Neufundland

Uns wurde mehrmals erzählt, dass wir nach Neufundland fahren sollten – es wäre eine wunderschöne Insel – es soll auch nicht kalt sein, obwohl sie nördlich von Nova Scotia läge. OK, es könne im Westen noch mal schneien, aber im Osten soll es schon warm sein. Die Entscheidung fiel sehr schnell......

Noch ein ganz kleiner Ausblick bei der Abfahrt vom Cabot Trail

In North Sydney buchten wir die nächste Fähre nach Neufundland – leider mussten wir die Nachtfähre nehmen, da die Überfahrten tagsüber für die nächste Zeit ausgebucht waren.

An einem kleinen Freitzeitpark in der Nähe des Hafens warteten wir auf den Abend und die Fähre.

Um Mitternacht stießen wir auf meinen Geburtstag mit einem Glas Bier an. Die Nacht verbrachten wir mehr schlecht als recht auf den Pullmansesseln und um halb acht spuckte uns die Fähre wieder aus – Neufundland empfing uns mit Sonne, kaltem Wind und 5 Grad. Die Sonne und der kalten Wind blieben so den ganzen Tag, die Temperatur stieg tatsächlich auf 6 Grad an.

Nach 13 Kilometern bogen wir ab auf den Cheeseman-Provincial-Park, um dort zu frühstücken und einen ausgiebigen Spaziergang mit Oskar zu machen.

Es gefiel uns dort so gut, dass wir gleich bis zum nächsten Morgen blieben.

Knapp 1000 km sollte es bis St. John's, der Hauptstadt Neufundlands, sein – eine Tagesreise, wie mir ein Kanadier erzählte – ok, mit einem PKW ja, wir allerdings benötigten ganze 7 Tage.

Am späten Vormittag zockelten wir wieder los, es gab an diesem Tag noch keine POI's, die sich lohnten anzusteuern. Abends fanden wir eine Stellmöglichkeit auf einem kleinen RV-Park, Bob und Judy erlaubten uns, gleich neben ihnen zu stehen.

Grand Falls Windsor wollten wir als nächstes ansteuern, hier die Anfahrt:

Doch es war noch geschlossen, die Saison war noch immer nicht eröffnet. Draußen trafen wir den Manager, der es sich allerdings nicht nehmen ließ, uns das ganze zu erklären: Jedes Jahr ab Mitte Juni kommen die Lachse, um oberhalb der Wasserfälle zu laichen. Doch es schafften nur ca. 1000, den Wasserfall zu erklimmen. Durch den Bau einer Fischtreppe schaffen mittlerweile ca. 30.000 Lachse,. den Oberfluß zu erreichen. Man kann die Fische durch eine Glasscheibe beobachten, durch künstliche Hindernisse innerhalb der Fischteppe kann man die Lachse hautnah beim Springen beobachten.

Doch da wir, wie gesagt, noch zu früh da waren, mussten wir uns das Spektakel im Kopf vorstellen. Vielleicht schaffen wir es ja auf dem Rückweg, noch einmal vorbei zu schauen.

Einige Kilometer später fanden wir den Notre Dame Provincial Park. Auch hier war noch nicht eröffnet, es war allerdings auch kein Ranger da, den wir um Erlaubnis fragen konnten wie beim Cheesmann Park. Wir fanden einen schönen Platz mit herrlichem Blick aufs Wasser, die Sonne schien, wir standen windgeschützt, es wurde langsam wärmer und so konnten wir draussen sitzend bei einem Glas Wein unseren Hochzeitstag genießen.

Der nächste Tag versprach, noch besser zu werden – wir bekamen tatsächlich bis zu 21 Grad. Und da es hier so schön war, blieben wir noch einen Tag – Brigitte konnte ihren Geburtstag tatsächlich ohne Pullover draussen mit mir feiern. Das Wetter wurde auch von Kanadiern genutzt..

Doch wir mussten am nächsten Tag weiter, denn die Saison begann und eine Rangerin machte uns drauf aufmerksam, dass der Platz reserviert war. Da es auch wieder kälter werden sollte (wer war überhaupt auf die Idee gekommen, zu dieser Jahreszeit Neufundland aufzusuchen………???), machten wir uns wieder auf die Socken bzw. Räder. An einem Aussichtspunkt bekamen wir einen Überblick über Gambo.

