Durch Karelien nach Murmansk

Die schönen Kirchen und Kathedralen, der Boulevard mit den tanzenden Springbrunnen, die Lage zur Wolga - die Stadt Jaroslavl gefiel uns schon vor 2 Jahren, obwohl es damals fast nur regnete.

 

Auch heute kamen beim Passieren des Ortsschildes ein paar Tropfen vom Himmel. Mag uns die Stadt etwa nicht? Aber nach den paar Tropfen war es schon vorbei mit dem Regen. Wir wollten direkt vor der Kirche wie vor 2 Jahren stehen, aber es war Sonntag und somit die Stadt voller Besucher.

 

Doch wir fanden einen besseren Platz, noch dichter am Boulevard. Also Auto abgestellt und mit Oskar raus. 

Nach dem Frühstück weiter gen Norden. Ursprünglich wollten wir noch zum Ladoga-See, nordöstlich von St. Petersburg gelegen, entschieden uns aber kurzerhand um. Ca. 550 km Umweg und über 1000 km auf Nebenstrecken würden uns eine Menge Tage kosten. Irgendwann in absehbarer Zeit werden wir den größten Binnensee Europas doch noch zu sehen bekommen - somit fiel uns die Entscheidung nicht schwer. Es gab dafür andere Sehenswürdigkeiten, die jetzt auf dem Wege lagen.

 

 

Ein Mittagsstop an der Wolga in der Stadt Rybinsk. Die Wolken hingen tief, die Temperaturen lagen bei angenehme 20 Grad

Die Nacht verbrachten wir in Cherepovets, wieder einmal direkt am Wasser. Seit einigen Tagen versuchen wir, nicht mehr in der freien Natur zu parken, denn vor lauter Mücken ist es draußen, insbesondere in der Dämmerung, kaum noch auszuhalten. Die Bewölkung hielt sich noch immer.

Ganz in der Nähe fanden wir eine Militär-Dauerausstellung, das Tor war zwar verschlossen, aber über den Zaun hinweg konnte ich ein paar Bilder schießen.

Weiter auf Nebenstrecken, teilweise neu geteert, teilweise mit üblem Belag und Löchern. Der nächste Mittagsstop an einer Zufahrt zu einem kleinen See, sehr idyllisch, aber zum Mittag ein Mückengesurre..... - trotz tief hängender Wolken.

Zwischendurch überquerten wir wieder mal einen Fluss. in der hiesigen Gegend gibt es viele Seen und Flüsse, die teilweise Verbindungen untereinander haben, welche bis zur Ostsee reichen.

Nachdem wir uns über viele Kilometer haben durchschaukeln lassen (müssen), erreichten wir das Kirillo-Beloserski-Kloster, direkt am Siwerskoje-See gelegen und schon von der Anfahrt her sehr schön anzuschauen.

Es ist eine der größten russischen Klosterfestungen und wurde 1397 gegründet. Heute gehören zu dem Komplex 12 Kirchen, eine Kapelle, die Kremlmauer mit 10 Türmen, eine Küche, das Refektorium, Priester- und Mönchsgebäude, 2 Krankenhäuser, ein Kesselhaus und eine Windmühle.

Leider durfte Oskar nicht mit, aber da wir einen Schattenplatz fanden und die Temperaturen seit Tagen kaum noch die 20 Grad überschritten, hatten wir kein schlechtes Gewissen, ihm die Oberaufsicht für das Auto zu lassen. So machten wir uns auf den Weg, für knapp 10 € Eintritt pro Person und fast 3 € für die Fotografier-Erlaubnis bekamen wir allerdings eine Menge zu sehen. Zuerst der Komplex von aussen:

Ein 'Kloster-Blumenbeet'

Gerade ist auch etwas anderes.....

Ein Blick vom Glockenturm (ohne Glocken)

Ein Blick in die Kirche

Viele der Gebäude waren als Museum hergerichtet, hier ein kleiner Einblick 

Alles in allem waren wir fast 2 Stunden unterwegs und wir müssen sagen: es hat sich gelohnt.

 

Wir hatten noch nicht genug Kultur für diesen Tag, nur wenige Kilometer entfernt, ebenfalls am Siwerskoje-See gelegen, lag das Kloster Ferapontow. Es ist ein Wehrkloster, gegründet 1398, und eines der bedeutendsten Beispiele der russischen Kunst des Mittelalters. Wegen seiner Wand- und Deckenmalereien fand es 2000 Aufnahme in die Liste des UNESCO-Welterbes.

