Arizona

Den weiteren Weg gen Süden wollten wir, soweit möglich, entlang des Colorado River fahren. Kurz vor Bullhead City fanden wir diesen Platz am Lake Mohave. Er gehört zu den schönsten Plätzen, die wir bisher gefunden hatten und so entschlossen wir uns kurzfristig, eine 2.Nacht anzuhängen. Gern wären wir noch länger geblieben, aber Thanksgiving nahte und somit mussten wir dann doch wieder los. Auf einem Platz bei Parker (mit Blick auf den Colorado River) lernten wir Andrea und Thomas aus Deutschland kennen, die mit ihrem Fiat-Wohnmobil die USA unsicher machen. Es war ein sehr netter Abend mit den Beiden und wie es aussieht, werden wir uns bestimmt noch eimal treffen

In Arizona (es trägt den Beinamen Grand Canyon State) herrscht ein trockenes Wüsten- und Halbwüstenklima, im Norden eher Steppenklima. Das führt dazu, dass es je nach Höhenlage relativ milde Winter und heiße Sommer gibt. Wegen der Nähe zu den Rocky Mountains gibt es meist große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen liegen etwa zwischen 100 und 500 mm pro Jahr, wobei der meiste Regen in der Zeit von Juli bis November fällt.

Das Landschaftsbild des mittleren Arizona sah sehr trocken und wüstenartig aus (mit Ausnahme der Gegenden um den Colorado River), ab Phoenix prägten Kakteen, Palmlilien und Mesquite-Bäume, die wegen der Trockenheit hier wachsen, das Bild.

Hier der Schlafplatz vor Oro Valley :

Wir kamen schon Sonntags an, da Brigitte für den Montag einen Termin bei Cathys Zahnarzt hatte. Für die nächsten Nächte hatten wir eine Campsite im Catalina-State-Park, direkt neben Oro Valley gelegen, gebucht.  Wir trafen auf diesen Platz auch Nancy und Mark wieder, die wir gemeinsam mit Cathy und John im Jasper-NP/Kanada kennengelernt hatten.

Dienstags gab es zu sechst eine Vor-Thanksgiving-Party bei Cathy und John. Das Treffen fand schon an diesem Tage statt, da Nancy und Mark am Donnerstag andere familiäre Verpflichtungen hatten

Der Catalina-State Park:

In den USA ist der Thanksgiving Day ein staatlicher Feiertag, der am vierten Donnerstag des Monats November gefeiert wird. Es ist das wichtigste Familienfest im Jahreskreis, außerdem werden von vielen Familien auch Freunde oder andere Gäste eingeladen. In seinem Mittelpunkt steht eine große Mahlzeit (häufig Abendessen).  Wir waren auch zu diesem Tage eingeladen und genossen noch einen weiteren Abend bei Cathy und John. Traditionell gibt es Truthahn, aber da wir den nicht zu viert schaffen würden, wich Cathy davon ab. Es war ein sehr netter Abend mit den Beiden. Zusätzlich konnten wir einen wunderschönen Vollmond bewundern.

Eine Empfehlung von John war,  das westlich von Tucson gelegene Desert Museum in der Sonora-Wüste zu besuchen.  Es handelte sich um einen Mix aus kleinem Zoo (mit Flugschau einiger Greifvögel) und einem Garten.

Am meisten war Brigitte von den kleinen Kolibris angetan, die ersten in der Natur hatten wir schon am Eingang zum Catalina-State-Park gesehen, damals allerdings keine Chance gehabt, diese kleinen Vögel aufs Foto zu bekommen.

Der östlich gelegene Theodore Roosevelt Lake wurde uns von Andrea und Thomas empfohlen - auf dem Weg dorthin kamen wir an einer bei Kearny gelegenen Kupfermine vorbei - die vielen verschiedenen Farben faszinierten uns wieder einmal. Eine Besichtigung der Miene (im Tagebau) war an diesem  Sonntag leider nicht möglich.

Ab dem Ort Apache Junction führte der Apache Trail durch den Tonto National Forest. Ein Stopp im alten Westernstädtchen Tortilla Flat war obligatorisch, wegen des Andranges verzichteten wir auf eine intensivere Besichtigung

Der Theodore Roosevelt Lake in Arizona ist ein Stausee, der den Salt River und Tonto Creek staut. Er war die Voraussetzung für das Wachstum der südwestlich gelegenen Stadt Phoenix zur Metropole. Der Apache Trail führte am Salt River entlang, die letzten ca. 35 km waren eine gut ausgebaute Piste mit leider sehr viel Waschbrett, was mit unserem Auto absolut keinen Spaß macht. Während die PKW dort noch relativ schnell drüber fuhren, zockelten wir mit sehr niedriger Geschwindigkeit dahin, Allerdings gab es dadurch mehr Möglichkeiten, die Landschaften zu geniessen. 

