Alberta

Nachdem wir Ontario verließen, durchquerten wir (für unsere Verhältnisse im Eiltempo) innerhalb von 5 Tagen die Bundesstaaten Manitoba und Saskatchewan. Die Abwechslungen bestanden fast nur aus dem Wechsel zwischen Farmland und Rinderweiden, die Straßen fast nur geradeaus. Eine Straße führte über knapp 150 km geradeaus, darin nur einen nicht zu erkennenden Bogen (gesehen auf der Landkarte).

Wir fanden am Donnerstag für gerade einmal 10 € pro Tag den Campground Blood Indian Park in Big Stone, ca 220 km nordöstlich von Calgary. Ein weitläufiger Platz an einem See, Kanadagänse, Enten, Pelikane, Schwalben, viele uns nicht bekannte Vögel, im Hintergrund eine große Rinderherde. Von der Straße so gut wie nichts zu hören. Oskar war ganz begeistert von den vielen Erdhörnchen. Alles in allem total idyllisch und so beschlossen wir, nicht nur eine Nacht zu bleiben, sondern Urlaub von der Reise zu machen und erst Montag wieder die nächsten Kilometer unter die Räder zu nehmen.

Freitags kamen noch diverse Gäste mit ihren Mobilen und Trailern an, häufig zum Angeln, aber von Überfüllung konnte man nicht sprechen.

Doch ich greife ein bisschen vor, also noch ein paar Tage zurück: Kaum in Manitoba angekommen, änderte sich die Landschaft sehr schnell: es gab fast nur flaches Land. Wir machten einen kleinen Abstecher zum Lake Winnipeg und fanden in Gimli einen Platz. Der Ort selber gab nicht viel her, das einzige Interessante waren die Wikingerstatue und das Heritage-Museum. Zum letzteren wollten wir hin, doch ein schweres Gewitter verhinderte den Weg. Und als das Gewitter zu Ende war, hatte das Museum geschlossen....

Unübersehbar erhoben sich aus der Ebene die 300 - 400 m hohen Gebirgszüge des Riding Mountain Nationalparks. Auf dem Weg dorthin die ersten Bisons, leider nicht freilaufende wilde, sondern als Weidetiere. Die Stadt Wasagaming war touristisch überlaufen, aber abends auf dem Campground konnten wir sagen: Wäsche ist gewaschen, wir frisch geduscht, Lagerfeuer brennt und das Bier schmeckt. Die Temperaturen waren auf 15 - 18 Grad gesunken, für uns eine Erholung.

Dieser Park hatte auch noch ein Bison-Gehege, da wir aber bereits am Vortage die ersten Bisons sahen und die in diesem Gehege auch nicht in freier Natur liefen, verzichteten wir auf den Besuch

Auf einer der vielen Geraden überholte uns ein Pickup/Truck mit seinem Wohnauflieger, dahinter noch ein Trailer mit Boot. Es faszinierte immer wieder, was man hier für Gespanne sah. Zwischendurch doch noch etwas Abwechslung: die ersten Ölpumpen entdeckten wir.

Nach unseren Mückenerfahrungen auf Waldparkplätzen versuchten wir, wenn möglich, in Ortschaften zu übernachten, so auch in der Stadt Saskatoon auf einem Parkplatz im Victoria- Park. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir mehrmals Hirsche auf den Feldern, diesen hier konnten wir ablichten. Was für eine Art es ist, wissen wir nicht genau. Wir vermuten, dass es Weißwedelhirsche sind, allerdings ist das Fell rötlicher als bei den beiden, die wir in Nova Scotia sahen.

Unser Päckchen hat sich mittlerweile auch eingefunden, es sollte auf einem Postamt in Strathmore, nahe bei Calgary, liegen. Also am Montag den Urlaub beenden und wieder weiter. Auf dem Weg dorthin wartete der Dinosaur Provincial Park noch auf unseren Besuch. So war der Plan, doch der Montag versprach, wieder gut 34 Grad heiß zu werden. Somit hängten wir noch einen Tag dran – uns drängte ja nichts.

Aber dann sollte es doch so langsam wieder losgehen. So schön es am See auch war, es gab einen Nachteil: durch die Menge an Fischen und Vögeln, insbesondere der Pelikane, war das Wasser sehr veralgt und unsauber und lud daher nicht zum Baden ein, schade eigentlich.