Nach so viel Kultur hatte uns dann doch ein stechender Durst übermannt. Und da neben diesem Kloster noch ein ruhiger Parkplatz war, blieben wir auch gleich über Nacht.

Petrozavodsk am Onega-See sollte das nächste Ziel sein, der kürzeste Weg dorthin ging über mittlere bis kleine Nebenstraßen. Zuerst ging es noch über recht akzeptalen Teer, der allerdings zwischendurch immer mal wieder schlechter wurde. Einige Baustellen drückten unseren Schnitt auch weiter runter und so kamen wir erst gegen späten Nachmittag nach knapp 200 km in Vytegra an. Ein Platz an einer Landungsbrücke, direkt am Wolga-Baltic-Kanal, war schnell gefunden. Immer wieder kamen Schiffe vorbei.

Die Stadt, ebenso die ganze Umgebung, hatten ihre besten Zeiten schon längst hinter sich, ungepflegt, nichts investiert. Doch was soll's, wir konnten einigermaßen stehen und bekamen relativ wenig Probleme mit den Mücken.

Neben dem Platz fanden wir noch ein Museums-U-Boot. Leider gab es wieder das 'Problem' Oskar, so dass ich allein das U-Boot anschaute.

Es dauerte nicht lange, ein Flußkreuzfahrtschiff legte an. Einige Einwohner hatten schon ihre Verkaufsstände aufgebaut, doch ein heftiges Gewitter zog auf, das uns schnell in den Koffer trieb und den Einheimischen jegliches Geschäft vermieste.

Weiter auf einer der mittleren Straßen wollten wir die Stadt Petrozavodsk aufsuchen, gerade einmal 220 km entfernt. Doch keine Chance, es war nicht an einem Tag zu schaffen. Kaum aus Vytegra raus wurde aus einer kaputten Straße eine Piste – für gut 20 km brauchten wir schon über eine Stunde. Viele Löcher, aufgrund Regens voller Wasser. Wir konnten nur versuchen, diese zu umfahren, um die Schläge im Auto auf ein Minimum zu halten. Dabei schien es sich um eine viel befahrene Straße zu handeln, auch große Sattelzüge kamen uns entgegen.

Zwischendurch überquerten wir immer wieder Flüsse und Bäche überqueren - jedes Mal schön anzuschauen

Die Piste wechselte sich zwischendurch mit einer durchlöcherten Teerstraße ab, auch das brachte unseren Schnitt nicht nach oben.

Zwischendurch durften wir einen Zufluß zum Onega-See mit einer Fähre überqueren. Die Kassiererin hatte Probleme mit der Preisfindung – war das ein LKW?? Dank unseres 'Zertifikates' gelang ihr dann doch, uns einzustufen und so wurden wir um ca. 4,50 € erleichtert.

Auf dieser Fähre gab es das gleiche Phänomen, wie wir es schon auf anderen Fähren in Russland (allerdings auch schon in der Türkei) erlebten: vorwärts ging es rauf und rückwärts wieder runter vom Schiff.

Wir schafften die Strecke nicht an einem Tag, nach gut 120 km sahen wir eine abgemähte und trockene Wiese und entschlossen uns kurzerhand, dort die Nacht zu verbringen. Zum Glück, denn am nächsten Tag stellten wir fest, dass dies der einzige Platz überhaupt war, auf dem wir stehen konnten. Ansonsten überall nur hohes Gras oder Morast - was beides für viele viele Mücken stand.

 

Zum Mittag erreichten wir die Stadt Petrozavodsk und direkt beim Fähranleger fanden wir genügend Parkraum, um unseren Wagen direkt am Wasser abzustellen. Von hier aus wollten wir am nächsten Tag mit einem Tragflächenboot zur Klosterinsel Kizhi übersetzen und so machten wir uns am Ticketschalter schlau bzgl. Abfahrtszeiten und Kosten.

Auf die Frage, ob Oskar mit dürfe, bekamen wir von einer sehr schlecht Englisch sprechenden Kartenverkäuferin die Auskunft: ja, mit Maulkorb.

