Baja California Teil 4

Endlich! Endlich ging unser größter Wunsch in Erfüllung - aber davon etwas später.

Um den Wunsch zu realisieren, mussten wir wieder gen Norden fahren. Wir nahmen die BCS165, eine Strecke, dir nur von sehr wenigen Touristen befahren wird, da dafür nicht nur ein 4x4 notwendig ist, man benötigt eine relativ geländegängiges Auto. Die Strecke führte uns von La Paz aus direkt an der Küste entlang zum Fischerdorf San Evaristo, zuerst noch geteert, dann als Waschbrett-Piste weiter.

In dieser schönen Bucht machten wir unsere Mittagspause.

Ein paar weitere Aussichten auf dieser Strecke, sehr faszinierend waren wieder einmal die Farben des Gesteins.

Zur Nacht fanden wir diesen Küstenabschnitt, eine ruhige Bucht. Brigitte hatte viel Spaß mit den Einsiedlerkrebsen, die über den Strand liefen. Kaum bewegten wir uns, stoppten sie,  erhoben die Augen und beobachteten uns. Wenn wir uns ganz ruhig verhielten, liefen sie nach einiger Zeit weiter ihres Weges

In weiser Vorraussicht reduzierte ich den Luftdruck um 1 Bar, damit die Fahrt über das Waschbrett etwas erträglicher wurde.  Irgenwann ging die  Piste steil in die Berge, zum kleinen Teil waren diese Steigungen betoniert, damit die 'Fahrbahn' nach einem Regen weiterhin passierbar blieb.  Und immer wieder grandioses Farbspiel.

Noch eine schöne Bucht, leider war es sehr windig geworden. Dadurch ließen wir uns nicht den Spaß beim Beobachten der Möwen, Pelikane und Fregattvögel nehmen.

Am 3. Tag erreichten wir San Evaristo und waren erstaunt über den Anblick der Segelboote in dieser Bucht.

Von San Evaristo aus führte eine Piste weiter zur westlich gelegenen MEX1. Wir hörten schon im voraus, dass diese Piste es in sich haben sollte. Sie war zwar fahrerisch für uns keine Herausforderung, aber der MAN selber wurde gefordert. Wir hatten das Gefühl, dass unser Donnerlaster ebenso wie ich nur am Grinsen war: endlich wieder eine artgerechte Haltung. Steil führte die Piste durch die Berge, teilweise musste der Weg im ganz kleinen Gang mit Untersetzung 'erklettert' werden, steil ging es nach der nächsten Kuppe wieder bergab. 

Ein Einheimischer wollte uns unterwegs erklären, dass wir nicht weiter könnten, aber wir ignorierten es - an einer Stelle machte es das Geröll sehr eng, doch für uns problemlos zu schaffen.  Nach ca. 10 km in  eindreiviertel Stunden war der 'schlimmste' Spuk zu Ende und es ging über 'normales' Waschbrett weiter.

Wir schafften es an diesem Tag nicht mehr zur MEX1 und suchten uns irgendwo in der Halb-wüste, der Sierrea La Giganta, zwischen Kakteen einen Schlafplatz. Abends kamen noch ein paar Wildesel vorbei, um uns neugierig zu beobachten - oder wir sie?

Ursprünglich planten wir, die MEX1 und anschliessend die BCS53 weiter gen Norden auf der Pazifik-Seite zur Laguna San Ignazio zu fahren, doch es wurde uns zu eintönig, so dass wir auf der MEX1 blieben und uns wieder zur Golfküste aufmachten. Wir entschieden uns zu einem Abstecher nach Aqua Verde, nach 10 km Teer folgten 31 km üble Waschbrettpiste. 

Aqua Verde ist ein Fischerdorf mit einem Sandstrand, aber irgendetwas gefiel es uns dort nicht, so dass wir wieder umdrehten und einen Bergkamm zurück eine schöne Bucht anfuhren. Es war schon spät geworden, die letzte Piste dauerte einfach zu lange. Oskar, der schon länger keine Lust mehr hatte, sprang gleich raus aus dem Auto und tobte sich  erst einmal auf dem festen Strand aus - er hatte seinen Spaß. 

Leider kam vom Norden ein kühler Wind, trotzdem blieben wir, schon wegen Oskar, eine zweite Nacht in dieser Bucht.

In einer anderen Bucht bei Juncalito fanden wir den nächsten Stellplatz, hier trafen wir auch Andreas und Ute wieder.

Das Wetter sollte schlechter werden und regnen, so machten wir uns nach zwei Tagen wieder auf den Weg. Eine weitere Bucht, die wir anlaufen wollten, war leider gesperrt. So entschieden wir uns für die Playa Santispac, wo wir bereits Anfang Januar für vier Nächte gestanden hatten. Kurz vor der Playa Santispac liegt die Punta Resqueson. Was  wir aufgrund Hoch- wassers im Januar nicht sehen konnten, war jetzt deutlich zu erkennen: der Strand zieht sich bei Ebbe bis zur nächsten Insel, es soll sich dabei wohl  um das bekannteste Foto der Baja California handeln. Schön anzusehen, doch bleiben wollten wir hier nicht, wussten wir doch, was uns Santispac bietet.

