Montana

Nach genau einem Jahr und einem Tag überquerten wir wieder den Grenzübergang beim Waterton Park von Alberta, Kanada, nach Montana in die USA. Wie erhofft bekamen wir ohne größere Diskussionen das Permit mit einem Jahr Laufzeit statt nur 180 Tage. Somit brauchen wir uns vor unserer Heimreise im Sommer 2020 keine Gedanken mehr zu machen bzgl. einer zwischenzeitlichen Ausreise. 

Auf dem Weg zum Grenzübergang zeigten sich die Berge des Waterton Nationalparks auf der Kanadischen Seite bzw. des Galcier Nationalparks auf der USA-Seite, teilweise wolken-verhangen.

Beim Glacier Nationalpark gibt es auf der Ostseite zwei Zufahrten, die nördlichere führt zum Many Glacier. Obwohl wir bereits letztes Jahr diese Strecke fuhren, wollten wir noch einmal hoch, immerhin gab es dort für uns die ersten Grizzlys zu sehen. Unsere Hoffnungen wurden erfüllt. Nachdem wir erst noch ein paar Bergschafe und Vögel auf den Chip bannen konnten, kamen wieder hoch oben im Berg zwei Grizzlys an. Leider weit weg, aber ich hoffe, dass sie trotzdem auf den Bildern zu erkennen sind.

Die erste Nacht in Montana verbrachten wir, wie im Vorjahr, am St. Mary Lake. In unmittelbarer Nähe des Autos fanden wir einen riesigen Haufen Bärenkacke, wahrscheinlich von einem großen Schwarzbärmännchen. Es könnte auch von einem Grizzly stammen, doch glauben wir nicht, dass ein solcher sich so weit in die Nähe der Häuser begibt.

Der etwas südlicher gelegene Logan Pass führt im Gegensatz zum Many Pass über den Gipfel hinüber. Letztes Jahr war oben am Pass die Weiterfahrt aufgrund großer Waldbrände auf der Westseite gesperrt, dieses Jahr konnten wir ihn passieren. Ein paar Bilder von der Anfahrt:

Während wir im letzten Jahr noch problemlos einen freien Parkplatz am Pass fanden, war dieses Mal überhaupt nicht daran zu denken, so viele Autos waren unterwegs. Allerdings gab es dort keine Sicht, die Wolken hingen zu tief. So machten wir uns gleich weiter zur Abfahrt, nach kurzer Strecke gaben die Wolken wieder den Ausblick frei - und wir bereuten nicht, die steile Auffahrt noch ein weiteres Mal durchgeführt zu haben. Wunderbare Sichten auf die schöne Bergwelt breiteten sich vor uns aus.

Bei der weiteren Abfahrt kamen wir an den Redrocks vorbei. Glasklares Wasser des MC Donald Creek und rötliche Felsen: wir konnten uns von dem Anblick kaum lösen, so schön war es hier - und natürlich waren wir mal wieder nicht allein..... Das ganze Areal war nicht groß, alles gut zu überblicken, aber so wunderschön, dass ich einfach nicht weniger Bilder einstellen konnte.

Etwas weiter gelegen die Mc Donald Falls

Whitefish wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Pelzhändlern gegründet und 1904 an die Bahnstrecke Spokane–St. Paul/Minneapolis angeschlossen. Die meisten Einwohner arbeiteten zunächst bei der Eisenbahn oder in der Holzindustrie. Täglich hält der Empire Builder in beiden Richtungen am historischen Bahnhof Whitefish. Die Stadt liegt im Westen des Glacier Nationalparkes, hier wollten wir die nächste Nacht verbringen und machten uns erst einmal zur Besichtigung der Stadt auf:

Die Nacht verbrachten wir auf dem Parkplatz des Whitefish Moose Lodge. Auf Nachfrage durften wir dort kostenlos stehen, sollten aber zumindest an der Bar ein Bier trinken. Gesagt getan und wir machten uns abends auf in die Bar. Wie wir verstanden, musste man wohl Mitglied des Clubs sein (davon gibt es diverse in den USA, auch in Alaska haben wir solch eine Lodge mit Cathy und John aufgesucht). Aber man akzeptierte uns auch ohne Mitglieds-ausweis und bei 3 Dollar für einen Pint Bier sagten wir nicht nein. Somit verbrachten wir noch einen netten Abend mit anderen Gästen und bei dem 'Schlafmittel' fielen wir auch schnell in einen tiefen Schlaf.