Die Saison war jetzt endlich eröffnet und wir steuerten den Terra Nova Nationalpark an, er liegt an der Nordostküste Neufundlands entlang der Küste Bonavista Bay und ist einer der vier Nationalparks in Kanadas Provinz Neufundland und Labrador mit einer Fläche von 400 km² Mit der Eröffnung 1957 war er der erste Nationalpark der Provinz Neufundland und Labrador.

Im Park finden sich Feuchtgebiete, Teiche und Regenmoore. Hier leben unter anderem Schneeschuhhasen, Elche und Amerikanische Nerze, von denen wir allerdings keine sahen. Zuerst ging es zu einem Aussichtspunkt:

Wir versorgten uns erst einmal mit einer Jahreskarte für alle Nationalparks Kanadas. Da wir noch viele Parks vor uns hatten (es gibt knapp 40 Stück in Kanada), sollte sich der Kauf der Jahreskarte durchaus lohnen.

In diesem Park gab es allerdings keinen Wasser-Stellplatz, aber das war kein Problem. Wir machten erst einmal einen ausgiebigen Gang mit Oskar, der unterwegs auch seinen Spaß hatte, so mit diesem Eichhörnchen. Es ging an einem sehr schönen meandernden Fluß entlang – und irgendwann kamen wir wieder an diese Kanadischen Stühle, die an vielen Aussichtspunkten stehen.  

Das schöne an diesem Park war die warme Dusche im geheizten Waschhäuschen. Das ist doch etwas anderes als in der etwas engen Dusche unseres Donnerlasters.

Eigentlich wollten wir die letzten Kilometer nach St. John's am nächsten Tag schaffen, doch ca. 40 Kilometer vor der Stadt blieben wir noch am Butter Pot Provincial Park. Man schickte uns aufgrund unserer Größe auf den Parkplatz für die Tagesbesucher. Da es allerdings wieder kälter wurde, brauchten wir nicht mit weiteren Besuchern rechnen und konnten hier in aller Ruhe die Nacht verbringen.  

Auf unserem morgendlichen Spaziergang entdeckten wir, wie schon häufiger, diese wunderschönen Moose

Am Freitag Mittag kamen wir auf dem PippiPark, dem Campgrund St. John's, an. Es gab ein großes Hallo, denn hier stand ein deutscher Allradler, die Eigentümer sind Sabine und Theo (Theo-Sabine-unterwegs.de). Ich hatte Theo das erste Mal im Zollamt in Halifax kurz kennen gelernt (ihr Auto kam mit dem selben Schiff), ein weiteres Mal trafen wir uns an einer Baustellenampel am Cabot Trail. Dort erzählten sie kurz, dass sie auch nach Neufundland wollten. 

Wir verstanden uns von Anfang an sehr gut – irgendwie schienen wir auf einer Wellenlänge zu sein.

Wir hatten auch alle die gleiche Anforderung an solch einer Reise: im ganz Groben locker planen und dann sehen, was kommt und kurzfristig entscheiden.

Doch mit unseren beiden Hunden – sie haben eine junge Rhodesian Ridgeback Hündin namens Elli, lief es zuerst nicht so gut.

Wir saßen noch nicht lange zusammen, da kam ein kleines Fernsehteam von NTV.CA auf uns zu, um uns zu intervieven. Wir vermuten, dass die einen Tipp von der Rezeption des Campgrounds bekommen hatten. Irgendwie sind wir für die Kanadier sehr interessant, auch hier wurden wir häufig, wie schon die ganzen Tage vorher, von Interessierten angesprochen. Diese Art Autos ist absolut fremd in Kanada.

Am Abend machten Theo und ich einen gemeinsamen Spaziergang mit den beiden Hunden. Als wir ihr 'Revier' um die Autos verlassen hatten, ließen wir sie von der Leine und siehe da: die beiden Hunde verstanden sich prächtig und spielten, rannten, jagten sich. Es machte Spaß zuzuschauen.