Während im Januar nur 3 - 4 Boote in der Playa Santispac lagen, fanden wir dieses Mal bis zu 16 Stück vor. Leider wurde der Aufenthalt durch einen starken Nordwind etwas getrübt, aber am zweiten Tag (wir bleiben wieder vier Nächte) wurde eine Palapa, ein Unterstand, frei. Diese Palapa war zu 3 Seiten geschlossen, so dass wir im Windschutz sehr gut die Tage aushalten konnten. Es kam noch ein Besuch zu uns, ein alter VW Bus T1, der lt. Besitzer 66 Jahre und damit genau doppelt so alt war wie unser Donnerlaster.

Den nächsten Zwei-Tages Zwischenstop legten wir wieder zwischen den Bananenstauden im Campground Mulege ein - und dann war es soweit: wir erreichten die Laguna Ojo de Liebre. Hier standen wir ja schon zu Weihnachten, um Wale zu beobachten. Aber damals waren noch keine dort. 

 

Grauwale erreichen eine Länge von 13 bis 15 Metern und ein Gewicht von 25 bis 34 Tonnen. Sie leben heute nur noch im Pazifik, dabei wird eine west- und eine ostpazifische Population unterschieden. Die ostpazifische Population überwintert vor den Küsten Kaliforniens und Mexikos, wo sie sich fortpflanzen und auch den Nachwuchs bekommen - so wie hier in dieser Lagune.

Man sprach davon, dass Anfang 2018 hier bis zu 3000 Grauwale lebten, dieses Jahr sollen es nur ca. 600 bis 800 Stück sein, davon viele Mütter mit ihren Babys. Warum es dieses Jahr so viel weniger waren und weshalb sie erst so spät kamen, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

In der Entfernung war immer wieder der Blas einiger Wale zu sehen - und wir konnten es kaum abwarten,. die Tour zu unternehmen. Wir hatten Glück und waren allein mit dem Skipper an Bord, so dass in alle Richtungen freie Sicht herrschte. Zuerst kam leichte Enttäuschung auf, Immer wieder sahen wir Walrücken in der Entfernung, aber so richtig nahe kamen sie uns nicht. Dann, auf einmal, gut 20 m entfernt, sprang dieses Tier vor uns aus dem Wasser. Nur kurze Zeit später schwamm eine Mutter mit ihrem Baby an uns vorbei.

Danach wurde es unbeschreiblich, insgesamt vier Wale kamen auf unser Boot zu, sie standen einmal alle nebeneinander, mit dem Maul zum Boot gerichtet, kurz unter der Wasser- oberfläche an einer Bootsseite. Dabei drehten sie sich auf die Seite und schauten uns immer mit einem Auge an. WIr hatten das Gefühl, sie waren neugierig und wollten uns beobachten - vielleicht deshalb der Name Whalewatching....?

Die Haut der Tiere war bedeckt mit parasitischen Krebstieren sowie Seepocken und Walläuse. Besonders häufig lassen sich Entenmuscheln auf dem Kopf und der Schwanzflosse des Grauwales nieder - alles gut zu erkennen.

Deutlich waren die Nasenlöcher an der Oberfläche zu sehen. Wenn sie ausatmeten, mussten wir in Deckung gehen, da häufig dabei eine Wasserfontaine übers Boot zog. Beim Abtauchen verschlossen sich die Nasenlöcher sofort wieder.

Langsam kamen sie senkrecht am Boot mit dem Kopf heraus, wir hatten das Gefühl, dass sie körperlichen Kontakt wollten. Allerdings waren unsere Arme noch zu kurz, wir konnten sie kaum berühren.

Doch endlich gelang es, sie liessen sich regelrecht kraulen. Es war ein fantastisches Gefühl, diese friedlichen Meeresriesen so hautnah zu spüren und anzufassen. Die Haut fühlt sich übrigens sehr dick und gummiartig an.

Nach einer guten halben Stunde war alles vorbei, wie auf Kommando verschwanden die Vier von unserem Boot und schwammen wieder ihres Weges. Trotzdem wurde es nicht langweilig: rundum hörte man den Blas der Wale, immer wieder konnten wir die auftauchenden Tiere sehen, die kurz nach erneutem Einatmen wieder unter der Oberfläche verschwanden.

Auf einmal tauchte eine Walmutter mit ihrem Baby unter dem Boot durch, anschließend umschwammem die Beiden uns mehrmals neugierig, allerdings ohne ganz dicht heran zu kommen. 