Rund um unseren Stellplatz, dem Frazier-Horse-Park, direkt am Theodore Roosevelt Lake.

5 Tage hielten wir es hier aus und neben einem schönen Sonnenuntergang (die beiden ersten Bilder), konnten wir morgens vom Bett aus einen schönen Sonnenaufgang geniessen.

Über Phoenix führte uns der Weg erst einmal nach Quartzsite, auf dem Weg dorthin entdeckten wir die Baumwollfelder. Es werden für die Baumwollproduktion nur eines einzigen T-Shirt weit über 1000 l Wasser verbraucht - ob Baumwollfelder unbedingt in der Wüste angelegt werden müssen......

Quartzsite ist eine kleine Stadt im Westen von Arizona. Sie ist berühmt für Ihre Edelstein- börsen, die während der Monate Januar und Februar bis zu eine Million Besucher anlocken.  In den Wintermonaten kommen Tausende Camper aus den Nordstaaten der USA und Kanada. Sie überwintern dort mit ihren teils großen Wohnmobilen. 

Das müsst ihr unbedingt gesehen haben, erzählte man uns. Allerdings war es doch eine Enttäuschung, denn die Camper kommen überwiegend erst nach der  Weihnachtszeit. Aber das Drumherum in der Stadt war schon sehenswert.

Man beachte das Ofenrohr, das vorn aus dem Dach des zum Womo umgebauten Busses heraus schaut.

Auf diesen staatlichen Plätzen, mitten in den Wüsten des Landes, zahlen die Snowbirds, wie die nordamerikanischen Überwinterer genannt werden, 180 $ für 6 Monate, 2 Wochen kosten 40 $. Service gleich null. Uns wollte man auch 40 $, der Mindestgebühr, abknöpfen, doch das war uns zu viel, so dass wir irgendwo auf kostenlosem Land die Nacht verbrachten, im Hintergrund bizarre Felsen und das Ganze mit beeindruckendem Sonnenuntergang.

Ein kleiner Eindruck der Stadt selber: ein bisschen verrückt scheint es dort schon zuzugehen. insbesondere in der Oasis-Bücherei. Ein Besuch ist ein Muß, wenn man schon in der Stadt ist. Der Besitzer läuft immer nackend im Laden umher, leider konnten wir ihn nicht antreffen, deshalb muß das abfotographierte Bild dafür herhalten:

Ca. 30 km nördlich vor Yuma liegt der Lake Mittry, eine kleine Oase, die vom Colorado River gespeist wird. Wir wollten uns dort mit Andrea und Thomas treffen. Diesen Ausblick genossen  wir eine ganze Woche lang.

Hier trafen wir auch Anne und Michael, die mit ihrem amerikanischen Truck und einem Aufbau aus Deutschland unterwegs waren. 

Die doch recht kühlen Abende (tagsüber zeigte das Thermometer zwischen 20 und 25 Grad an, einen Tag gab es allerdings auch Regen), verbrachten wir mal mit Grillen, mal am Lagerfeuer, gemeinsam mit Don und Glenda, kanadischen Freunden von Andrea und Thomas. Es gesellten sich auch Robin und Michael, ein amerikanisches Snowbird-Paar, dazu.

Alles in allem war es eine ruhige Woche, die wir sehr genossen. 

Noch ein kleiner Überblick über die Tierwelt am Lake Mittry, die Koyoten konnten wir nur hören.

Unser Aufenthalt in Arizona ging dem Ende zu, denn wir wollten nach Los Algodones. Es ist eine mexikanische Kleinstadt direkt am Grenzübergang. Hier soll es über 200 Zahnarztpraxen geben - und viele Amerikaner lassen sich ihre Beisserchen wesentlich günstiger renovieren als in ihrer Heimat - das wollten wir natürlich auch ausnutzen, denn Brigitte war ihre Zahnprobleme noch nicht los. Bei dem Kostenvoranschlag des amerikanischen Zahnarztes in Oro Valley hätte sie für das geforderte Geld durchaus nach Hause fliegen und sich dort ihre Problem beheben lassen können.

Der 1. Besuch bei einer mexikanischen Zahnärztin für eine Diagnose brachte uns schon weiter, aber alles wollten wir nicht machen lassen. In den USA wird aufgrund der Abrechnungs-modalitäten anders über die Behandlung nachgedacht. Während bei uns mühevoll um jeden Zahnerhalt gekämpft wird (wird ja von den Krankenkassen gezahlt), gibt es in den USA keine Möglichkeit einer Zahn-Versicherung. Somit sind aufwendige Behandlungen nicht üblich, es wird gleich gezogen und mit Implantaten gearbeitet. 

Nach Rücksprache mit unserem Zahnarzt in der Heimat wollten wir noch eine weitere Versorgung vornehmen lassen, die paar Tage bis dorthin mussten überbrückt werden. 

