weiter gen Norden. Den Kaukasus hatten wir schon lange hinter uns gelassen, das Land wurde flach, unterbrochen von kleinen Hügeln. Links und rechts des Weges viel Landwirtschaft. Wir standen die nächsten 2 Nächte auf Raststätten. Auf der ersten Fand Oskar eine Spielgefährtin, es machte Spaß zu sehen, wie die beiden am Toben waren.

Es fiel uns sehr schwer, die Kleine nicht am nächsten Morgen einfach einzupacken (es war eine 'wilde' Hündin). Aber die Vernunft siegte, wir haben im Auto nicht genügend Platz für 2 Hunde ......

Nach 2 Tagen Kilometerbolzerei auf der M4 (der eigentliche Vorteil  dieser Schnellstraßen) hatten wir genug davon und machten uns auf kleineren Strassen weiter grobe Richtung Norden. Auch auf der Nebenstrecke gab es viel Gegend zu sehen, Landwirtschaft wechselte sich mit Brachland und auch großen morastigen Wäldern ab. Schlafplätze fanden wir aufgrund fehlender Raststätten auf abgemähten Wiesen - was der Anwesendheit der gegen Abend eintreffenden Mücken allerdings auch keinen Widerstand leistete. Mit dem Ausklingen des Abends vor dem Wagen wurde aber auch nichts. Allerdings war das auch kein großes Problem, denn es wurde abends durchaus kühl, was nach den teilweise heissen Tagen auch sehr gut tat.

 

Wir errichten Kasimov (oder Kassimow), wo es diversen Kirchen gibt.

Aufgrund seiner Geschichte ist Kassimow die am weitesten in zentralrussland liegende Stadt mit historischen islamischen Bauwerken. Die Moschee aus dem 18. Jahrhundert war allerdings geschlossen und konnte somit nicht von innen besichtigt werden.

Immer wieder kamen wir durch kleinere Dörfer. Teilweise sehen die alten Holzhäuschen aus, als wenn sie jeden Moment zusammenfallen würden. Am meisten gefielen uns die immer wieder zu findenden kleinen Schnitzereien der Fensterumrandungen.

Wir wollten auf den Campingplatz in Susdal, ca. 150 km östlich von Moskau. Dort waren wir vor 2 Jahren schon und wussten, dass es ein (für russische Verhältnisse) sehr guter Platz ist.

Auf dem Weg dorthin kamen wir noch durch Vladimir. Da wir in beiden Ortschaften schon diverse Sehenswürdigkeiten kannten, nahmen wir von weiteren Besichtigungen Abstand.

Am Ortsausgang nach Susdal gibt es den Supermarkt Globus, unserer Meinung nach ist das der größte Supermarkt, den es in Russland gibt. Dieses Empfinden hatten wir bereits vor 2 Jahren schon, denn bisher hatten wir noch keinen gefunden, der noch größer war. Das riesige Angebot nutzten wir erst einmal, um unsere Vorräte wieder aufzufrischen.

Nach dem ausgiebigen Einkauf dauerte es nicht mehr lange und wir erreichten Susdal. In der Stadt selber trafen wir noch eine Bremer Familie auf den Weg gen Osten, die ebenso wie wir hier ein paar Tage verbringen wollten.

Da das Wochenende nahte, kamen viele Russen, die hier zelteten. Auch eine chinesische Wohnmobilgruppe traf am nächsten Tag ein, die allerdings im Laufe des nächsten Tages wieder weiterreiste.

Wir nutzten den Platz, um dem Auto mal wieder die nötigen Pflegeeinheiten zukommen zu lassen, gründlich sauber zu machen, Wäsche zu waschen, die Homepage zu pfelgen und uns einfach mal wieder zu entspannen.

Nach 3 Nächten drängte es uns zur Weiterfahrt, denn wir haben noch viele Kilometer vor uns.

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Kommentare: 2
  • #1

    Iris & Maik (Mittwoch, 09 August 2017 10:28)

    Hallo Ihr Drei,
    schöne Bilder und schön geschrieben! Wieviele Kilometer habt Ihr denn noch vor Euch, beziehungsweise schon hinter Euch?

    Liebe Grüße, Maik und die Sternwanderer

  • #2

    Peter Lohmann (Donnerstag, 10 August 2017 17:15)

    Hallo Maik, wir haben jetzt über 18.000 km und befinden uns mittlerweile in Norwegen. Im Moment stehen wir in der Stadt Valdö ganz im Norden am Eismeer.
    LG Peter und Brigitte mit Oskar

    PS: der nächste Blog ist mittlerweile auch eingestellt.