Auf dem weiteren Weg Richtung Calgary unternahmen wir also den kleinen Abstecher zum  Dinosaur Park – eine nette Unterbrechung der auch in Alberta noch langweiligen flachen Landschaft. Der Park liegt im Flusstal des Red Deer Rivers und ist bekannt als eine der reichsten Fundstellen von Dinosaurierfossilien weltweit. Fossilfunde aus dem Park werden in Museen der ganzen Welt ausgestellt. Die Dinosaurier-Park-Formation, in der sich die meisten Fossilien befinden, ist etwa 75 Millionen Jahre alt und gehört in das Campanium, der vorletzten Stufe der Kreidezeit, rund 10 Millionen Jahre bevor das Erdmittelalter endete. Zu dieser Zeit war Alberta eine subtropische Küstenlandschaft.

Der Park bildet ein einzigartiges Ökosystem inmitten der ihn umgebenden Prärie. Zu den vorkommenden Pflanzenarten gehören Cottonwood-Bäume (eine amerikanische Pappel) und Kakteen. Unter den zahlreichen Tierarten  sind Koyoten, Antilopen, Kanadagänse,  Klapperschlangen und Strumpfbandnattern - wir sahen allerdings keines dieser Tiere.

Hier trafen wir auch Renate und Willi mit ihrem Mercedes 1017 aus Paderborn. Nachdem wir eine gute Stunde klönten, gab es die nächste Unterbrechung aus der 'Langeweile' – unser Auto wollte partout nicht mehr anspringen. Alle Versuche und Überredungskünste halfen nicht: der Motor drehte, wollte aber nicht zünden. Mit Hilfe eines Mitarbeiters der Parkverwaltung schickte uns der CAA – der 'Kanadische ADAC' - einen Abschlepper, um uns zu einer kleinen Werkstatt nach Brooks zu bringen. Da schon Feierabend war, durften wir ein weiteres Mal eine Nacht auf dem Hinterhof einer Werkstatt schlafen.

Nach längerer Fehlersuche stellte der Mechaniker fest, dass die Einspritzpumpe defekt wäre. Zum Glück führte ich eine in meiner Ersatzteilsammlung mit, aber es war für den Rest des Tages keine Zeit mehr, um diese zu tauschen. So mussten wir uns damit abfinden, noch eine weitere Nacht dort zu verbringen. Doch irgendwie ließ mich die Diagnose nicht in Ruhe: wieso kann eine ESP von einer Sekunde auf die andere den Dienst versagen? Das konnte ich mir als Laie nicht vorstellen. So nahm ich Kontakt zu einem mir bekannten Hamburger ESP-Fachmannes auf und bekam den Tipp, den Magnetschalter zu überprüfen. Also Fahrerhaus wieder hochgeklappt und siehe da: das war das Problem. Da der Schalter schnell zu tauschen war, nahm der Mechaniker die Zeit dazu und gegen 15:30 Uhr konnten wir wieder starten.      

Wir versuchten noch, am Abend nach Strathmore zu kommen, um von dem Postamt mein Päckchen abzuholen. Doch irgendwie werden die kanadische Post und ich in diesem Leben wohl keine Freunde mehr: die im Internet angegebenen Öffnungszeiten stimmten nicht mit den realen überein: ich stand um 17:40 Uhr vor verschlossener Tür!!!

Wir hatten uns locker mit Renate und Willi für den Abend auf einem Parkplatz in Chestermere verabredet, wo wir noch das eine und andere Gespräch bei der einen oder anderen Dose Bier verbrachten.

Am frühen Vormittag fuhren wir die 30 km zurück nach Strathmore, um endlich das Päckchen mit dem Tankdeckel in Empfang zu nehmen. 

 

Westlich von Calgary in den Rocky Mountains liegt der Banff-Nationalpark. Um dorthin zu gelangen, mussten wir durch bzw. um Calgary herum. Diese Stadt ist die viertgrößte Stadt Kanadas – und für uns einfach zu groß und damit nicht interessant genug, ums sie zu besichtigen. Am Weg entdeckten wir noch die Sprungschanze aus den olympischen Winterspielen 1988.

Der Banff-Nationalpark wurde 1885 gegründet und ist damit der älteste Nationalpark Kanadas, der zweitälteste Nordamerikas und drittältester der Welt. Mit seinen 6641 km² Fläche gehört er zu den größeren Nationalparks in den kanadischen Rocky Mountains.

Kaum hatten wir die Stadt hinter uns, wurde der Himmel total dunkel und ein Gewitter mit starken Regengüssen kam herunter. Der Regen war so stark, dass kaum noch jemand schneller als 50 km/h fuhr. Leider waren deshalb auch die Berge nur im Dunst sichtbar – aber immerhin endlich wieder Berge nach den vielen Kilometern durch die flache Ebene.