 

Über Bigfork am Highway 83 kamen wir über eine seen- und waldreiche Strecke, die wir bereits im Vorjahr durchfuhren.Dieses Mal fanden wir am Rainy Lake einen kleinen kostenlosen Campground mit nur einem Stellplatz im offenen Wald und vier weitern Zeltplätzen unter Bäumen. Einzig der freie Blick auf den See fehlte uns, aber es war so schön, dass wir gleich das ganze Wochenende dort verbrachten - jeden Abend mit einem Lagerfeuer.

Am Montag machten wir nicht viel Strecke, 25 km weiter lag der Ort Seely Lake, in dem wir die Laundry nutzten und anschliessend 3 km zurück fuhren zum ebenfalls kostenlosen Larch Campground, um dort die größeren Wäschestücke in der Sonne trocknen zu lassen. Dort gab es Besuch von einem Deer.

Leider machten uns am nächsten Morgen die Ranger einen Strich durch die Rechnung: die Saison war zu Ende und die Wasserleitungen wurden geleert, so dass wir unseren Wasserkasten nicht mehr auffüllen konnten. 

Weiter über den Highway 200 nach Great Falls war der Plan. Die ersten Kilometer kannten wir noch vom letzten Jahr bis zur Abzweigung nach Helena, der Hauptstadt Montanas. Ab dann wurde die Gegend wieder neu für uns und nicht minder interessant. Bereits letztes Jahr gefiel uns Montana mit seinen Wäldern, Wiesen und der Viehwirtschaft sehr gut.

Der Staat ist der viertgrößte der USA und nur geringfügig größer als Deutschland, hat aber nur ca. 1,1 Millionen Einwohner.  Es zählt zu den sogenannten Mountain States, die von den Rocky Mountains durchzogen werden. Sein Spitzname Treasure State („Staat der Schätze“) begründet sich durch die Vielzahl an Bodenschätzen (Erdöl, Kohle, Kupfer, Silber und Gold). Ein Eindruck des schönen Landes; was uns wieder einmal auffiel war, dass auf den Wiesen nur wenige Rinder zu sehen waren. Ob der größte Teil schon zu Steaks verarbeitet wurde oder was der Grund war, ist uns nicht bekannt.

Etwa 50 km vor Great Falls machten wir einen kleinen Abstecher zum Lowery BLM Camp-ground  direkt am Sun River mit gerade einmal 5 Plätzen, wieder einmal kostenlos. Es gefiel uns sehr gut, und da sich heute die eine oder andere Regenwolke entlud, für den nächsten Tag allerdings Sonne angesagt war, blieben wir gleich 2 Nächte. 

Die Stadt Great Falls verdankt ihren Namen den Wasserfällen des Missouri, immerhin 150 m überwinden diese innerhalb der Stadtgrenzen. Zwischen 1891 und 1958 wurde ihr tosendes Wasser durch 5 Dämme gebändigt - von denen wir nur 3 entdecken konnten, die 2 anderen lagen weiter ab. Allerdings konnten wir vom River's Edge Trail aus einen Blick auf die Wehre werfen, deren Turbinen Montana mit Elektrizität versorgen.

Natürlich war ein Besuch des Lewis & Clark National Historic Trail Interpretive Center ein Muss. Im Jahre 1805 zwangen die Wasserfälle des Missouri das Expeditionskorps um die Offiziere Lewis und Clark, den Fluss zu verlassen. Etwa 30 km mussten die Männer ihre Boote bis zur nächsten schiffbaren Stelle transportieren. Von diesem kräftezehrenden Unterfangen und auch dem weiteren Verlauf der Expedition berichtet das Info-Center. Zusätzlich konnte man noch einen Überblick über das Leben der Indianer bekommen.