Slab City ist ein Ort, der nah genug für eine Besichtigung lag. Den Abend nach dem Besuch in Mexiko - wir liessen das Auto auf einem Parkplatz vor dem Grenzübergang stehen und gingen den kurzen Weg zur Praxis zu Fuß, kamen danach ohne Probleme dank unserer Visa wieder zurück in die USA - verbrachten wir gemeinsam mit Renate und Willy bei nettem Reisegeplauder. Die Beiden hatten wir in Kanada kennen gelernt; sie  waren ebenfalls gerade in Yuma.

 

Doch dann ging es nach Kalifornien, erst einmal durch die  Algodones-Dünen, einem etwa 85 km langen und bis zu 10 km breiten Dünenfeld, Der südliche Teil der Dünen ist für das Befahren mit Dünenbuggies, Motorrädern, Geländewagen und Quads freigegeben. An Spitzentagen tummeln sich in dem Dünengebiet mehr als 100.000 Motocrossfreunde.

Die Nacht noch irgendwo im Nirgendwo verbracht, brachen wir vormittags auf Richtung Slab City. Unterwegs sahen wir diese Cattle Feeder. Tausende Rinder werden hier noch einmal für ein paar Wochen fett gefüttert, bevor sie zum Schlachter kommen. Es stank gewaltig nach den Ausscheidungen der Tiere, wir hatten den Eindruck, dass eine Reinigung noch nie stattfand. Den Gestank konnten wir über viele Kilometer 'geniessen'.

Slab City ist ein wilder Campingplatz in der Colorado-Wüste in Kalifornien.

Im Winter besteht er aus ein paar tausend Wohnmobilen, im Sommer hingegen zieht es die meisten Camper in kühlere Regionen im Norden. Der Name leitet sich von den Betonplatten (concrete slabs) einer aufgegebenen Militärbasis aus dem Zweiten Weltkrieg her. In Slab City selbst gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten, keinen Strom und keinen Wasseranschluss. Es ist ein verrückter Ort, in dem wir auf keinen Fall leben wollten. Wie uns erzählt wurde, soll es sich um eine alte Hippie-Hochburg handeln, die Menschen selber alle sehr freundlich. Man findet neben alten und vergammelten Wohnwagen auch teuere neuere Mobile.

Wir waren ganz erstaunt, Bernd und Claudia mit ihrem Husky Tuco hier zu sehen, kurz danach fuhren uns auch Renate und Willy über den Weg - gemeinsam verbrachten wir den Rest des Tages bei gemütlicher Plauderei am Rande von Slab City

Doch leider verlief der nächste Vormittag nicht so harmonisch: Während beim abendlichen Spaziergang die Hunde einigermaßen miteinander klar kamen (der junge Tuco akzeptierte Oskars Macho-Gehabe), ging es am Vormittag nicht so gut ab. Die Hunde bekamen sich in die Haare und das Ergebnis war, dass wir mit Oskar in eine Tierklinik mussten, denn er hatte  eine tiefe Fleischwunde am Hals davongetragen, die unter Vollnarkose genäht werden musste.Aber viel wichtiger war, dass er den Kampf überhaupt überstand, denn Tuco als Husky-Mix war ein größerer Gegner - ob Oskar jemals daraus lernen wird? Die Zukunft wird es zeigen, allerdings haben wir nicht viel Hoffnung, denn er scheint in solcher Sache etwas beratungsresistent zu sein - kurz nach der Narkose knurrte er schon wieder einen anderen Rüden an.

 

Am nächsten Tag ging es noch einmal nach Los Algodones und wir hoffen, endlich Brigittes Zahnprobleme vorerst in den Griff bekommen zu haben. Hier noch ein kurzer Ausblick auf die Stadt:

Neben Zahnärzten gab es noch eine Menge Apotheken und auch Augenoptiker. Natürlich fehlten die ganzen Verkaufsstände nicht - und wir glaubten es kaum: Es gab tatsächlich genügend Amerikaner, die das kauften.

Solche Blütenpracht überraschte uns doch etwas in diesem Ort

Unser Oskar am Tag nach der OP, anscheinend machte ihm das alles nichts aus. Der Verband störte ihn, er wollte schon wieder spielen - so sind Terrier.

Die vorerst letzte Nacht verbrachten wir noch einmal irgendwo im Nirgendwo, am nächsten Morgen besuchten wir auf  Weg zum Grenzübergang einen Aldi - den gab es hier tatsächlich - um uns auf dem Weg nach Mexiko mit Schwarzbrot einzudecken.

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Kommentare: 1
  • #1

    goetzmensel (Samstag, 15 Dezember 2018 08:17)

    Schöner Beitrag, mit Grüßen aus dem kalten Norden Deutschlands. Euch schöne Weihnachtstage und sichere Weiterfahrt. Gruß Götz