Auf der Flucht...

... vor dem Regen, dem Wind, der Kälte. Ja, das sind wir. Es macht kaum noch Spaß. Seit 4 Wochen sind wir in Norwegen und haben kaum die Sonne genießen können. Nachdem wir mit der Fähre von Lödingen nach Bognes die Lofoten verließen, ging es nur noch eine kurze Strecke im Dauerregen an Fjorden entlang. Wir hielten vor einem Museum und als der Motor ausgestellt wurde, hörte wie auf Kommando überraschenderweise der Regen auf. 

Wir standen vor einem Kriegsdenkmal, aber da kaum etwas richtig zu erkennen war, schenkten wir uns auch die Fotos.

Auf dem weitern Weg an der Küste entlang kamen wir nach Straumen, wo mit dem Saltstraumen der stärksten Gezeitenstrom der Welt zu sehen ist.

Durch einen 2,5 Kilometer langen und etwa 150 Meter breiten Sund strömen im Wechsel der Gezeiten fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser zwischen dem Saltfjord und dem Skjerstadfjord hin und her.

Der Strom erreicht dabei Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h, und es entstehen gewaltige Strudel. Sie können einen Durchmesser bis zu zehn Metern erreichen und mehr als vier Meter in die Tiefe reichen. Lediglich bei Stillwasser, also beim Höchst- und Tiefststand, tritt für kurze Zeit Ruhe ein.

Ich hoffe, dass die Strudel auf den Bildern zu erkennen sind.

Wir hatten Glück, es war während der Besichtigung tatsächlich einmal trocken und das hielt auch noch bis zum frühen Abend an, so dass wir den abendlichen Spaziergang mit Oskar am nächsten Stellplatz noch etwas geniessen konnten - sofern man vom kalten Wind absah. 

Es kam danach der schlimmste Tag. Nachts fiel das Wasser vom Himmel und bis zum Abend blieb es ein Dauerregen mit schweren Sturmböen. Unser weiterer Weg führte westlich am Svartisen-Nationalpark entlang - und irgendwann sahen wir den Svartisen-Gletscher. Er ist mit 370 km² der zweitgrößte Gletscher Norwegens und liegt knapp oberhalb des Polarkreises in der Nähe der Stadt Mo I Rana.

Insgesamt hat er 60 Gletscherarme.  Wir konnten ihn leider nur durch dicke Regenwolken fotogrfieren....

Bei Mo I Rana überquerten wir den Polarkreis gen Süden - eigentlich schon vorher auf einer Fähre (als Hinweis gab es auf einer Insel eine Weltkugel wie am Nordkap). Ansonsten gibt es von den nächsten Tagen nicht viel zu erzählen. Die Sturmböen hatten mittlerweile nachgelassen, der Dauerregen war vielen kleineren Regenschauern gewichen und wir versuchten, weiter Richtung Süden zu kommen. Überwiegend blieben wir auf Nebenstrecken und versuchten, die E6 zu vermeiden. Wir befanden uns in Helgeland, lt. Reiseführer eine Landschaft der Superlative. Helgeland protzt mit wunderschönen Küsten. 

Südlich von Mo I Rana fuhren wir erst einmal durchs Helgeländer Hinterland auf kleineren Nebenstraßen, durch Wälder, an Seen vorbei. Sehr oft sahen wir Wasser die Berge herunterkommen, alle Abflüsse sahen 'überlaufen' aus. Aber irgendwie musste der viele Regen auch von den Bergen abfließen.

Wir machten weiter keine Fotos mehr von der Landschaft, bei den vielen Regenwolken sahen wir das einfach als sinnlos an.

Aber von unserem 3. Elch, einer Elchkuh, konnten wir noch Bilder machen:

Ein kleiner Abstecher musste noch sein, da die Schauer etwas nachliessen. So nahmen wir uns noch Torghatten ins Visier. Dabei handelt es sich um einen Berg in der Nähe von Brønnøysund mit einer besonderen geologischen Form. In seiner Mitte hat er ein etwa 35 Meter hohes und rund 160 Meter langes Loch. Entstanden ist es vermutlich durch Ausspülungen der Meeresbrandung während der immer noch andauernden Postglazialen Landhebung nach Abschmelzen der Gletscher aus der letzten Kaltzeit.