Die Babys sind gut erkennen, da ihre Köpfe noch nicht von Seepocken und Muscheln bedeckt sind.

Total überwältigt von diesen Erlebnissen erreichten wir nach zwei Stunde den Landungssteg. Wir konnten uns kaum einkriegen, es war das bisher größte Highlight, dass wir bisher auf dieser Reise erlebten, einfach unbeschreiblich dieses Gefühl.

An der Lagune sind die Stellplätze über eine längere Strecke verteilt .Wir standen ganz am Ende der Dünen. Da es uns gut gefiel, blieben wir vier Nächte. Das einzige Manko war ein stetiger Wind, der uns am 3 Tag zum Aufenthalt im Auto zwang.

Bei San Rosaliita fanden wir einen Platz an einer kleinen Playa. Es wurde vorerst die letzte Nacht am Pazifik, der hier, etwas geschützt, nicht so große und laute Wellen ans Land warf..

Über die MEX5 Richtung San Felipe wollten wir wieder weiter in den Norden. Diese Straße ist l noch nicht komplett ausgebaut, zum Teil besteht sie aus sehr löchrigem Teer. Ein Hurrikan im letzten Jahr hatte einige Brücken zerstört, so dass wir auf Pisten durch (trockene) Flußbetten auf die andere Seite mussten. In La Poma standen wir auf einem schönen Strandplatz am Golf. Allerdings war nur die Sicht aufs Wasser schön, vom Dorf selber hatten wir keine Bilder machen wollen.

Über viele Kilometer Richtung San Felipe war die Küste eng bebaut mit Urlaubsdomizilen, nur sehr selten sahen wir Menschen. Dafür um so häufiger Schilder, die zum Kauf oder zur Miete einluden.

Zwischendurch gab es doch noch einen kilometerlangen unbebauten Abschnitt, der Strand wurde von Dünen abgegrenzt. Hier verschliefen wir noch eine lauschige Nacht, vollkommen ungestört von anderen Menschen. 

In der Halbwüste blühte es.

In San Felipe verbrachten wir auf dem uns bekannten Campground die zwei letzten Nächte, um noch ein letztes Mal den Golf von Californien genießen zu können, die HP abzudaten, das Auto mit Wasser zu befüllen und und und.

Am Abend hörten wir einen Wolf in den Bergen heulen, die Hunde aus der Umgebung mussten sich natürlich auch dazu melden. Doch leider konnten wir das Tier nicht sehen.

 

Nach 12 Wochen auf der Baja California machten wir uns Samstag Vormittag auf, um bei Mexicali die Grenze in die USA zu überqueren. Dazu mussten wir uns erst einmal in eine 2-spurige Autoschlange einreihen, nach gut 2 Std. erreichten wir endlich den amerikanischen Checkpoint - hier fehlt, ebenso wie an der Grenze zu Kanada, der Ausreisecheckpoint. Aus anderen Ländern ist uns so etwas nicht bekannt.

Die langsame Autokolonne machten sich viele Mexikaner zu Nutze, indem sie versuchten, alles mögliche noch 'an den Mann zu bringen', um so für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können.

Es waren wundervolle Wochen, obwohl wir anfangs ein bisschen enttäuscht waren. Aufgrund der Beschreibungen hatten wir uns die Halb- insel anders vorgestellt, doch je weiter wir gen Süden kamen, desto besser gefiel es uns. Auf der Rückreise konnten wir doch dem Norden etwas abgewinnen, so dass sich die anfängliche Enttäuschung wieder aufhob. 

Diese Zeit war ein Urlaub von der Reise. Während wir in Canada und den USA im Schnitt gut 4000 km pro Monat abspulten, waren es hier gerade einmal 4500 km auf der Baja. Es war auch ein Krafttanken für die nächsten Monate, denn wir wissen, dass, wenn wir Anfang Mai wie geplant die Grenze nach Kanada überschreiten, der Weg nach und durch Alaska aus viel Fahrerei bestehen wird.

Auf der Baja lernten wir viele Menschen kennen, aus Deutschland, aus Kanada, weniger aus den USA. Wir bekamen einige Einladungen und wenn wir in der Nähe sein sollten, werden wir vielleicht auch den einen oder anderen besuchen können.

Die Mexikaner selber begegneten uns immer freundlich, nie fühlten wir uns gefährdet. Aller-dings wissen wir aus Beschreibungen einiger Reisenden, dass es durchaus auch anders laufen könnte. Wir glauben allerdings, dass es überall auf der Welt, ebenso in Europa und in Deutschland, passieren kann.

 

 

                                                       Adios Baja California

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Kommentare: 1
  • #1

    Www.wonderbruecke.jimdo.com (Dienstag, 12 März 2019 11:32)

    Toller Beitrag! Nicole sagt, das war grandios mit den Walen so nahe!

    Gruss aus Australien


    Nicole und Arno