Den nächsten Tag nahmen wir gemeinsam zu sechst in Angriff, um die Stadt zu besichtigen. Hier ein kleiner Eindruck von St. John's.  

Kurz vorm Campground durften die Hunde sich auch noch einmal austoben, war doch der lange Spaziergang durch die Stadt sooooooo langweilig:

Wir verstanden uns so gut, dass wir beschlossen, die nächsten paar Tage gemeinsam zu fahren und dann, wenn es gut mit uns geht,  nach Labrador überzusetzen und dort den Labrador Trail zu fahren.

Labrador wurde mir mit den Worten, hier noch das 'Wilde Kanada' zu erleben, von dem Kanadier, der mir schon Neufundland wärmstens empfahl, ans Herz gelegt. Und da Theo und Sabine auch diesen Trail fahren wollten, gab Brigitte sich geschlagen (im Reiseführer steht über den Trail nur etwas über Wind, Regen, Kälte, große und viele Mücken). Wir mussten ihr versprechen, dass während unserer Fahrt zumindest kein Regen und keine Mücken geben würde. Zur Kälte konnten wir leider keine Versprechungen machen.

 

Als erstes stand am nächsten Tag die kurze Fahrt zum Cabot Tower an, einem Turm auf dem Signal Hill über der Hafeneinfahrt von St. John’s. Der Turm wurde 1897 zum 400. Jahrestag der Entdeckung Neufundlands durch John Cabot aus rotem Sandstein erbaut und ist heute das Zentrum des Signal Hill National Historic Park.

 

Kaum aus den Autos ausgestiegen, wurden wir erst einmal von mehreren Seiten belagert und mussten Auskunft geben über unsere Autos und dem Woher und Wohin. Bevor nicht alle Fragen beantwortet waren , durften wir die Aussicht nicht genießen

Anschliessend besuchten wir Cape Spear, dieses markante Wahrzeichen ist der 1835 erbaute, zweitälteste Leuchtturm Neufundlands. Er beherbergt heute ein Museum. Weitere Sehenswürdigkeiten auf dem frei zugänglichen Gelände sind ein zweiter Leuchtturm und ein Fort aus dem Zweiten Weltkrieg. Cape Spear liegt nur wenige Kilometer südöstlich von St.John’s und ist der östlichste Punkt des nordamerikanischen Kontinents.

So langsam kam bei der Weiterfahrt immer mehr Regen auf – das erste Mal seit einer Woche. Obwohl es die ganze Zeit kalt war, hatten wir immer Sonne. Das war für diesen Nachmittag vorbei.

Bei strömenden Regen stellten wir die Autos auf einem Aussichtspunkt am Bear Cove ab. Es war so ungemütlich, dass der allerletzte Gang mit Oskar das erste Mal ausfallen musste.

Doch der nächste Morgen brachte wieder Sonne (und kalten Wind).  

Zwischendurch fanden wir einen geschützten RV-Platz in einem kleinen Waldstück, unweit vom Wasser. Allerdings gefiel uns der Platz nicht sonderlich, so dass wir uns nach einem kleinen Spaziergang und den üblichen Fragen der dort campenden Kanadier wieder auf den Weg machten.

In Mistaken Point Ecologial Reserche  fanden wir einen schönen Platz für die Mittagspause, im Windschatten ließ es sich gut aushalten. Auf dem Weg hierher wurde auf einem Straßenschild vor einem 18 % Gefälle gewarnt – so steile Straßen hatten wir auch noch nicht häufig gesehen.

Aufgrund einer Empfehlung machten wir uns danach noch ein kurzes Stück auf zum Leuchttum von Cape Race, hier wurden die ersten Notrufsignale der Titanic empfangen.

Wir planten locker, den nächsten Tag hier noch zu verbringen, aber der kalte Wind nahm uns am nächsten Morgen wieder jegliche Ambitionen.