Doch leider konnten wir diesen Nachmittag Great Falls nicht mehr verlassen, wir hatten Probleme mit dem Auto. Ein Kühlwasserschlauch (den ich zum Glück dabei hatte) musste getauscht werden. Da der Aufwand dazu etwas größer war, wollte ich selber nicht mit meinen Bordmitteln dabei gehen. Zusätzlich mussten wir am nächsten Morgen feststellen, dass der Kühlwasserausgleichsbehälter einen Riss hatte, der auch gleich geflickt wurde. 

2 Nächte später und viele Dollar ärmer konnten wir dann endlich die Stadt verlassen. Billings und die nahe gelegenen Pictograph Cave war das nächste Ziel. Vorher machten wir noch einen Abstecher durch den Lewis & Clark Nationalpark, dazu war ein Pass bis zu einer Höhe von 2253 m zu überwinden - ein guter Test für die Dichtigkeit unserer Kühlwasseranlage, der auch bestanden wurde.  Der Herbst hat auch hier schon seinen Einzug gehalten:

Bereits bei unserem ersten Besuch vor einem Jahr gefiel uns Montana mit seinem Ranchen, den weiten Prärien und seiner Hügellandschaft sehr gut. Auch dieses Mal kamen wir aus dem Schwärmen nicht heraus, deshalb noch ein paar weitere Eindrücke:

Zufällig fanden wir einen Schlafplatz auf einer Recreation Area an einem See, der intensiv von Anglern genutzt wird. Er lag in ca. 1300 m Höhe, im Hintergrund, nördlich unseres Standortes, konnten wir frischen Schnee auf den Rocky Mountains sehen.

Doch auch in den südlicher gelegenen Bergen lag schon Neuschnee, wie wir am nächsten Morgen beim Wegfahren erkennen mussten.

Leider lohnte sich der Abstecher zu den Pictograph Cave nicht sonderlich: so wie auf dem ersten Bild sollte es aussehen, doch vieles war schon verblichen oder von den Höhlenwänden abgefallen: 

Die Anfahrt zur Cave allerdings lohnte sich, mitten in der Landschaft eine komplett andere Felsformation. Auch die Felsen innerhalb des Parks faszinierten.

Bei der Abfahrt gab es noch eine kleine Attacke: was für ein Glück, dass die Windschutz-scheibe dazwischen war:

Das Little Bighorn Battlefield National Monument lag auf unserem weiteren Weg, doch vorher besuchten wir noch das Museum in Hardin:

Die Bighorn Canyon National Recreation Area ist ein Erholungsgebiet von nationaler Bedeutung rund um den Bighorn River an der Grenze der US-Bundesstaaten Wyoming und Montana. Die menschliche Geschichte des Gebietes kann mindestens 12.000 Jahre zurückverfolgt werden. Im späten 16. Jahrhundert ließen sich Absarokee-Indianer hier nieder.  Im späten 19. Jahrhundert  siedelten sich Viehzüchter an. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre wurde die Yellowtail-Talsperre gebaut, die den Bighorn River zum Bighorn Lake staute. 1968 wurde dem Potential als Naherholungsgebiet durch die Gründung der Bighorn Canyon National Recreation Area Gewicht verliehen, das jährlich von 200.000 bis 250.000 Personen besucht wird. Doch leider war die Saison vorbei, die Talsperre konnten wir nicht mehr besuchen, da die Zuwege gesperrt waren. So blieben wir auf einem der Campgrounds und konnten nur die nähere Umgebung geniessen.

Am frühen Abend, es war noch hell und wir saßen schon am Lagerfeuer, entdeckte Brigitte in unmittelbarer Nähe die Eule auf einem toten Baum. Sie ließ sich in keinster Weise von uns stören.

Das Little Bighorn Battlefield National Monument ist eine Gedenkstätte. Sie erinnert an die Schlacht am Little Bighorn, in der am 25. Juni 1876 das 7. US-Kavallerie- regiment unter George A. Custer von Indianern der Lakota-Sioux, Arapaho und Cheyenne unter ihren Führern Sitting Bull und Crazy Horse am Little Bighorn River vernichtend geschlagen wurde.