Kurz in die Stadt Banff hinein zum Visitor Center, Unterlagen und Karten über den Nationalpark geholt und schnell wieder raus. Es war Donnerstag, wir hatten gerade erst erfahren, dass der Montag in Alberta ein Feiertag wäre und somit war die Stadt von Touristen überlaufen, das wollten wir uns nicht antun.

Eine wunderbare Bergwelt mit Gletschern und Seen tat sich vor uns auf – einfach herrlich. Auf der Nebenstraße, abseits des Highways, ging es einigermaßen mit dem Verkehr. 

Es gab nirgends abgeschiedene Plätze, um evtl. frei zu stehen, auch wollten wir im National-park dies nicht unbedingt riskieren und so verbrachten wir die Nacht auf einem kleinen Campground in der Nähe des Johnston Canyon. Da auch viele Kanadier mit ihren Wohn- mobilen unterwegs waren, bekamen wir nur noch einen von den letzten 3 freien Plätzen – Glück gehabt.

Wir wollten zum Lake Louise und danach zum Lake Moraine. Die Stadt selber war schon absolut überfüllt, der Verkehr wurde an sämtlichen Kreuzungen vom städtischen Personal geleitet. Einen freien Parkplatz am See gab es nicht mehr, die Zufahrt zum Lake Moraine war gesperrt (nur noch per Shuttlebus erreichbar). Was tun? Schnell noch Brot fürs Wochenende eingekauft und bloß weiter.

An der Straße überraschte uns der Schwarzbär Nr. 6. Er ließ sich in keinster Weise beim Beerenfressen stören. Anscheinend braucht er aber noch viele Beeren, um den Winter zu überstehen, denn allzu dick sah er noch nicht aus.

Ein paar weitere Ausblicke auf die Rocky Mountains.

Die Straße wurde immer voller. Zum frühen Nachmittag fanden wir noch einen der wenigen freien Stellplätze auf dem Campground Silverhorn in 1700 m Höhe. Er ist noch relativ neu, deshalb sieht noch alles relativ offen und frei aus, was für uns bedeutet: weniger Mücken.

Wir richteten uns fürs Wochenende ein, denn die Überfüllung des Parks wollten wir im wahrsten Sinne des Wortes aussitzen. Die ersten Bilder stammen vom ersten Tag, der Himmel war bewölkt, die Temperaturen im Gegensatz zu den letzten Tagen wesentlich angenehmer; nachts sogar nur noch einstellig. Wir befanden uns in einem Tal, rundum die hohen und herrlich anzusehenden Berge der Rocky Mountains. 

Wir lernten Cathy und John kennen, die zwei Pätze neben uns mit ihrem Airstream-Wohnwagen standen. Diese Wohnwagen werden schon seit den 1930'er Jahren gebaut, wir finden sie einfach herrlich. Wir kamen mehrmals ins Gespräch, die beiden sind Amerikaner, die in Arizona in der Nähe von Tucson leben. Sie gaben uns viele Tipps für die Weiterreise zum Yellowstone Nationalpark und auch für Arizona; ebenfalls eine Einladung, falls wir bei ihnen in der Nähe vorbei kommen sollten. 

Und einige Motorradfahrer müssen ganz schon schmerzbefreit sein........

Am Montag Mittag machten wir uns langsam wieder auf den Weg in der Hoffnung, dass die Besucher zum Ende des langen Wochenendes wieder weg waren….

Es waren tatsächlich weniger Besucher, so zumindest der erste Eindruck, aber war es wirklich so? Erst einmal noch ein paar weitere Eindrücke der Rocky Mountains.

Wir erreichten den Athabasca-Gletscher. Er ist eine der sechs Hauptzungen des Columbia-Eisfelds in den kanadischen Rocky Mountains. Der Gletscher fließt vom Eisfeld Richtung Nordost zum Icefields Parkway. 

Durch die klimatische Erwärmung hat sich der Gletscher in den letzten 125 Jahren um 1,5 km zurückgezogen und mehr als die Hälfte seines Volumens verloren. Er ist einer der meist- besuchten Gletscher in Nordamerika. Vom gegenüberliegenden Icefield Centre werden im Sommer geführte Touren mit speziellen Bussen (den Snowcoaches) auf den Athabasca-Gletscher angeboten.

Natürlich mussten wir uns auch auf den Anstieg dorthin machen - allerdings nutztenn wir die (teure) Möglichkeit der Snowcoaches nicht.