Wir umkreisten jetzt schon 2 Tage lang das Avalon Wilderness Reserve, einem 1070 qkm großem Reservat. Wegen Wilderei war der Karibubestand in den 1980er Jahren auf nur noch 100 Tiere gesunken. 30 Jahre später durchstreifeten einige tausende Tiere die Landschaft. In dieses Reservat darf man nur mit vorheriger Genehmigung, die wir nicht hatten. Wir sahen allerdings von weitem auch ein paar wenige Karibus.

Mit St. Mary's fanden wir unseren nächsten Schlafplatz und der erste Eindruck, evtl. hier den nächsten Ruhetag einzulegen, wurde morgens wieder einmal durch den starken Wind at acta gelegt. Allerdings konnten wir beiden Männer, während die Frauen mit den Hunden am Strand waren, ein paar Pflegemaßnahmen an den Autos vornehmen.

Wir trennten uns in Colinet von Sabine und Theo, denn wir wollten zum Cape St. Mary Ecological Reserve. Die beiden waren schon da und es zog sie langsam Richtung Bonavista, wo wir uns irgendwo treffen wollten.

So machten wir uns wieder allein auf den Weg, zwischendurch entdeckten wir noch ein paar Karibus, die allerdings zu weit weg waren, um sie aufs Foto zu bekommen. Es nieselte die ganze Zeit leicht vor sich hin. Doch als wir das Reservat erreichten, ließ der Nieselregen und auch der Wind nach, so dass wir uns vom Eingang aus zu Fuß zu den Klippen auf den Weg machen konnten – Hunde waren leider verboten und so musste Oskar im Wagen bleiben. Das war allerdings nicht so schlimm, denn er hatte sich am Morgen beim Toben mit Elli am hinteren Fuß verletzt und humpelte nur auf 3 Beinen. So wurde dieser Tag für ihn ein reiner Ruhetag.

Dieses Vogelreservat ist eines der weltweit am besten erreichbaren Vogelkolonien mit 70.000 Vögeln wie Basstölpel, Dreizehenmöwen, Lummel und Tordalken - einfach beeindruckend, die Vögel aus dieser Nähe zu beobachten. 

Im Visitor Center konnten wir das Wifi nutzen - und bekamen von Theo per Whatsapp die Nachricht, dass sie in der Bucht von Dildo standen – hier sollten seit ein paar Tagen Wale gesichtet worden sein. Da es nur knapp 130 km waren, gerade einmal 15:30 Uhr, machten wir uns noch auf den Weg. Unterwegs trafen wir sie: direkt am Straßenrand:

Gegen 18:15 Uhr kamen wir an, gleich gab es ein großes Hallo, da wir so schnell nicht mit einem Wiedersehen gerechnet hatten. Auch mussten wir natürlich die Bilder vom Elch zeigen.

Es dauerte nicht lange und die Wale, vermutlich Buckelwale, zeigten sich in der Bucht…..

Während Theo und ich vom Straßenrand die Wale beobachteten (die Frauen von den Autos aus, denn es war noch immer ungemütlich aufgrund vom Nieselregen und Wind) bremsten viele Einheimische ab. Für sie waren unsere Autos wohl genauso interessant wie für uns die Tiere.

Es war schon ein fantastischer Anblick, wenn die Wale auftauchten, laut die Atemluft ausstießen und wieder abtauchten. Sie waren wohl beim Abendessen, denn das eine oder andere Mal konnten wir sehen, wie sie mit weit geöffneten Maul an die Oberfläche kamen. Doch das ging immer so schnell, dass ich diese Situationen nicht aufs Foto bekam.

 

Alles in allem war das ein aufregender Tag: erst von weitem ein paar Karibus, dann die Vogelkolonie, ein Elch am Straßenrand und zu guter Letzt die Wale.

 

Auch wenn uns das Wetter so manchen Streich spielte – wir bereuten es bisher nicht, nach Neufundland gekommen zu sein.

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Kommentare: 1
  • #1

    Iris und Maik (Mittwoch, 20 Juni 2018 09:19)

    Hallo Ihr Drei,

    Schöne Bilder die den Eindruck von der Weite erahnen lassen, wenn es auch noch etwas kalt erscheint. Wir hoffen es geht Oskar wieder besser und wünschen weiterhin GUTE REISE!

    Liebe Grüße, die Sternwanderer