Die Gedenkstätte am Ort der Schlacht wurde bereits 1879 als National Cemetry (National-friedhof) gewidmet, wurde 1946 zum National Monument und bekam 1991 ihren heutigen Namen. Sie liegt in dem Reservat der Crow-Indianer, zusammen mit dem Reno-Benteen Battlefield Memorial, das an das letzte Gefecht der Schlacht am Abend erinnert.

Wer mehr darüber wissen möchte, sollte diesen Wikipedia-Link öffnen:

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Little_Bighorn_Battlefield_National_Monument

 

Schon im Visitor Center wird vieles sehr plastisch dargestellt, Filmvorführungen bringen den Besuchern die Schlacht näher. Das Ganze wird noch durch Info-Tafeln auf dem Weg durch das ganze Schlachtgelände, der mit dem Auto befahren werden kann, verdeutlicht. Das Land, eine Prärie, gehört weiterhin der First Nation, die hier mittlerweile viele Pferde laufen haben. 

Die weitere Strecke gen Osten, wir waren jetzt auf den Weg nach South Dakota, führte durch First Nation Gebiet, auch hier sahen wir viele Pferde, während weiter westlich mehr Rinder auf der Prärie weideten. 

Auf einmal konnten wir sehr viele kleinere Herden der amerikanischen Antilope oder auch Gabelböcke entdecken (sie gehören nicht zur Familie der afrikanischen Antilopen). 

Für die Indianer der Prärie waren Gabelböcke wertvolle Fleischlieferanten. Da sie ein überaus häufiges Wild waren – noch 1800 gab es etwa 40 Millionen Einzeltiere in der Prärie – spielten sie im indianischen Alltag oft eine große Rolle. Wie die Bisonjagd hatte die Jagd auf Gabelböcke eine religiöse Dimension. Eine Gruppe Jäger trieb die Tiere mit Hilfe eines Feuers in die Hände einer zweiten Gruppe Jäger, in die Richtung eines Flusses oder in einen zuvor vorbereiteten Korral, ein Fanggehege für wilde Tiere. Die Nördlichen Shoshone hingegen streiften sich Felle von Gabelböcken über und pirschten sich so getarnt möglichst nah an eine Herde heran. Auch nach der Verfügbarkeit des Pferdes war die Gabelbockjagd eine anspruchsvolle Herausforderung, da Gabelböcke schneller als Pferde zu laufen vermögen.

Die Lakota begehrten die Gabelböcke nicht nur wegen ihres Fleisches, sondern auch wegen ihrer Felle, die sie gerne für die Herstellung von Kleidung verwendeten. Den Bestand des Gabelbocks konnten die amerikanischen Ureinwohner mit ihren Jagdmethoden jedoch nicht in nennenswerter Weise beeinträchtigen - das schaffte erst der weiße Mann.

Dann war es so weit, wir überschritten die Staatsgrenze Montanas, um nach South Dakota zu neuen 'Abenteuern' weiter zu reisen - davon demnächst mehr.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Andy Heincke (Samstag, 28 September 2019 17:36)

    Moin Peter, endlich mal wieder geschafft, in eurem Blog zu stöbern. Klasse!!! Bleibt gesund, herzlichen Gruß aus der Heimat, Andy

  • #2

    Iris&Klaus (Sonntag, 29 September 2019 18:21)

    Hallo Ihr Beiden,
    das sind wieder herrliche Bilder, der Herbst scheint dort sehr schön zu sein. Euch weiterhin gute Fahrt und bleibt gesund.
    Liebe Grüße aus Sauensiek.

  • #3

    Birgit und Joachim Haar (Sonntag, 29 September 2019 18:25)

    Moinsen aus Münster, liebe Brigitte und lieber Peter,
    nach wie vor treffen wir bei Euch wieder auf sehr beeindruckende und umfassende
    Berichte und ganz wunderbare Bildaufnahmen. Vielen Dank, daß wir so an Eurer Reise teilnehmen dürfen. Wir hoffen, es geht Euch gut und Ihr seid gesund und munter.
    Passt auf Euch und Oskar auf und habt weiterhin eine gute Reise nach Mexiko.
    Liebe Grüße von uns.