Am Parkplatz des Glacier Centers war es total voll, wie auf dem letzten Bild zu sehen. Auf dem RV-Parkplatz durften wir zur Übernachtung bleiben, und nachdem wir Cathy und John wiedertrafen, machten wir es uns zwischen den Fahrzeugen erst einmal gemütlich. Rechts von den beiden stand noch ein Airstream, die Eigentümer Nancy und Mark gesellten sich zu uns. Zusammen verbrachten wir den Abend bei einem gemeinsamen Essen im Restaurants des Centers.

Nancy und Mark wollten am Morgen die Tour auf den Gletscher und anschliessend zum Skywalking mitmachen – wie sie uns abends erzählten, war es das Geld nicht wert….

Gemeinsam verabredeten wir sechs, uns abends auf einem der beiden Campgrounds kurz vor der Stadt Jasper (übrigens genauso überlaufen wie Banff) zu treffen – wegen Überfüllung waren diese Plätze schon geschlossen. Es gab einen Overflow-Platz, 16 km außerhalb der Stadt Richtung Norden. Angeblich sollte man hier für knapp 10 € stehen dürfen, aber wir fanden keinerlei Möglichkeiten der Registrierung. Hinzu kam, dass der Platz das Geld in keinster Weise wert war. Wären wir nicht mit den Amerikanern verabredet gewesen, hätten wir uns gleich wieder auf den Weg gemacht. Aber so versuchten wir, das Beste draus zu machen und ratschten den ganzen Abend miteinander.

Die Berge rundherum waren in Dunst verhüllt aufgrund vieler Waldbrände im Nachbarbundesstaat BC (British Columbia).

Dieser Ausweichplatz füllte sich zusehends mit Campingfahrzeugen und so kam es, wie es auch kommen musste: wir wurden sehr häufig von Kanadiern, Amerikanern und Deutschen auf unser Auto angesprochen, so dass sich John schon einen Spaß draus machte und unsere Story einige Male zum Besten gab.

So sah es dann vor unserem Auto aus:

Während Nancy und Mark sich am nächsten Tag auf den Weg nach Calgary machten, Cathy und John noch einen Tag auf dem Overflow-Platz bleiben wollten, suchten wir uns den Silverhorn Campground wieder als Ziel aus, wussten wir doch, was uns dort erwartet. Zuerst wollten wir noch kurz in die Stadt, um dort unsere Vorräte noch etwas aufzufüllen, auf den Weg dorthin sahen wir unsere ersten Wapiti-Hirsche.

Wir versuchten trotzdem noch einmal, auf einem der beiden Campgrounds bei Jaspar einen Platz zu bekommen – no way, wie die Amerikaner sagten. Also weiter!

Direkt neben der Skywalk-Plattform unsere ersten Bergziegen

Nicht weit emtfermt ein Stau auf der Gegenfahrbahn: die nächsten Bergziegen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir 'unseren' Platz und waren erstaunt, wie wenig hier los war. Am letzten Wochenende sah es ganz anders aus. Da wir wussten, dass Cathy und John am nächsten Tag auch wieder hier stehen wollten, planten wir gleich 2 Nächte ein. Der nächste Morgen überraschte uns auch mit 'dicker Luft', ein leichter Rauchgeruch war zu riechen. In einem der Parks, die wir für die nächsten Tage einplanten, sollte es ebenfalls brennen.

Und natürlich kamen die beiden Amerikaner. Abends saßen wir lange zusammen und ratschten auf Englisch. Es war hart für uns, aber ich glaube, wir hatten uns ganz gut gemacht. Zumindest kam keine Langeweile auf und wenn wir auch das eine oder andere englische Wort nicht wussten, konnten wir mit Umschreibungen gut klarmachen, was gemeint war.

Über Nacht roch die Luft immer mehr nach Rauch. So kamen wir nicht mehr auf die Idee, doch noch länger auf diesem schönen Platz zu verweilen.

Nach einer herzlichen Verabschiedung und der Zusage, die Beiden in Arizona zu besuchen, trennten sich unsere Wege wieder.

Wir wollten noch die beiden nahe liegenden Nationalparks Yoho und Kootenay aufsuchen, doch zuerst ging es ins Visitor Center in Lake Louise. Dort erfuhren wir, dass die Straße des Kootenay wegen Brandes gesperrt wäre. Somit verzichteten wir auf diesen Park und durchquerten nur den Yoho Park. Auch hier aufgrund des Rauches sehr schlechte Sicht auf die Berge. Schade, aber so war es nun einmal. Wir wollten alternativ weiter zum Glacier-Nationalpark, aber der liegt im Nachbarstaat British Columbia - und darüber berichten wir in Kürze im nächsten Blog.

 

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