Wir hatten inzwischen gelernt, dass in vielen Ländern Tierärzte auch als Hundefriseur agieren – oder zumindest wissen, wer so etwas macht. Wir fanden einen Tierarzt – also erst einmal zu Fuss die knapp 5 km dorthin. Doch dieser Tierarzt trimmte die Hunde nicht, gab uns allerdings eine Adresse. Also dorthin und wir hatten Glück, dass gerade ein Termin ausgefallen war und unser Oskar gleich dran genommen wurde.

So musste unser kleiner Racker die Prozedur, die er überhaupt nicht mag, über sich ergehen lassen.

Zurück zum Auto verschwand Oskar gleich unter den Tisch, um sich auszuruhen. Gesamt war er über 7 km mit uns marschiert, dazu 2 Std. beim Haareschneiden und Trimmen aushalten – das machte ihn einfach kaputt.

 

Die Nacht war trotz einer Hochzeitsfeier in einem nebenan gelegenem Hotel relativ ruhig, das Feuerwerk haben wir einfach mal als Begrüßung für uns angesehen……

Am Vormittag wurden wir auf deutsch angesprochen: Ute und Sven aus Potsdam waren mit ihrem kleinen Bus auf einer Ostseeumrundung.

Auch sie wollten mit der gleichen Fähre zum Kizhi-Kloster fahren. Und so trafen wir uns dann auf der Fähre wieder und hatten erst einmal 1,5 Stunden Zeit, uns über die Reisen auszutauschen. 

Kishi ist eine Insel im Onega-See. Ihr Ensemble von Kirchen in Holzbauweise und das ganze Freilichtmuseum gehören seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es umfasst derzeit etwa 80 Gebäude der karelischen Holzbaukunst.

Die Verklärungskirche aus dem Jahre 1714 besteht aus einer auffälligen Sommerkirche mit 22 kleinen, pyramidenartig ansteigenden Kuppeln. Sie sollte zum 300. Jubiläum im Jahre 2014 rekonstruiert sein, allerdings wurde der Zeitpunkt nicht eingehalten und so konnte sie nicht von innen besichtigt werden.

Gleich nebenan stand die sogenannte Winterkirche, d.h. diese ist beheizbar. Hier wird von drei orthodoxen Mönchen für bestimmte Besuchergruppen immer wieder ein dreistimmiges Kirchenlied vorgetragen.

Doch erst einmal gab es Ärger: Die Ticketverkäuferin hat uns eine falsche Auskunft gegeben: Hunde dürfen nicht mit auf die Insel.

Etwa 100 m hinter dem Steg gab es eine weitere Kasse, wo wir unseren Obolus für den Besuch des Freilichttmuseums entrichten durften. Und dort war für Oskar Schluss. So blieb uns nichts übrig, als einzeln das Museum zu besichtigen und jeweils der andere durfte mit dem Hund auf dem Rest der Insel spazieren gehen.

Trotz der kleinen Mißstimmung hat sich der Besuch gelohnt, die Gebäude (alle hatten ein Hinweisschild in 4 verschiedenen Sprachen, darunter auch deutsch) waren sehr gut hergerichtet bzw. renoviert worden.

Den Abend verbrachten wir gemeinsam mit Ute und Sven beim Schaschlikessen unweit unseres Stellplatzes – und tauschten uns weiter über Reiseerlebnisse aus.

 

Weiter Richtung Norden, die Stadt Kem, bzw. Rabocheostrovsk am Weißen Meer wollten wir anfahren, um von dort auf die Klosterinsel Solovetsky zu gelangen.

 

Zwischendurch fanden wir das eine oder andere interessante russische Wohnhaus

Wir hatten uns mit Ute und Sven in der Stadt Belomorsk verabredet, wo die beiden ihr nächstes Hotelzimmer gebucht hatten.

Also erst noch einmal in Petrozavodsk die Dieseltanks gefüllt (dieses Mal für ca. 0,55 € den Liter) und raus aus der Stadt – da sahen wir das erste Mal einen Hinweis auf das eigentliche Ziel dieser Reise:

Bevor wir allerdings starteten, wurden wir mit allen militärischen Ehren verabschiedet......

Die Blasmusik aus Lautsprechern (auf dem UAZ) weckte dabei die ganze Stadt auf.

Und er durfte natürlich auch nicht fehlen:

Die R21 Richtung Norden war fast komplett in einem sehr guten Zustand und teilweise relativ neu geteert worden – so ließen sich gut die Kilometer abspulen.