Um das Loch in dem Berg rankt sich eine Sage: Der ungehorsame Sohn des Königs Vågekallen, Hestmannen, lebte in Svolvær. Auf der anderen Seite des Vestfjordes lebte der mächtige König Sulitjelmakongen, der sieben Töchter hatte, die eine wilder als die andere war. Deshalb schickte Sulitjelmakongen seine Töchter zur ehrbaren Jungfrau Lekamøya. Eines schönen Abends schaute Hestmannen über den Vestfjord und sah Lekamøya ein Bad im Fjord von Landego nehmen und sich die Haare kämmen. Sofort begehrte Hestmannen sie. In voller Rüstung preschte er mit seinem Pferd über den Vestfjord. Lekamøya und die sieben Schwestern begaben sich auf eine wilde Flucht. Die sieben Schwestern konnten sich schon vorstellen, den Hestmannen zum Gatten zu nehmen und hockten sich bei Alstahaug nebeneinander hin. Doch Hestmannenwürdigte sie keines Blickes, da er nur Augen für Lekamøya hatte. Als diese jedoch immer mehr Vorsprung gewann, nahm er seinen Bogen und schoss einen Pfeil auf sie ab. Dies beobachtete jedoch der König der Sømnaberge und warf seinen Hut in die Bahn des Pfeils. Der Hut blieb auf der Insel Torgar durchschossen liegen. Über die wilde Jagd vergaßen alle wie kurz die Sommernächte im Norden sind und schon ging die Sonne auf und alle versteinerten, wo sie gerade saßen oder standen. Der Hut als Torghatten, die sieben Schwestern bei Sandnessjøen und Lekamøya auf der Insel Leka, wo sie Schutz gesucht hat.

Nach einem mühevollen, teilweise steilen Aufstieg mit einer schönen Aussicht erreichten wir das Loch:

Der Wetterbericht sagte uns für die nächste Woche ein paar Sonnentag voraus, doch noch war nichts davon zu merken - immer wieder frustrierten uns die Regenwolken und Schauer. Wir wären gern irgendwo mal länger stehen geblieben, aber den ganzen Tag im Koffer sitzen, war auch nicht das, was wir uns vorstellten. Die 4 Sonnentage ab Montag dampften sich lt. Wetterbericht auf einen schönen warmen Sonntag (mit 19 Grad) zusammen. Den Vorabend konnten wir die Ausläufer an einem Badesee bei Bangsund, südlich von Namsos, geniessen.,

Tatsächlich, der Sonntagmorgen überraschte uns mit viel Sonnenschein.

Beim morgendlichen Spaziergang war der Herbst schon zu spüren, Brigitte konnte ihn auf die Fotos bannen:

Der Tag wollte genossen werden und so nahmen wir uns nur eine kurze Strecke vor. In Osen fanden wir einen Campingplatz, den wir schon zur MIitagszeit ansteuerten. Normalerweise versuchen wir, einen Campingplatz zu vermeiden, aber wir mussten mal wieder ein bisschen Wäsche waschen. 

Der Platz war mit ca. 19,-- € für norwegische Verhältnisse relativ günstig. Aber auch sonst bereuten wir es nicht: Uns gegenüber stand ein Berliner, der am Mittag vom Angeln kam: auf Nachfrage, ob er den einen oder anderen Fisch verkaufen würde, bekamen wir drei Makrelen und einen Lachs - geschenkt. OK, dafür wechselte dann eine Flasche von unserem russischen Bier die Seite, aber das taten wir sehr gern.

Oskar gefiel der Tag ebenfalls - er konnte in aller Ruhe wieder einmal in der Sonne schlafen

Am Abend liessen wir uns bei viel Sonnenschein und Wärme die gegrillten Makrelen schmecken.

Den Abend genossen wir mit einem Spaziergang beim Sonnenuntergang.

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Kommentare: 1
  • #1

    Iris&Maik (Freitag, 08 September 2017 11:55)

    Da habt ihr ja einen miesen Spätsommer erwischt. Wir sind 2010 mit den Motorrädern zum Polarkreis gefahren und hatten in der ersten Woche auch jeden Tag Dauerregen. An zelten war nicht zu denken und nach sieben Tagen wollten wir entnervt abbrechen. Dann hörte es auf zu regnen und die nächsten 14 Tage war bestes Wetter - Glück gehabt.
    Obwohl die letzten Bilder entschädigen ja einigermaßen!

    Viele Grüße!