Zwischendurch bogen wir noch einmal nach links ab in einen Nationalpark, der seinen Namen nach dem Kiwatsch—Wasserfall bekommen hat. Dieser Wasserfall gehört zu den höchsten Flachlandwasserfällen Russlands.

Alles in allem war der Park sehr nett zurechtgemacht, auch 'Wilde Tiere' konnten wir sehen….

Ute und Sven hatten ihr Hotel in Belomorsk gebucht – und dort wollten wir uns für den Abend treffen. Abgebogen von der R21 wurden die letzten 36 km bis zu diesem Ort wieder einer der einbremsenden Strecken, die Teerdecke war wieder an vielen Stellen gebrochen bzw. löcherig – über ein Stunde hätte die Fahrt gedauert. Wir hatten bereits etwas mehr als die Hälfte hinter uns, als eine SMS kam: Fahrt weiter nach Kem, hier ist es nur noch ranzig und kein vernünftiger Platz für euch.

So drehten wir gleich wieder um und fuhren weiter Richtung Fähranleger Rabocheostrovsk. Auf der Strecke fanden wir keine Stellmöglichkeit, so dass wir an diesem Tag unseren Streckenrekord von 2015 brachen – dieses Mal schafften wir 495 km (das müssen wir auch nicht jeden Tag haben, denn mit dem alten LKW ist das ganz schön anstrengend).

Vor dem Fähranleger bekamen wir auf dem Hotelparkplatz (das einzige am Ort) einen bewachten Stellplatz mit Sicht auf das Meer. Die Infrastruktur ist nichts besonderes, aber wir hatten schon schlechter gestanden. Wir buchen auch gleich die Tickets für die Inselfahrt am nächsten Tag, die um 8 Uhr mit dem Schiff Vasily Kosyakov starten sollte. Eigentlich waren es die letzten 2 Karten und das Schiff mit uns ausgebucht, aber gegen späteren Abend bekamen wir den Hinweis, dass doch noch 2 weitere Karten (für Ute und Sven) 'gefunden wurden'.

Also um 8:00 Uhr sollte es losgehen, das hieß für uns frühes Aufstehen, was wir überhaupt nicht mehr gewohnt waren. Rechtzeitig kamen auch die beiden Potsdamer an, so dass wir uns zu viert mit Oskar auf das Schiff begeben konnten. Wir hatten uns, schlau geworden durch den letzten Reinfall, bei der Hotelrezeption noch einmal versichern lassen, dass der Hund wirklich mit auf die Insel durfte. Dass er nicht mit ins Kloster kam, war für uns selbstverständlich und auch nicht geplant, aber für den Rest sollte es wirklich kein Problem sein – und war es auch nicht.

 

Die Solovetsky-Klosterinsel liegt im Weißen Meer, hier befand sich Russlands erstes großes Häftlingslager, das Modell des sowjetischen Lagersystems. Im 13. Jahrhundert siedelten sich Mönche auf der Insel an, das Kloster selber wurde im Jahre 1429 gegründet und stellte eines der wichtigsten wirtschaftlichen, politischen, kulturellen sowie militärischen Zentren der Region dar.

Dieses wurde im 18. Jahrhundert von den russischen Zaren zu einer Festung und einem Staatsgefängnis ausgebaut, in dem über gut 250 Jahre überwiegend politische Gefangene inhaftiert wurden. Im 20. Jahrhundert wurde die Insel zum Symbol der russchischen Geschichte. Lenin ließ hier bald nach der Gründung der Sowjetunion ein Arbeitslager einrichten, in welchem 1923 über 3000 Häftlinge untergebracht waren. Das Lager bildete die Keimzelle für den berüchtigten Gulag und beherbergte bereits 1931 über 70.000 Häftlinge (Auszug aus Wikipedia).

Bei der Anfahrt konnte man schon von der Wasserseite aus das Kloster sehen:

Verwöhnt von der Kizhi-Insel kam dann die Enttäuschung. Es wurde zwar kein Eintritt für das Kloster verlangt, aber ohne Führungen gab es keinerlei Informationen. Und Führungen wurden nur in Russisch abgehalten – insofern bekamen wir keinerlei weitere Informationen. Hinzu kommt, dass das Kloster umfassend restauriert wurde und somit bestand leider auch nicht überall Zutritt. 

Trotz der vielen Besucher (viele blieben über Nacht) war die Insel mit einer sehr schlechten touristischen Infrastruktur ausgestattet. Cafes waren kaum zu finden bzw. geschlossen, Strassen waren nur Sandpisten, gepflegt wurde nichts, die Häuser waren überwiegend in schlechtem Zustand oder sogar zusammen gefallen.

Das einzig positive an diesem Tag war der herrliche warme Sommertag. 

Um 15:30 Uhr war Boarding auf einem kleineren Schiff – wir waren schon eine Stunde vorher auf dem Steg – so wenig gefiel es uns.

Es sollen bei der Insel auch Beluga-Wale geben, die hier ihre Jungen gebären. Doch hat sich uns nicht ein einziger gezeigt.

Die Fahrt dauerte, wie auch auf dem Hinweg, ca. 2 Stunden. Und den Abend verbrachten wir zu viert bei einem gemeinsamen Abendessen im Hotelrestaurant.

Am nächsten Morgen fuhren Ute und Sven schon früh weiter, sie wollten noch an diesem Tag Murmansk erreichen. Wir machten uns etwas später auf den Weg, die Nacht verbrachten wir in der Stadt Kandalaksha. Zuerst stellten wir unser Auto vor einem bröckelnden Lenin-Denkmal ab, in der Hoffnung, dass er uns über Nacht bewachen würde. Doch beim Abendspaziergang mit Oskar fanden wir noch einen ruhigeren Platz und stellten das Auto um.

Die Stadt selber war relativ trostlos, das Interessanteste war noch die Museums-Lok.

Die Stadt selber liegt schon auf der Kola-Halbinsel am nördlichen Ende der Kanadalaksha-Bucht, die schon zum Weissen Meer gehört.

Wir befanden uns mittlerweile nördlich des Polarkreises.

Bevor es weiter nach Murmansk gehen sollte, zog es uns noch einmal Richtung Osten auf die Kola-Halbinsel.

Etwa 20 km hinter dem Städtchen Umba fanden wir einen Strandabschnitt direkt am Süd-Ufer des Weissen Meeres. Es war zwar kühl (tagsüber 11 – 16 Grad), teilweise sonnig, zwischendurch bewölkt und vereinzelte kurze Regenschauer, aber es gefiel uns so gut, dass wir gleich 3 Nächte dort blieben und die Tage mit etwas Rumpusseln am Auto, Lesen, Vorbereiten der Homepage und langen Spaziergängen im Watt oder am Strand mit Oskar verbrachten – also mal wieder Erholung pur.

Am Strand waren die Mücken nicht ganz so schlimm wie im Grünland, aber etwas eingemummelt mit aufgesetzter Kapuze ließen sich die Plagegeister auch aushalten.

Wir waren die Tage nicht allein, auch ein paar Russen campten hier. Einige von ihnen badeten sogar, womit wir uns allerdings überhaupt nicht anfreunden konnten.

Von hier aus geht die Straße noch ca. 100 km weiter nach Osten zum Ort Varzuga. Dort soll es noch ursprünglicher und rauer sein, aber da die Strecke zum größten Teil Sandpiste in einem sehr schlechten Zustand sein soll, verzichteten wir darauf.

 

Die An- bzw. Abfahrt ging vielfach durch einen Mischwald, in dem immer wieder große Flächen mit Flechten und Moosen bewachsen waren – wunderschön anzuschauen.

Das Wochenende war zu merken: es kamen immer mehr Russen an, die hier die freien Tage nutzen wollten. Doch wir wollten weiter, es war am Morgen kalt und windig, der Himmel bewölkt. Also ging es wieder auf die Piste.

Gegen 18:00 Uhr erreichten wir unser eigentliches Ziel: Murmansk. Die Stadt empfing uns mit gerade einmal 11 Grad und Nieselregen.

In Murmansk herrschte die gleiche Mode wie in ganz Russland und auch in vielen der ehemaligen sowjetischen Ländern, egal ob Männlein, Weiblein oder Kind....

Wir parkten direkt vor dem Museum zur Lenin, dem ersten atomgetriebenen Eisbrecher, der nach dreißig Jahren im Dienst mittlerweile als Museum dient. Erst um 12:00 Uhr war die Besichtigung möglich, dann aber nur mit Führung auf russisch, so dass wir darauf verzichteten. Es reichte uns, das Schiff von aussen zu  betrachten - es machte einen gigantischen Eindruck.

Das empfanden die Möven sicherlich auch.....

Gleich nebenan lag ein Eisbrecher neuerer Generation, kein Deut unspektakulärer.

Ein Murmansker Bahnübergang, wie er überall in Russland zu finden ist. Mich faszinieren immer wieder die Klappen, die verhindern sollen, dass jemand trotz Schranke die Schienen überquert.

Neben den Eisbrechern gibt es noch das gigantische Mahnmal „Aljoscha“. Es handelt sich um eine 35m hohe Statue eines Soldaten, dessen fester Blick nach Westen zeigt, wo die sowjetischen Soldaten nach verlustreichen Kämpfen die deutsche Wehrmacht zurückgeschlagen haben. 

Das Mahnmal steht auf einem Hügel in der Stadt, so hatten wir einen sehr guten Blick über die Stadt und dem Hafenareal, in dem unzählige Kräne die hier geförderten Rohstoffe verladen.

Murmansk war, wie die 20 km entfernt gelegene Nachbarstadt Seweromorsk und Teile des Hafens, militärisches Sperrgebiet, inzwischen kann die Stadt selbst auch von Ausländern problemlos besucht werden. Sie wird auch als „Kapstadt des Nordens“ bezeichnet. Besonders schön ist die Stadt zur Fliederblüte im Juli, wenn die aus Belgien stammenden Fliederbüsche am Lenin-Prospekt in voller Blüte stehen - leider haben wir diese nicht gefunden.

Ansonsten hat Murmansk nicht viel zu bieten und so machten wir uns wieder auf den Weg.

Nach gut 40 km fanden wir einen See mit Sandstrand - und dort stand schon ein deutsches Allradler-Wohnmobil. Die Besitzer des 62 Jahre alten Magirus-Deutz (und damit doppelt so alt wie unser MAN) waren Dani und Reiner aus Brandenburg.

Da es schon Nachmittag war, beschlossen wir, hier auch stehen zu bleiben und verbrachten mit den beiden einen anregenden Abend. Doch vorher musste noch kurz gearbeitet werden, ein Russe hatte seinen BMW im losen Sand versenkt und kam nicht mehr raus.

Gemeinsam machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg Richtung Grenze nach Norwegen. Kurz vorher blieben wir noch über Nacht, um am nächsten Tag nach einem Monat Russland das Land zu verlassen.

Der Weg Richtung Murmansk unterschied sich erheblich von der südlichen Hälfte des europäischen Russlands. Während uns im Süden viel Landwirtschaft auffiel, gab es das im Norden fast überhaupt nicht.

Mischwälder wechselten sich mit großen Grasflächen ab, auf denen teilweise abgestorbenen Bäume stehen. Immer wieder alles unter Wasser. Große Sumpfflächen machen das Verlassen der Straßen zur Unmöglichkeit.

Manchmal ein bisschen eintönig, aber überwiegend herrlich anzuschauen. Häufig mussten Flüsse und Bäche, die das Land durchschneiden, überquert werden. Das Wasser war nicht mehr glasklar, wie die Seen waren auch die Flüsse nur noch braun bis schwarz, gefärbt von den Sümpfen.

Wir sehen nur sehr selten Vieh und wenn, dann nur vereinzelt, keine größeren Herden. Hin und wieder gab es kleine Abzweigungen zu kleinen Dörfern. Wovon leben die Menschen? Wir wissen es nicht.

Auf den letzten Kilometern nach Murmansk veränderte sich die Landschaft, die Wälder wurden aufgelockerter, alles etwas hügeliger. Die Sümpfe wurden weniger. Dieses Landschaftsbild begleitete uns weiter bis zur Norwegischen Grenze.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Iris&Maik (Sonntag, 13 August 2017 12:47)

    Hallo Ihr Drei,
    eine sehr schöne Zusammenfassung Eurer Eindrücke, besonders die letzten Kilometer im Norden können wir, wenn auch genau anderherum weil wir vom Norden einreisten, sehr gut nachvollziehen.
    Jetzt viel Spaß und hoffentlich gutes Wetter in Norwegen!
    Gute Reise, Maik und die Sternwanderer